4. Leseabschnitt: Seite 221 bis Ende (S. 301)

Sassenach123

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Ich glaube, der Grund ist schlicht und einfach die Erzählperspektive. Maarten erzählt von seinen Nachbarn. Und er kann halt nur über Dinge erzählen, die ihm bekannt sind. Es ist - wie Emsi schon sagte - wie ein Tagebuchroman. Man fragt sich dann allerdings, warum trotz der längeren "Freundschaft" die Gespräche so oberflächlich geblieben sind. Es ging ja immer nur ums Wetter, Radfahren, Reisen und um Fotos. Und die Getränke :D
Das ist mir bewusst, doch bei den Besuchen von Peers Mutter hätte man zum Beispiel etwas einfließen lassen können. Aber es ist so wie es ist:rofl
 

Literaturhexle

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Maarten erzählt von seinen Nachbarn. Und er kann halt nur über Dinge erzählen, die ihm bekannt sind
Das ist der Teufel am autofiktionalen Erzählen. Der Autor meint, die Story wäre für den Leser ebenso interessant wie für ihn selbst. Ist sie nicht.
Diese hätte definitiv ein Straffen und Aufhübschen vertragen.
Ich wiederhole mich und bin jetzt still;)
 

dracoma

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Mich hat das Ende gar nicht überzeugt, ich fühle mich, als ob mich jemand im Regen stehen gelassen hat.
Oh - das Gefühl habe ich auch! Ich habe natürlich gehofft, dass N. sich ändert und Einsicht zeigt. Und sich auf die Seite ihres Mannes stellt.
Und genau mit dieser Leser-Erwartung spielt jetzt der Erzähler und zerstört sie.
 

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Das ist der Teufel am autofiktionalen Erzählen. Der Autor meint, die Story wäre für den Leser ebenso interessant wie für ihn selbst. Ist sie nicht.
Diese hätte definitiv ein Straffen und Aufhübschen vertragen.
Ich wiederhole mich und bin jetzt still
Mmh- mir hat das Buch insgesamt ja gut gefallen, auch wenn einige Aspekte am Ende leider nicht geklärt wurden. Mit meinem positiven Eindruck stand ich hier aber recht allein da. :think
 

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Oh - das Gefühl habe ich auch! Ich habe natürlich gehofft, dass N. sich ändert und Einsicht zeigt. Und sich auf die Seite ihres Mannes stellt.
Mmmh, aber im realen Leben gibt es doch auch nicht immer wüschenswerte Einsichten und Persönlichkeitswandlungen. Ich finde die Dynamik von Beziehungen hier sehr gut behandelt - ich lese das Buch als Psychogramm labiler Beziehungen; insbesondere zwischen den Eheleuten. Das ist für mich die Stärke des Buches.
 

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Es muss ja andere Lesarten geben, sonst wäre dieses Buch nie erschienen. Lass dich von uns nicht irritieren;)
Alles gut. ;)
Tatsächlich war dies eines der Bücher in der letzten Zeit, die mir am Besten abgeschnitten haben. Ich sehe immer noch die Parallele zu "Gott des Gemetzels". Hier könnte ich mir eine Verfilmung ebenfalls sehr gut vorstellen. :)
 

dracoma

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16. September 2022
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Mmmh, aber im realen Leben gibt es doch auch nicht immer wüschenswerte Einsichten und Persönlichkeitswandlungen. Ich finde die Dynamik von Beziehungen hier sehr gut behandelt - ich lese das Buch als Psychogramm labiler Beziehungen; insbesondere zwischen den Eheleuten. Das ist für mich die Stärke des Buches.
Für mich auch. Da habe ich mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt. Ich habe dieses Ende des Buches an anderer Stelle schon als "gelungen" bezeichnet, und der Meinung bin ich nach wie vor.
Aber ist es trotzdem nicht so, dass man - auch als abgebrühter Leser - ganz heimlich doch so eine Friede-Freude-Eierkuchen-Erwartung hat? Und wenn die dann erfüllt wird, verliert das Buch (meiner Meinung nach) an Kraft und Realität und geht Richtung Trivialität.
Ich finde diesen Schluss, gerade weil er mit dieser heimlichen Erwartung spielt, richtig gut.
 

dracoma

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ich lese das Buch als Psychogramm labiler Beziehungen;
Ja, unbedingt; dazu gehört auch dieses ständige Sich-Im-Kreis-Drehen der Streitgespräche, die zu keinem Ergebnis kommen. Daher auch das Heulen N.s.

Ich sollte längst in der nächsten Leserunde unterwegs sein :apenosee, aber das Buch beschäftigt mich, und das spricht auch FÜR das Buch (meine ich).

Momentan beschäftigt mich die Rolle des Erzählers. Der geriert sich nämlich durchgängig als Opfer: sowohl der beiden Nachbarn, die ihn belehren und ihm keine Wertschätzung entgegenbringen, als auch seiner Frau. Auch sie bringt seinem Beruf und ihm wenig bis keine Wertschätzung entgegen, und er bezeichnet sich selber als "machtlos".

Vielleicht soll das komisch sein, ich bin unsicher.
 

Naibenak

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Für mich auch. Da habe ich mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt. Ich habe dieses Ende des Buches an anderer Stelle schon als "gelungen" bezeichnet, und der Meinung bin ich nach wie vor.
Aber ist es trotzdem nicht so, dass man - auch als abgebrühter Leser - ganz heimlich doch so eine Friede-Freude-Eierkuchen-Erwartung hat? Und wenn die dann erfüllt wird, verliert das Buch (meiner Meinung nach) an Kraft und Realität und geht Richtung Trivialität.
Ich finde diesen Schluss, gerade weil er mit dieser heimlichen Erwartung spielt, richtig gut.
Ja, bei all meiner Meckerei finde ich das auch. Der Schluss ist definitiv konsequent. Und dadurch gut ;)
 

Literaturhexle

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Genau das ist es!
Ich habe mich mit der Bewertung daher schwergetan.
Ich habe deine wie immer sehr faire Bewertung gelesen. Ich denke, wir haben in unseren Rezensionen sehr ähnlich votiert und dieselben Schwachstellen benannt. Da mochte das Lektorat dem verstorbenen Autor posthum nicht zu nahe treten. Ein Fehler.
 
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parden

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www.litterae-artesque.blogspot.de
So, endlich durch. Psycho vs. Psycho - das ist mir zu viel des Guten. Das Ende ist in der Tat konsequent, da ist jede Hoffnung verloren. Ein impulsiver, vielleicht lernbehinderter ADHSler, der sich schnell angegriffen fühlt und null Empathie für andere zeigt. In der Wahl der Mittel auch gerne mal komplett drüber ist. Die Empfindlichkeit nur einseitig, die andere Seite nicht wahrnehmend. Dazu die Borderlinerin, die sich in ihrem psychisch-auffälligen Verhaltensmuster auch immer im Kreis dreht. Da kann man eigentlich nur die Flucht antreten. Aber der Autor hat beschlossen, stattdessen lieber ein Buch zu schreiben. Als Kurzgeschichte hätte das für mich besser funktioniert. Der letzte LA war immerhin besser zu lesen, da viele kurze Abschnitte und nicht die ewiggleichen langatmigen Streitwiederholungen...