4. Leseabschnitt: Kapitel 7 bis Mitte Kapitel 8 (S. 199 bis S. 270)

sursulapitschi

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18. September 2019
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Zusammenfassung:

Kapitel 7

Zwischenspiel: Der Junge in Haarmanns Wohnung wird vernascht. War er nicht die Leiche von eben?

Lahnstein holt Verstärkung aus Berlin. Gute Idee.

27.5. Nr 20 ist erst 11 Jahre alt und passt nicht ins Muster. Ferdinand Mayhofer.

Lahnstein fühlt Müller auf den Zahn. Hat er was mit dem Bund Wiking zu tun? Wollen die ihn behindern? Schwule beseitigen?

Er überwirft sich mit Emma, weil sie vermutet, er wollte sie nur über ihren Bruder aushorchen. Er hätte ihr widersprechen können, tut es aber nicht.

Auf einem Flugplatz überredet er einen Piloten, eine Runde mit ihm zu drehen. Bringt uns das zufällig eine neue Perspektive und den Durchbruch?

Treffen mit Noske, der Lahnstein auffordert, härter durchzugreifen.

5.6., Friedrich Koch wird vermisst, Nr. 21, sein Freund Paul war bei ihm, kann aber Haarmann nicht identifizieren.
Die zwei Berliner Polizisten werden zusammengeschlagen. Was ist da nur los? Noch ein diffamierender Zeitungsartikel über Lahnstein erscheint. Am Leineufer angeln Menschen nach Knochen, aufgewiegelt von einer Mutter.

Nr.22, Erich de Vries, 14.6.

Lahnstein will aufgeben, wird niedergeschlagen, Emma spricht nicht mehr mit ihm. Er tritt den verabredeten Flug an, belanglos, schade.

Lahnstein nimmt im Büro einen Anruf für Müller entgegen, Haarmann hätte einen Jungen mit falschem Ausweis geschnappt. Haarmann wird festgenommen.

Kapitel 8:

Zwischenspiel: Das schwangere Mädchen will abtreiben.

Jetzt kommt Bewegung in den Fall, die Kleidung, die Haarmann verkauft, wird untersucht, Zeugen melden sich, die etwas zu den verschwundenen Jungs sagen können. Viele Eltern können Kleidung ihrer verschwundenen Söhne identifizieren. Warum ging das nicht eher? Alle haben Haarmann für einen netten Kerl gehalten.

Sein Vater kommt ihn besuchen, um ihm einen kryptischen Rat zu geben. Soll er Haarmann foltern, um ein Geständnis zu bekommen? Müller bietet an, das zu übernehmen.

Erinnerung: Er fährt nach Irrsee, um Lizzy zu suchen. Erfährt, dass alle gestorben sind, weil ein Ofen nicht richtig gezogen hat.

Das ist traurig, aber war das das riesige Geheimnis? Ich bin ein bisschen enttäuscht.

So, jetzt bin ich sehr gespannt auf den Endspurt.
 

Bibliomarie

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10. September 2015
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Der Autor legt viel Wert auf die Beschreibung der unsicheren Zeit in den Zwanziger Jahren. Die Bevölkerung ist verarmt und empfänglich für die Schlagworte der einzelnen politischen Strömungen. Die brüchige, noch unsichere Demokratie der Weimarer Republik nimmt einen großen Raum ein und Lahnstein selbst ist ebenfalls unsicher. In der Gefangenschaft neigte er zur Sozialdemokratie, ist jetzt aber immer verunsicherter. Es scheint, als ob die vielen Strömungen auch die Suche nach dem Mörder erschwerten. Haarmann taucht ständig auf, ist für Lahnstein aber fast unangreifbar. Man bekommt den Eindruck, dass aus Polizeikreisen eine schützende Hand über ihn gehalten wird.

Dagegen wird Lahnstein immer mehr unter Druck gesetzt, die Artikel die über ihn in der Zeitung erscheinen, scheinen lanciert zu sein. Müller? Außerdem bekommt er Anweisung härter durchzugreifen.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Haarmanns Treiben in der Nachbarschaft so gar nicht zur Kenntnis genommen werden. Die jungen Männer müssen doch gesehen worden sein. Die einzige Aussage des Zigarrenhändlers fallen unter den Tisch.

Lahnstein kämpft mit seinen Selbstzweifeln, er fürchtet selbst als 175iger geoutet zu werden. Nur wegen der Freundschaft im Kriegsgefangenenlager zu einem Mitgefangenen?
Die Geschichte mit Lissy und seinem Sohn kommt zu einem für mich unbefriedigten Ende.

Mit der fiktiven Figur des Ermittlers Lahnstein werde ich nicht so richtig warm, obwohl mir schon klar ist, dass der Autor die Figur braucht um eine Art roten Faden für die Handlung zu haben. Damit will er wohl auch die unzureichenden und schleppenden Ermittlungen im historischen Fall verdeutlichen.
 

claudi-1963

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29. November 2015
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Immer noch finde ich es viel zu viel Informationen über Lahnsteins Vergangenheit, ich hätte viel lieber mehr über Haarmann erfahren. Dann kommen wieder Auflistungen über die Jungs die verschwunden sind und niemand sscheint bei Haarmann weiterzukommen.
Noch immer erfährt man nicht was genau mit seiner Frau und Augus passiert ist. War er daran schuld, weil er von so vielen Zweifel geplagt wird und vor allem so einen Horror vor dem Fliegen hat?

Haarmann ist ein Schlitzohr, niemals ist er schachsinnig, er hat das alles nur vorgespielt, damit man es glaubt. Das Lahnsteinihm nichts nachweisen kann ist wirklich schrecklich. Wieviele Jungs hätte man retten können, wenn die Leute vielleicht aufmerksamer gewesen wären.

Den Druck mit dem Artikel fand ich unmöglich, ich frage mich wer das der Presse gesteckt hat? War es Müller, weil er eifersüchtig auf Lahnsteins Posten ist oder war es Haarmann um Lahnstein zu Fall zu bringen, damit er ihm nicht gefährlich wird.

Ich kann auch nicht verstehen warum Lahnstein nicht mit Emma geredet hat, sondern einfach stumm gegangen ist. Das sie zu ihrem Bruder steht, solange sie nicht die Wahrheit weiß, ist doch klar.

Und dann kommt das unfassbare, das man Haarmann im Bahnhof mit einem Jungen erwischt, der ihn zudem belastet. Der Einfall mit den Kleiderstücken war sicher gut, aber wenn es ihnen nun nicht zu Haft verhilft was dann? Ich glaube kaum das Lahnstein Müller erlaubt auf Haarmann einzuprügeln.
Entsetzt war ich das so viele noch was wissenswertes zurückbehalten haben, wie z. B. die drei Jungs. Und das noch weitere Opfer auftauchen erschüttert mich nun gar nicht mehr.

Mir geht es wie Bibliomarie, das ich mit Lahnstein auch nicht war werde, das ganze Buch finde ich sehr konträr, weil es mir definitiv zu wenig von Haarmann berichtet. Ich hätte da viel mehr von seiner Geschichte erhofft, satt diese ständigen Einblenden von Lahnsteins Vergangenheit. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht was ich damit anfangen soll, außer das der Autor damit die Geschichte gestreckt hat. Auch der Schreibstil ist weiterhin sehr ausschweifend beschrieben oder wird sachlich abgehakt.

Für einen Kriminalfall finde ich es enttäuschend, weil die Spannung weiterhin total fehlt. Bisher bin ich eher enttäuscht, als überzeugt von dem Buch.
 
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Bibliomarie

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10. September 2015
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Wieviele Jungs hätte man retten können, wenn die Leute vielleicht aufmerksamer gewesen wären.

Das ist wohl der Schlüssel. Die Nachbarn in diesen beengten Wohnverhältnissen haben alle weggeschaut, wenn er mit Jungs hochgegangen ist und sie niemals wieder gesehen wurden. Ich denke das war den unruhigen und elenden Zeiten geschuldet. Der Lack der Zivilisation in solchen Situationen ist sehr dünn.
 

wal.li

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1. Mai 2014
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Wie schlimm muss es um die Polizei in Hannover stehen, wenn Lahnstein sich genötigt sieht, Hilfe aus Berlin zu holen. Dass diese Kollegen dann auch noch übel verprügelt werden, ist auch nicht gerade die feine englische Art.
Auch das Erscheinen des Zeitungsartikels - eigentlich ist es fast schon Rufmord.
Doch Lahnstein gibt nicht auf und als er Haarmann endlich mit einem Jungen erwischt, nimmt er ihn erstmal fest. Es kommt heraus, dass Haarmann ein Spitzel war, der sich einer Detektivmarke bediente, die einer Polizeimarke ähnlich sah. Kein Wunder, dass ihm die Jungen vertrauten. Für solche Finten kann man aber nicht ganz dumm sein.
Ich glaube, Lahnstein ist unsicher, ob er überhaupt was von Emma will, deshalb forciert er nichts. Außerdem kann er nur schlecht mit der Schwester des Hauptverdächtigen zusammen sein.
Die Idee mit den Kleidern war sehr hilfreich. Wenn ich versuche mich in die Eltern hineinzuversetzen, nicht vorstellbar.
Endlich ist klar, dass Lissy und August bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen sind.
 

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Ui, ui, ui - jetzt wird´s aber spannend :) Endlich tut sich was im Fall Haarmann und in Lahnstein´s Geschichte. Für die Eltern der Kinder muss es schlimm sein, durch die Klamotten zu wühlen und dann auch noch den Blicken Haarmann´s "ausgeliefert" zu sein, der so gar keine Regung zeigt. Aber wer Kinder so grausam zerstückelt (das Ende von Kapitel 6 war ja nur exemplarisch), dem machen auch "die paar Eltern" nix aus. Und die Nachbarn kommen mir ziemlich naiv vor; haben genau und oft gesehen, dass Haarmann mit einem Eimer die Treppe runtergeht und schieben es auf Blasenschwäche? :rolleyes::D

Der Flug hat irgendwas "befreiendes" - sowohl auf Lahnstein, der nun ein Stück weit "loslassen" und die Vergangenheit ruhen lassen kann (er träumt nicht mehr von Lissy und August - auch wenn ihm das ein schlechtes Gewissen beschert), als auch auf den Leser - nun wissen wir, was WIRKLICH mit den beiden passiert ist. Tragisch...

Ich bin nach wie vor nicht wirklich unzufrieden mit dem Roman. Mehr wie das, was wir über Haarmann erfahren, muss man (glaube ich) nicht wissen...
 

ulrikerabe

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14. August 2017
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Ich bin nach wie vor nicht wirklich unzufrieden mit dem Roman. Mehr wie das, was wir über Haarmann erfahren, muss man (glaube ich) nicht wissen...
Ich finde ganz im Gegenteil zu einigen Mitleserinnen, dass der Autor dir richtige Person in den Vordergrund stellt. Haarmann ist der Aufhänger, ganz klar. Ein Buch, dass Lahnstein hieße, würe nicht so beachtet werden. Aber ich glaube dem Autor geht es genau darum, die Zietgeschichte zu erfassen, was die Menschen erlebt haben, wie sie leben, wie die poltischen Entwicklungen waren. Und dafür eignet sich Lahnstein hervorragend. Ein Monster wie Haarmann muss man nicht in den Vordergrund stellen. Er verdient kein Denkmal. Das hat der Autor sehr gut gelöst.
 

parden

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Es nähert sich dem Ende. Ich denke auch, dass es dem Autor v.a. darum ging, den Fall Haarmann im Kontext zu den damaligen gesellschaftlich-polotischen Verhältnissen darzsutellen. Das gerät für mich jedoch auch zu ausschweifend, wo Haarmann draufsteht, erwarte ich schlussendlich auch Haarmann. Der Tod von Lissy und August ist traurig aber im Verhältnis zu der Geheimniskrämerei im Vorfeld doch eher 'unspektakulär'. Dass er dazu beitrug, Lahnstein über siene Kriegserlebnisse hinaus zu traumatisieren, glaube ich alerdings sofort. Für ihn erfreulich, dass es ihm nach dem Flug ein wenig besser zu gehen scheint. Auch ich sehe in dieser Szene einen Wendepunkt der Erzählung.
 

Sassenach123

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Ich finde ganz im Gegenteil zu einigen Mitleserinnen, dass der Autor dir richtige Person in den Vordergrund stellt. Haarmann ist der Aufhänger, ganz klar. Ein Buch, dass Lahnstein hieße, würe nicht so beachtet werden. Aber ich glaube dem Autor geht es genau darum, die Zietgeschichte zu erfassen, was die Menschen erlebt haben, wie sie leben, wie die poltischen Entwicklungen waren. Und dafür eignet sich Lahnstein hervorragend. Ein Monster wie Haarmann muss man nicht in den Vordergrund stellen. Er verdient kein Denkmal. Das hat der Autor sehr gut gelöst.
So habe ich es noch gar nicht betrachtet. Aber du hast völlig Recht, so entzieht er Haarmann tatsächlich den Stellenwert, den er ja wahrlich auch nicht verdient hat.
 
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Sassenach123

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Als Lahnstein die 2 Berliner mit ins Boot holte, dachte ich, dies könne die bahnbrechende Idee sein. Dass die alten Kleider hingegen diesen Zweck erfüllen werden, damit habe ich nicht gerechnet. Dennoch reicht es zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus, und Haarmann wird ebenso wissen, er hat ja mehr als einmal bewiesen, dass er nicht so minderbemittelt ist. Er kann rechnen und ist schlau genug sich zu verstellen.
Lahnsteins Geschichte ist emotional, er hat den Verlust von Frau und Kind immer noch nicht verwunden. Dazu noch der Fall, der ihn selbst an den Rand der Verzweiflung bringt, ein schweres Los.
Zu Haarmanns Nachbarn fällt einem nicht mehr viel ein, sie müssen etwas geahnt haben. Schiebe das Verhalten aber auf die Zeiten, jeder wollte seine Ruhe, nur keinen Ärger anzetteln. Wie hier schon erwähnt wurde, ging mir auch durch den Kopf, dass viele Opfer unnötig waren, hätten verhindert werden können.
 
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Mikka Liest

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14. Februar 2015
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Hilter am Teutoburger Wald
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Ich hätte mich nicht gewundert, wenn die Eltern sich zum Mob zusammengerottet und Haarmann in der Luft zerrissen hätten...
Ich kapier ja auch nicht, dass die Nachbarn nichts gehört haben (wollen)!

@ulrikerabe

Ich denke auch, hier ist Haarmann nur der "Anker" der Geschichte, in der es eigentlich viel mehr um die Gesellschaft und die Atmosphäre der Zeit geht.

@parden

Ich war überrascht über die Art des Todes von Lizzy und August, das hat für mich nicht so ganz zu Lahnsteins Albtraum gepasst. Andererseits müssen Albträume ja nicht logisch sein.

@Sassenach123

Sich Verstärkung zu holen, war eigentlich eine gute Idee von Lahnstein! Aber eigentlich ist es keine Überraschung, wie das geendet hat...
 
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