Rezension (4/5*) zu Blutrote Rosen: Thriller von Ria Wallmann

M

Mikka Liest

Gast

Der Schreibstil war für mich eine Überraschung - ehrlich gesagt erwarte ich weder von Erotikromanen noch von Thrillern unbedingt wunderschöne Formulierungen oder originelle Metaphern... Und doch bekommt man hier genau das geboten. Die Autorin ist großartig darin, Schauplätze bildreich zu beschreiben, und sie hat ein sehr gutes Gespür für Details.

Besonders die erotischen Szenen sind viel interessanter und ansprechender geschrieben, als ich es von anderen Erotikromanen kenne. Sie sind nicht nur sehr zahlreich, sondern auch unglaublich einfallsreich und überhaupt nicht abgedroschen oder 08/15. Die Leidenschaft ist mal düster-bedrohlich, mal romantisch und lebensbejahend, aber fast immer heftig und chaotisch...

Die romantischen Szenen sind meist auch sehr schön geschrieben, nur manchmal waren sie mir ein ganz kleines bisschen zu schnulzig, mit einer Prise Melodrama...

Normal können mich erotische Romane nicht sonderlich begeistern, weil mich die eigentliche Handlung nicht anspricht, aber "Blutrote Rosen" wird der Bezeichnung "Erotikthriller" gerecht. Die Geschichte ist wirklich spannend und komplex, mit unerwarteten Wendungen und interessanten Charakteren. Sie scheint auch gut recherchiert zu sein - die Psychologie von Stalkern wird sehr einleuchtend beschrieben und trägt zur Spannung bei. Die Autorin präsentiert das Thema "Stalking" in all seinen Facetten.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Nora, die sich als Psychologin auf Stalking spezialisiert hat - sowohl auf die Opfer als auch auf die Täter. Dabei macht es ihr ihre eigene Vergangenheit manchmal schwer, mit professioneller Distanz an das Thema heranzugehen... Sie ist eine interessante Protagonistin, die einem meist sympathisch ist, über die man aber auch das ein oder andere Mal den Kopf schüttelt. Manchmal trifft sie eher fragwürdige Entscheidungen, die nicht unbedingt logisch sind, uns sie hat eine sehr gestörte Einstellung zu Liebe und Beziehungen - und das als Therapeutin! Ich fand diesen Widerspruch zwischen Nora, der Psychologin, und Nora, der emotional verwundeten Frau, sehr spannend.

Leonard, der Leiter der Sonderkommission, ist schwer zu durchschauen, und über weite Strecken der Geschichte war ich mir nicht sicher, was ich von ihm halten sollte... Noras Erinnerungen an ihn lassen ihn selber wie einen Stalker erscheinen, und das ganze Buch hindurch fragt man sich: Ist er ein Stalker? Oder doch nicht? Oder doch? Oder doch nicht? Die Autorin macht es einem nicht einfach. Menschen sind komplex, und das spiegelt sich hier gut wieder!

Die Beziehung zwischen Nora und Leonard erscheint manchmal obsessiv und beinahe krankhaft - aber wieviel davon liegt nur an Noras Wahrnehmung von ihm?

Die Nebencharaktere fand ich sehr gelungen. Besonders zwei davon haben mich sehr gefesselt:

Einmal der junge Kriminalmeister Tobias Seliger - er ist unsicher, liebenswert, tapsig wie ein Welpe... Oft sorgt er für Humor, und meist wollte ich ihn einfach nur knuddeln. Später in der Geschichte macht er allerdings eine Wandlung durch, die mir ein bisschen plötzlich kam.

Und dann Karen Stahl, die bildhübsche Polizistin, die nach der Aufmerksamkeit von Männern giert, aber komplett überfordert ist, wenn es um wahre Gefühle geht... Eigentlich ist sie eine unsichere, emotional verletzte Frau.

Fazit:
Eine erstaunlich gelungene, spannende Mischung aus Erotikroman und Thriller, mit komplexen Charakteren und einem sehr ansprechenden Schreibstil. Die Geschichte dreht sich um das Thema Stalking, das in vielen Szenen für Gänsehaut sorgt.

Mikka Liest

Zum Buch... (evtl. mit weiteren Rezensionen)
 

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