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4. Leseabschnitt - Kap. 15-21 (S.237-345)

Dieses Thema im Forum "Leserunde zu 'Die Todesbotin' - ab 01.05.19" wurde erstellt von Helmut Pöll, 27. April 2019.

  1. Helmut Pöll

    Helmut Pöll Moderator

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    4. Leseabschnitt - Kap. 15-21 (S.237-345)
     
  2. wal.li

    wal.li Gold Mitglied

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    Diesen Abschnitt fand ich bisher am Schwierigsten. Man erfährt ein wenig, wie Wemel wurde, was es ist. Dass nicht alle Nazis Ossis sind, sondern wie es nach der Wende häufig war, dass die Besser-Wessi-Nazis die Orientierungslosigkeit im Osten gnadenlos für eigene Zwecke ausgenutzt haben. Trotzdem schaudert es einen bei dem Gedanken an einen solchen Ort. Da ist nach der Wende heftig etwas verpasst worden und nun steht man da und weiß nicht, wie man die Entwicklung wieder einholen soll. Dass gerade der Ober-Nazi umgedreht wurde, erscheint für das Buch zwar tröstlich, im wahren Leben glaube ich nicht, dass einer durch ein paar mal sprechen zur Vernunft kommt. Gut für Viktor, dass es im fiktiven Wemel so läuft, so kann er schließlich entkommen. Die Geschichte der Großeltern von Sikorsky war für mich sehr wichtig, damit man daran erinnert wird, dass die Geschichte eben nicht vergessen werden darf. Das bringt es genau auf den Punkt, Sikorsky wirkte wie der Oberpolizist, den keiner mag, und nun? Es ist eben doch besser, wenn man sich erstmal mit den Menschen beschäftigt.
    Angeblich ist Khalid tot, das gerät fast zur Nebensache, stimmt es überhaupt?
     
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  3. Mamskit

    Mamskit Mitglied

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    Wenn ich die Reportage nicht gesehen hätte, würde ich es nicht glauben können. Was für eine Parallelwelt ist dieses Dorf! Vieles kam mir aus dem Film sehr bekannt vor. Unfassbar, dass es solche Menschen bzw. Weltbilder gibt. Ich habe noch ein bisschen im Internet recherchiert. Dort stand, dass die Gemeinde, zu der das reale Dorf gehört, das Dorf "aufgegeben" hat. Unglaublich.
    Mich wunderte, dass Viktor derart blauäugig in die Undercover-Ermittlung eingestiegen ist. Angesichts seines Namens und seiner Herkunft musste er doch eigentlich damit rechnen, dass irgendjemand - und sei es auch nur aus Neugier- im Internet recherchiert und auf seinen tatsächlichen Beruf stößt.
     
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  4. Mamskit

    Mamskit Mitglied

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    Das gefällt mir an diesem Buch sehr: man muss immer wieder zweimal hinschauen. Jeder hat seine Geschichte zu erzählen und darf nicht zu früh in eine Schublade gesteckt werden.
     
  5. Thomas Elbel

    Thomas Elbel Mitglied

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    Hab ich mich auch gefragt. Aber andererseits: Würde man das einfach anlasslos tun? Also ich habe die Lehrerinnen/Erzieherinnen meiner Kinder jedenfalls nicht gegoogelt. Hmmm. Vielleicht sollte ich?! :confused:
     
  6. Mamskit

    Mamskit Mitglied

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    Stimmt auch wieder. Man neigt als Leser oft dazu, sich durch den Wissensvorsprung, den man den Akteuren gegenüber unter Umständen hat, schlauer zu fühlen....:)
     
  7. Amena25

    Amena25 Aktives Mitglied

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    Mich hat eher gewundert, dass Viktor so schnell eine Stelle als Lehrer dort bekommen hat. Ich hätte mir vorgestellt, dass so etwas länger geht, mit Vorstellungsgespräch usw.
    Interessant finde ich allerdings auch, wie stark die Kinder, z.B. Yannik, indoktriniert sind. Aber klar, wenn sie nichts anderes kennen, können sie. sich auch nichts anderes vorstellen.
     
  8. Thomas Elbel

    Thomas Elbel Mitglied

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    Wenn man die "rechte" Referenz hat. ;-)
    Wenn Dich das Thema interessiert:
    https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Ein_deutsches_Maedchen/84799
    Klett-Cotta :: Ein deutsches Mädchen - Heidi Benneckenstein
    klett-cotta.de

    und
    https://www.ndr.de/fernsehen/sendun...tation-Kleine-Germanen,kulturjournal6754.html

    Erschütternde Dokumentation "Kleine Germanen"

    Mitten in unserer Gesellschaft werden Kinder mit rassistisch-völkischen Parolen großgezogen. Die Dokumentation "Kleine Germanen" zeigt eine beängstigende Parallelwelt in Deutschland.
    ndr.de
     
  9. Amena25

    Amena25 Aktives Mitglied

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  10. Thomas Elbel

    Thomas Elbel Mitglied

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    Ich hatte schon vor der Buchrecherche über derartiges gelesen. Interessant waren auch die Spiegel beschriebenen Erlebnisse des Fernsehmoderators Dieter Moor, der in einem kleinen Dorf in Brandenburg einen Biohof gründen wollte. Der ist teilweise das Vorbild für den Kunstprofessor Peter Rautendorf. Hochinteressant war auch das recht aktuelle Buch "Reise ins Reich" von Tobias Ginsburg. Ein Journalist mit jüdischen Wurzeln begibt sich "undercover" in die Szene der Reichsbürger, Identitären und heidnisch-germanisch-esoterischen Kulte um mit deren Anhängern ins Gespräch zu kommen. Das ist liest sich mitunter wie ein Bericht über einen anderen Planeten.
     
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  11. Amena25

    Amena25 Aktives Mitglied

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  12. Thomas Elbel

    Thomas Elbel Mitglied

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    Ja. Mich hatte da auch gerade erst eine Leserin drauf aufmerksam gemacht.
     
  13. milkysilvermoon

    milkysilvermoon Aktives Mitglied

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    Schön formuliert. So geht es mir auch. :)
     
  14. milkysilvermoon

    milkysilvermoon Aktives Mitglied

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    Ich hatte davon auch schon gehört, aber jetzt noch mal nachgelesen und war trotzdem wieder aufs Neue geschockt. Das kann man sich gar nicht richtig vorstellen.
     
  15. Thomas Elbel

    Thomas Elbel Mitglied

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    Ich kann mich noch vage an einen Zeitungsartikel erinnern, den ich heute leider nicht mehr wiederfinde. Da hatte eine ganz normale Familie, die in ein Dorf in West-Brandenburg gezogen war, geschildert, wie Sie nach einer Weile von rechten Dorfbewohnern systematisch gemobbt, belästigt, bedroht und schikaniert wurde, bis sie schließlich weggezogen sind. Einzige Sünde: Sie passten politisch nicht zu den Nachbarn. Ist allerdings schon ein paar Jahre her. Inzwischen wird ja viel getan und man muss immer wieder betonen, dass sind ein paar wenige Idioten, die aber das Klima bestimmen. Vor wenigen Tagen war da auch so ein Artikel, wo beschrieben war, wie Rechtspopulisten, obgleich in der Minderheit, Online-Diskurse systematisch kapern und dominieren.
     
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  16. parden

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    Ja, auch ich habe einiges aus der Reportage 'wiedererkannt' - bis hin zum Künstler, der zum Widerstand aufruft... :) Wirklich unfassbar.
     
  17. parden

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    Das hat mich allerdings auch sehr verwundert. Jeder kann heute im Internet problemlos recherchieren, und garantiert hat auch Viktor und sein Beruf da Spuren hinterlassen. Gerade solch eine abgeschirmte Gemeinschaft dürfte ja wohl ausreichend misstrauisch rein und genau überprüfen, wer da Einlass begehrt... Berühmter Großvater hin oder her...
     
  18. parden

    parden Forumlegende

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    Ich muss sagen, dass mir dieser Abschnitt nicht so sehr gefallen hat. Man wurde recht abrupt hineingeworfen - plötzlich war Viktor einfach innerhalb des Zauns und agierte auch noch als Lehrer. Habe ich was verpasst? War Viktor in seinem Leben auch schon mal Lehrer? Muss eine solche 'private' Beschulung nicht zwingend von Lehrern durchgeführt werden?

    Mir fällt immer wieder auf, dass sich Viktor recht stümperhaft benimmt und dadurch von einer misslichen Lage in die nächste rutscht. Ausgerechnet der Begründer des Dorfes ist nun schwer depressiv und leidet unter Panikattacken - und als Dankeschön für sein gerettetes Leben nach dem Selbstmordversuch hilft er jetzt den Behörden und lässt sich umdrehen? Was sollte das mit dem blinden Mädchen, das sich (angeblich?) in Viktor verliebt hat? Sie schminkt sich - blind?! Das war es jetzt? Oder kommt da noch was?

    Die Schilderung der Schlachtszene war recht drastisch - aber wohl auch realistisch. @Thomas Elbel - selbst Vegetarier? Wäre nur logisch. Ich bin gespannt, wie lange Viktors guter Vorsatz da anhält. Aber stimmt schon: wenn man sein Fleisch selbst 'erlegen' müsste, gäbe es deutlich mehr Vegetarier, garantiert...

    Ein kleiner übersehender Fehler des Lektorats auf S. 300: "Tagsüber war es zwar noch einmal angenehm sonnig und warm geworden, bevor..." -> da fehlt ein "aber"... (zwar - aber).
     
  19. Thomas Elbel

    Thomas Elbel Mitglied

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    Nein, bin kein Vegetarier. Fand die Recherche aber einen guten Anlass mich mit den Konsequenzen meines Tuns auseinanderzusetzen. Danke für den Hinweis auf den Lektoratsfehler. Ich hoffe dann auf die Revidierte Neuauflage.
     
  20. Thomas Elbel

    Thomas Elbel Mitglied

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    In meiner Vorstellung ist eine esoterische-völkische Gemeinschaft eher nicht so internetaffin und welche Veranlassung soll man gehabt haben, Viktor auf eine falsche Identität zu überprüfen, dazumal er ja einen "Gewährsmann" hatte?
     
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