4. Leseabschnitt: Kapitel 38 bis 50 (Seite 250 bis 333)

Literaturhexle

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Also zunächst mal das Negative: Es stößt mir auf, dass die männliche Spezies doch überwiegend als schw...gesteuert dargestellt wird. Ich will nicht glauben, dass die Welt so tickt, auch wenn es derlei Exemplare definitiv gibt.
Hannah gibt sich als "Rächerin", aber ist sie denn nicht auch sexistisch?:
Indy war auf Händen und Knien vor dem Schreibtisch, fummelte mit Kabeln herum, während ihr Rock sich straff über ihren Hintern spannte.
"Das ist ein nettes Willkommen", sagte Hannah, berührte den Rock und ließ die Hand Indys Rücken hinaufgleiten." 277/78

(...) Hannah vergaß manchmal einfach, wie schön ihre Freundin war... 266
Oder ist das wieder Männerschreibe?

Jenny hadert mit den Männern, die angeblich nur auf Jugend und einen straffen Busen stehen. Sie fühlt sich bedürftig ("Es war schon sehr lange her, dass sie die nackte Brust eines Mannes berührt hatte") und ausgemustert aus deren Beuteschema. Aber sieht sie den Mann nicht auch als Objekt?:
Er (Liam) trug nun eine weit geschnittene Jeans und ein blaues Hemd. Wie es sich um seine Brust schmiegte, konnte sie erkennen, dass er darunter durchtrainiert war. 281
Tut mir leid, aber wer scannt schon einen Unbekannten beim ersten Treffen dermaßen ab? Dann kann ich mich nicht beklagen, wenn "Mann" zuerst auf den Busen schaut...

In Bezug auf ihren Ermittlungseifer finde ich die Frauen etwas zu übermotiviert und zu wenig überlegt. Besonders Hannah hat jegliche Objektivität und Vernunft verloren. Sie meint, Mel zu kennen, sieht sie als völlig unschuldiges Opfer, ist nicht willens, der Polizei den Vortritt zu lassen. Stattdessen zerstört sie Spuren bei ihrer völlig wilden Suche nach dem zweiten Handy, diskreditiert den Dozenten öffentlich, obwohl noch nix bewiesen ist, oder lauert Xanders Freunden extrem bedrohlich und provokant in der Kneipe auf (Wenn das Mörder sind, sind die gefährlich, Mädchen!) und so weiter. Dass sie von der Dozentengattin ein paar auf die Nase kriegt, wundert nicht, zumal ich englische Frauen als deutlich streitbarer erlebt habe als unsereine (Schottland ist ja nicht so weit weg;)).

Dass die Frauen auch immer alles finden, was sie suchen, grenzt an ein Wunder! Das Telefonzettelchen, die Nacktfotos, jetzt noch der verborgene Zettel im Sarg... Sehr viel Zufall, würde ich sagen.

Nun das Positive:
Das Lokalkolorit gefällt mir immer noch ausgezeichnet. Toll, dass sich der Autor an reale Schauplätze hält. Gut gefallen mir auch die Nebenhandlungen und -figuren, wobei auch dort nicht ohne Stereotype ausgekommen wird: Der brave, sensible, künstlerisch begabte Ehemann mit seinem untreuen, robusten Ehegespinst an der Seite. Der gutmütige Alte, dem im wahrsten Sinn jemand aufs Dach steigt. Diejenige könnte eine Verwandte der guten Putzfrau sein, so ähnlich wie sie sich sehen.
Die Nummer mit dem Silberkettchen war wieder abstrus - oder ist der Datenschutz auf der Insel nicht das, was er hier ist? Eine kleine Drohung und schon werden Mitarbeiterdaten aus scheinheilig unwichtigen Gründen herausgerückt...

Erstaunlich leicht und schnell haben Jenny und Dorothy das Grab geöffnet. Hut ab! Allerdings verstehe ich die Akribie der Witwe nicht. Was wird ihr die Wahrheit bringen? Sie wird ihren Mann doch nicht post mortem anklagen? Wenn sie die Leiche findet, muss sie es doch der Polizei übergeben, damit die Todesursache festgestellt werden kann... Sie denken alle nicht an die Konsequenzen ihres Handelns, alles ist sehr spontan und wirkt unwirklich auf mich.
Auch Jenny mit ihrem "Wenn überhaupt, sollte ich heulen. Du nennst meinen Dad einen Mörder." Solche kindischen Vorwürfe von einer erwachsenen Frau. Augen roll.

Für mich zeichnet sich ab, dass Archie deutlich mehr wusste, als er zugibt und dass Jenny mit Liam zusammenkommt. Bei Mel tappen wir noch im Dunklen, das Doppelleben hätte ihr niemand zugetraut außer ihrer Familie. Die Diebstähle beim netten Mr. Glassman scheinen auch aufgeklärt zu sein.

Ich lese das Buch wirklich noch ganz gerne, meine Worte sind keineswegs als Verriss zu verstehen. Der Titel scheint mir wieder etwas für "normale" Krimileser zu sein und ich bin gespannt, wie diese ihn bewerten werden. Bestimmt richtig gut!
 

ulrikerabe

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Der Titel scheint mir wieder etwas für "normale" Krimileser zu sein und ich bin gespannt, wie diese ihn bewerten werden. Bestimmt richtig gut!
Ich halte mich für eine normale Krimileserin und auch wieder nicht. (Ich habs grad mit Schrödinger.) Es ist jetzt kein gefühlter "Nichtkrimi" wie Sarah Jane oder Der Sucher, die ich z.B. beide großartig fand. Hier ist es schon eindeutiger Krimi, wegen Ermittlungen und so, aber das dilettantische Auftreten der drei Damen erinnert mich eher an Tod in der kleinen Dorfbäckerei oder Wer mordet im Strickladen. Nur dass der "Laden" hier eben die skurrile Mischung aus Beerdigungsinstitut und Detektivbüro ist und die süßliche Aufmachung fehlt.

Allerdings gab es in diesem Abschnitt zwei Szenen mit Jenny, wo mir die Frau endlich nachvollziehbar war. Als sie versucht ihrer Mutter das Ausgraben der Leiche auszureden (S. 306/307) und vorher, als sie darüber nachdenkt, was sie vorzuweisen hat. (S. 86)

Normalerweise mag ich es, wenn am Schluss eines Krimis alle Fäden zusammenlaufen. Hier denke ich mir nur mehr, gebe (wer auch immer), dass die Fälle nicht zusammenhängen. Die Konstruktion wäre abenteuerlich. So bleibe ich wenigstens gespannt, was noch auf mich zukommt.
 

wal.li

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Der gutmütige Alte, dem im wahrsten Sinn jemand aufs Dach steigt.
Es gab mal einen München-Tatort über diese Mitwohner, wenn ich mich recht erinnere. Den fand ich unheimlich. Wenn der alte Mann von der Frau wüsste und sie einfach nur einen Platz bräuchte, könnte er sie dort wohnen lassen. So wie dieses Wohnen gegen Hilfe oder Gesellschaft.
 

wal.li

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So ist es doch Orla, die ihren Mann loswerden will.
Ich finde, man merkt den Frauen an, dass sie noch trauern und vieles zum ersten Mal machen müssen, um die Firma zu halten. Ich glaube, Jim hatte echt was mit dem Verschwinden des Mannes zu tun. Ich kann mir nur den Grund noch nicht vorstellen. War es ein Unfall oder hat sogar Archie was damit zu tun?

Mels Tod ist auch noch rätselhaft. Hannah hat eine Freundin verloren und muss damit klarkommen, dass diese vielleicht ganz anders war.
 
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Renie

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In Bezug auf ihren Ermittlungseifer finde ich die Frauen etwas zu übermotiviert und zu wenig überlegt.
Die Ermittlungsarbeit ist wirkt auf mich auch sehr dilettantisch, da fehlt klar die Professionalität einer Miss Marple. Dieses übereifrige Detektivspielen erinnert mich an die Escape Room Spiele /Detektivspiele, die seit ein paar Monaten die Brettspieler begeistern - mich übrigens auch.:)
 

Renie

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Ich glaube, der Autor versucht über Dinge zu schreiben, von denen er nicht alles versteht. Das kommt für mich teilweise nicht authentisch rüber.
Oder zu gewollt, wenn man es auf das Abwerten der Männer bezieht. Ich überlege, ob der Autor damit die weibliche Leserschaft einfangen will. Bei mir ist der Versuch aber gescheitert.
 
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Literaturhexle

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Ich überlege, ob der Autor damit die weibliche Leserschaft einfangen will. Bei mir ist der Versuch aber gescheitert.
Zeitgeist. Viele Autoren versuchen, den Zeitgeist einzufangen und dieser in besonderer Weise. Mich hat auch das lesbische Paar gestört, zumal Hannah dann auch wieder männlich anmutende Gedanken hatte angesichts des strammen Rocks über dem Hintern... Das sind einfach keine weiblichen Gedanken. Frau braucht mehr Stimulanz als ein offenes Hemd oder einen engen Rock :p
Migration blieb uns erspart. Vielleicht ist sie in Schottland kein Problem.
 

Amena25

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So, jetzt war ich doch etwas zu voreilig: der Glassman-Fall löst sich auf, und überraschend anders, als gedacht. Schön, dass der Alte weder von seiner Pflegerin noch von der Putzfrau beklaut wird ;)
 

Amena25

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Die Ermittlungsarbeit ist wirkt auf mich auch sehr dilettantisch,
Ja, alle drei scheinen erst einmal loszustiefeln, ohne sich vorher genauer zu überlegen, was sie überhaupt machen wollen, auch ohne sich abzusprechen.... Das ist zwar realistisch, da sie ja ins Detektivgeschäft erst einmal hineinwachsen müssen. Aber auch als Anfänger sollte man sich etwas weniger als Elefant im Porzellanladen aufführen. Das stört mich insofern, da wir als LeserInnen ja genauso ins (scheinbar?) Planlose mitgenommen werden.
 
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Die Ermittlungsarbeit ist wirkt auf mich auch sehr dilettantisch, da fehlt klar die Professionalität einer Miss Marple. Dieses übereifrige Detektivspielen erinnert mich an die Escape Room Spiele /Detektivspiele, die seit ein paar Monaten die Brettspieler begeistern - mich übrigens auch.:)
Es wirkt wirklich nicht professionell, allerdings stört es mich in diesem Zusammenhang wenig, da alle mehr oder weniger durch Jims Tod ins kalte Wasser geschubst wurden. Sie müssen sich halt noch viel erarbeiten
 

Sassenach123

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Archie hat Jim damals geholfen, das liegt nun sehr deutlich auf der Hand. Warum Simon verstarb, ob es durch Jims Hand geschah, wissen wir allerdings nach wie vor nicht.
Das Mel so viele Geheimnisse hatte, überrascht Hannah, durchaus nachvollziehbar, mir würde es ähnlich gehen. Ich hoffe Hannah agiert in Zukunft etwas umsichtiger, wenn ich da an die Sache Peter Langhorn denke. Ihre Emotionen kochen manchmal über, sie ist einfach zu stark betroffen von Mels Tod.
Die Szene auf dem Friedhof war schon recht makaber, ich musste aber trotzdem schmunzeln.
Mir gefällt das Buch insgesamt sehr gut. Ich bin gespannt auf die Lösung, sowohl was Mel angeht, genauso wie Simons Tod. Aber auch die blonde Hausbesetzerin bringt Spannung in die Handlung, ebenso wie Liam, und wie Jenny damit umgeht
 

Sassenach123

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zumal ich englische Frauen als deutlich streitbarer erlebt habe als unsereine
Ernsthaft? Ich habe da keinerlei Möglichkeiten dies zu vergleichen, ich kenne niemanden der von dort kommt, finde es aber immer wieder interessant wie unterschiedlich auch die Gemüter einzelner Nationalitäten gestrickt sein können. Dass Hannah einstecken musste, ist aber definitiv ihrer unsensiblen Vorgehensweise geschuldet
 
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Literaturhexle

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Ich hatte einen Schüleraustausch und später ein Auslandssemester in England. Also die jungen Frauen- ich sag dir...
Die wurden richtig aggressiv in Windeseile und schlugen auch zu. Mag sein, dass Alkohol im Spiel war, aber hier habe ich das unter Frauen eigentlich nie erlebt und dort nicht nur einmal in der Kürze des Aufenthalts. Das nährt bis heute mein (Vor-?)Urteil:p

Hier sehe ich es allerdings wieder bestätigt.
 

nellsche

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Wer ist denn die Frau, die auf dem Dachboden von Herrn Glassmann wohnt? Irgendwie schaurig...
Liam ist wirklich unschuldig, dafür ist seine Frau eine Betrügerin. Ich an Jennys Stelle würde es ihm sagen. Eine echt linke Tour, ihn hereinlegen zu wollen.
Ohje, Dorothy und Jenny buddeln eine Leiche aus. Das wirkte recht leicht und reibungslos, das fand ich etwas unrealistisch, denn das muss eine Mordsarbeit sein. Aber die Idee fand ich gut. Und Archie weiß definitiv mehr, denn er wollte Unterlagen einer weiteren Bestattung seinerzeit Verschwinden lassen. Warum hat er das nicht verbrannt oder geschreddert?

Mir gefällt das Buch weiterhin sehr gut. Ich bin nun auf den letzten Abschnitt und die Auflösungen gespannt.
 

nellsche

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Es wirkt wirklich nicht professionell, allerdings stört es mich in diesem Zusammenhang wenig, da alle mehr oder weniger durch Jims Tod ins kalte Wasser geschubst wurden. Sie müssen sich halt noch viel erarbeiten
Mich stört das auch nicht. Sie haben keine Zeit, um sich mit dem Thema ausgiebig auseinanderzusetzen oder nachzulesen, wie das am besten läuft
 
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