4. Leseabschnitt: Kapitel 15 bis 19 (Seite 224 bis 293)

alasca

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13. Juni 2022
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Hier passiert nun jede Menge. Sylvie ist tatsächlich schwanger, Rose streckt die Waffen und Walter ergibt sich seinem Schicksal.

Das zentrale Ereignis ist allerdings der missglückte Aufbau von Marys Freundschaft zu Mrs. Reindl. Man kann sagen, dass Mrs. Reindl im Grunde daran gestorben ist. Von der Schwiegermutter vergiftet werden, weil diese will, dass ihr Kind abgetrieben wird - puh, das ist böse. Die alte Mrs. Reindl ist wie die Hexe im Märchen.

Mary macht sich Vorwürfe, zu Recht und auch wieder nicht. Niemand will sich aufdrängen, sie hat es mehrmals versucht und ist immer wieder abgeprallt. Vielleicht hätte sie einem der Reindl-Kinder ein Briefchen für ihre Mutter mitgeben können, so hätte sie die Schwiegermutter vielleicht umgehen können. Aber wer ahnt denn sowas?

Interessant finde ich die Gedanken über Leidenschaft, die Melanie sich im Verlauf des Romans immer wieder macht. Im vor der Hochzeit gemachten Porträt ihrer Mutter entdeckt sie Hinweise darauf und beginnt, ihre Mutter als Frau zu sehen.

Allerdings ist dieses Foto wirklich der einzige Hinweis auf so etwas wie elterliche Zuneigung oder gar Sexualität. Nicht einmal berühren die Eltern sich. Sie sind nur Perrault und Mrs. Perrault.

Melanie löst ihre Verlobung mit Eustace und schickt Terry in die Wüste. Sie ist eine moderne junge Frau und will sich nicht einengen lassen. Dazu passt die Schlussszene mit dem Handbuch für die Ehe. Herrlich. Sehr humorvoll, gefiel mir gut, diese Szene. Auch der Schlusssatz.

Ich mag den Roman, trotz kleiner Schwächen.
 
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GAIA

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27. Dezember 2021
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Thüringen
@alasca hat ja schon die Hauptthemen dieses Leseabschnitts erwähnt. Die finde ich auch für sich genommen mitunter gar nicht so uninteressant, aber was mich stört: Alle kleine und größere Aufregungen werden so dahinerzählt, alles passiert irgendwie gleichwertig nebeneinander her und ich frage mich, ob der Roman überhaupt einen Spannungsbogen hat. Ich persönlich kann keinen entdecken. Die einzelnen Begebenheiten entwickeln sich immer ein Stückchen weiter, ja, aber so richtig aus der Bahn geworfen oder so wird davon niemand. Es muss ja nicht immer gleich die große griechische Tragödie sein, aber ein bisschen mehr zwischenmenschliches "Drama, baby!" könnte für mein Dafürhalten im Text vermittelt werden. Rational ist das Drama da, aber auf emotionaler Eben irgendwie nicht.
Weiterhin merkt man die Auswirkungen der Weltwirtschaftkrise, die mit Bravour gemeistert werden sollen, nur marginal am Rande.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Interessant finde ich die Gedanken über Leidenschaft, die Melanie sich im Verlauf des Romans immer wieder macht
Die Reflexionen von Melanie und auch von Mrs Perrault empfinde ich immer als sehr intensiv. Sie drücken große Menschenkenntnis und auch Liebe aus. Diese Liebe ist zweifellos vorhanden, auch wenn sie nicht explizit erklärt wird. Aber muss man das? Eltern-/Kinderliebe ist doch in intakten Familien (mit so einer haben wir es hier zu tun) unumstößlich vorhanden. Man muss sie nicht in Worte fassen, sie lebt in Gedanken und Handlungen.
Ich finde diese Gefühlsebene hier sehr gut getroffen. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Die alte Mrs. Reindl ist wie die Hexe im Märchen.
Ja, sowas von! Ich kann nachvollziehen, dass sich Mrs. P. Vorwürfe macht, dass sie nicht hartnäckiger war. Aber andererseits hat sie es im Gegensatz zu anderen Nachbarn immer wieder versucht - und kaum einen Dank erhalten.
Ich stimme Melanie zu: Die junge Mrs Reindl hätte sich gegen die Hexe wehren müssen. Mit drei Kindern ist man ja nicht mehr das kleine Dummchen. Allerdings kennen wir die Rolle von Mr Reindl, dem Sohn der Hexe, nicht. Es steht zu vermuten, dass er seiner Mutter den Rücken gestärkt hat - der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum...
Diese ganze Nachbarschaftsgeschichte finde ich hervorragend erzählt! Es ist alles so glaubwürdig! Wir wissen doch nie alles über unsere Nachbarn. Manche sind uns sympathisch, manche nicht. Diese (Vor-)Urteile speisen sich oft vom Hörensagen und aus Gerüchten. Es wäre so leicht gewesen, aus diesem tragischen Todesfall eine "dicke Story" zu machen, wie sie sich GAIA wünscht;) - aber das passt nicht zum Tonfall dieses Buches. Indessen stecken so viele kluge Reflexionen im Text... Aber dazu vielleicht im nächsten Beitrag.
Nicht einmal berühren die Eltern sich. Sie sind nur Perrault und Mrs. Perrault.
Meine Eltern haben sich auch nie wirklich berührt vor uns Kindern. Typ- und Erziehungssache. Die Eltern Perrault scheinen aber zu harmonieren, sie schauen in dieselbe Richtung, auch wenn jeder seine Aufgaben hat. Janet Lewis richtet den Blick hier bewusst primär auf die weiblichen Figuren.
Melanie löst ihre Verlobung mit Eustace und schickt Terry in die Wüste. Sie ist eine moderne junge Frau und will sich nicht einengen lassen.
Das wurde in diesem Abschnitt nochmal richtig deutlich! Sie ist nicht doof. Sie weiß, was gut für sie ist. Sie möchte Leidenschaft, Spaß und Geld für ihre Eskapaden. Dabei weiß sie, dass Terry keine "gute Gesellschaft" für sie alleine ist - und handelt auch gleich danach. Abgesehen von ihrem mangelnden Ehrgeiz, der sich aber für Frauen jener Zeit auch kaum gelohnt haben dürfte, ist sie ein starker Charakter.
alles passiert irgendwie gleichwertig nebeneinander her und ich frage mich, ob der Roman überhaupt einen Spannungsbogen hat.
Braucht er den? Ich sage nein. Die einzelnen Episoden scheinen zwar alltäglich, sind aber mit Tiefe und Gedankenspielen ausgerüstet, so dass sie die Erzählweise in meinen Augen sehr attraktiv gestalten.
Weiterhin merkt man die Auswirkungen der Weltwirtschaftkrise, die mit Bravour gemeistert werden sollen, nur marginal am Rande.
Ja, ja, diese Klappentexte! Ich weiß schon, warum ich sie vor einer Lektüre nicht lese. Sie sind Werbeflächen - nicht mehr und nicht weniger. Ich muss vor der Lektüre weder wissen, WANN genau eine Geschichte spielt (das teilt sie mir bestenfalls beim Lesen mit), noch die Slogans des Verlags kennen - die oft viel zuviel preisgeben oder wie hier Erwartungen schüren, die nicht eingehalten werden können.

Diese Geschichte kann mich ganz allein überzeugen. Ohne Spannungsbogen, ohne Pathos. Das Leben in schwierigen Zeiten im ländlichen amerikanischen Raum. Darin erinnert sie mich klar an Kent Haruf, auch wenn der Schreibstil, wie @Querleserin sehr richtig sagt, ein anderer ist. Ich mag beide Autoren sehr gerne!
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Das, was sich die ganze Zeit schon zeigte, wird in diesem Abschnitt bewiesen: Melanie und Eustace verbindet zwar eine Freundschaft, aber keine Liebe. Zu gleichgültig hat Eustace Melanies Tändelei mit Terry und seinen Freunden zugesehen. Es ist absolut schlüssig, dass E. jetzt nicht in Tränen ausbricht. Ihm scheint Melanies Mutter, die familiäre Atmosphäre im Hause Perrault, fast wichtiger zu sein als Melanie selbst.

Sehr präzise ist Marys Charakterisierung von Sylvie. Mrs Perrault ist für mich die Schlüsselfigur des Romans. Sie verbindet die einzelnen Figuren und Familien - teilweise mit konkretem Handeln, oft aber auch durch ihre Gedanken, die sehr ausgewogen und um Objektivität bemüht sind.

Wie nebenbei werden die katastrophalen Verhältnisse in den Krankenhäusern geschildert, in denen die Patienten im Wartezimmer auf Behandlung warten müssen, in denen misabel behandelt wird und die Angst haben, ihr Geld nicht zu kriegen in diesen Zeiten. Später bekommen wir das durch Eustace bestätigt, der offenbar Geld vorstrecken muss, um am Blinddarm operiert werden zu können...

Anderen wird Gas, Strom und Wasser abgestellt...

Die Reindls kommen mit Rücksichtslosigkeit und Sozialschmarotzertum durch, während Mr Perrault die Hilfe seir Kinder benötigt...

Immer wieder häufen sich Anzeichen, die auf die schweren Zeiten hinweisen. Auch wenn Familie P. nicht stöhnt und lamentiert - sie wurden omnipräsent in das Geschehen eingeflochten:
...war bei Diskussionen zur politischen Lage, ob am Abendbrottisch oder irgendwo sonst in South Encina, unterschwellige Verzweiflung zu spüren. 257

Auch die bildlichen Beschreibungen der Landschaft, der Lichtverhältnisse passt für mich hervorragend! Kein bisschen Kitsch. Bei mir steuert das Buch auf klare 5 Sterne zu. Ich bin gespannt darauf, wie es ausgeht. Melanie scheint ihre Fesseln zunächst abgelegt zu haben, um zu Hause etwas zu verschnaufen und nachzudenken. Wohin wird sie ausbrechen? Was wird sie tun?
 

GAIA

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27. Dezember 2021
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Thüringen
Die einzelnen Episoden scheinen zwar alltäglich, sind aber mit Tiefe und Gedankenspielen ausgerüstet, so dass sie die Erzählweise in meinen Augen sehr attraktiv gestalten.
Tatsächlich fehlt es mir an Tiefe und Gedankenspielen. Ich wäre gern tiefer in die Psyche eingestiegen. Mir erscheint vieles so Husch Husch zum Nächsten.
Ja, ja, diese Klappentexte! Ich weiß schon, warum ich sie vor einer Lektüre nicht lese. Sie sind Werbeflächen - nicht mehr und nicht weniger. Ich muss vor der Lektüre weder wissen, WANN genau eine Geschichte spielt (das teilt sie mir bestenfalls beim Lesen mit), noch die Slogans des Verlags kennen - die oft viel zuviel preisgeben oder wie hier Erwartungen schüren, die nicht eingehalten werden können.
Klappentexte, keine Frage. Ein Thema für sich. Aber ich persönlich möchte schon wissen, wann ein Buch geschrieben wurde, über welche Zeit es spricht. Ich weiß, da gehen unsere Vorstellungen auseinander. Für mich ist der zeitliche und räumliche Kontext wichtig. Und letztlich werde ich weiterhin kritisieren, wenn der Klappentext etwas andeutet bzw. verspricht, was dann nicht im Buch steckt. Denn es gibt durchaus gute Klappentexte und vielleicht kann man durch beharrliche Kritik auch eine Änderung bei den Verlagen bewirken. Steter Tropfen höhlt die Buchdeckel, oder wie war das? ;)
Darin erinnert sie mich klar an Kent Haruf
Zugegeben, ich kenne nur "Unsere Herzen bei Nacht" von Kent Haruf, aber das Buch hat mich in seiner Kürze mit Abstand mehr fesseln können, als das vorliegende. Dort war ich dicht an den Personen und habe mit ihnen gefühlt. Janet Lewis hält die Figuren - zumindest mir gegenüber - auf Abstand und auch deren Sorgen und Befindlichkeiten.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Aber ich persönlich möchte schon wissen, wann ein Buch geschrieben wurde, über welche Zeit es spricht
Das wurde auch ziemlich zügig genannt (Seite 94) und zwar als Erwähnung der Finanzkrise im November dieses Jahres. Da klingelte es mir sofort in den Ohren, dass es sich um November 1929 handeln muss. Zu dem Zeitpunkt ist Melanie 15 Jahre alt. Ab da kann man hochrechnen.
Der Börsencrash am 24.10.29 gilt als Auslöser für die "Große Depression", die die 1930er Jahre dominierte.
Und letztlich werde ich weiterhin kritisieren, wenn der Klappentext etwas andeutet bzw. verspricht, was dann nicht im Buch steckt.
Ja unbedingt! Auch Werbung muss sich am Produkt messen lassen. Das sollte keine Kritik an deiner Kritik sein. Ich wollte nur deutlich machen, dass ich das Geschreibsel auf Buchrücken nicht beachte und es daher mein Leseempfinden auch nicht stören kann.
 

GAIA

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27. Dezember 2021
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Thüringen
Das wurde auch ziemlich zügig genannt (Seite 94) und zwar als Erwähnung der Finanzkrise im November dieses Jahres. Da klingelte es mir sofort in den Ohren, dass es sich um November 1929 handeln muss.
Ach so, nee ich meinte jetzt nicht bezogen auf dieses Buch. Das hat man super herauslesen können.
Mir geht es dabei um eine globale Aussage zu meinen Lesepräferenzen. Ich lese mir immer als erstes den Copyright-Text durch, um zu erfahren, wann erstmalig dieses festgehalten wurde. Aber auch die biografischen Daten der Autor:innen sowie dann letztlich die Anhaltspunkte im Text, wann die Geschichte spielt. All diese Eckpunkte mag ich zu wissen. Weshalb es mich auch ganz besonders stört, wenn bei Klassikern, die wiederveröffentlicht werden, keinerlei Daten zur Erstveröffentlichung etc. zu finden sind.
Auch Werbung muss sich am Produkt messen lassen. Das sollte keine Kritik an deiner Kritik sein.
Gut. :)
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Modern ist am Buch, dass es sich auf die Frauenspersonen fokusiert. Findet ihr Mel ganz glaubwürdig? Erstaunlicherweise ist sie dann doch ganz gut informiert, was Sex angeht und scheint sich nicht in Schwierigkeiten gebracht zu haben. Wahrschl hat sie auch genug Gespräche mit Sylvie und Rose geführt. Aber ihr Haar geht mir ein wenig on nervs. Soll sie es kurz schneiden! und mich mit weiteren Bürstenstrichen verschonen.
Die Reindlsache ist ein bisschen dick aufgetragen. Wie kann eine alte Frau jeden Kontakt nach aussen verhindern und warum sollte sie? Diese Beschreibungen, die Alte hat eine Hakennase und tiefliegende (gemeine) Augen - sind furchtbar übertrieben, aber ansonsten verkörpert das Personal das typische dörfliche Landleben. Noch ist die Welt dort relativ in Ordnung. Ob Eustace rechtzeitig operiert wird oder ob er uns wegstirbt? Nie scheint sich jemand Sorgen wegen Krankheiten zu machen, ob Blinddarm oder Diabetes. Wenigstens kann man jederzeit Jobs finden, solange man gesund ist. Jedenfalls finde ich den Bezug zu den Gegebenheiten des amerikanischen Wirtschaftssystems gelungen. Ein Flughafen wird gebaut werden und das Leben verändern. Die langsame Veränderung, die überall greift und niemanden verschont, hat die Autorin auch gut herausgearbeitet.
@GAIA: Die Emotionen der Figuren werden nicht betont; sie sind aber dennoch zu spüren.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Soll sie es kurz schneiden! und mich mit weiteren Bürstenstrichen verschonen.
Lach! Fällt mir gar nicht auf, weil ich keine negative Floskelliste habe;)
Melanie schwankt in ihren Gefühlen. Einerseits ist sie jung und möchte was erleben, andererseits wurde sie von Mary erzogen, die ihr ein vernünftig-moralisches Korsett mitgegeben hat. Insofern finde ich die Figur glaubwürdig. Das Schwanken ist ihrer Jugend zuzuschreiben.

Jedenfalls finde ich den Bezug zu den Gegebenheiten des amerikanischen Wirtschaftssystems gelungen.
Gut, dass du das erwähnst! Im nächsten Abschnitt hat sich etwas (Luftschiff) in die Länge gezogen, was man unter diesem Gesichtspunkt betrachten muss. Manche Dinge haben für die Menschen damals viel weitreichendere Bedeutung, weil sie mit Faszination oder auch mit Ängsten verbunden sind.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Lach! Fällt mir gar nicht auf, weil ich keine negative Floskelliste habe;)
Melanie schwankt in ihren Gefühlen. Einerseits ist sie jung und möchte was erleben, andererseits wurde sie von Mary erzogen, die ihr ein vernünftig-moralisches Korsett mitgegeben hat. Insofern finde ich die Figur glaubwürdig. Das Schwanken ist ihrer Jugend zuzuschreiben.


Gut, dass du das erwähnst! Im nächsten Abschnitt hat sich etwas (Luftschiff) in die Länge gezogen, was man unter diesem Gesichtspunkt betrachten muss. Manche Dinge haben für die Menschen damals viel weitreichendere Bedeutung, weil sie mit Faszination oder auch mit Ängsten verbunden sind.
Die Autorin reitet dermassen auf Mels Haaren herum, das muss einem auffallen, sie werden gefönt, glänzen in der Sonne, liegen in Wellen um ihr Gesicht, sind wieder mal frisch gewaschen.
Mel fände ich viel glaubwürdiger, wenn sie mehr rummachen würde ... ich glaube ihr ihre Abgeklärtheit einfach nicht.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Mel fände ich viel glaubwürdiger, wenn sie mehr rummachen würde ... ich glaube ihr ihre Abgeklärtheit einfach nicht.
Über Sex wird einfach nicht gesprochen. Ich war mir auch nicht im Klaren darüber, ob Wallie mit Sylvie ins Bett steigt, oder ob es bei gemeinsamen Ausfahrten bleibt...
Die Schwangerschaft hat das dann beantwortet.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Verhütung aus unserer Sicht noch extrem wackelig war. Kondome rissen und der Coitus Abruptus - da weiß man auch, dass er nicht zuverlässig ist...
Melanie ist jung, eine Schwangerschaft ein sehr negatives Stigma, das vor allem den Frauen angelastet wird (Wie bei Sylvie vor Augen geführt). Da wird sie sich schon zurückgehalten haben. Eustace ist wenig viril und macht keinen Druck, Terry würde sie eiskalt sitzen lassen. Da lässt sie es doch gleich mit dem Sex.
 

alasca

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Über Sex wird einfach nicht gesprochen. Ich war mir auch nicht im Klaren darüber, ob Wallie mit Sylvie ins Bett steigt, oder ob es bei gemeinsamen Ausfahrten bleibt...
Die Schwangerschaft hat das dann beantwortet.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Verhütung aus unserer Sicht noch extrem wackelig war. Kondome rissen und der Coitus Abruptus - da weiß man auch, dass er nicht zuverlässig ist...
Melanie ist jung, eine Schwangerschaft ein sehr negatives Stigma, das vor allem den Frauen angelastet wird (Wie bei Sylvie vor Augen geführt). Da wird sie sich schon zurückgehalten haben. Eustace ist wenig viril und macht keinen Druck, Terry würde sie eiskalt sitzen lassen. Da lässt sie es doch gleich mit dem Sex.
Coitus interruptus :smileeye
 

alasca

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13. Juni 2022
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Die Autorin reitet dermassen auf Mels Haaren herum, das muss einem auffallen, sie werden gefönt, glänzen in der Sonne, liegen in Wellen um ihr Gesicht, sind wieder mal frisch gewaschen.
Ja, ist ein bisschen viel - andererseits ein großer Teil ihrer Attraktivität.
Mel fände ich viel glaubwürdiger, wenn sie mehr rummachen würde ... ich glaube ihr ihre Abgeklärtheit einfach nicht.
Damals gab es noch keine Pille. Verhütung war unsicher, Männer ließen gerne mal schwangere Mädchen sitzen - Resultat ein ruiniertes Leben. Sie ist zu vernünftig (und nicht verliebt genug), um es dazu kommen zu lassen.
 

petraellen

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11. Oktober 2020
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Nun stellt sich heraus, dass Sylvie schwanger ist.

Rose, die noch etwas Hoffnung auf Walter hatte, weiss nun, das ihre Beziehung zu endgültig vorbei gut.


Die Familie Reindl bleibt weiterhin unnahbar und auch mysteriös. Mrs. Reindl stirbt unter merkwürdigen Hintergründen. Hat ihre Schwiegermutter sie tatsächlich vergiftet? Ihre Schwiegermutter „hat irgendeine Medizin für sie (Mrs Reindl) besorgt“. (S. 262)

Melanie trennt sich von Eustace und weist auch Terry zurück. Das hat mittgefallen. Sie zeigt Mut eigenständig leben zu wollen.

Was mir insbesondere gefällt ist weiterhin die Schreibweise. Der Roman lebt von der ausführlichen ruhigen Sprache. Der Raum der Natur wird atmosphärisch erfasst. „Mit den Regen werden die Berge langsam wieder grün. In den feuchten Gärten erblühten üppig die Lilien, mit dem Duft, der an Wildblumen in Schottland erinnerte“ (S. 256) Man fühlt sich mittendrin in der Natur, man sieht das Grün und riecht den Duft.


Mittendrin die Figuren, „Mrs. Perrault nutzt die Eier der Stockenten für ihren Kuchen und Pudding, der sich färbte als wäre es Safran.“ (S. 256)
 
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Querleserin

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30. Dezember 2015
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Wadern
querleserin.blogspot.com
Eigentlich habt ihr schon alles zu dem Leseabschnitt, in dem endlich etwas geschieht ;) geschrieben. Ich fand diesen Teil bisher den stärkste, da sowohl die Liebesbeziehungen als auch die Nachbarschaftsgeschichten gut ausgearbeitet und auch glaubwürdig sind. Die Alte als Hexe ist zwar ein Übertreibung, aber wir sehen sie auch durch die Brille von Mary, insofern passend.
 

Barbara62

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19. März 2020
4.164
15.998
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich stimme Melanie zu: Die junge Mrs Reindl hätte sich gegen die Hexe wehren müssen. Mit drei Kindern ist man ja nicht mehr das kleine Dummchen. Allerdings kennen wir die Rolle von Mr Reindl, dem Sohn der Hexe, nicht. Es steht zu vermuten, dass er seiner Mutter den Rücken gestärkt hat - der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum...
Bei der Szene, als Mr. Reindl eingesperrt ist, wird deutlich, wie sehr sich die Familie vor ihm fürchtet. Dass sie ihm die Stirn nicht bietet, ist klar. Wenn er sich vor seine Mutter gestellt hat, hatte Mrs. Reindl keine Chance. Es war noch nicht die Zeit der Frauenhäuser.

Das, was sich die ganze Zeit schon zeigte, wird in diesem Abschnitt bewiesen: Melanie und Eustace verbindet zwar eine Freundschaft, aber keine Liebe. Zu gleichgültig hat Eustace Melanies Tändelei mit Terry und seinen Freunden zugesehen. Es ist absolut schlüssig, dass E. jetzt nicht in Tränen ausbricht. Ihm scheint Melanies Mutter, die familiäre Atmosphäre im Hause Perrault, fast wichtiger zu sein als Melanie selbst.
Zu Beginn war Melanie nicht wirklich klar, dass es mehr als nur eine geschwisterliche Zuneigung für eine Ehe braucht. Durch Beobachtung, z.B. beim Drama um Rose, Walter und Sylvie, ist ihr bewusst geworden, dass sie auf die Liebe warten will - oder sogar notfalls auf die Ehe zu verzichten. Sie kann ihren Unterhalt selbst bestreiten, es ist nicht mehr die Zeit, als eine Frau unbedingt heiraten musste. Außerdem weiß sie sich im Haus ihrer Eltern geborgen, ein nicht zu unterschätzender Punkt. Und sie weiß, nicht zuletzt durch Terry, was sie wert ist.