4. Leseabschnitt: Seite 260 bis 355 (2. Buch, Kapitel 2)

Wandablue

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Nach der Heirat wird beiden immer wieder klar, dass sie sehr frustrierte Menschen sind. Keiner hatte eine Ahnung, wie der andere tickt und wundert sich jetzt. Aber man kann kein klärendes Gespräch führen, da sie beide das nicht gelernt haben und Konflikte anstrengend sind.

Der Sex hält die Ehe noch zusammen. Aber Gloria macht schon so Andeutungen, dass ihr auf Dauer ein Mann nicht genüge. Weil sie irgendwie ihrer Langeweile begegnen muss. Und sie kennt nur diese Art Zerstreuung, sich von anderen anhimmeln zu lassen.

Es gibt erste Machtkämpfe. Anthony gewinnt. Aber der Preis ist hoch. Ihre innere Verbindung, die sowie so recht lose war, ist kaputt gegangen.

Interessant gefunden habe ich die Unterhaltung über frühere erotische Kontakte. Auch bei Fitzgerald gilt es noch als ausgemacht, dass die Frau keine sexuellen Beziehungen vor der Ehe haben durfte. Der Mann dagegen schon. (Ekelhaft). Gloria mag sich modern vorkommen, weil sie viele Boys geküsst hat (interessant auch die Bemerkung einer ihrer Verehrer, sie sei ein öffentlich zugängliches Trinkglas gewesen oder so ähnlich). Aber eigentlich ist sie keineswegs modern, sondern recht konventionell.

Schön, dass sie die schwedische Hausangestellte nur deshalb behalten haben, weil sie häusliche Probleme hatte: wenigstens die Spur eines guten Herzens ist zu erkennen.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Dann fand ich die Unterhaltung über die Erhaltung von alten Häusern intereressant.
Gloria ist abergläubisch.
Gloria kann länger bei einem Thema bleiben, wenn es sie interessiert als Anthony.
Der Erste Weltkrieg spielt kaum eine Rolle. Nur der Großvater Anthonys verfolgt ihn aufmerksam. Beinahe wäre es ihm gelungen, Anthony als Kriegsberichterstatter nach Europa zu schicken. Schade, dass es nicht geklappt hat.

War Gloria schwanger und hat das Kind beseitigen lassen oder hab ich da was missverstanden? Die zart besaitete Gloria bei einer Engelmacherin? Und kein Wort weiter davon? Kann ich mir schwer vorstellen.
 

Querleserin

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War Gloria schwanger und hat das Kind beseitigen lassen oder hab ich da was missverstanden?
Das habe ich mich auch gefragt. Sie war sich nicht sicher, ob sie schwanger ist, hielt es aber für möglich. Dann hat sie jemanden besucht und als sie zurückkehrt, sagt sie nur "Alles in Ordnung" (285) und strahlt dabei.
Das könnte auch bedeuten, dass sie gar nicht schwanger gewesen ist - auch weil sie überrascht war, oder eben, dass sie das Kind hat "wegmachen" lassen. Gloria als Mutter kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

Ihren ersten Streit hat @Wandablue schon erwähnt, ein schönes Zitat dazu, das die zunehmende Frustration in der Ehe beschreibt:
Trotzdem war ihr schon in diesem Moment klar, dass sie mit der Zeit vergessen würde und dass das Leben selten mit einem Schlag zerstört, sondern allmählich abträgt. (276)
Ohne sie wird er auch nicht als Kriegsberichterstatter arbeiten können. Die beiden sind zusammengeschweißt in einer ungesunden Mischung aus Nichtstun, Verschwendung und hemmungslosen Gelagen. Wenn Fitzgerald sein eigenes Leben in diesem Roman verarbeitet, dann war es ein wirklich ausschweifendes.
Anthony gelingt es nicht zu arbeiten, um ihren ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren. Statt dessen wartet er auf das Erbe seines Großvaters.
Was mich stört, ist, wie sie ihren Hausangestellten Tana behandeln.
Aber ich muss sagen, dass es sich etwas kurzweiliger liest...
 

Renie

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Es gibt erste Machtkämpfe. Anthony gewinnt. Aber der Preis ist hoch. Ihre innere Verbindung, die sowie so recht lose war, ist kaputt gegangen.
Anthony gewinnt zwar, aber irgendwie doch nicht. Denn er merkt, dass er Gloria bezwungen hat, aber damit auch gleichzeitig Dinge wie ihren Stolz und ihre Stärke, die für ihn ihren Reiz ausmachen, beschädigt hat. Insofern wird der vermeintliche Sieg zum Eigentor. ;)
 

Renie

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Anthony als Kriegsberichterstatter nach Europa zu schicken. Schade, dass es nicht geklappt hat.
Erstaunlich. Eine sinnvolle Tätigkeit hätte unserem Anthony sicherlich gutgetan. Gloria und Anthony meiden das Arbeiten wie die Pest. Fast könnte man meinen, dass beide erleichtert sind, wenn sie eine Ausrede haben, nicht zu arbeiten.
Zumindest Gloria scheint an der Sinnhaftigkeit des Lebens und Alltags, das die beiden führen, leise Zweifel zu entwickeln. Nun gut, Schauspielerin ist nicht unbedingt ein sinnvoller Beruf, aber immerhin ein Anfang. Und auch hier hatte ich wieder den Eindruck, dass sie sich nicht groß gewehrt hat, als Anthony ihr davon "abgeraten" hat.
 

Renie

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Wenn Fitzgerald sein eigenes Leben in diesem Roman verarbeitet, dann war es ein wirklich ausschweifendes.
Oh ja, das war es. Ich sehe sehr viele Parallelen zu dem Leben von Frances und Zelda: Glanz und Glamour, ausschweifende Parties und Reisen, Alkoholismus, finanzielle Probleme; eine Zelda, die versucht, beruflich (schriftstellerisch) Fuß zu fassen, aber von ihrem Mann ausgebremst wird.
Obwohl ... als FSF diesen Roman veröffentlicht hat, ging es den beiden noch richtig gut. Der Absturz kam erst später. Es scheint, als ob sich FSF mit diesem Roman als vorausschauend erwiesen hat, was die Abwärtsentwicklung seines eigenen Lebens anging. :oops:
 

Querleserin

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Ich sehe sehr viele Parallelen zu dem Leben von Frances und Zelda: Glanz und Glamour, ausschweifende Parties und Reisen, Alkoholismus, finanzielle Probleme; eine Zelda, die versucht, beruflich (schriftstellerisch) Fuß zu fassen, aber von ihrem Mann ausgebremst wird.
Du hast eine Biografie erwähnt über die beiden oder einen Roman, der von ihrem Leben erzählst. Könntest du das Buch hier mal einstellen :)
 
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Anjuta

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Zu Beginn von LA 4 gibt es ein paar Aufhänger, an denen sich die Handlung und die Charaktere endlich etwas entfalten und entwickeln könnten: Gloria ist schwanger und Anthony hat die Idee bekommen, als Kriegskorrespondent nach Europa zu gehen. Kurz wird darüber nachgedacht, was aus diesen Entwicklungen werden könnte, dann fallen sie aber einfach unter den Tisch. Sogar die Schwangerschaft, die sich ja auf jeden Fall weiterentwickelt, wird im ganzen weiteren LA nicht mehr angesprochen. Statt dessen entschied der Autor sich dazu, uns einen absurden Nachtausflug vom grauen Haus zum Bahnhof des Ortes zu schildern, an dessen Ende einer der Freunde rauchend auf dem Dach sitzt und vor sich hin labert. Na ja, was soll uns das nur verdeutlichen neben dem, was wir schon nach dem ersten LA bemerkt hatten: Die Gesellschaft, die uns hier geschildert wird, ist tumb, selbstgefällig und zu nichts zu gebrauchen. Und Satire kann ich darin nur wenig entdecken. Eher tiefste Depression des Autors über seine Zeit und seine Zeitgenossen. Ich hoffe doch sehr für ihn, er konnte auch andere Erfahrungen in seinem Leben machen.
 

Literaturhexle

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Statt dessen entschied der Autor sich dazu, uns einen absurden Nachtausflug vom grauen Haus zum Bahnhof des Ortes zu schildern, an dessen Ende einer der Freunde rauchend auf dem Dach sitzt und vor sich hin labert. N
Also diesen Ausflug empfand ich ebenfalls als komplett überflüssig! Deine Zusammenfassung trifft es bestens.
Ich hielt auch die Schauspielerei für eine abgemachte Sache. Der alte betuchte Freund war doch mit ihr zum Vorsprechen unterwegs... Aber auch dieser Faden ist in der Versenkung verschwunden.

Ich vermute, dass sich der vortreffliche Adam Patch für den Krieg engagiert. Vielleicht legt er sein Vermögen in Kriegsgerät an, bei den Komplimenten, die er bekommt. Vielleicht wird am Ende gar kein Erbe mehr da sein?

Zum ersten Mal habe ich mich gelangweilt. Dieses Paar driftet immer mehr in Exzesse ab, eine Dummheit jagt die nächste. Das wirkt ermüdend, gerade über die letzten 40 Seiten des LA. Beide wirken unglaublich unreif und realitätsfremd. Auch die Diskussion um das Kind?! Völlig erstaunt schienen sie angesichts der Schwangerschaft zu sein. Eine Abtreibung stellen sie sich vor wie einen Spaziergang, total verantwortungslos und kindlich. Sehr seltsam. Man kann von Glück sagen, wenn dieses Elternhaus einem Kind erspart wird.
 

Renie

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Dieses Paar driftet immer mehr in Exzesse ab, eine Dummheit jagt die nächste.
Wobei die Exzesse immer heftiger werden. Scheinbar bringen moderate Parties nicht mehr den nötigen Kick, so dass Steigerungen erforderlich sind: mehr Alkohol, mehr Peinlichkeiten.
Aber ich gebe dir Recht. Den einen oder anderen Exzess hätte uns FSF ersparen können.
 
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Sassenach123

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Mich wundert, dass Anthony zwar erkennt, dass das Geld nicht reichen wird, da ihr Lebensstandard zu ausufernd ist, aber er wird trotzdem nicht tätig. Er rühmt sich mit dem einen Essay, was ja nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ausmacht, und wohl nur den Großvater täuschen soll.
Bei Gloria vermisse ich sogar diese Einsicht, sie schiebt lieber alles auf Anthony und ignoriert seine kurzen Anwandlungen um zu sparen
 
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Wandablue

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Bei Gloria vermisse ich sogar diese Einsicht, sie schiebt lieber alles auf Anthony und ignoriert seine kurzen Anwandlungen um zu sparen
Bei allem Pochen darauf, wie modern sie sei, ist Gloira eigentlich eine antiquierte Figur: der Mann muss für die Familie sorgen, die Frau hat damit nichts zu tun. Sehr bequem.
 

Literaturhexle

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Bei allem Pochen darauf, wie modern sie sei, ist Gloira eigentlich eine antiquierte Figur: der Mann muss für die Familie sorgen, die Frau hat damit nichts zu tun. Sehr bequem.
Dieses Paar hat nur Fassade. Sie sind völlig oberflächlich. Keiner will Verantwortung tragen, keiner Geld verdienen. Sie benehmen sich wirklich wie zwei Kinder, denen jemand das Spielzeug weggenommen hat.
Sie haben keine Ideale. Diese Vokabel "modern sein zu wollen", hat gleichfalls keinerlei Tiefe. Man sagt es dahin, wie vieles andere auch. Hauptsache, man kann so weiterleben wie bisher. Unangenehmes wird getrost ausgeblendet.
Allmählich reicht auch mir das Spektakel.
 
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kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Anthony gewinnt zwar, aber irgendwie doch nicht. Denn er merkt, dass er Gloria bezwungen hat, aber damit auch gleichzeitig Dinge wie ihren Stolz und ihre Stärke, die für ihn ihren Reiz ausmachen, beschädigt hat. Insofern wird der vermeintliche Sieg zum Eigentor. ;)
Zumal dieser "Kampf" völlig sinnlos war. Nur um zu zeigen wer der Herr im Haus ist? Unsinnig. Sprachlich bin ich immer noch (teilweise) fasziniert, inhaltlich muss ich euch aber Recht geben: die Story tritt auf der Stelle und fesselt mich zusehends weniger.