Rezension (5/5*) zu Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichts von Daniel Illger

L

lord-byron

Gast
Was ist Gerechtigkeit? Ein Traum für Kinder und Narren.
Der Krieger weiß, dass das Blut von unschuldigen an jedem Schwert klebt.
Der Dichter weiß, dass die Treue nur in seinen Liedern siegt.
Der Gelehrte weiß, dass die Wahrheit der Lüge dient.
Der Herrscher weiß, dass die Satten sich an den Hungrigen mästen.
Ja, Gerechtigkeit ist ein Traum für Kinder und Narren.
Doch sagt mir: Wo wären wir ohne diesen Traum?
(Seite 103 Talbides, Von gestürzten Thronen)

Mykar kommt ausgerechnet im Jahr der bösen Ernte auf die Welt und da er auch noch mit den Füßen zuerst geboren wird, halten ihn die Bewohner des Dorfes für ein Skargat-Kind. Bei uns würde man ihn ein Teufelskind nennen. Er ist ein Außenseiter. Niemand mag ihn, alle behandeln ihn wie Dreck und als seine Brüder auf die Welt kommen, da ist er 8 Jahre alt, darf er nicht mal mehr das Haus betreten und lebt in der Scheune. Als die Kinder des Dorfes ihn mal wieder bedrängen, kommt ihm Cay zu Hilfe und wird Mykars Held, denn er behandelt ihn gut und ist ihm ein echter Freund. Als Jahre später Cays Freundin getötet wird, halten die Dorfbewohner natürlich Mykar für den Mörder, erschlagen ihn und vergraben ihn im Wald. Aber Mykar ist nicht tot. Als Cay Jahre später verhaftet wird, weil er einen Adligen umgebracht haben soll, will Mykar ihn unbedingt retten, so wie Cay damals ihn gerettet hat. Er macht sich auf den Weg zur Perle, wo das Gefängnis liegt, und lernt unterwegs den versoffenen adligen Justinius und seine Dienerin Scara kennen. Die Beiden beschließen Mykar zu helfen. In der Perle angekommen, trifft Mykar auf Vanice, die sich ihrem Kampf anschließt. Können sie Cay vor dem Scheiterhaufen retten? Oder steckt viel mehr dahinter, als die kleine Gruppe auch nur ahnen kann?

Ich hatte das tolle Cover des Buches gesehen und es landete sofort auf meiner Wunschliste. Als ich dann sah, dass es bei Lovelybooks eine Leserunde zu dem Buch geben sollte, hatte ich mich sofort beworben und meine Glücksfee war mir sogar hold. Sobald das Buch bei mir angekommen war, stürzte ich mich darauf und war von der ersten Seite an gefesselt. Was das Buch für mich besonders interessant machte, war die Vermischung von Fantasy und Horror. Das gibt es so gut wie nie und hat total meinen Geschmack getroffen.

Die Geschichte ist teilweise sehr düster und bedrückend, doch als dann Justinius und Scara, die etwas anders ist als andere, ;-) dazukommen, erhält es eine gewisse Leichtigkeit durch die teilweise absurden und witzigen Dialoge der Beiden. Kleines Beispiel gefällig?

Ist mein Lieblingsdialog Achtung Spoiler:

Justinius hatte sich ein Pferd gekauft und Scara hatte Angst, dass ihr geliebter Esel Schlappi dann vielleicht nicht mehr gebraucht wird. Das Pferd ist ein Kutasier und es entspinnt sich folgender Dialog:

Scara möchte, dass Schlappi den Wagen zieht und wenn sein ganzer Lohn sein soll, dass er neben einer Kuh im Stall stehen soll.

Justinius fragt darauf, von welcher Kuh Scara denn spricht.

Scara (spitz): "Du sitzt darauf, falls es dir entgangen sein sollte."

Justinius (finster): "Das ist ein Kutasier Scara. Eines der edelsten Pferde, die es gibt."

Scara (überlegen): "Sag ich doch: Kuh-tasia. Die Frage ist natürlich: Heißt die Kuh Tasia oder gehören die Kühe den Tasiern?"

Justinius (wutentbrannt): "Das Pferd heißt Rhalana. Und Kutasi ist ein Land. Es liegt weit im Süden und damit natürlich jenseits des Horizonts einer verblödeten Schnepfe wie dir."

Scara (nüchtern): "Das muss aber ein komisches Land sein, wenn sie dort nicht zwischen Kühen und Pferden unterscheiden können."

Justinius (gefährlich): Scara...!

Scara (nachdenklich): "Wobei ich zugeben muss, dass ich deine neue Kuh auf den ersten Blick auch für ein Pferd gehalten hätte."

Justinius (tobend): SCARAAAA!!! (Seite 469)

Spoiler Ende

Ich liebe diese Dialoge und musste oft herzhaft lachen. Sie nahmen dem Buch den Schwermut und teilweise die Bedrückung.

Justinius ist am Anfang nur schwer zu durchschauen. Aber je mehr man von ihm erfährt, ums mehr merkt man, dass unter seiner rauen Schale ein sehr weicher Kern sitzt. Aus Scara wird man nicht ganz schlau. Einerseits wirkt sie ziemlich verrückt, aber trotzdem scheint sie oft zu wissen um was es geht und was von Nöten ist um die Sache gut zu überstehen. Sie bleibt auch bis zum Schluss ein Geheimnis, das sich hoffentlich in Band 2 aufklären wird.

Mykar ist ganz klar von Anfang an der Sympathieträger, aber er entwickelt sich im Laufe der Geschichte immer weiter. So wie eigentlich alle Charaktere. Und Vanice ist eine geheimnisvolle Dame, die am Anfang sehr viele Rätsel aufgibt, die ich aber schnell lieb gewann. Ich finde diese Charaktere alle sehr authentisch und für mich wurden sie beim lesen richtig gute Freunde, mit denen ich ins Abenteuer zog.

Was mir noch sehr gut an dem Buch gefallen hat ist, dass viele Dinge nicht so sind wie sie scheinen. Es gibt sehr viele Fragen und Geheimnisse, die sich erst nach und nach dem Leser offenbaren. Das macht das Buch unglaublich spannend. Ich bin so verrückt nach dieser Geschichte, dass ich teilweise versuchte mit Migräne weiterzulesen, weil ich es nicht ertragen konnte, eine Pause zu machen. Das sagt wohl alles. Oder?

Bei dem Buch gibt es auch nicht diese typische Einteilung in gut und böse. Jeder hat seine Facetten und ein guter Kerl kann ganz schnell einmal in eine Situation kommen, wo er das Falsche, das Böse tut. Das war sehr faszinierend und gab der Geschichte etwas besonderes. Es gab auch einige eklige Stellen, die aber total gut geschrieben waren. Hach ihr merkt schon, ich bin wirklich nur am Schwärmen und kann einfach nichts negatives finden, außer vielleicht, dass ich jetzt auf den 2. Teil warten muss. Das wird schon ziemlich hart für mich werden.

Ich vergebe für dieses tolle Buch, das mich so wundervoll unterhalten hat 5 von 5 Punkte, den Favoritenstatus und eine absolute Lesempfehlung für alle, die düstere Fantasy mit Horrorelementen mögen. Für mich ist es jetzt schon eins der Lesehighlights des Jahres und ich frage mich, was das noch toppen soll. Bitte Herr Illger, beeilen sie sich mit dem Schreiben, denn ich kann es kaum noch erwarten zu erfahren, wie es mit meinen Freunden weiter geht. Was muss das Buch auch gerade an so einer spannenden Stelle enden?

© Beate Senft

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