Rezension (4/5*) zu Das Orchideenhaus von Lucinda Riley

M

Mikka Liest

Gast
"Das Orchideenhaus" war mein erstes Buch von Lucinda Riley, aber sicher nicht mein letztes! Ich liebe epische Familiengeschichten, in denen alte Geheimnisse aufgedeckt werden, und die Autorin haucht diesem häufig verwendeten Grundthema mit großartigen Charakteren und originellen Wendungen echtes Leben ein.

Das Buch lebt vor allem von seinen authentischen, glaubwürdigen Protagonistinnen. Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart ist da zum einen die junge Starpianistin Julia, die nach einem schrecklichen Schicksalsschlag nur langsam und widerwillig zurück ins Leben findet, und in der Vergangenheit, zur Zeit des zweiten Weltkriegs, dreht sich die Geschichte um Olivia, die Tochter aus gutem Hause, die als Debütantin an Hofe eingeführt wird und sich in einen Mann verliebt, der sie zwar heiratet, sie aber dennoch unglücklich macht. Beide sind sympathische, starke junge Frauen, mit denen ich schnell mitfühlte und mitfieberte! Es gibt auch noch eine dritte junge Frau, über die ich lieber nichts schreiben will, um nicht zu viel über die Geschichte zu verraten, die mir aber ebenfalls sehr gut gefallen hat...

Auch die anderen Charaktere sind interessant, komplex und überzeugend, wenn auch nicht immer 100%ig liebenswert. Vor allem Harry, Olivias große Liebe, ist ein schwieriger Mann, der eigentlich weiß, was gut und richtig wäre, es aus Charakterschwäche heraus aber oft nicht tut. Ich konnte seine Zweifel, Ängste und Hoffnungen zwar durchaus nachvollziehen, und natürlich kann man sich nicht immer aussuchen, was man fühlt - aber er würde den Menschen in seinem Leben zumindest die Wahrheit schulden. Dennoch ist er auf jeden Fall ein faszinierender, packender Charakter, über den ich gerne gelesen habe.

Rund um Harry und Olivia entfaltet sich ein richtiges Drama, das das Leben vieler Menschen beeinflusst und verändert, über mehrere Generationen hinweg. Ich fand das sehr spannend und unterhaltsam zu lesen. Mit ein paar Geschehnissen hatte ich zwar schon gerechnet, aber vieles überraschte mich auch völlig, vor allem gegen Ende! Auch in Julias Leben gibt es die ein oder andere unerwartete Wendung.

Allerdings fand ich eine Sache dann doch ein wenig zu bemüht überraschend... Das hätte für mich nicht unbedingt sein müssen, stört den Fluss der Geschichte aber auch nicht lange, bevor es sich dann wieder in Wohlgefallen auflöst. Wer das Buch liest, wird wahrscheinlich direkt wissen, was ich meine, wenn es passiert!

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Lucinda Riley schafft es mühelos, Atmosphäre und Stimmung zu vermitteln, egal, ob eine Szene jetzt an einem grauen, verregneten Tag in England oder an einem heißen Sommertag im farbenprächtigen Thailand spielt.

Die Liebesgeschichten in diesem Buch sind oft tragisch, und nicht jeder Charakter bekommt sein Happy End, aber dennoch habe ich es mit dem Gefühl zugeschlagen, dass die Liebe etwas Wunderbares ist, das jedes Risiko wert ist. Sehr romantisch, aber erfreulicherweise nicht zuckersüß kitschtriefend.

Fazit:
Drei Frauen, drei Generationen und ein großes Familiengeheimnis. Lucinda Riley beschreibt ihre jeweilige Geschichte bunt, lebendig und atmosphärisch, mit anrührenden Emotionen von junger Liebe bis hin zu tragischem Verlust. Ich fand das Buch sehr packend und wunderbar zu lesen!

Mikka Liest

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