Rezension (5/5*) zu Die Tänzerin im Schnee: Roman von Daphne Kalotay

H

HoldenCaulfield

Gast

Inhalt:
Nina Rewskaja, eins eine gefeierte Ballerina ist nun an den Rollstuhl gefesselt. Ihr Ruhm ist längst verblasst. Als sie beschließt ihre Schmucksammlung zu verkaufen, weckt dies die Neugier von Professor Grigori Solodin, er glaubt das der Schmuck ein lang gehütetes Geheimnis endlich entschlüsseln könnte. Gemeinsam mit der Auktionatorin Drew Brooks macht er sich auf die Spurensuche, die bis in das Moskau der Nachkriegszeit führt...

Meine Meinung:
Was bleibt zurück wenn man den Buchdeckel zuklappt und über die Handlung nachdenkt? Vor allem ein eher trauriges, nachdenkliches Gefühl. So viele Missverständnisse, erwachsen aus einem System das den Menschen letztendlich keine andere Wahl als Misstrauen gelassen hat. Selbst dann wenn sie eher Anhänger als Gegner waren.

Daphne Kalotays Roman ist der Versuch die Gefühle und Ängste von Künstlern in der Sowjetunion begreiflich zu machen. Und meiner Meinung nach ist ihr das auch gelungen. Gerade weil sie die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft, in dem sie nur einen Erzählstrang in der Vergangenheit spielen lässt. So zeigt sie auch das man beide nicht voneinander trennen kann, das die Gegenwart immer davon beeinflusst ist was früher war. Auch dann wenn man alles verdrängt hat und die Augen schließt.
Dabei spielt auch das Ballett und vor allem Ninas Liebe dazu eine große Rolle. Um diese Tanzkunst entspinnt sich erst die ganze Handlung. Das Ballett ist der eigentliche Ausgangspunkt, auch wenn die Auktion den Rahmen darstellt. Interessant dabei auch die Verknüpfung der Auktionsstücke mit dem einzelnen Kapiteln. Jedem Kapitel ist eine Beschreibung eines der Schmuckstücke vorangestellt. Oft spielt dann gerade dieses eine Rolle, oder taucht irgendwie symbolisch im Kapitel auf.

Aber "Die Tänzerin im Schnee" handelt auch von Grigori, dem Philologen der nach seiner eigenen Geschichte sucht. Wobei ich zugebe das mir relativ schnell klar war, in welche Richtung sich hier die Lösung bewegen könnte. Das hat mich allerdings nicht gestört, da mir hier andere Dinge wichtiger waren. Die Beziehungen der Figuren unter einander sind viel entscheidender als die Frage die sich Grigori zu Beginn stellt. Und dann ist auch Drew Bell eine schöne Figur, die alles ein bisschen zusammenhält. Sie hat sowohl zu Nina als auch zu Grigori Kontakt und ist insofern wichtig, als das sie durch ihre Anwesenheit immer eine Verbindung zwischen den beiden schafft, auch dann wenn diese grade in anderen Handlungssträngen erst einmal gekappt wurde.

Der Roman hat mich immer wieder unwillkürlich an Ballett erinnert. Eine sehr schöne Folge von Figuren und Kompositionen die nach und nach ein vollkommenes Ganzen bilden. Das klingt jetzt vielleicht etwas pathetisch, aber irgendwie ist auch der Roman manchmal etwas pathetisch, also passt das ja dann wieder.

Mir hat "Die Tänzerin im Schnee" jedenfalls sehr gefallen, gerade weil er Kunst und Geschichte so schlau miteinander verknüpft und zugleich eine sehr traurige, aber dadurch auch realistisch wirkende Geschichte erzählt. Und das so, das man sich nicht belehrt sondern unterhalten fühlt.

HoldenCaulfield

Zum Buch... (evtl. mit weiteren Rezensionen)
 
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