Rezension (5/5*) zu Die Schwerelosen von Valeria Luiselli

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"Die Schwerelosen" ist ein ungewöhnlicher, eigenartiger Roman, dessen Inhalt man kaum zusammenfassen kann und in den man sich erst einlesen muss.
Der Roman wechselt von der Gegenwart in die Vergangenheit, von der Lüge zu der Wahrheit, von der Fiktion zur Realität.
Am Anfang des Romans heißt es:
"Romane haben einen langen Atem. Das wollen die Romanschreiber. Keiner weiß genau, was das bedeutet, aber alle sagen: langer Atem. Ich habe ein Baby und ein mittleres Kind. Die lassen mir keine Luft. Alles, was ich schreibe, ist - es geht gar nicht anders - kurzatmig. Wenig Luft." Zitat S. 10

Und so verhält es sich auch im Roman. Die Absätze sind meist kurz, es gibt keinen langen Erzählfluss.
Zu Beginn ist die Handlung noch klar: Eine Frau, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Mexico City lebt, schreibt an einem Roman, auch um Raum für sich zu haben. In ihrer Lebenssituation fühlt sie sich nicht ganz wohl, sie fühlt sich eingesperrt. In ihrem Roman erzählt die Frau von ihrer Zeit in New York, wo sie als Lektorin arbeitete. In jener Zeit war sie noch unabhängig, hat mal hier und mal dort geschlafen. Damals versuchte sie ihren Verleger davon zu überzeugen, Werke von Gilberto Owen, einem unbekannten mexikanischen Dichter, zu publizieren. Sie glaubte, Owen in der U-Bahn gesehen zu haben. Um ihr Ziel zu erreichen, bedient sie sich der Lüge.
Von nun an kommt eine weitere Erzählstimme, die von Owen, hinzu; die Grenzen verschwimmen und es ist nicht mehr ganz klar, was Fiktion und was Realität ist. Luiselli führt den Leser auf unterschiedliche Spuren, eine Auflösung hat der Roman nicht.
"Eine Struktur voller Löcher schaffen, damit man immer zur Buchseite vordringen, sie bewohnen kann. Nie mehr als nötig reinstopfen, nie ausstaffieren, weder möblieren noch dekorieren. Türen und Fenster öffnen. Mauern hochziehen und wieder einreißen." Zitat S. 19
Nach Beenden des Romanes hatte ich gleich das Gefühl, ihn nochmals lesen zu müssen, nicht alles verstanden oder herausgelesen zu haben - und dennoch ein lesenswertes Buch, voll mit skurrilen Ideen, Bildern und mit einr wunderbaren Sprache gelesen zu haben.
Als Beispiel führe ich diesen Satz an, der mir noch unverständlich bleibt:
"Ein horizontaler Roman, vertikal erzählt. Ein Roman, der von außen geschrieben werden muss, damit man ihn von innen heraus lesen kann. Zitat S. 81

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Zum Buch... (evtl. mit weiteren Rezensionen)
 
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