3. Leseabschnitt: TEIL ZWEI - Seite 157 bis 183

Gina_Lesefuchs

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21. April 2024
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Nun ist es aus meiner Sicht vorbei mit der Komödie.
Dieser LA besteht nur aus Briefen, die einerseits den Fortgang der Geschichte beschreiben, in erster Linie aber zeigen, wie das Umfeld über die Trennung von Alec und Betsy lästert.
Der Ton ist daher nun nicht mehr so leicht wie im ersten Teil, sondern eher bitter böse.
Die Charaktere scheinen mir auch alle unglücklich zu sein:
Alec und Joy leben in wilder Eher und erwarten ein Baby, was zu der damaligen Zeit eigentlich undenkbar war.
Alle Freunde wenden sich von Alec wegen dieses Frevels ab.
Alecs Mutter möchte ihren Sohn wieder in die feine Gesellschaft integrieren und möchte ihn dazu bewegen, das Verhältnis mit Joy nicht öffentlich zu leben.
Mich hat überrascht, dass Alec seiner Mutter nun Paroli bietet, indem er es ablehnt, ohne Joy zu einer Party zugehen oder sie zu verleugnen.
Hätte er Betsy schon so gegen seine Mutter beigestanden, hätten sich die Dinge vielleicht anders entwickelt.
Traurig finde ich, dass Betsy nur ihren Sohn über Weihnachten zu sich nach Paris einlädt und ihre Töchter zu den Großeltern abschieben will. Dadurch muss den Kindern die Situation noch schwerer fallen.
Andererseits möchte sie um alle Kinder kämpfen und Alec das Besuchsrecht verweigern. Das grenzt schon an Bösartigkeit, da wir ja gelernt haben, dass Alec zu Eliza ein sehr gutes Verhältnis hat.
 

otegami

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17. Dezember 2021
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Die Idee in diesem LA, dass die Leser nur durch den abwechslungsreichen Schriftverkehr den Fortgang der Geschichte erfahren, empfinde ich als genial! :party (Manchmal musste ich wohl überlegen, wer jetzt wer war und wie die Verbindungen lagen, aber egal, ich bin bin durchgestiegen! :) )

Geschockt war ich von der Meinung Carles Merrick: "Ein kleiner Schubs wir doch wohl in jeder Ehe noch erlaubt sein. Fast hätte ich ihr erzählt, dass ich Dich mal mit einer Wärmflasche bewusstlos geschlagen habe." :monocleo_O:apenosee:mad:

Nein, ist er nicht!!!!!! Ein Schubs und ich wäre weg gewesen!!!!!

Angenehm überrascht hat mich Mrs Canning, dass sie drauf bestand, dass nur Alec allein zu ihrer Dinnerparty kommen solle.

Mich hat überrascht, dass Alec seiner Mutter nun Paroli bietet, indem er es ablehnt, ohne Joy zu einer Party zugehen oder sie zu verleugnen.
Das hat mich auch überrascht! ;) (Anscheinend reift auch er!)

Andererseits möchte sie um alle Kinder kämpfen und Alec das Besuchsrecht verweigern. Das grenzt schon an Bösartigkeit, da wir ja gelernt haben, dass Alec zu Eliza ein sehr gutes Verhältnis hat.
Tja, da wird nur noch wild um sich geschlagen (wie ich auch schon öfters beobachten konnte)!

Spitze und sehr aussagekräftig empfand ich den letzten Brief (Mrs Merrick an ihren Mann) mit ihren Beobachtungen.
Auch solche habe ich schon öfters tätigen können: sehr eindrucksvoll bleibt ein Silvesterabend mit Tanz in einem Lokal in Erinnerung, bei dem ein Paar gleich neben uns saß: er frisch getrennt (seine Frau hatte ihn rausgeschmissen, als sie bemerkte, dass ein Verhältnis ihres Mannes zu seiner Mitarbeiterin lief) mit seiner Mitarbeiterin / Freundin, die ihn dann 'selbstlos' aufgenommen hatte.

Tja, es ist halt was anderes, nebenbei eine Affäre zu haben, aber auch das Vertraute, Zuverlässige der Ehefrau als Gewohntes zu erleben. Jedenfalls waren mein Mann und ich erschüttert, als wir den Umgang der Zwei an diesem langen Abend beobachtet haben. Auweia!!!!! :apenosee Wir hatten uns vorgestellt, dass die rumturteln, flirten, liebevoll miteinander umgehen.............weit gefehlt. Seine und auch ihre Enttäuschung waren richtig greifbar! (Da ging es bei uns - damals 26 Jahre verheiratet :joy - wesentlich anders zu!)
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Nun gehen wir weg von der Familie, die es betrifft, hin zum näheren Umfeld. Wie reagieren Freunde und Bekannte darauf.
Da gibt es, wie wahrscheinlich viele Geschiedene bestätigen können, zwei Lager. Die einen schlagen sich auf die Seite der Ehefrau, die anderen auf die des Mannes. Allerdings muss Alec erleben, dass sich sogar sein bester Freund und Arbeitskollege gegen ihn stellt.
Das ganze Umfeld macht eine Versöhnung immer unwahrscheinlicher. Die Fronten werden härter.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Traurig finde ich, dass Betsy nur ihren Sohn über Weihnachten zu sich nach Paris einlädt und ihre Töchter zu den Großeltern abschieben will. Dadurch muss den Kindern die Situation noch schwerer fallen.
So wichtig scheinen ihr die Kinder doch nicht zu sein. Sie sind nur ein Machtmittel, das sie einsetzt, um Alec zu verletzen.
Die Idee in diesem LA, dass die Leser nur durch den abwechslungsreichen Schriftverkehr den Fortgang der Geschichte erfahren, empfinde ich als genial
Sehr gut! Die Autorin hat schon in ihrem Roman „ Das Fest“, das wir letztes Jahr gemeinsam gelesen haben, viele Textsorten geschickt eingesetzt.
 

Anjuta

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8. Januar 2016
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Wir verlassen den Rahmen der Familie und betrachten nun das Ereignis der geplanten Scheidung in seiner Auswirkung auf die nähere Gesellschaft des Paares. Und den Einblick in die Gerüchte- und Geredeküche erhalten wir ausschließlich in Form von Briefen, die eine andere Art von Innensicht ermöglichen als das bisher der Fall war, als ein Erzähler uns vorgaukelte, genau zu wissen, was im Inneren der Personen vorgeht. Diese neue Formensprache im Roman macht ihn interessant durch die Varianz der Erzählweise und hält mich weiterhin gefangen vom Geschehen, auch wenn im Grunde eigentlich gar nichts passiert, sondern nur Gerede Inhalt des Textes ist.
 

Gina_Lesefuchs

Aktives Mitglied
21. April 2024
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So wichtig scheinen ihr die Kinder doch nicht zu sein.
Ken ist doch ihr Liebling und damit schon wichtig für sie. Sie scheint nur zu ihren Töchtern keinen Draht zu haben, erst recht nicht zu Eliza.
auch wenn im Grunde eigentlich gar nichts passiert
Findest du?
Die Handlung geht doch schon weiter mit der Schwangerschaft von Joy.
Natürlich steht der Klatsch und Tratsch in diesem LA im Vordergrund.
 

Anjuta

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8. Januar 2016
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Essen
Findest du?
Die Handlung geht doch schon weiter mit der Schwangerschaft von Joy.
Natürlich steht der Klatsch und Tratsch in diesem LA im Vordergrund.
Gar nichts war in meinem Post natürlich nicht richtig. Du hast recht. Aber der Fokus des Schreibens liegt deutlich nicht auf Handlung sondern auf Haltung und Innenleben.
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Ein kurzer Abschnitt nur, aber durch die unterschiedlichen Sichtweisen sehr gehaltvoll. Das hat die Autorin mit den Briefen gut gelöst. Allerdings wäre hier ein Personenverzeichnis nicht schlecht gewesen.

Die Gerüchteküche brodelt, jeder meint, etwas zu wissen, es wird geklatscht und getratscht und es kommen 'böse Ansichten' über Frauen zur Sprache, z.B. man bleibt zusammen, auch wenn die Frau einen langweilt; ein kleiner Schubs in der Ehe wird doch wohl noch erlaubt sein (Charles, boh) :mad:

Zwei Dinge sind mir unangenehm aufgestoßen (außer der oben erwähnten Frauenfeindlichkeit): Alec hat unverantwortlich ein Kind gezeugt, was nun zusätzliche Probleme mit sich bringt. Betsy will zwar die Kinder ganz für sich haben, ist aber nicht mal in der Lage, sie alle drei zu Weihnachten zu sich kommen zu lassen, nur ihren Liebling Kenneth. Das spricht nicht gerade für sie.

Gut fand ich, dass Alec zu Joy steht und die Einladung seiner Mutter nicht annehmen will, wenn sie nicht auch eingeladen ist, was in dieser Situation ja auch richtig ist. Ob die beiden glücklich werden, ist eine andere Frage...​
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Nun ist es aus meiner Sicht vorbei mit der Komödie.
Tja, das kann man wohl sagen; es ist nicht mehr lustig, sondern ziemlich bösartig.

Alecs Mutter möchte ihren Sohn wieder in die feine Gesellschaft integrieren und möchte ihn dazu bewegen, das Verhältnis mit Joy nicht öffentlich zu leben.
Die alte Heuchlerin!
Manchmal musste ich wohl überlegen, wer jetzt wer war und wie die Verbindungen lagen,
Ging mir auch so.
Geschockt war ich von der Meinung Carles Merrick: "Ein kleiner Schubs wir doch wohl in jeder Ehe noch erlaubt sein. Fast hätte ich ihr erzählt, dass ich Dich mal mit einer Wärmflasche bewusstlos geschlagen habe."
Unglaublich. Das finde ich auch für damalige Zeiten schlimm.
Angenehm überrascht hat mich Mrs Canning, dass sie drauf bestand, dass nur Alec allein zu ihrer Dinnerparty kommen solle
Angenehm überrascht? Ich fand es heuchlerisch von ihr. Alec soll diese Beziehung heimlich leben und Joy gesellschaftlich verleugnen.
 

otegami

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Angenehm überrascht? Ich fand es heuchlerisch von ihr. Alec soll diese Beziehung heimlich leben und Joy gesellschaftlich verleugnen.
Tztztz, wie kannst Du nur so negativ über sie denken?! :helo (Ich habe ihr gute Absichten unterstellt! ;) )

Gut finde ich, dass Du Dich genauso über die Meinung von Charles aufregen kannst - ich vermutete schon, ich wäre allein hier mit meinem Entsetzen! :think
 

Bücherfreundin

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6. November 2022
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Ihr habt es ja schon gut herausgearbeitet: Ab jetzt ist Schluss mit lustig. Scheidungen waren und sind fast immer für alle Beteiligten eine große emotionale Belastung - in den dreißiger Jahren kommt noch die Schädigung des guten Rufes dazu. Alec und Betsy haben bisher ein privilegiertes Leben geführt, Krisen wie diese kannten sie bestenfalls vom Hörensagen. Jetzt gibt es aufgrund der Schwangerschaft von Joy auch kein Zurück mehr, nun geht es darum, Macht auszuüben und zu verletzen, darin stehen die Noch-Eheleute einander in nichts nach, finde ich. Opfer sind wie immer die Kinder. Insofern finden wir die Strukturen von damals auch heute, nur die soziale Ächtung von Geschiedenen existiert großenteils nicht mehr.
 

Maesli

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29. März 2024
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Die Idee in diesem LA, dass die Leser nur durch den abwechslungsreichen Schriftverkehr den Fortgang der Geschichte erfahren, empfinde ich als genial! :party (Manchmal musste ich wohl überlegen, wer jetzt wer war und wie die Verbindungen lagen, aber egal, ich bin bin durchgestiegen! :) )

Geschockt war ich von der Meinung Carles Merrick: "Ein kleiner Schubs wir doch wohl in jeder Ehe noch erlaubt sein. Fast hätte ich ihr erzählt, dass ich Dich mal mit einer Wärmflasche bewusstlos geschlagen habe." :monocleo_O:apenosee:mad:

Nein, ist er nicht!!!!!! Ein Schubs und ich wäre weg gewesen!!!!!


Tja, es ist halt was anderes, nebenbei eine Affäre zu haben, aber auch das Vertraute, Zuverlässige der Ehefrau als Gewohntes zu erleben.
Das hast du wirklich gut zusammengefasst. Ich sehe es genauso. Und Betsy wird mir immer sympathischer. Ihre Entscheidung diese Ehe zu beenden ist mehr als nur verständlich.
 

otegami

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17. Dezember 2021
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Maesli

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29. März 2024
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Echt? :think Auf mich wirkt sie, als wenn sie nicht wüsste, was sie will.
Ich kann total mit ihr fühlen. Sie will die Scheidung, weil sie sein flatterhaftes, untreues Wesen nicht mehr erträgt - OK. Dann brennt er mit Joy durch - schlimm. Die bekommt jetzt ein Kind von ihm - Katastrophe. Dazu der ganze Gossip im Bekanntenkreis - da wäre ich auch mit den Nerven fertig.