3. Leseabschnitt: Teil I - Kapitel 21 bis 32 (Seite 135 bis 199)

RuLeka

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30. Januar 2018
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@Literaturhexle : Natürlich. Ganz deiner Meinung. Aber es kommt auf die innere Haltung an! Der Knackpunkt ist dieser Halbsatz: "jedoch nicht dagegen war, dass andere welche besaßen". Ethik fängt im Kopf an, ist eine Haltung - die sich dann in Taten manifestiert.
Habe erst jetzt Deine Antwort gesehen. Genau um diesen Halbsatz ging es mir bei dem Zitat.
 

GAIA

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27. Dezember 2021
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Thüringen
Meine These war, dass er ein Halbbruder ist - wie kommst Du auf Sohn?
Einfach aufgrund des Altersunterschieds. Jim hat ja selbst Kinder und ich meine die Tochter ist gefühlt fast im Alter von Huck. Auch dass Jim die Mutter von Huck vor deren Tod gekannt hat, lässt ja auf eine Altersgleichheit schließen.
 

dracoma

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16. September 2022
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Einfach aufgrund des Altersunterschieds.
Danke - ich habe natürlich gedacht, ich hätte wichtige Texthinweise überlesen.
Hier geht es nicht um Mitläufer, sondern um Menschen, die das System gutheißen. Das ist ein Unterschied.
Ja, schon - aber das ist eine schwierige Sache. Es sind diese Stillschweigenden, die ein Unrechtsystem stabilisieren. Da gibt es jede Menge historische und auch aktuelle Beispiele dafür.
 

dracoma

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16. September 2022
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Warum gingen sie mit einem Schwarzen ein derart hohes Risiko ein? Etwas arg konstruiert.
In dem Roman ist so einiges arg konstruiert, finde ich, aber mir macht es wenig aus; das hat alles etwas Abenteuerliches, wo man mit der Messlatte der Realität irgendwie nicht richtig rankommt.

Wegen dem Risiko: ich denke, das sind knallharte wirtschaftliche Gründe.
Emmet ist eine interessante Figur, finde ich. Er gibt sich liberal und abolitionistisch, und er gibt dem übergriffigen Vater Pollys Paroli und rettet die Situation und damit auch Jim. Da zeigt er durchaus Mut. Ich bezweifle aber, dass er das aus moralischen Gründen macht.

Denn wenn sein Geschäft in Gefahr gerät, wird er wieder zum inneren Sklavenhalter und erfindet eine andere Form der Sklaverei: die Schuldknechtschaft. Jim, der Belesene (auch das ist "arg konstruiert"), durchschaut das System und erkennt, dass er von einer offenen Form der Sklaverei in eine andere, eher verdeckte Form gerutscht ist.

Das gefällt mir natürlich, wie Everett das mit der Figur Emmet aufzeigt. Niemals belehrend, aber doch deutlich.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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In dem Roman ist so einiges arg konstruiert, finde ich, aber mir macht es wenig aus; das hat alles etwas Abenteuerliches, wo man mit der Messlatte der Realität irgendwie nicht richtig rankommt.

Wegen dem Risiko: ich denke, das sind knallharte wirtschaftliche Gründe.
Emmet ist eine interessante Figur, finde ich. Er gibt sich liberal und abolitionistisch, und er gibt dem übergriffigen Vater Pollys Paroli und rettet die Situation und damit auch Jim. Da zeigt er durchaus Mut. Ich bezweifle aber, dass er das aus moralischen Gründen macht.
Denn wenn sein Geschäft in Gefahr gerät, wird er wieder zum inneren Sklavenhalter und erfindet eine andere Form der Sklaverei: die Schuldknechtschaft. Jim, der Belesene (auch das ist "arg konstruiert"), durchschaut das System und erkennt, dass er von einer offenen Form der Sklaverei in eine andere, eher verdeckte Form gerutscht ist.

Das gefällt mir natürlich, wie Everett das mit der Figur Emmet aufzeigt. Niemals belehrend, aber doch deutlich.
Die Figur Emmet zeigt doch, dass Everett sehr wohl unterschiedliche Weiße porträtiert.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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und er gibt dem übergriffigen Vater Pollys Paroli und rettet die Situation und damit auch Jim.
Und sich selbst und sein Geschäftsmodell. Du sagst es einen Satz später;)
Das gefällt mir natürlich, wie Everett das mit der Figur Emmet aufzeigt. Niemals belehrend, aber doch deutlich.
Vor dem Hintergrund der Zeit macht er das weitgehend glaubwürdig. Trotzdem bleibt der Charakter des Abenteuer- und Episodenromans erhalten. Weiter geht es den Missisippi abwärts.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Auspeitschen und Anketten, so was gibts alles nicht im Original.
Das wäre für die Kinder und Jugendlichen wohl zu hart geworden. Obwohl die Realität sicher eher wie hier bei Everett war, was das auspeitschen usw anging
Gibts hier wirlich jemand (mehrere?), die Hucklyberry Finn nicht gelesen haben?
Doch, habe ich. Vor über 30 Jahren, dass du dich noch so detailliert an alles erinnern kannst. Ich hab nur noch ein paar Eckdaten im Kopf, an Huck als Mädchen zum Beispiel. Schon merkwürdig was hängen bleibt und was nicht
Dachte ich zuerst, Huck und James hätten verwandtschaftlich nichts miteinander zu tun, häufen sich ja nun die Andeutungen (Hucks Mutter 139, Hucks Gesicht 154, als Weißer durchgehen 161)
Da stand ich wohl auf dem Schlauch. Ich habe zwar auch herausgelesen, dass er anscheinend schwarzes Blut in sich trägt, habe dabei aber nicht an Jim gedacht…..
Wie viele Bücher wurden über die Verbrechen der Nazis geschrieben?! Die Amerikaner müssen es vertragen, dass ein Autor auch ihre Sünden anhand eines allzeit anerkannten Klassikers benennt und aufzeigt.
Das ist ein guter Vergleich. Die Sklaverei gehört genauso zu deren Geschichte wie bei uns die NS-Zeit
Denn wenn sein Geschäft in Gefahr gerät, wird er wieder zum inneren Sklavenhalter und erfindet eine andere Form der Sklaverei: die Schuldknechtschaft. Jim, der Belesene (auch das ist "arg konstruiert"), durchschaut das System und erkennt, dass er von einer offenen Form der Sklaverei in eine andere, eher verdeckte Form gerutscht ist.
Und deshalb empfand ich seine Tat gar nicht so großartig. Er handelt auch eigennützig und beutet auf seine Art einen Menschen aus
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Der arme Huck muss mit den beiden Scharlatanen mitgehen. Deren Gesicht würde ich ja zu gern sehen, wenn sie James bei der Schmiede wieder abholen wollen und er weg ist. Jetzt müssen Huck und James sich erstmal wiederfinden, was hoffentlich schnell passiert.
Viele, kleine Dinge gefallen mir beim lesen, so die Gedanken um den Bleistift, die Geschichte um den Bleistift ist generell sehr ergreifend. Wie James schon denkt, es ist traurig, dass er ihn den Bleistift, und nicht mein Bleistift nennt. Es sagt soviel aus…..
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Im Original ist Jim der gutmütige Schwarze, der die Dinge nimmt, wie sie sind. Das war zu jener Zeit das Beste, was er tun konnte. Ihm fehlten die Mittel, Erfahrung und Bildung für einen anderen Blickwinkel. Diesen schenkt ihm jetzt Everett und macht damit das Menschenverachtende des allgemein gültigen Systems der Sklaverei deutlich
Sehr gut ausgedrückt.
Wie viele Bücher wurden über die Verbrechen der Nazis geschrieben?! Die Amerikaner müssen es vertragen, dass ein Autor auch ihre Sünden anhand eines allzeit anerkannten Klassikers benennt und aufzeigt.
Sehe ich genauso. Vor allem, weil es zwar keine offizielle Sklaverei mehr gibt, aber der Rassismus wieder zunimmt.
Da überschätzt du die zeitgenössische Literatur. Bücher kommen und gehen. Klassiker bleiben und werden vor ihrem historischen Hintergrund wahrgenommen.
Sehe ich genauso.
Bislang empfinde ich es als erfrischend, eine neue Perspektive , eine neue Schablone zu erleben, eine, die den heutigen Anschauungen eher entspricht.
Sehe ich ebenso. Und für Schwarze Leser hat der Roman noch eine ganz andere Relevanz.
 

alasca

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13. Juni 2022
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Die hat jeder, ausnahmslos !! jeder. Das ist kein Grund.
Wenn ich das richtig gelesen habe, ist noch Everetts Ur-Ur-Großvater Sklave gewesen. Das ist verdammt nach dran, think transgenerationale Undsoweiter. Ob man dann wirklich an das Gute im weißen Menschen glauben kann - ich kann verstehen, wenn nicht.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Ob man dann wirklich an das Gute im weißen Menschen glauben kann
Muss man schon auf alle ausweiten - die Umstände waren jetzt so, dass die Weißen die Bösen waren - wären die Umstände anders gewesen, wären es eben die Schwarzen gewesen. Es ist doch nicht so, dass eine Hautfarbe besser handeln würde als die andere.
 
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