4. Leseabschnitt: Dritter Teil (Seite 157 bis 200)

Irisblatt

Bekanntes Mitglied
15. April 2022
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Ich habe mir fast schon gedacht, dass Colombo es so hinbiegen wird, dass Francesca weiterhin zur Schule gehen kann.

In diesem Abschnitt verändert sich das Verhältnis von Matteo, Filippo und Maddalena. Maddalena hinterfragt das Männlichkeitsnachgeplapper der beiden. Es geht um Erwachsenwerden, Ehre, die einem dann zuteil wird, wenn man töten kann. Die Pupertät und die gesellschaftliche Erwartungshaltung an Frauen und Männer treibt einen Keil zwischen Jugendlichen. Vor allem Filippo hat das Frauenbild seines Vaters übernommen und sieht es als selbstverständlich, dass ein Mann sich das nehmen kann, was er will (S. 184).

Auf S. 192 wendet sich Maddalenas Mutter fürsorglich direkt an ihre Tochter. Maddalena kann es kaum glauben - ob das ein Wendepunkt ist?

Donatella tut mir leid. Sie versucht vermutlich ihr Kind abzutreiben … über die näheren Umstände erfahren wir nichts …. Maddalena hat die Idee, mit einer Gänsezunge helfen zu können - wie das wohl gehen soll …:think
 

Kwinsu

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2. Oktober 2023
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Salzburg
Was für ein wunderbares Buch! Die Stimmung verdüstert sich langsam immer mehr. Immer mehr Konflikte im Angesicht des Faschismus treten zutage.
Was ich besonders schön finde, ist das Band zwischen Maddalena und Francesca. Francesca ist richtig rebellisch geworden, aber auch Maddalena hat sich einiges von Francesca abgeschaut.
Die sich langsam anschleichende Pubertät ist auch Zunehmens spürbar, zumindest erkläre ich mir so die Streitigkeiten mit den Jungs.

Ein atemberaubender Moment war die Szene, in der Maddalenas Mutter sich ihr plötzlich und unverhofft zuwendet. Ich befürchte aber, dass dies nur ein einzelner Lichtblick ohne langfristige Änderungen war, an einem besonderen Heiligabend...

Was ist wohl Donatella zugestoßen? Wurde sie vergewaltigt? Wird sie jemals wieder sprechen?

Und wie wird es Francesca möglich sein, Maddalena nach wie vor zu sehen, nachdem ihr Hausarrest auferlegt wurde? Die Ignoranz ihrer Eltern macht mich echt wütend, ihrer Mutter geht es nur um Ansehen, daweil ist sie selbst sehr scheinheilig, mit ihrer Affäre und der Vater scheint einfach alles so hin zu nehmen.

Oje, und wieder kündigt sich eine mutmaßlich grausame Interaktion mit Tieren an - ich hoffe sie reißen nicht tatsächlich einer Gans die Zunge heraus :oops::oops:

Bin schon sehr gespannt, wie alles Enden wird...
 

Eulenhaus

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13. Juni 2022
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Die Mutprobe, der Mandarinen-Diebstahl, führt zur Bestrafung Noels. Der Vorfall macht die Mädchen nachdenklich.
M kritisiert die Ehrung der verstorbenen Soldaten und die Goldspende für das Vaterland. Die vorherrschende Meinung, der Krieg, das Töten sei für Männer eine Ehrensache, auch die Misogynie verurteilt sie und reagiert zornig, als Filippo behauptet „Frauen kann man sich einfach nehmen.“
Bei der Weihnachtsmesse im Dom geht es nur darum gesehen zu werden. M verlässt die Kirche und feiert ein gefühlvolles Weihnachtsfest mit M‘s Familie. Wieder Hausarrest und Kontaktverbot.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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„ Weißt du, was aus einem Mädchen wird, wenn ihr Ruf ruiniert ist? Die kann sich genauso gut gleich im Fluss ertränken.“ Sätze von Francescas Mutter an ihre Tochter und am Ende dieses LAs haben wir eine junge Frau, die das versucht.
Donatella scheint schwanger von Tiziano, der sie mit dem Versprechen sie zu heiraten, „ rumgekriegt“ hat.
Bei der Mutprobe mit den gestohlenen Mandarinen merkt M., dass ihre Streiche Folgen haben für Menschen, denen sie nicht schaden will. Ein Schritt zum Erwachsen-Werden.
Um Italien steht es nicht zum Besten, wenn die Frauen ihre Eheringe spenden müssen. ( Kommt, wenn ich mich richtig erinnere, auch bei Melandri vor. Wobei jener Roman in einer anderen Liga spielt als dieser.)
Francescas Mutter weiß sich zu helfen und spendet einen billigen Ring mit Goldlegierung, Maddalenas Mutter gibt schweren Herzen das einzig Kostbare, was sie hat. Aber sicher aus Patriotismus. Welche Repressalien hätte sie zu fürchten?
Der Vater gewinnt bei mir an Sympathie. Sicher, er passt sich an, um seine Firma zu retten, ist feige, aber er ist kein überzeugter Anhänger der Faschisten. Sein Motto ist , sich mit seiner Meinung zurückhalten, auch wenn es schmerzt.
Die Malnati-Gruppe bröckelt, hier die Mädchen, da die Jungs. Aus Kindern werden Jugendliche und das gemeinsame Spiel verliert an Reiz. Die Jungen streiten zwar miteinander, hier zeigt sich der Einfluss der Elternhäuser, doch in einem sind sie sich einig: Erst der Krieg macht den Mann zum Mann.
Francesca nützt jeden Augenblick, um von daheim auszubrechen. Dass sie sogar an Weihnachten lieber bei M. ist, hat mich trotzdem verwundert.

Meine anfängliche Begeisterung für den Roman hat sich etwas gelegt. Ich bin schon noch gespannt, wohin die Geschichte führt, doch als das „ literarische Ereignis“, als der der Roman beworben wird, sehe ich ihn nicht.
 

alasca

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13. Juni 2022
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Die Mutprobe führt dazu, dass schon wieder Noé darunter leiden muss. Noé ist ein Heiliger. Die Malnati zerfallen in Mädchen - Jungen. Die Kriegsmoral hat schon die Jungen erfasst, und der Sexismus auch. Donatella ist von Tiziano geschwängert worden.

Dass Tiziano der Tote am Fluss ist, dürfte nun feststehen, spannend ist jetzt nur noch festzustellen, ob das stimmt und ob das Folgen für die Freundinnen hat.

Die Täter- und Opferrollen sind klar verteilt. Ich lese nicht ungern weiter, aber geflasht bin ich nicht.
 

Lesehorizont

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29. März 2022
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Sodele. Framcesca darf weiter zur Schule, Maddalena nicht. Die Mutprobe schadet Noé, Maddalena begreift, dass manchmal die Falschen zu Schaden kommen.
Francesca wird isoliert und kann Maddalena eine zeitlang nicht sehen. Später erfährt sie, was deren Schwester widerfahren ist, ich denke eine Vergewaltigung, weil "Jungs und Männer sich ja das nehmen können, was sie wollen". Krieg, töten, sich Zustehendes holen - das macht Jungs und Männer aus. Die Jungs um Maddalena treiben einen Keil in die Freundschaft.
Ich fand es ganz schlimm, wie Francescas Eltern sie einsperren - auch wenn die treibende Kraft eher die Mutter ist.
Ganz so fesselnd wie am Anfang finde ich das Buch nicht mehr, aber ich lese dennoch interessiert weiter. Ob der Plan mit der Gänsezunge fruchten wird, wird sich zeigen. Ich hoffe, es wird nicht zu brutal...
 

Lesehorizont

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29. März 2022
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Mainz
Was ist wohl Donatella zugestoßen? Wurde sie vergewaltigt? Wird sie jemals wieder sprechen?
Ich denke schon, dass es eine Vergewaltigung war. Hier konnte Maddalena das Geschehen noch nicht verhindern. Ich denke, sie wird dann spätr umso entschlossener mit dem bekannten Resultat...
Sein Motto ist , sich mit seiner Meinung zurückhalten, auch wenn es schmerzt.
Er wirkt wie ein Drückeberger, oder?
Meine anfängliche Begeisterung für den Roman hat sich etwas gelegt. Ich bin schon noch gespannt, wohin die Geschichte führt, doch als das „ literarische Ereignis“, als der der Roman beworben wird, sehe ich ihn nicht
100prozentig auch meine Meinung!
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Die Pupertät und die gesellschaftliche Erwartungshaltung an Frauen und Männer treibt einen Keil zwischen Jugendlichen.
Und die Geschlechterfrage wirkt tatsächlich stärker als die politischen Differenzen zwischen den Vätern der Jungen.
Was ist wohl Donatella zugestoßen? Wurde sie vergewaltigt? Wird sie jemals wieder sprechen?
Ich denke wie Ruth, dass sie schwanger von Tiziano ist. Ohne vorherige Hochzeit ist das in einem so gläubigen Land vermutlich eine Katastrophe.
Meine anfängliche Begeisterung für den Roman hat sich etwas gelegt.
Das geht mir mittlerweile leider auch so. Später mehr dazu.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Ich habe mich in diesem Abschnitt dann doch erstmals ein wenig geärgert - über die Mädchen und den Roman.

Maddalena hat zwar zahlreiche Weisheiten parat, scheitert aber selbst im zwischenmenschlichen Bereich. So hat unter der völlig unnötigen Mutprobe (Francesca stand ihr ja bereits in der Schule bei) mal wieder Noè zu leiden. Auch Francesca steht nicht zu ihrem Fehler. Ein etwas ungutes Gefühl habe ich wegen dieser Schuldschein-Sache. Das wird bestimmt noch eine Rolle spielen und nicht gut ausgehen.

Mit dem "Fliegen" hatte alasca recht. Das mit der Sitznachbarin Anna kann man aber nicht so naiv abtun, wie Francesca es macht. Maddalena hat den Kopf des Mädchens mit voller Wucht auf den Tisch geknallt. Auf S. 173 müsste es wohl korrekt heißen: "Nur weil Anna ihr im Streit gesagt hatte,...". Alles andere ergibt keinen Sinn.

Mir fehlt ein wenig das Überraschende in Bezug auf die Freundschaft und den Roman. Alles scheint mittlerweile offensichtlich. Hoffentlich kommt da noch was.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Maddalena hat zwar zahlreiche Weisheiten parat, scheitert aber selbst im zwischenmenschlichen Bereich
Das kann ich auch alles nicht mehr billigen. Es sind Kinderstreiche, die nie bedenken, welche Folgen das für andere hat. Auch die Geschichte mit Anna ist mehr als grenzwertig. Es mag verständlich sein, dass M. ausrastet angesichts der ständigen Hänseleien, doch sie soll doch hier positiv rüberkommen und damit nicht.
Mir fehlt ein wenig das Überraschende in Bezug auf die Freundschaft und den Roman
Diese Freundschaft grenzt an Hörigkeit, gefällt mir nicht mehr.
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Der Vater von Francesca scheint zwar nicht mit den Faschisten zu sympathisieren, aber er nutzt sie für seine geschäftlichen Zwecke, einerseits zu verurteilen, andererseits auch verständlich, weil er sonst wahrscheinlich bankrott wäre. Ein klassisches Dilemma. Aber wenigstens schimpft er nicht mit Francesca, will ihr aber Duckmäusertum beibringen ('...wenn man erwachsen wird, lernt man, dass es oft besser ist, nicht zu sagen, was man wirklich denkt.' 160). Auch ein Dilemma, denn wenn ich z.B. manchen sagen würde, was ich denke, würde ich sie vielleicht als Freunde verlieren. Oder sind es gar keine Freunde mehr? :think

Es wird immer klarer, dass Maddalena gar nicht so 'tough' ist, wie sie sich gibt, sondern dass sie im Grunde darunter leidet, als schlecht angesehen zu werden. Schlimm, dass sie selber daran zu glauben scheint.​

Hier wird auch die Erziehung hin zum Krieg deutlich, an dem, was Filippo äußert (182/3 Ehre, sich Frauen des Feindes nehmen,...) Mir wird ganz anders, wenn ich daran denke, wie in der Russl. Föderation schon seit vielen Jahren erzogen wird.

Was mit Donatella los ist, ist uns Lesern ja wohl klar. Wieder so ein Beispiel, wo wir mehr verstehen als die Ich-Erzählerin.​
 

Federfee

Bekanntes Mitglied
13. Januar 2023
2.404
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Ganz so fesselnd wie am Anfang finde ich das Buch nicht mehr, aber ich lese dennoch interessiert weiter.
Da scheinen wir uns ziemlich einig zu sein, was unseren Eindruck zum Buch anbetrifft.
Auch die Geschichte mit Anna ist mehr als grenzwertig.
Konnte man die anderen Vorfälle noch irgendwie verstehen, erklären, nachvollziehen, ist das hier nicht mehr der Fall, sondern pure Gewalt, wie dann auch im Prolog. Keine gute Entwicklung.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
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Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Bei der Weihnachtsmesse im Dom geht es nur darum gesehen zu werden. M verlässt die Kirche und feiert ein gefühlvolles Weihnachtsfest mit M‘s Familie. Wieder Hausarrest und Kontaktverbot.
Auch das ist mir wieder viel zu klischeehaft: Die Reichen im Dom kommen nur, um gesehen zu werden. Die Armen in San Gerardino kommen um das Glaubens Willen.

Francesca nützt jeden Augenblick, um von daheim auszubrechen. Dass sie sogar an Weihnachten lieber bei M. ist, hat mich trotzdem verwundert.
Mich hat weniger verwundert, dass sie lieber zu den Merlinis ging, als dass die Eltern das mitten in der Nacht einfach so zugelassen haben. Eine Elfjährige nach Mitternacht alleine unterwegs? Hinterher haben sie zwar geschimpft, aber ich halte diese Szene trotzdem für unglaubhaft.

Meine anfängliche Begeisterung für den Roman hat sich etwas gelegt. Ich bin schon noch gespannt, wohin die Geschichte führt, doch als das „ literarische Ereignis“, als der der Roman beworben wird, sehe ich ihn nicht.
Es ist schon interessant, dass dieses Buch der Spitzentitel von Penguin in diesem Frühjahr ist und nicht "Maifliegenzeit". Unsere Prioritäten liegen anders. Wahrscheinlich verkauft sich "Malnata" einfacher und besser.

Dass Tiziano der Tote am Fluss ist, dürfte nun feststehen, spannend ist jetzt nur noch festzustellen, ob das stimmt und ob das Folgen für die Freundinnen hat.
Inzwischen traue ich den Freundinnen zu, dass sie Tiziano zur Bestrafung extra an den Fluss gelockt haben - als Rache für Donatellas Schwangerschaft. Wenn das Buch wirklich so ausgeht, ist es allzu durchsichtig!

Die Täter- und Opferrollen sind klar verteilt. Ich lese nicht ungern weiter, aber geflasht bin ich nicht.
Genau!

Ich denke wie Ruth, dass sie schwanger von Tiziano ist. Ohne vorherige Hochzeit ist das in einem so gläubigen Land vermutlich eine Katastrophe.
Wenn Tiziano sie vielleicht gar nicht mehr heiraten will, ist es auch eine finanzielle Katastrophe. Und das Kind hätte ewig den Makel der unehelichen Geburt.
 
Zuletzt bearbeitet:

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
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Eine Elfjährige nach Mitternacht alleine unterwegs
Ja, stimmt. Im Grunde hat mich das noch mehr verwundert. F. leistet sich sowieso einiges, was ich als Mutter nicht geduldet hätte.
Es ist schon interessant, dass dieses Buch der Spitzentitel von Penguin in diesem Frühjahr ist und nicht "Maifliegenzeit". Unsere Prioritäten liegen anders. Wahrscheinlich verkauft sich "Malnata" einfacher und besser.
Vielleicht wegen dem Gastlandauftritt.
Aber es liegen Welten zwischen Jüglers subtiler Erzählweise und diesem Roman hier.
Wenn Tiziano sie vielleicht gar nicht mehr heiraten will, ist es auch eine finanzielle Katastrophe. Und das Kind hätte ewig den Makel der unehelichen Geburt.
Früher war das für ( mittellose ) Frauen in jeglicher Hinsicht eine Katstrophe.
Und sie entwickelt sich nicht weiter.
Das ist schade!