4. Leseabschnitt: noch immer Juni (Seite 192 - 265)

claudi-1963

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So. Ich habe euch mal einen Epilog geschrieben. Ein Ende für diesen Roman, wie ich es mir vorstelle. Nicht ganz so rosa.


Epilog.


4 Jahre später


Antonio hat mich entjungfert, aber wir sind nicht mehr zusammen. Wir haben uns aus den Augen verloren, aber das letzte, was ich von ihm hörte, war, dass er mit einem Modell zusammen ist, Größe 36 und 1.80 groß. Marta sagt, Shit happens auch den Spruch mit den vielen Fröschen, die man küssen muss, hat sie mir nicht erspart.


Marta hat sich verändert. Sie studiert Medizin und ich habe damit 2 Jahre später auch angefangen. Marta sagt, ich mache das nur, wegen Ritchie. Und dass sie erwartet hat, dass ich italienische Literatur studiere. Und ich sage zu ihr, sie macht das nur, wegen der Aussicht, sich einen Oberarzt zu schnappen.


Aber beides stimmt nicht. Oder es stimmt nicht ganz. Wir haben diesen Beruf aus Leidenschaft gewählt. Er passt zu uns. Er erfordert den ganzen Menschen. Und mit halben Dingen wollen wir uns nicht mehr zufriedengeben.


Papa und Mama sind geschieden. Papa hat sich, nachdem er seinen Prozess durchgestanden hat, sofort mit einer Neuen getröstet. Einer Krankenschwester. Eye roll. Mama hat die Firma gerettet. Ich weiß nicht ganz genau, wie sie das gemacht hat, jedenfalls hat sie jetzt graue Haare und ein paar Pfund mehr auf den Hüften. Man könnte fast sagen, sie sieht mir allmählich ähnlich.


Großmutter ist wieder zurück ins Haus gezogen. Sie sagt alte Bäume verpflanzt man nicht und alte Liebe rostet zwar nicht, aber nur, wenn man sie nicht den Unbilden des Wetters aussetzt. Keine Ahnung, was sie damit meint, aber wir haben einen neuen Gärtner. Er sieht aus wie aus dem Fitnessstudio und hat ein Auge auf Mama geworfen. Roll eyes. Mama sagt, ich spinne, aber, na ja, ich glaube, er gefällt ihr auch.


Ritchie ist ausgezogen. In eine Wohngruppe. Es ist jetzt ganz schön leer bei uns im Haus, weil auch Nina uns verlassen hat. Sie hatte das Geld beisammen für ihren Lebensmittelladen auf dem Land. Aber bevor sie ihren Lebenstraum umsetzen konnte, hat sie der Krebs erwischt. Das war gleich in dem Jahr nach dem Skandal. Ich glaube, ich habe deshalb angefangen, mich für Medizin zu interessieren. Marta sagt, ich will den Kummer nicht an mich heranlassen und statt, dass ich ihn mit Essen ersticke wie früher, ertränke ich mein Gehirn mit Fakten. Mein Medizinstudium als Eskapismus.


Es gibt Schlimmeres, habe ich zu Marta gesagt.


Wir wohnen zusammen. Marta und ich. Aber nicht mehr lange, Marta hat sich verlobt. Mit einem Philosophiestudenten. Ich habe mich halbtotgelacht. Wenn sie heiratet, hole ich mir einen Hund aus dem Tierheim und beschäftige eine Nanny für ihn. Denn Mama hat es geschafft. Wir sind an der Börse. Und immer noch reich. Ganz ohne Giftmüll.


Ich habe momentan keinen Freund. Aber viele Freunde. Und die Lerngruppe. Ja jaja, ich weiß. Eskapismus. Aber manche Dinge ändern sich eben nie. Oder jedenfalls nicht so schnell.


Ihr hört wieder von mir, wenn ich die Welt gerettet habe.


ENDE.

Nein bei diesem Ende kann ich einiges nicht nachvollziehen, zudem wäre es mir wie SuPro zu negativ. Aber wenn du es so sehen kannst dann ok. Ich denke auch, das sich vieles aus dieser Situation durchaus noch anders positiv entwickeln könnte. Und ich glaube auch nicht, das Paola Medizin studieren würde.
 

Literaturhexle

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Das Paolas Mutter ihren eigenen Mann angezeigt hat, das muss ich wohl überlesen haben.
Wenn du es nochmal nachlesen möchtest: Auf S. 193, unteres Drittel
Schlimm finde ich das sie so lange gar kein schlechtes Gewissen hatte, vor allem wenn man dann selbst ein behindertes Kind zur Welt bringt.
Stimmt. Das hatte ich mir noch gar nicht so klar gemacht.
Ob Richis Behinderung wohl auch damit zusammenhängt, weil sie doch was von dem Giftmüll abbekommen hat in der Schwangerschaft?
Das bleibt offen. Allerdings stellt sie auch einmal den Bezug zwiischen der Schwangerschaft im 6sten Monat und den vielen Streiterein her. Auch das ist einem Fötus nicht förderlich:(
 
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Barbara62

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Paolas "Abermillionen von Wörtern" (S. 264) wurden auch mir am Ende etwas zuviel. Gefallen hat mir, dass manches offen bleibt: die zukünftige finanzielle Situation der Familie, wie es mit Paola und Antonio weitergeht, ob Richis Behinderung mit dem Giftmüll zusammenhängt usw. Das Happy End für die Oma und ihren Pietrangelo war mir dagegen zu rosarot und unglaubwürdig. Und ob die Oma noch Geld für die Gründung der Gärtnerei hat, ist doch mehr als fraglich.

Alle Figuren in diesem Roman haben ihr Betäubungsmittel: die Oma ihre Mastercard, die Mutter ihr Bromazepam, Paola ihre Bücher und das Essen, Richi seine gespielten Anfälle, Marta ihren Luxus. Mit dem Anslichtkommen der Wahrheit brauchen sie es nicht mehr. Nach der "schlimmsten Woche" ihres Lebens ist Paolo glücklich und wie befreit. Sie findet den Mut, zu Antonio zu gehen. "Keine Unklarheiten im neuen Leben" hat sich Paolo vorgenommen. "Läufst du jetzt nicht mehr davon, Paolette?" ist ein schöner Schlusssatz von Antonio und eine Quintessenz des Romans.

Auch der Titel des Romans wird erklärt: "Dieses ganze Leben ist darüber" (S. 219), gemeint ist das Leben in der Margariten-Siedlung, gegründet auf Giftmüll.

Der Countdown bis zur Italienischprüfung im letzten Teil (ich denke, es ist nur die von Antonio und Marta, nicht von Paola) soll die Spannung anheizen. Das hätte es für mich nicht gebraucht, es war auch so spannend.

Eine ganz erstaunliche Figur ist die Mutter. Ihr Bild hat sich im Laufe des Romans am meisten für mich gewandelt. Eine Frau, der die Männer den Schneid abgekauft haben und die sich zurückgekämpft hat.
 
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Barbara62

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Neee. Ich dachte schon, ich wäre wieder die einzige, die zur Gegenrede ansetzen muss.... Aber dankbarerweise geht es @RuLeka ähnlich wie mir! Was sollte dieser letzte Abschnitt jetzt? Das Wesentliche wird von unglaublich vielen Worten, Gerede, Geplapper, nennt es, wie ihr wollt, verdeckt!
Kann es sein, dass das beabsichtigt ist? Das Schweigen wird gebrochen - und wie!

Schade! Ich wollte dem Roman 5 Sterne geben. Aber das wird nach diesem Finale nix mehr.
Darauf wird es bei mir auch hinauslaufen. Ich bin aber trotzdem sehr beeindruckt über die Vielseitigkeit von Raffaela Romagnolo. Mit "Bella Ciao" hatte ich sie quasi schon auf ein Genre festgelegt und nun zeigen sich noch ganz andere Facetten. Ich hoffe sehr, dass ich noch mehr von ihr lesen kann.

Manches klingt für mich auch nicht wie die Reflexionen einer16jährigen.
Das ging mir auch in den vorigen Abschnitten schon so. Wie gesagt, eine 16-Jährige räsoniert nicht über die klassische Bildung bei Umberto Eco.

Man hätte die anderen, von mit weiter oben ausgeführten, Unglaubwürdigkeiten einfach weg lassen sollen. Die gebrochenen Finger, der Schlägertrupp auf dem Spielplatz, das ist der Dramatik zuviel und macht aus einem differenziert hergeleiteten Roman beinahe eine Soap:(
... und die Dramatik mit dem Countdown zur Italienschprüfung und das Eingesperrtsein im Aufzug, lauter Thrillerelemente...

@Wandablue
Solltest du je einen Roman schreiben, dann sag bitte Bescheid, ich lese und rezensiere ihn (und ich bin meist gnädiger als du!) ;)
 
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Literaturhexle

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Eine ganz erstaunliche Figur ist die Mutter. Ihr Bild hat sich im Laufe des Romans am meisten für mich gewandelt.
Ja. Bis über die Glaubwürdigkeitsgrenze hinaus. Sie hatte ein schweres Leben mit dem Mann, der ihr die Firma weggenommen und Giftmüll illegal verklappt hat.
Aber ist das ein Grund, die Kinder sich selbst zu überlassen, ständig außer Haus zu sein, sie nicht wahrzunehmen, die Tochter permanent mit dem Gewicht zu triezen? Was für eine Mutter ist das, die nur dem schönen Schein huldigt?
Und am Ende sprechen sie endlich miteinander und Mami ist die Liebste?!
Nee. Da ist viel Potential nicht genutzt worden.
Mit "Bella Ciao" hatte ich sie quasi schon auf ein Genre festgelegt und nun zeigen sich noch ganz andere Facetten
Bella Ciao will ich auch lesen. Die Frau kann schreiben.
und die Dramatik mit dem Countdown zur Italienschprüfung und das Eingesperrtsein im Aufzug, lauter Thrillerelemente...
Genau. Alles zuviel. Völlig unnötig!
 
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Sassenach123

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Wer hätte das gedacht, nach allem gibt es ein sehr versöhnliches Ende. Natürlich habe ich darauf gehofft, dass einiges wieder geordnet wird, aber nicht vollständig.
Die Sorge, dass Richi seine Einschränkungen dem Kontakt zu den Fässern verdankt ist berechtigt, allerdings bringt es niemandem mehr etwas, es ist so wie es ist. Paola hat außerdem gut erkannt, dass es Richi gut gehen wird, sollte die Familie reich bleiben. Ansonsten müsse man sich etwas einfallen lassen. Gute Einstellung, aber ob es tatsächlich so einfach ist bleibt zu hoffen. Ob die finanzielle Sitaution gut bleibt ist ein Thema, dass für mich sehr undurchsichtig geblieben ist.
Schön war die Versöhnung mit Antonio. Der Weg dorthin allerdings stark durchsetzt von Vergleichen mit Harry Potter. Einiges war ganz niedlich, aber es war irgendwann dann doch zu viel.
Gut gefallen hat mir dann aber wieder, dass auch ein wenig über Nina berichtet wurde, zwar nicht in die Tiefe gehend, aber immerhin.
Werde heute Abend eure Beiträge lesen, die Arbeit ruft erstmal
 

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