4. Leseabschnitt: Seite 309 bis Ende

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Miss Ellis rettet den wichtigen Brief aus dem Feuer; sie hätte alle retten können. Dumme Nuss. Dann macht sie sich noch nicht mal aus dem Staub.
Mr Siddal verbrennt allen Schriftverkehr. Sein Motiv dafür ist für mich nicht stichhaltig. Scham? Sein Sohn hätte alles geordnet und in Ordnung gebracht, er hätte keinen Finger rühren müssen.
Ansonsten gibt es jede Menge Philosophie, die mich leider - ich muss es zugeben - etwas gelangweilt hat.
Am Ende sterben nur sehr wenige, Ms Cove ist wieder einmal davongekommen, das ist nicht gut- aber die Covekinder haben ja wohl einen Schutzengel - und es gibt keinen richtigen Bogen zurück zu dem sommerfrischenden Pfarrer und seinem Gastgeber. Die beiden hätten das letzte Wort verdient gehabt. Da wir mit ihnen in das Klippenabenteuer starteten. Und ich die Predigt "hören" wollte.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Sein Motiv dafür ist für mich nicht stichhaltig. Scham?
Ich denke, es ist einfach die Trägheit gewesen, die ihn letztlich auch als Todsünde das Leben kostete.
Ansonsten gibt es jede Menge Philosophie, die mich leider - ich muss es zugeben - etwas gelangweilt hat.
Mich auch leider. Diese lange Szene beim "Gelage", als alle durcheinander über Politik reden, passt in meinen Augen nicht so gut zum ansonsten eher leichten Tonfall.
Ms Cove ist wieder einmal davongekommen
Aber sie ist doch unter den Opfern, weil sie erst am nächsten Morgen abreisen wollte. (405)
und es gibt keinen richtigen Bogen zurück zu dem sommerfrischenden Pfarrer und seinem Gastgeber. Die beiden hätten das letzte Wort verdient gehabt.
Das hätte ich auch erwartet. Ein Epilog mit den beiden Pfarrern. Schade.
 

Christian1977

Bekanntes Mitglied
8. Oktober 2021
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Ich bin am Ende ein wenig enttäuscht über den Ausgang, denn letztlich sind tatsächlich genau diejenigen die Opfer, die wir erwartet hatten. Kein Überraschungseffekt. Gelungen war allerdings noch einmal die Szene mit dem Wein, weil man hier tatsächlich nicht wusste, ob jemand von den Anwesenden zum Hotel zurückkehren würde.

Stark zuvor auch der Traum von Mr. Paley, der das drohende Unheil zum Höhepunkt treibt. Die Debatte beim Gelage und auch den Dialog zwischen Gerry und Evangeline fand ich hingegen etwas langatmig und anstrengend.

Respekt übrigens an @Wandablue ! Wie bitte schön konntest du das mit dem Bandwurm vorhersehen? :think

Übrigens finde ich Gott als Ursache für das Unglück einerseits lässig, andererseits wirkt es so, als sollten sich nun alle freuen, dass die Sieben endlich tot sind. Moralisch zweifelhaft
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
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Brandenburg
Mich auch leider. Diese lange Szene beim "Gelage", als alle durcheinander über Politik reden, passt in meinen Augen nicht so gut zum ansonsten eher leichten Tonfall.
Es wirkt so als ob Margaret zuguter Letzt unbedingt alles "richtig" machen wollte. Hätte sie ihren leichten Ton beibehalten und auch das Fest nicht als ein langweiliges, sondern ein heiteres gestaltet, ein paar Spitzen hie rund da, die man sich zuwirft und ein oder zwei unerwartete Opfer, wärs ein rundes 5 PunkteBuch geworden. Oder wenigstens die zwei Pfarrer noch ein wenig plaudern lassen oder was weiß ich. Schade, dass der Schluss so lahm ist. Oder ein Epilog mit Zeitsprung. *seufzttief*.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Ohne eure Kommentare zu lesen, fange ich mal an:
Ich musste nun unbedingt das Buch zu Ende lesen, wollte Wissen, wer denn nun überlebt.
Die Autorin hat es spannend gemacht. Anna z.B. wollte abreisen, ließ sich aber noch auf eine weitere Nacht ein. Duft wollte diese Nacht bei ihr verbringen, hat es dann aber bleiben lassen.
Dann das Drama mit den ungelesenen und verbrannten Briefen. Hätte Mr. Siddal nicht diese blöde Angewohnheit gehabt, seine Briefe nicht zu lesen, hätte die Katastrophe verhindert werden können.
Miss Ellis hat den besagten Brief gefunden, macht aber nicht das einzig Richtige. Nur gegenüber Mrs. Giffords macht sie eine Andeutung, aber die will auf keinen Fall ihr Bett verlassen.
Manche haben Ahnungen, so Mr. Paley und Sir Henry und die Tiere natürlich. Die Katze hat ab, ebenso die Mäuse und die Kaninchen.
Das letzte Kapitel „ Der vergessene Wein“ erhöht nochmals die Spannung. Eigentlich banal, aber da der Leser weiß, was geschehen wird, fiebert er mit.
Und am Ende: Mein Herz freut sich, die Bösen liegen unterm Stein, die Guten werden gerettet. Das mag manche unbefriedigt lassen, für einen „ nostalgischen Sommerkrimi“ ist es ein guter Schluss.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Ich denke, es ist einfach die Trägheit gewesen, die ihn letztlich auch als Todsünde das Leben kostete.
Stimmt!
Ms Cove ist wieder einmal davongekommen, das ist nicht gut
Nein, die war doch noch im Haus.
Diese lange Szene beim "Gelage", als alle durcheinander über Politik reden, passt in meinen Augen nicht so gut zum ansonsten eher leichten Tonfall.
Diese Passagen konnten die damaligen englischen Leser wohl besser einordnen.
Oder ein Epilog mit Zeitsprung. *seufzttief*
Den dürfen wir uns ausmalen. Vielleicht finden Bruce und Nancibel doch noch zusammen ? Und Mrs. Paley nimmt sich der Cove-Kinder an.
Ein Epilog mit den beiden Pfarrern
Ich werde nun einfach den Prolog nochmals lesen.
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Jap, das Ende war mir jetzt auch ein wenig zu "geordnet". Schön aufgeteilt in Gut und Böse und nur mit der Unschlüssigkeit Mrs Siddals, den Wein hinterherzutragen, ein wenig auf Spannung getrimmt.
Die Beschreibung der Kostüme mit all ihren Details und natürlich Hebes Cupido-Darstellung, fand ich im Anbetracht, dass der Leser ja weiß, was kommt, etwas überflüssig, manchmal sogar unwahrscheinlich. Woher kamen all diese Verzierungen? Gekauft?

Die Vertreter der sieben Todsünden hat es alle erwischt. Mich hätte aber auch der Ausgang der anderen "Geschichtchen" interessiert: Geht Gerry nach Afrika? Kommt Bruce nochmal zurück und holt sich Nancibel? Ziehen die restlichen Giffords nach Gurnsey? Was ist aus dem schwarzen Bernstein geworden?

Ich denke, dass der Felssturz eine natürliche Ursache hatte. Die Flucht der Fauna spricht dafür.

Und ich hadere mit Botts Hadern! Er sprach zuerst mit den Überlebenden, er sah die zerstörte Landschaft. Aber er ist Seelsorger, der Krieg liegt noch nicht lang zurück. Es war ein Unglück. Sind ihm alle Geheimnisse und Verfehlungen der Opfer bekannt, dass er darin ein Zeichen erkennt?
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Also war der Klippensturz anscheinend doch eine Folge der Explosion in der Mine einige Zeit zuvor. Es gab Warnungen, aber keiner hat sie Ernst genommen. Und da die Menschen sowieso den Kontakt zur Natur verloren haben, nahmen sie auch diese Anzeichen nicht wahr: die Vögel, die dort nicht mehr nisteten, die Mäuse, die das Hotel verlassen, die flüchtenden Kaninchen und Schlangen. Alle bemerken das, aber keiner denkt sich etwas dabei.

Diese letzen Seiten waren OK, aber die Geschichte ist doch ein wenig abgeflacht. Allerdings sind unsere boshaften Wünsche in Erfüllung gegangen und es hat genau die Richtigen ;)

Vorher haben sie noch alle ihre boshaften Ansichten und ihre halbphilosophischen Gedanken über alles Mögliche kundgetan: eine gerechte Gesellschaft, Dankbarkeit etc. Jeder sagt das Seine, alle reden aneinander vorbei, so wie es in der Wirklichkeit auch meist ist. Aber das hat dem Ende ein wenig die Spannung genommen.

Nancibel hat mir wieder besonders gefallen: sie geht einfühlsam und verständnisvoll mit Hebe um und sie geht ihren Weg anstatt sich von Brians Vater oder ihrer Mutter zu einer Heirat überreden zu lassen. Sie denkt ja auch noch an Bruce, wobei ich folgenden Satz sehr schön fand:​

'Wogegen Bruce in ihrem Herzen plötzlich ein Fenster aufgerissen hatte, das auf eine seltsame, bisher unentdeckte Landschaft zeigte.' (311)​
Über Duff musste ich lachen, weil er seine Musik über seine mögliche sexuelle Erfahrung mit der 'Schriftsteller-Tante' stellt:

'Er war überzeugt, dass er mit ihr nicht den gleichen Genuss empfinden könnte wie mit der g-Moll-Symphonie.' (329)

Und wie wahr, besonders der zweite Teil des Satzes von Mr. Siddal:​

'Ich bin geboren, um zu sterben, und habe Verstand, um zu irren.' (355)
 

Federfee

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13. Januar 2023
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es gibt keinen richtigen Bogen zurück zu dem sommerfrischenden Pfarrer und seinem Gastgeber.
Schade, das hätte gut gepasst und abgerundet.
Diese lange Szene beim "Gelage", als alle durcheinander über Politik reden, passt in meinen Augen nicht so gut zum ansonsten eher leichten Tonfall.
Das wäre irgendwann vorher besser gewesen. Oder wollte die Autorin es für uns besonders spannend machen, 'uns auf die Folter spannen'?
Hätte Mr. Siddal nicht diese blöde Angewohnheit gehabt, seine Briefe nicht zu lesen, hätte die Katastrophe verhindert werden können.
Auch. Aber es hätte auch jeder denkende und beobachtende Mensch sich seine Gedanken über die sich vergrößernden Risse machen können und die Konsequenzen daraus ziehen.
die Bösen liegen unterm Stein, die Guten werden gerettet. Das mag manche unbefriedigt lassen, für einen „ nostalgischen Sommerkrimi“ ist es ein guter Schluss.
Ich finde es auch OK und passend.

Im Prolog steht schon, dass Mr Siddal es nicht überlebt hat.
Ach, schau' an, hab' ich auch nicht registriert. Es ist oft so, dass man Prologe nach einigen Kapiteln noch mal lesen muss oder am Ende.
Mich hätte aber auch der Ausgang der anderen "Geschichtchen" interessiert:
Das muss der Leser sich selbst ausdenken. Ich meine, es hätte den Rahmen des Buches gesprengt und es wäre vielleicht kitschig geworden. Es bleibt eben offen wie im wirklichen Leben auch.
Ich denke, dass der Felssturz eine natürliche Ursache hatte. Die Flucht der Fauna spricht dafür.
Halb und halb. Es hat ja vorher eine Minenexplosion in einer kleinen Höhle gegeben, vielleicht ein Überbleibsel vom Krieg: angeschwemmte Minen ...
 
Zuletzt bearbeitet:

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Oder wollte die Autorin es für uns besonders spannend machen, 'uns auf die Folgter spannen'?
Falls dem so sein sollte, fand ich das tatsächlich eher kontraproduktiv. Das Gelage ist letztlich so etwas wie das Anti-Fest. Hier debattieren die Opfer und reden aneinander vorbei, später quasseln die Überlebenden in Feierlaune und ausgelassener Stimmung alle durcheinander.
 

dracoma

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16. September 2022
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Mr Siddal verbrennt allen Schriftverkehr. Sein Motiv dafür ist für mich nicht stichhaltig.
Ich sehe nur ein Motiv: Vogel Strauß. Er hat jede Menge Warnungen und Aufforderungen erhalten, das Haus zu verlassen; hätte er die Briefe geöffnet, hätte er der Wirklichkeit ins Auge geblickt und sich nicht mehr verstecken können.

Diese Figur bleibt für mich aber irgendwie nicht rund. Am Schluss japst er herum und jammert über sein Herz; wieso das auf einmal?

Allerdings habe ich lachen müssen über seine Bezeichnung "Antinous" für Bruce. Mr. Sidal hat einfach Witz! Antinous ist der jugendliche Geliebte des Kaisers Hadrian, der unter unklaren Umständen im Nil ertrank; es gibt Stimmen, die von einem Suizid sprechen, weil ihm die sexuellen Nachstellungen Hadrians zu viel wurden.
Und das passt so schön zu diesem Bruce, der sich aus dem Staub macht :rofl !

Diese lange Szene beim "Gelage", als alle durcheinander über Politik reden,
Dieses große Lamento der Erwachsenen, wo sie alle noch einmal zusammenkommen,
das hat mir ganz gut gefallen. Stimmt schon, sie reden über Politik und schimpfen über die Zustände in ihrem Land.

Aber sie benennen auch die Ursachen:

Anna schimpft über die Intoleranz der Menschen,
Mr. Paley schimpft über das Streben nach Gleichheit,
der Kanonikus schimpft über die Gottlosigkeit (was immer das ist)
und Miss Ellis schimpft auch: über den Luxus der Reichen, der die Armen neidisch macht und sie zur NBachahmung bringt.
Und Lady Gifford schimpft über die Sucht nach Geld. Da schimpft die Richtige...

Und Mr. Siddal (ich mag ihn halt...) beklagt die mangelnde Solidarität unter den Menschen. Er vermisst die Bescheidenheit und die Dankbarkeit, die für ihn die Voraussetzung zur Solidarität sind.
Da könnte man drüber nachdenken...
Vielleicht finden Bruce und Nancibel doch noch zusammen ?
Nein! Ich bin dagegen!
Denkt an den toten Radfahrer!

Über Duff musste ich lachen, weil er seine Musik über seine mögliche sexuelle Erfahrung mit der 'Schriftsteller-Tante' stellt:
Das fand ich auch witzig! Ein sehr vernünftiger Junge!

In dem letzten LA wird Mrs Siddal an die Seite von Lady Gifford gestellt. Dass auch Mrs Siddal sich an einem ihrer Kinder versündigt, ist deutlich, und Gerry emanzipiert sich im Lauf der Geschichte von seiner Mutter. Wir hätten hier also drei Frauen, die ihrer Mutterrolle nicht gerecht werden. Als die Beziehung Gerry-Evangeline bekannt wird, fällt Mrs Siddal in Ohnmacht und erpresst mit ihrem "Krankenlager" die Familie.
Genau wie Lady Gifford.

Lady Giffords Bandwurm - ist ja eklig.

Mit Hebe komme ich nicht recht klar. Sie bestimmt das Fest (S. 340), und sie hat einen "diktatorischen Tonfall" (S. 343). Ist das die Gier nach Macht, eine der 7 Todsünden?
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
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Mit Hebe komme ich nicht recht klar.
Ein unglückliches Kind, das darunter leidet, dass es nicht geliebt wird. Von der eigenen Mutter hergegeben, von der Adoptivmutter als Demonstration der Selbstlosigkeit benutzt. Manche Kinder werden dabei ganz still und noch unsichtbarer, andere schreien laut nach Aufmerksamkeit.