(4/5*) zu Schmetterlinge im Kopf von Claudia Walter

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Ina Vainohullu

Gast

Nach einem schweren Autounfall, den ihr alkoholisierter Freund Mark herbeigeführt hat, bricht für die junge Turnerin Alex eine Welt zusammen. Sie wird nicht nur nicht wieder turnen können, sie ist auch durch Narben entstellt und kommt sich selbst vor wie ein Monster. Sie schottet sich von der Außenwelt ab und lässt niemanden an sich heran. Bis sie in der Reha auf Kai trifft, einen Sozialdienstler, der sie aus ihrem Schneckenhaus lockt. Leider geht die Zeit in der Reha viel zu schnell zu Ende und gerade als Alex dabei ist sich über Freundschaft hinaus für Kai zu interessieren trennen sich ihre Wege.
Zurück im harten Schulalltag, der Alex einiges abverlangt und sie eine Menge Mut und Kraft kostet, trifft sie auf ihren neuen Mitschüler, MEGASTAR - Gewinner Lucas, der ihr bereits aus diversen Zeitschriften bekannt und von Anfang an ein Dorn im Auge ist. Sie hält ihn für arrogant und oberflächlich und denkt seine Welt bestünde nur aus Party, Alkohol und Spaß. Doch als Lucas sie unerwartet vor ihrem Exfreund Mark verteidigt und immer mehr Interesse an Alex zeigt, bricht schon bald das Eis und die Schmetterlinge in Alex' Bauch beginnen zu tanzen.
Das sorgt in ihrer Gefühlswelt für reichlich Verwirrung, denn auch für Kai hat sie noch immer Gefühle...

Meinung:

Das Erste das mir hier direkt ins Auge sprang, war wie so oft, das Cover. Ich finde es schlicht und einfach wundervoll.

Claudia Walter, deren angenehmer Erzählstil mir bereits durch ihre Romane "Hinter der Nacht" und "Zurück in die Nacht" bekannt und vertraut war, schickt mich hier von der ersten Seite an auf eine emotionale Reise mit sämtlichen Höhen und Tiefen. Die Geschichte liest sich flüssig und macht wirklich Spaß, auch wenn ich sagen muss, das für mich die Entwicklung ab einem gewissen Zeitpunkt recht vorhersehbar war.

Alex war mir nicht direkt sympathisch, ich brauchte ein bisschen um mit ihr warm zu werden. Vor dem Unfall, also auf den ersten Seiten des Romans, ist sie ein fröhlich wirkendes, beliebtes Mädchen, das auf jeder Party gern gesehen ist und das hauptsächlich Sport und Erfolg im Kopf hat.
Nach dem Unfall erleben wir plötzlich das krasse Gegenteil: eine verunsicherte Alex, die in eine schwere Depression zu verfallen droht und in der plötzlich ein unbändiger Zorn auf ihre Umwelt brodelt. Man konnte ihren Denkprozess sehr gut nachvollziehen, denn schließlich hat sie innerhalb einer Nacht alles verloren was ihr wichtig war, während ihr Exfreund mit keinem einzigen Kratzer davon kam.
Durch ihren, nicht zuletzt durch Kai angestoßenen, neugewonnen Ehrgeiz kämpft sie sich zurück in ein normales Leben und konnte durch ihren starken Willen schließlich doch bei mir punkten.

Was mich wirklich total gestört hat ( und ich bin ganz sicher, das das von der Autorin so gewollt war ), war Alex' allgegenwärtig oberflächliches Denken in Bezug auf Menschen die sie gar nicht kennt. MEGASTAR-Gewinner Lucas ist hier ihr beliebtestes Ziel. Der junge Mann sieht gut aus, hat durch die Castingshow einen großen Bekanntheitsgrad erreicht und ist weder Parties noch Alkohol abgeneigt. Für Alex, die alle Schlagzeilen über ihn in ihren Klatschzeitschriften verfolgt ist von Anfang an klar, das er ein Prolet ist, ein selbstsüchtiger Idiot, der sich über sein Handeln keine Gedanken macht, sondern tut was immer er will.
Doch als er in ihrer Schule auftaucht und sie ihn näher kennenlernt, muss sie sich eingestehen, das sie sich total geirrt hat und Lucas ganz anders ist als gedacht.

Leider ist dieses "oberflächliche Denken" ein allgemeines Problem der heutigen Zeit. Wir urteilen über einen Menschen, ohne ihn zu kennen und man fragt sich: Was soll das eigentlich ? Warum gehen wir so oft nach dem Äußeren ohne uns die Mühe zu machen, hinter die Fassaden zu blicken ?
Claudia Walter setzt hier ganz klar ein Zeichen und bringt ihre Leser dazu über dieses Verhalten nachzudenken.

Einen Punktabzug vergebe ich für die Tatsache, das Mark, Alex' Ex-Freund, der den Unfall unter Einfluß von Alkohol verursacht hat, hier nicht wirklich zur Räson gezogen wird. Er kommt mit einem mehr oder wenigen blauen Auge davon, ich finde hier hätte man noch deutlich einen drauflegen können, denn Alkohol am Steuer ist alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Das Ende ist rund und lässt mich zufrieden zurück.

Fazit:

"Schmetterlinge im Kopf" ist ein wunderbarer Young-Adult-Roman, in dem sich ausnahmsweise mal nicht alles nur um die Liebe dreht, sondern in dem es auch darum geht seine Vorurteile abzulegen, hinter die Fassade eines Menschen zu blicken und darum niemals aufzugeben, egal was kommt.

©Ina's Little Bakery

Ina Vainohullu

Zum Buch... (evtl. mit weiteren Rezensionen)
 

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