4. Leseabschnitt: Drittes Buch - Warten auf den Tod (S. 311 - 430)

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Natürlich hat sie NICHTS mit dem Buch zu tun, ich habe lediglich GEANTWORTET auf den o.g. Kommentar von wandablue, das war alles. Und du hast meine Antwort aufgegriffen und DASSELBE gesagt/gemeint, wie ich: es bedarf keines Notars, der Wille wird (vom AG) ausgelegt, das war ALLES!
Ach wie schade, dass offenbar schon wieder ein, mir unverständliches "Scharmützel" entstanden zu sein scheint, haben wir beide JA EXAKT DASSELBE gemeint und geschrieben! Und dennoch diese Reaktion, auf meine Einlassung... Hingegen, wo ich über Marys Verhalten zur Weigerung der Testamentsvernichtung sinniere und quasi auf eure Meinung gespannt bin, wie ihr das seht, kommt hingegen keine Einlassung...:confused::eek::oops:, schade!

Was hast du nur immer mit deinen Scharmützeln? Das läuft doch alles nett und freundschaftlich ab. Man darf mal ein bisschen diskutieren. Keine Sorge. Und ihr könnt mich alle Wanda nennen, das genügt.

Bei den Testamenten mein ich, dass die Zeugen notwendig waren/sind, um zu bezeugen, dass man geistig auf der Höhe ist. Aber wenn ein Testament nicht angefochten wird, ist es wohl nicht notwendig. Ich müsste mal ins BGB gucken.
 

nineLE

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4. November 2019
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1.267
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Was hast du nur immer mit deinen Scharmützeln? Das läuft doch alles nett und freundschaftlich ab. Man darf mal ein bisschen diskutieren. Keine Sorge. Und ihr könnt mich alle Wanda nennen, das genügt.

Bei den Testamenten mein ich, dass die Zeugen notwendig waren/sind, um zu bezeugen, dass man geistig auf der Höhe ist. Aber wenn ein Testament nicht angefochten wird, ist es wohl nicht notwendig. Ich müsste mal ins BGB gucken.
Liebe Wandablue, das Wort stammt NICHT VON MIR, sondern von @Literaturhexle, wie du im Verlauf lesen kannst!
 

nineLE

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4. November 2019
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ei den Testamenten mein ich, dass die Zeugen notwendig waren/sind, um zu bezeugen, dass man geistig auf der Höhe ist. Aber wenn ein Testament nicht angefochten wird, ist es wohl nicht notwendig. Ich müsste mal ins BGB gucken.
Das brauchst du nicht, das haben wir oben hinreichend geklärt , denke ich ;)
 

renee

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9. Februar 2019
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Gewartet wird auf den Tod von Mr. Featherstone, vor allem Fred erhofft sich davon das Ende seiner Schulden.
Der Abschnitt beginnt mit einer ausführlichen Schilderung seiner Fehlinvestitionen - der unglückliche Pferdekauf ist wohl symptomatisch für sein mangelndes Händchen beim Handeln.
Tragisch sind die Folgen für die Garths, zum ersten Mal wird Fred bewusst, dass es den anderen nichts nutzt, dass es ihm Leid tut, dass er den Wechsel nicht zurückzahlen kann.
"Aber sie hatte bewirkt, dass Fred zum ersten Mal so etwas wie Gewissensbisse verspürt. (...) Er hatte sich mit den Problemen und dem möglichen Schaden, die ihnen sein Wortbruch bereiten konnte, nicht beschäftigt, denn bei hoffnungsvollen jungen Herren ist es nicht üblich, dass sie sich Gedanken über die Nöte anderer Leute machen." (337)
Die Verbindung zwischen den Familien wird in dem Zusammenhang auch erklärt:
"Die Garths hatten Fred sehr gern, denn er war einer der Ihren: Als nämlich er und Rosamond noch kleine Kinder waren, ging es den Garths besser; die oberflächlichen Verbindungen zwischen den zwei Familien durch Mr. Featherstones zwei Ehen (die erste mit Mr. Garths Schwester, die zweite mir der von Mrs. Vincy) hatten zu einer Bekanntschaft geführt, die eher zwischen den Kindern fortgesetzt wurde als zwischen den Eltern..." (314)
Fred gesteht Mary, dass er ihrem Vater das Geld nicht zurückzahlen kann, ein Umstand, der sie darin bestärkt, ihn nicht erhören zu wollen. Da zeigt sie Größe, Umsicht, Bodenständigkeit, während Fred einen Zusammenbruch erleidet. Er hat Typhus und wird durch einen glücklichen Zufall von Mr. Lydgate behandelt. Ein Umstand, der dazu führt, dass dieser in näheren Kontakt mit Rosamond tritt, die sich ihre Zukunft mit dem Arzt schon in allen Farben ausmalt, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Zwischen den beiden herrscht zunächst ein Missverständnis, denn Mr. Lydgate will mitnichten jetzt schon heiraten, sondern sich auf seine Stelle und wissenschaftlichen Studien konzentrieren.
"Rosamond kam es vor, als wären sie und Lydgate so gut wie verlobt. (...) Zugegeben, Lydgate hegte den gegenteiligen Gedanken, nämlich unverlobt zu bleiben..."(368)
Währenddessen kehren die Casaubons - Doro desillusioniert - von den Flitterwochen zurück. Interessanterweise gibt uns der auktoriale Erzähler einen entscheidenden Hinweis - ausgerechnet beim Anblick der Miniatur von Mr. Casaubons Tante Julia, die so unglücklich geheiratet hatte, Wills Großmutter, kommen ihr die Tränen.
Ein Verweis auf die eigene unglückliche Ehe und die eventuell bevorstehende Mesalliance mit Will (?) Gleichzeitig berichtet ihr Celia bei ihrer Ankunft von der bevorstehenden Hochzeit mit Sir James, worüber Doro sehr erfreut ist.
Der Erzähler gibt jedoch auch Mr. Casaubons innerer Verfassung Raum und schildert seine Sicht der Dinge - so verhindert er eine zu einseitige Darstellung der Dinge - er geht sogar soweit, dass er offen zugibt: "Ich für meinen Teil habe Mitleid mit ihm" (380), da sich seine Erwartungen an die Ehe mit einer jungen, wissbegierigen Frau nicht erfüllt haben, weil er von Selbstzweifeln zerfressen bleibt, die ihn auch zur Eifersucht gegenüber Will treiben, obwohl Dorothea in dieser Beziehung tatsächlich unschuldig ist. Die Briefe seines Vetters führen jedenfalls zu einem Streit mit seiner Frau, in der sie selbstbewusst ihre Meinung vertritt, und in der Folge davon zu einem Schwächeanfall - und wieder wird Mr. Lydgate gerufen.
Er rät Doro dazu, dass sich Mr. Casaubon schonen solle, ein Umstand, der diesen unglücklich machen werde, wie sie sehr klar erkennt. "Er hat sich sein ganzes Leben lang abgemüht und auf sein Ziel geblickt. Ihm liegt nicht anderes am Herzen. Und mir liegt nichts anderes am Herzen." (392)
Eine Ausspruch, der Lydgate tief beeindruckt "ein Schrei von Herz zu Herz" (392).
Seine "Verbindung" zu Rosamond wird in der Zwischenzeit zum Gespräch in Middlemarch, so dass die junge Frau von ihrer Tante Mrs. Bulstrode direkt darauf angesprochen wird, ob sie verlobt sei - es ist Stadtgespräch (!). Rosamond verneint und Mrs. Bulstrode verdonnert ihren Mann Lydgate auszuhorchen, der nichts von einer Verlobung erwähnt, worauf sie wiederum jenem nahelegt, sich von Rosamond fernzuhalten. Alles, um den guten Ruf zu wahren und schließlich will er sich noch nicht von den Sirenen binden lassen, wie es der Pfarrer ausdrückt. Doch schließlich kommt es zur schicksalshaften Begegnung der beiden, in der Rosamond ihm mehr oder weniger ihr Herz ausschüttet und ihre Tränen rühren Lydgate so sehr, dass er sich seinen Gefühlen überlässt und nach "einer halben Stunde verließ er das Haus als verlobter Mann, dessen Seele nicht ihm selbst gehörte, sondern der Frau, der er sich verbunden hatte." (407)
Die unschlagbare Macht der Frauen - Tränen!
Der Abschnitt kehrt am Ende zu seinem Anfang zurück, denn die Geier kreisen in Mr. Featherstones Haus, in dem sich Mrs. Vincy mit Fred einquartiert hat, und warten auf ihr Erbe. Das Kapitel 32 hat wirklich satirische Züge. Und dann stirbt Peter Featherstone, wobei er Mary bittet, eines der beiden Testamente, die er gemacht hat zu verbrennen. Doch erneut zeigt sie ihre Umsicht, denn sie weigert sich, irgendetwas anzurühren, damit man ihr nicht nachsagt, sie habe zu ihren Gunsten gehandelt. Auch sein Geld nimmt sie nicht an, sondern bleibt sich und ihren Grundsätzen treu. Ob das für alle Beteiligten ein Vorteil sein wird?
Eine ganz wunderbare Beschreibung dieses Leseabschnittes, liebe @Querleserin ! :)
 

renee

Bekanntes Mitglied
9. Februar 2019
3.641
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49
Der Abschnitt beginnt mit einer ausführlichen Schilderung seiner Fehlinvestitionen - der unglückliche Pferdekauf ist wohl symptomatisch für sein mangelndes Händchen beim Handeln.
Tragisch sind die Folgen für die Garths, zum ersten Mal wird Fred bewusst, dass es den anderen nichts nutzt, dass es ihm Leid tut, dass er den Wechsel nicht zurückzahlen kann.
"Aber sie hatte bewirkt, dass Fred zum ersten Mal so etwas wie Gewissensbisse verspürt. (...) Er hatte sich mit den Problemen und dem möglichen Schaden, die ihnen sein Wortbruch bereiten konnte, nicht beschäftigt, denn bei hoffnungsvollen jungen Herren ist es nicht üblich, dass sie sich Gedanken über die Nöte anderer Leute machen." (337)
Die Verbindung zwischen den Familien wird in dem Zusammenhang auch erklärt:
"Die Garths hatten Fred sehr gern, denn er war einer der Ihren: Als nämlich er und Rosamond noch kleine Kinder waren, ging es den Garths besser; die oberflächlichen Verbindungen zwischen den zwei Familien durch Mr. Featherstones zwei Ehen (die erste mit Mr. Garths Schwester, die zweite mir der von Mrs. Vincy) hatten zu einer Bekanntschaft geführt, die eher zwischen den Kindern fortgesetzt wurde als zwischen den Eltern..." (314)
Fred gesteht Mary, dass er ihrem Vater das Geld nicht zurückzahlen kann, ein Umstand, der sie darin bestärkt, ihn nicht erhören zu wollen. Da zeigt sie Größe, Umsicht, Bodenständigkeit, während Fred einen Zusammenbruch erleidet.
Dieses Schildern von Freds Tun und Handeln erzeugt in mir eine gewisse Abneigung. Gleichzeitig aber auch ein gewisses Mitleid. Er zeigt in seinem Handeln eine gewisse Einfältigkeit, die gewiss auch mit seiner Jugend zu erklären wäre. Andererseits zeigt er ebenso eine gewisse Theatralik, die ein gewisses egoistisches Denken erkennen lässt. Er hat sich anscheinend nicht wirklich Gedanken über die Auswirkungen seines Tuns gemacht und ist dann schockiert, als er sieht wie die Garths reagieren und was dies alles für sie bedeutet. Tja, hier sieht es wirklich schlecht für ein späteres Zusammensein von Fred & Mary aus. Obwohl trotzdem Gefühle bei Mary durchblitzen. Aber ob sie denen nachgibt. Ich bezweifele es.
 

renee

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9. Februar 2019
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Er hat Typhus und wird durch einen glücklichen Zufall von Mr. Lydgate behandelt. Ein Umstand, der dazu führt, dass dieser in näheren Kontakt mit Rosamond tritt, die sich ihre Zukunft mit dem Arzt schon in allen Farben ausmalt, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Zwischen den beiden herrscht zunächst ein Missverständnis, denn Mr. Lydgate will mitnichten jetzt schon heiraten, sondern sich auf seine Stelle und wissenschaftlichen Studien konzentrieren.
"Rosamond kam es vor, als wären sie und Lydgate so gut wie verlobt. (...) Zugegeben, Lydgate hegte den gegenteiligen Gedanken, nämlich unverlobt zu bleiben..."(368)
Seine "Verbindung" zu Rosamond wird in der Zwischenzeit zum Gespräch in Middlemarch, so dass die junge Frau von ihrer Tante Mrs. Bulstrode direkt darauf angesprochen wird, ob sie verlobt sei - es ist Stadtgespräch (!). Rosamond verneint und Mrs. Bulstrode verdonnert ihren Mann Lydgate auszuhorchen, der nichts von einer Verlobung erwähnt, worauf sie wiederum jenem nahelegt, sich von Rosamond fernzuhalten. Alles, um den guten Ruf zu wahren und schließlich will er sich noch nicht von den Sirenen binden lassen, wie es der Pfarrer ausdrückt. Doch schließlich kommt es zur schicksalshaften Begegnung der beiden, in der Rosamond ihm mehr oder weniger ihr Herz ausschüttet und ihre Tränen rühren Lydgate so sehr, dass er sich seinen Gefühlen überlässt und nach "einer halben Stunde verließ er das Haus als verlobter Mann, dessen Seele nicht ihm selbst gehörte, sondern der Frau, der er sich verbunden hatte." (407)
Die unschlagbare Macht der Frauen - Tränen!
Lydgate und Rosamond, ein etwas eigenwilliges Schauspiel. Rosamond verliert sich hier in ihren Gefühlen und Lydgate wirkt als ob er mit ihr spiele. Das er sich hier dennoch für die Verlobung entscheidet verwunderte mich etwas. Aber vielleicht sieht er sich durch das Stadtgespräch auch dazu gezwungen, denn was würde die Stadt zu einer leidenden Rosamond sagen und was für Folgen hätte das für Lydgate. aber wer weiß, vielleicht sind auch bei Lydgate Gefühle im Spiel. Oder es ist eine Mischung aus beidem. Mal sehen. ...
 

renee

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9. Februar 2019
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Währenddessen kehren die Casaubons - Doro desillusioniert - von den Flitterwochen zurück. Interessanterweise gibt uns der auktoriale Erzähler einen entscheidenden Hinweis - ausgerechnet beim Anblick der Miniatur von Mr. Casaubons Tante Julia, die so unglücklich geheiratet hatte, Wills Großmutter, kommen ihr die Tränen.
Ein Verweis auf die eigene unglückliche Ehe und die eventuell bevorstehende Mesalliance mit Will (?) Gleichzeitig berichtet ihr Celia bei ihrer Ankunft von der bevorstehenden Hochzeit mit Sir James, worüber Doro sehr erfreut ist.
Der Erzähler gibt jedoch auch Mr. Casaubons innerer Verfassung Raum und schildert seine Sicht der Dinge - so verhindert er eine zu einseitige Darstellung der Dinge - er geht sogar soweit, dass er offen zugibt: "Ich für meinen Teil habe Mitleid mit ihm" (380), da sich seine Erwartungen an die Ehe mit einer jungen, wissbegierigen Frau nicht erfüllt haben, weil er von Selbstzweifeln zerfressen bleibt, die ihn auch zur Eifersucht gegenüber Will treiben, obwohl Dorothea in dieser Beziehung tatsächlich unschuldig ist. Die Briefe seines Vetters führen jedenfalls zu einem Streit mit seiner Frau, in der sie selbstbewusst ihre Meinung vertritt, und in der Folge davon zu einem Schwächeanfall - und wieder wird Mr. Lydgate gerufen.
Er rät Doro dazu, dass sich Mr. Casaubon schonen solle, ein Umstand, der diesen unglücklich machen werde, wie sie sehr klar erkennt. "Er hat sich sein ganzes Leben lang abgemüht und auf sein Ziel geblickt. Ihm liegt nicht anderes am Herzen. Und mir liegt nichts anderes am Herzen." (392)
Eine Ausspruch, der Lydgate tief beeindruckt "ein Schrei von Herz zu Herz" (392).
Auch hier wird ein interessantes Schauspiel geboten. Dodo wirkt hier anders, etwas gereifter. Sie bietet Casaubon Widerstand, dieser reagiert aufgewühlt und dieses Aufgewühlte lässt ihn dann zusammenbrechen. Hier siegt bei Dodo dann das schlechte Gewissen. Obwohl ein Zweifel bleibt und das Interesse an den Briefen ebenso, dem sie aber nicht nachgibt. Ebenso versucht sie aber einen Kontakt mit Will zu vermeiden. Hier reagiert aber Brooke anders als von Doro gewünscht. Mal schauen was hier weiter passieren wird.
Celia und James, wir wissen es ja schon, leider, hier wäre eine Unwissenheit schöner gewesen. Aber gut. Diese Paarung klingt eigentlich ganz gut. Mal schauen ob dies so bleibt. ...
 

renee

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9. Februar 2019
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Gewartet wird auf den Tod von Mr. Featherstone, vor allem Fred erhofft sich davon das Ende seiner Schulden.
Der Abschnitt kehrt am Ende zu seinem Anfang zurück, denn die Geier kreisen in Mr. Featherstones Haus, in dem sich Mrs. Vincy mit Fred einquartiert hat, und warten auf ihr Erbe. Das Kapitel 32 hat wirklich satirische Züge. Und dann stirbt Peter Featherstone, wobei er Mary bittet, eines der beiden Testamente, die er gemacht hat zu verbrennen. Doch erneut zeigt sie ihre Umsicht, denn sie weigert sich, irgendetwas anzurühren, damit man ihr nicht nachsagt, sie habe zu ihren Gunsten gehandelt. Auch sein Geld nimmt sie nicht an, sondern bleibt sich und ihren Grundsätzen treu. Ob das für alle Beteiligten ein Vorteil sein wird?
Dieses Kapitel um den Tod des Featherstone zeigt wie perfekt die Autorin menschliches Handeln kennt und in ihrer Satire lässt sie genau dieses Handeln etwas hochleben. Genau das hat mir sehr gefallen.
Ebenso wie mir Marys Handeln hier gefällt. Sie scheint von den zentraleren weiblichen Charakteren des Buches die Schlaueste zu sein.
 

renee

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9. Februar 2019
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Ich lese gerade in Kapitel 27 (Fred ist schlimm krank geworden) auf ein und derselben Seite:
"Denn Rosamond zeigte nie unangebrachtes Wissen und war stets jene Kombination aus korrekten Gefühlen, Musik, Tanz, Zeichnen, eleganter Korrespondenz, privatem Poesiealbum und vollkommenem blonden Liebreiz, die zu jener Zeit die unwiderstehlichste Frau für den dazu verurteilten Mann ausmachte."
... und etwas weiter oben über Lydgate:
"Für ihn gehörte es zu den schönsten Geisteshaltungen bei einer Frau, wenn sie die Überlegenheit eines Mannes anbetete, ohne daß sie allzu genau wußte, worin sie bestand."

Ich muss schon sagen, diese beiden haben einander vollauf verdient. Ich freue mich schon darauf, wenn die daraus entstehende Ehe mit ebenso spitzer Feder geschildert wird.
Hier kann ich dir nur zustimmen. Die beiden haben sich wirklich verdient! :p:D
 

renee

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9. Februar 2019
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Die Reaktion der Garths auf Fred’s Geständnis hätte klüger nicht sein können. „Sie hat bewirkt, dass Fred zum ersten Mal so etwas wie Gewissensbisse verspürte.“ (S. 337).

Solche besonnenen Reaktionen sind doch echt die Besten, weil es niemand anderen als sich selber gibt, dem man Verantwortung und Schuld zuschreiben kann.
Bis dato völlig selbstbezogen, macht Fred sich nun „Gedanken über die Nöte anderer Leute“. (S. 337).

Und nach der ersten Beichte folgt die Beichte vor Mary. Eine Beichte, die Mary’s Verstand bestärkt, Fred nicht zu heiraten.
Mrs. Garth und Mary müssen nun die Suppe auslöffeln, die der leichtsinnige Halodri Fred der Familie eingebrockt hat.
Die Eltern Garth raten Mary verständlicherweise von einer Verbindung mit Fred ab.

Aus heutiger Sicht könnte Fred’s folgende Typhuserkrankung unschwer durch eine psychosomatische Kausalkette erklärt werden:
Gewissensbisse und Schuldgefühle lösen bei ihm eine derart quälende innere Spannung aus, dass sein Immunsystem durch die Ausschüttung von Stresshormonen geschwächt wird und die bedrohlichen Bakterien nicht mehr abwehren kann, so dass es zum Ausbruch der Erkrankung kommt ;-)
Ich hatte hier sehr ähnliche Gedanken.
Fred werden hier die Folgen seines Tuns bewusst und das lässt ihn innehalten, vielleicht hat das endlich eine Läuterung bewirkt. Ich hoffe es sehr!
Aber ich war mir letzten Endes etwas unsicher, weil die Schwere der geschilderten Erkrankung Fred's doch an etwas Heftigeres denken lässt. Mal sehen was oder ob noch etwas kommt. ...
 
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renee

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9. Februar 2019
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Was ich mich frage, ist, wie ernst es L. mit R. ist.
Hat er anfangs wirklich alles nur als unverbindliche Turtelei betrachtet und sich am Ende wirklich nur von den Tränen breitschlagen lassen? Oder war seine ihm zugängliche Denkweise nur Eigenschutz, weil er ja damals in Paris eine sehr schmerzliche Erfahrung gemacht hat? Ich tendiere zur zweiten Version und vermute, dass die Tränen seine innere Schutzmauer aufgeweicht hat, wodurch er Zugang zu seinen aufrichtig zärtlichen Gefühlen für R. bekommen hat...
Es gibt so viele Textstellen, mit denen das eine oder das andere be- oder entkräftet werden könnte. Deshalb bin ich gespannt, wie’s weitergeht.
Hier bin ich auch sehr neugierig was noch kommt. Lydgate kommt mir zu durchtrieben/durchdacht für tiefe Gefühle vor. Aber ich kann mich auch irren. :D:confused::rolleyes:
 

renee

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9. Februar 2019
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Aber ich befürchte, dass sie so viel für ihn werben kann wie sie will... meine Sympathie hat er immer noch nicht. „… und hatte sich überlegt, dass ein Mann in guter Stellung dabei eine blühende, junge Dame erwarten konnte und also sorgfältig auswählen sollte – je jünger, umso besser, weil leichter erziehbar und gefügiger –…“ (S. 377)

Grrrrr...
Genauso erging es mir hier auch. Wie gesagt ich bin froh heute zu leben. Auch heute gibt es eigenwilliges Denken unter den Männern, aber ich kann wenigstens entsprechend reagieren. Das konnten die Mädels damals nicht so. Sie wurden ja auch schön klein gehalten. Grrr! :mad:
 
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nineLE

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4. November 2019
1.035
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Dieses Schildern von Freds Tun und Handeln erzeugt in mir eine gewisse Abneigung. Gleichzeitig aber auch ein gewisses Mitleid. Er zeigt in seinem Handeln eine gewisse Einfältigkeit, die gewiss auch mit seiner Jugend zu erklären wäre. Andererseits zeigt er ebenso eine gewisse Theatralik, die ein gewisses egoistisches Denken erkennen lässt. Er hat sich anscheinend nicht wirklich Gedanken über die Auswirkungen seines Tuns gemacht und ist dann schockiert, als er sieht wie die Garths reagieren und was dies alles für sie bedeutet. Tja, hier sieht es wirklich schlecht für ein späteres Zusammensein von Fred & Mary aus. Obwohl trotzdem Gefühle bei Mary durchblitzen. Aber ob sie denen nachgibt. Ich bezweifele es.
Mitleid habe ich mit solchen Typen null, zwar aufgrund fehlender Erziehung und falschen Vorbildern aus seinem Elternhaus gewiss und dennoch, ist seine Feigheit nicht entschuldbar für mich...
 
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