3. Leseabschnitt: Teil Drei 1985 (Seite 237 bis 334)

alasca

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Es geht so weiter und wird schlimmer. Der Vater verhält sich (mit dem Geld seiner Frau) "wie ein Großgrundbesitzer" S. 245. Und bringt die Mutter um das Entgelt für die Renovierung ihres Elternhauses. Das ist nicht einfach nur patriarchales Verhalten, das ist tätiger Hass.

Dann die Selbständigkeit, wofür er seinen Job kündigt. Immerhin kommt er aus dem schwachsinnigen Vertrag wieder raus, das erste Mal, dass die Mutter erfolgreich interveniert.

Dass ein einziger Mann derartig viele negative Eigenschaften hat, ist kaum nachvollziehbar. Was liebt die Tochter an ihm? Warum vermisst sie ihn, wenn er weg ist? Sie wird von ihm ständig instrumentalisiert. Soll ihrer Mutter sogar "ins Gewissen reden". Wovon er Abstand nimmt, aber es steht im Raum.

Was die Autorin in dem Einschub S. 262/263 schreibt, überzeugt mich nicht. Protestmännlichkeit - ok. Aber der Vater hat gegen das Erbe der Mutter protestiert?! Indem er es ausgab? Mit dem selbstgebauten Eigenheim - vom Geld der Mutter? Lächerlich.

Auch der Einschub S. 278/279 hat logische Fehler. Der Vater ist "ungemein stolz auf seinen beruflichen Werdegang"? Ist er NICHT - denn er wird nicht befördert. Weil er kein Ingenieur ist. In Wirklichkeit vielleicht wegen seiner problematischen Persönlichkeit. Er hat deswegen Minderwertigkeitskomplexe, die er an der Mutter auslässt.

Das Schwimmbad und die Scham. Schlimm. Aber glaubwürdig. Genauso geht diese Psychodynamik bei Kindern.

"Meine Mutter durfte nicht mit in Urlaub, weil sie zu dick war." Das Cabrio, vom Geld der Mutter, denn, nicht vergessen, der Vater ist zu der Zeit arbeitslos. In das mutmaßlich Jessy pinkelt - einen kurzen Moment dachte ich sogar, es wäre die Mutter gewesen. Fand ich herrlich, musste lachen. Da musste der Vater ja froh sein, dass die Übeltäterin sich auf das kleine Geschäft beschränkt hat! :rofl Und NATÜRLICH macht die Mutter das Pipi weg.

Der Einschub über die phrasenhafte Sprache. Der war nötig.

Dass die Intervention der Mutter bezüglich des Fahrzeugs, mit dem Ela in die Ferien gebracht wird, dem Vater das Leben rettet, mutet an wie schiere Ironie. Auch dass er danach kleine Brötchen backt - kann nicht von Dauer sein. Und offenbar hat die Mutter der Gastgeberfamilie finanziell ausgeholfen. Dem Mann, der angeblich so viel erfolgreicher ist als der Vater. Auf die Auflösung bin ich gespannt.

Dass das fertige Haus dann auch noch im bayrischen Stil erbaut wurde - nicht falsch verstehen, ich mag den. In Bayern. Überall anderswo ist das einfach nur schlechter Geschmack, ein Fremdkörper.

Interessant, der Roman. Bringt mich sehr zum Denken.
 
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Literaturhexle

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Oh, oh,.... Seite 263 - Das Buch verliert mich! Die Autorin übertreibt! Bis jetzt habe ich noch alles mitgetragen, doch allmählich wird es zuviel. Die Mutter rackert sich ab, managt die Familienarbeit, kümmert sich um die demente Mutter, organisiert eine Entrümpelung nebst Renovierung sowie einen Neubau... Fällt abends todmüde ins Bett.
Was macht der werte Gatte? Fällt ihr in den Rücken, verzichtet auf Tausende Mark für 2 Monate Arbeit, kehrt den Krösus raus ("Wir haben es doch!"), fährt schick zum Skifahren (das ja ruckzuck gelernt ist), lädt ein Kollegenpaar (!) dazu ein (nichts selbstverständlicher als das!) und kündigt seinen Job. Ohne Einverständnis der Frau, auf deren Kosten er lebt. Das passt jetzt alles nicht wirklich. Letztlich ist auch der Vater von kleinem Herkommen, seine Prasserei empfinde ich als unrealistisch. Das Schweigen der Mutter dazu mittlerweile als völlig an den Haaren herbei gezogen. So schlecht sieht es mit ihrem Selbstbewusstsein auicht mehr aus.

Die 8-jährige Ela entwickelt sich neunmalklug. Einen solchen siebten Sinn bezüglich einer potentiellen Liebschaft hat kein Kind in dem Alter. Dass es eine Visitenkarte findet und 1 und 1 zusammenzählt. Auch finde ich ihr inquisitorisches Auftreten unpassend.

Die Zwischentexte haben ihre Form verändert. Sie bilden jetzt kein Gedankengerüst mehr ab, das dazu dient, die Mutter besser zu verstehen, sondern wirken didaktisch und gewollt auf mich:
Die wohlhabende oder auch nur finanziell unabhängige Frau stellt im Patriarchat eine Provokation dar. 248
Diese Art Aufsässigkeit gegenüber den herrschenden Verhältnissen ist typisch für das, was der marxistische Politiker Otto Rühle "Protestmännlichkeit" nennt. 262
Was soll denn das jetzt? Wo führt das hin? Bis jetzt dachte ich eine (fiktive) Aufarbeitung einer Familiengeschichte zu lesen. Hier wird es mir doch ein wenig zu feministisch-soziologisch-oberlehrerhaft.

Auch dass die Mutter ihre große Liebe nicht geheiratet hat, weil sie Komplexe gegenüber dem Akademikerhaushalt hatte... Och nö jetzt. Sie ging doch aufs Gymnasium... Das passt für mich nicht mehr. Hoffentlich kriegt der Roman die Kurve wieder!

Gleichfalls nerven mich zunehmend die Musik-, Film- , Frisur- und sonstigen Bezüge in die 80er. Das wirkt gleichfalls gewollt auf mich. Dass ein Mann die Bestellwut seiner Frau 1985 kritisiert: klar. Aber dass er es mit dem Argument tut, dass sei "nicht gut für die Umwelt" - nee, echt nicht. Die Begründung passt ins Heute, nicht nach 1985.

Diese Frustration musste erst einmal raus.
 

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Ich kann mich nur anschließen: Das ist alles komplett überzogen, absolut schwarz-weiß gezeichnet (der böse Vater/ Täter, die sich aufopfernde Mutter/ Opfer, dazwischen das Kind, hin- und hergerissen). Das nervt mich kolossal und da das von Anfang an so angelegt wurde, kam bei mir denke ich auch nicht diese Empörung auf, die viele empfunden haben. Mir ist das alles zu übertrieben und dadurch auch platt. Ich kann so gar nicht nachvollziehen, warum dieses Buch auf der Longlist für den deutschen Buchpreis steht...

Die erklärenden Einschübe - für mich passt das auch nicht immer. Parentifizierung passt hier glaube ich nicht so gut.

Ich bin ja mal gespannt, was jetzt noch kommt und ob Mutter doch irgendwie noch ausbricht...
 

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Dass ein einziger Mann derartig viele negative Eigenschaften hat, ist kaum nachvollziehbar. Was liebt die Tochter an ihm? Warum vermisst sie ihn, wenn er weg ist? Sie wird von ihm ständig instrumentalisiert. Soll ihrer Mutter sogar "ins Gewissen reden". Wovon er Abstand nimmt, aber es steht im Raum.
Sehr gut auf den Punkt gebracht. Der Vater soll der Böse sein und ist völlig überzeichnet. Er darf offensichtlich keine liebenswerten Eigenschaften haben. Aber damit schreibt Dröscher komplett an der Realität vorbei. Ich erinnere noch mal an Schumacher (Liebe ist gewaltig), die hingegen die Ambivalenz eines gewalttätigen Vaters meisterhaft darzustellen wusste.
doch allmählich wird es zuviel. Die Mutter rackert sich ab, managt die Familienarbeit, kümmert sich um die demente Mutter, organisiert eine Entrümpelung nebst Renovierung sowie einen Neubau... Fällt abends todmüde ins Bett.
Was macht der werte Gatte? Fällt ihr in den Rücken, verzichtet auf Tausende Mark für 2 Monate Arbeit, kehrt den Krösus raus ("Wir haben es doch!"), fährt schick zum Skifahren (das ja ruckzuck gelernt ist), lädt ein Kollegenpaar (!) dazu ein (nichts selbstverständlicher als das!) und kündigt seinen Job. Ohne Einverständnis der Frau, auf deren Kosten er lebt. Das passt jetzt alles nicht wirklich. Letztlich ist auch der Vater von kleinem Herkommen, seine Prasserei empfinde ich als unrealistisch. Das Schweigen der Mutter dazu mittlerweile als völlig an den Haaren herbe
Meisterhaft analysiert. Ich kann nur zustimmen.
 

alasca

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Was soll denn das jetzt? Wo führt das hin? Bis jetzt dachte ich eine (fiktive) Aufarbeitung einer Familiengeschichte zu lesen. Hier wird es mir doch ein wenig zu feministisch-soziologisch-oberlehrerhaft.
Das fand ich alles auch total daneben.
Auch dass die Mutter ihre große Liebe nicht geheiratet hat, weil sie Komplexe gegenüber dem Akademikerhaushalt hatte... Och nö jetzt. Sie ging doch aufs Gymnasium... Das passt für mich nicht mehr.
Ist mir auch sehr negativ aufgestoßen. Dann das Gefasel von der Rolle, in der sie sich verliert - völliger Bullshit.
 

Literaturhexle

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Was liebt die Tochter an ihm? Warum vermisst sie ihn, wenn er weg ist?
Er scheint sich Zeit für sie zu nehmen. Er ist derjenige, der Karten spielt, der mit ihr Tennis trainiert. Er zeigt seine Tochter gern vor. Sie ist ja schlank und klug und makellos. Die Mutter ist nur am Schaffen und Sorgen. Außerdem räumt sie Jessy einen tochterähnlichen Status ein. Das hätte mich als 8-jährige auch gezwickt, das soziale Gewissen ist da noch nicht so stark ausgeprägt.
Indem er es ausgab? Mit dem selbstgebauten Eigenheim - vom Geld der Mutter? Lächerlich
Genau. Das habe ich auch nicht nachvollziehen können. Um das passend zu machen, hätte der Plot anders laufen müssen. Ich komme vom Dorf: Dort ist sich das Maul zerrissen worden, "weil die geerbt haben". Da kam der ganze geballte Neid hoch! Anerkennung dürfte ihm diese Art Reichtum höchstens vordergründig gebracht haben (weil er z.B. Geld gespendet hat).
Auch der Einschub S. 278/279 hat logische Fehler.
Wie oben schon gesagt, habe auch ich zunehmend Schweirigkeiten mit den Einschüben.
Und offenbar hat die Mutter der Gastgeberfamilie finanziell ausgeholfen. Dem Mann, der angeblich so viel erfolgreicher ist als der Vater. Auf die Auflösung bin ich gespannt.
Ich auch!
Parentifizierung passt hier glaube ich nicht so gut
Nee. Das hätte sie sauberer herausarbeiten müssen. Jedes Kind sorgt sich zunächst um die Ehe der Eltern, versucht zu vermitteln. Bleibende Schäden sehe ich noch nicht. Welche Elternehe ist in den Tagen der Machos schon konfliktfrei verlaufen?
Ich bin ja mal gespannt, was jetzt noch kommt und ob Mutter doch irgendwie noch ausbricht...
Irgendwann hat sie sich doch getrennt. Ich meine am Anfang gab es mal ein Fragment "nach/vor der Trennung".
 

Literaturhexle

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Die Mutter ist also die Verfechterin der Wahrheit. Nichts ist so schlimm, wie sie zu belügen...
Dabei ist sie ein lausiges Vorbild! Ständig muss die Tochter etwas verschweigen, darf etwas nicht sagen. Beim Arzt wird das in Bezug auf Jessys blaue Flecken deutlich, dem Vater wird ständig was verheimlicht. Was die absolute Höhe ist, dass die Mutter nach dem blutigen Scheibenunfall die Bopp belügt, die Idee mit dem Einbruch sei von Ela gekommen!!!! Ich glaube, das hätte ich meiner Mutter nie verziehen. Das eigene Kind wird quasi geopfert, damit Nachbarsmädel nicht gerade stehen muss für seine Tat mit allen möglichen Konsequenzen. Als 8-jährige hätte ich daraus geschlossen, dass Mutter die andere mehr liebt als mich. Zu dieser Sache schweigt die Autorin. Seltsam!

Der diebezügliche Einschub mit dem slawischen Untermenschen - sprechen wir nicht davon.

Dass Jessy sich charakterlich so sehr verändert, weil Elas Familie nun "reich" ist, nehme ich mal hin. Sie wird von ihrer Ziehoma ja mächtig infiltriert werden. Manchmal wird aber das Maß des Vorstellbaren überschritten.

Die Szene im Schwimmbad wirkt auf mich total konstruiert. Das Mädchen ist eine gute Schwimmerin und vom 1(!!!)-Meterbrett gesprungen. Wo ist das Problem. Ich bin in dem Alter allein ins Schwimmbad gegangen, meine Kinder übrigens auch. Unsere Ela-Mutter springt völlig hysterisch ins Wasser und macht sich komplett lächerlich. Nicht nur wegen ihrer Figur wohlgemerkt, auf die hier alles reduziert wird. Dass Jessy an dieser Stelle triumphiert - schwer nachvollziehbar. Sie schien die Mutter doch sehr zu verehren. Das passt nicht zum Pipi im Auto.

Nun die Schlüsselszene:
Das Problem ist, dass deine Mutter lügt. S. 305
Isst sie heimlich? Jojo-Effekt schön und gut, aber der rechtfertigt nicht alles. Die Mutter wird uns an keiner Stelle als fresssüchtig dargestellt. Ist sie am Ende krank? Schilddrüsenunterfunktion? Falls ja, müsste sie selbst darauf kommen, dass etwas nicht stimmt. Schließlich war sie früher schlank und müsste aus Erfahrung wissen, wieviel man essen darf.
Hat am Ende Martha-Oma den richtigen Riecher: "Kummer macht Speck."? Wir werden sehen. Aber die eine Marzipan-Verpackung macht noch keine Fresserin.

Die unkommentierte Prasserei des Vaters könnte ich mir nur erklären, wenn Elas Mutter Geld absolut unwichtig wäre. Ist es aber nicht. Keine Frau der Welt würde ihr Erbe so sinnlos opfern.

Insgesamt habe ich mich in dieser zweiten Hälfte des LA etwas weniger geärgert. Nur "dass die Mutter das Mau-Mau-Spiel ausgezeichnet beherrschte" war ein negatives Highlight. Was bitte, gibt es da zu beherrschen:apenosee?

Den Tara-Einschub über die Erdverbundenheit des Vaters lasse ich unkommentiert, sonst platze ich doch gleich wieder.

Dazu die Engstirnigkeit des Vaters in Bezug auf das Pflegebett. Oma müsste hier Priorität genießen, schließlich ist es ihr Geld. Klischee.
Die Mutter liebäugelt mit dem Tod. Lieber gehen als kämpfen. Klischee.
Die vielen gesammelten Strafzettel.... too much.

Mit diesem Abschnitt ist das Buch in meiner Gunst ziemlich abgestürzt. So schade! Woher kommen all die begeisterten Vorab-Stimmen? Woher die Nominierung? Sehen sie das nicht? An eine Biografie glaube ich mittlerweile auch nicht mehr.
 

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29. März 2022
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Was die absolute Höhe ist, dass die Mutter nach dem blutigen Scheibenunfall die Bopp belügt, die Idee mit dem Einbruch sei von Ela gekommen!!!! Ich glaube, das hätte ich meiner Mutter nie verziehen. Das eigene Kind wird quasi geopfert, damit Nachbarsmädel nicht gerade stehen muss für seine Tat mit allen möglichen Konsequenzen.
Das war schon krass. Klar macht sie das, um Jessy zu schützen und sie letztlich vor dem Heim zu bewahren, aber dennoch für die eigene Tochter ein Verrat sondergleichen.
Isst sie heimlich? Jojo-Effekt schön und gut, aber der rechtfertigt nicht alles. Die Mutter wird uns an keiner Stelle als fresssüchtig dargestellt. Ist sie am Ende krank? Schilddrüsenunterfunktion? Falls ja, müsste sie selbst darauf kommen, dass etwas nicht stimmt. Schließlich war sie früher schlank und müsste aus Erfahrung wissen, wieviel man essen darf.
Hat am Ende Martha-Oma den richtigen Riecher: "Kummer macht Speck."? Wir werden sehen. Aber die eine Marzipan-Verpackung macht noch keine Fresserin.
Dafür, dass das >Dicksein so eine zentrale Rolle im Roman spielt, erhalten wir erstaunlich wenig Information über die Hintergründe. Alles nicht überzeugend...
Mit diesem Abschnitt ist das Buch in meiner Gunst ziemlich abgestürzt. So schade! Woher kommen all die begeisterten Vorab-Stimmen? Woher die Nominierung? Sehen sie das nicht? An eine Biografie glaube ich mittlerweile auch nicht mehr.
Ich habe ja anfänglich die Begeisterung auch nicht geteilt, aber es wird immer platter. Diese ganze schwarz-weiß Malerei ist, denke ich, auch der Grund warum die Taktik der Autorin, im Leser Empörung hervorzurufen, bei mir nicht funktioniert hat...
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ich habe ja anfänglich die Begeisterung auch nicht geteilt, aber es wird immer platter. Diese ganze schwarz-weiß Malerei
Bei mir hat es bis zur Mitte voll funktioniert. Allerdings eher mit dem gefühlten Hintergrund der 60er, 70er Jahre. Im Hinterland wirkt sowas ja oft länger. Nein, bis zur Hälfte hielten sich aus meiner Sicht die Klischees noch in Grenzen. Doch mit dem Einzug des Geldes werden sie inflationär gebraucht.
 

Leserose

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25. Juli 2022
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Das Buch verliert mich! Die Autorin übertreibt! Bis jetzt habe ich noch alles mitgetragen, doch allmählich wird es zuviel.
Eigentlich wollte ich das Buch heute nachmittag zu Ende lesen (auch damit ich endlich etwas besseres anfangen kann), aber ich schaffe es nicht!

Warum ist dieses Buch auf der Longlist? Ob die Jury wirklich alle Bücher liest? Bei der Menge der eingesendeten Bücher ist das wohl nicht möglich. Vielleicht wird manches nur angelesen und dann geht doch vielen unter. Nach dem ersten Teil - zumindest dem Anfang - war meine Einstellung dem Buch gegenüber noch positiv. Das Verhalten des Vaters im Hinblick auf die 80er und das Landleben noch im Rahmen, das Thema hat Interesse geweckt. Vielleicht soll das Besondere die Form der Einschübe sein, die mich jedoch mehr und mehr nerven. Ich kann es mir nicht erklären, wieso Experten dieses Buch als preiswürdig erklären!

Die vielen unglaubwürdigen Punkte, die die Autorin hineingepackt hat, habt Ihr schon im einzelnen aufgeführt. Dem Leser bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen, es jagt von einem negativen Höhepunkt zum nächsten und man wartet vergeblich auf eine Reaktion der Mutter.

verzichtet auf Tausende Mark für 2 Monate Arbeit, kehrt den Krösus raus ("Wir haben es doch!"), fährt schick zum Skifahren (das ja ruckzuck gelernt ist), lädt ein Kollegenpaar (!) dazu ein (nichts selbstverständlicher als das!) und kündigt seinen Job. Ohne Einverständnis der Frau, auf deren Kosten er lebt. Das passt jetzt alles nicht wirklich. Letztlich ist auch der Vater von kleinem Herkommen, seine Prasserei empfinde ich als unrealistisch. Das Schweigen der Mutter dazu mittlerweile als völlig an den Haaren herbei gezogen. So schlecht sieht es mit ihrem Selbstbewusstsein auch nicht mehr aus.
Auch in Kleinigkeiten geht alles schief. Sie lässt sich eine Dauerwelle machen mit bestimmten Vorstellungen und kommt mit einer unmöglichen Frisur zurück.
Die Schwimmbadszene!! unvorstellbar
Ich mag jetzt garnicht alles nochmal nachlesen und kommentieren.
Die Geschichte von der Eröffnung des Tennisplatzes - auch ein Beispiel für Unglaubwürdigkeit. "Am Tag der Einweihung überboten sich die Obacher darin in der schicksten Kleidung mit den teuersten Schlägern aufzulaufen." Für das Eröffnungsspiel hatten sich 30 Leute angemeldet, aber der Vater und die braune Manuela durften spielen, und zwar "den ganzen Vormittag"

Was uns wohl im letzten Teil erwartet? Ohne Leserunde hätte ich wohl schon lange quer gelesen, den Schluss gelesen und das Lesen beendet. Aber jetzt bin ich schon neugierig, wie sich die Dinge weiter entwickeln.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Erster Eindruck: in welchem Film bin ich hier?
Kann ein einzelnes Leben so viel Missgeschick und Unglück beinhalten? (Ja kann, aber dann haben die Protagonisten einen anderen Zungenschlag). Selbstverschuldetes Missgeschick meine ich. Der Zeitraum, in dem die Geschichte angesiedelt ist, macht sie unglaubwürdig. Die 80er waren schon ziemlich modern. Klar,es gab noch einiges zu tun - aber das gibt es ja immer!

- Die Zugewinngemeinschaft: Rechtlich kenne ich mich mit dem Erbe nicht so gut aus. Wem gehört es? Der Ehegemeinschaft oder der Ehefrau?
Wenn es aber der Ehegemeinschaft gehört, gehört auch der Verdienst des Ehemanns dazu oder? Mam hätte rechtliche Beratung gebraucht! Geld hatte sie ja - wird ständig darauf rumgeritten. Die Zeiten waren modern genug für einen Scheidungsanwalt. Und hier liegt mein Problem mit diesem Roman: einerseits ist Mam, die keinen Namen hat ! - eine echt taffe Person. Ich hätte kein Haus ganz und gar allein renovieren können oder wollen. Mam schafft das mit Links. Auch sitzt sie über Bauplänen und zumindest am Anfang stemmt sie die Bauherrensache ganz allein. Erst später als die Sachen Form angenommen haben, mischt Paps sich ein.
Und da wäre sie nicht dazu imstande gewesen, sich beraten zu lassen, was sie tun kann?
- Die Dinge selbst sind abstrus. Paps kauft sich Autos. Paps hat eine Bankvollmacht. Warum hat er die? Liegt das Geld auf dem Gemeinschaftskonto? Mam war eigentlich nicht plöd. Und sie kannte ihren Prinzen. Hätte ihn kennen müssen.
- Warum muss Paps von seinem Gehalt nichts zum Haushalt beitragen?
-Paps ist superblöd. Er zahlt diesem Ehepaar den Urlaub. HALT möchte ich rufen. DAS glaube ich nicht. Wer aus kleinen Verhältnissen kommt, macht das nicht. Auch eine halbe Mio ist endlich. Paps war immerhin im Berufsleben. Er verwaltete vorher die Finanzen. Das erste, was Paps macht, in RL, ist, dass er alles durchrechnet. Wie lange wird alles reichen? So ein Haus verschlingt schon eine ganze Menge. Besonders, wenn alles vom Besten sein muss.
-Dann der Vertrag mit dem Ehepaar. HALT. Das glaube ich auch nicht. Paps steht immerhin im Berufsleben. Einen Vertrag kann er auch lesen. Er liest Zeitung, er sieht fern. Er weiß, was passiert.
-Dann die Anullierung des Vertrags: HALT. So einfach ist das nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der einen Dummen gefunden hat, der eine solche Klausel unterschreibt, einfach zurückzieht, nur weil eine Ehefrau einen anbrüllt. Da muss man schon zum Anwalt gehen.
Oh mei. Die Autorin bietet Selbstdemontage als Erklärungsmodell.
*seufz*. Wenn, dann hätte ich gerne mehr Paps im Buch. Gespräch mit dem Vater. Warum, Paps, warum? Anklagen. Aber die Autorin nimmt nur die Mam ins Visier. Ist der Paps tot?
Selbstdemontage: Die Autorin bietet das Dorf als Erklärungsmodell. Hier bin ich ratlos. Sicher, Paps wollte etwas gelten in den Augen der Leute. Aber er macht sich doch nur lächerlich.
- Die Urlaube ohne Mam. Das geht auf keine Kuhhaut. Hat sie nie gesagt, "und was ist mit mir?" Sie hätte darauf bestehen können, dass Paps seinen Urlaub dazu benutzt, um sie mal zu Hause zu vertreten und dass sie wegfährt.
Also, ich verstehe, dass Frau Dröscher eine Mutter darstellen möchte mit dem Selbstwertgefühl einer Maus. Aber andererseits passt die angebotene Charakterisierung der Mam nicht dazu. Mam ist keine Maus.
- Mam denkt an Suizid, aber nicht an Trennung? Mam denkt an Suizid aber nicht an Therapie?
Mein Erklärungmodell: Wir haben es mit einer Satire zu tun. :rofl
 
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Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Die Zwischentexte haben ihre Form verändert. Sie bilden jetzt kein Gedankengerüst mehr ab, das dazu dient, die Mutter besser zu verstehen, sondern wirken didaktisch und gewollt auf mich:
Sehr schade! Es wäre sehr interessant gewesen, die Tochter hätte nun ihre Gefühle aufgearbeitet. Aber was wir bekommen, sind Phrasen und Schlagworte. Die Tochter hätte auch etwas zum Verhältnis zum Paps zur Jetztzeit schreiben können oder wie die Schwester ihre Kindheit erlebte - aber Schlagworte wie aus der Zeitung oder aus TVDokus. Nee, nee, nee.

verzichtet auf Tausende Mark für 2 Monate Arbeit, kehrt den Krösus raus
Auch so eine Sache: Und Mam steht daneben und macht keinen Mucks!! Glaub ich nicht.
Wie kommt das Buch auf die Longlist? Es gab dieses Jahr so viele viele tolle und herausragende Bücher!

Er scheint sich Zeit für sie zu nehmen. Er ist derjenige, der Karten spielt, der mit ihr Tennis trainiert.
Kinder lieben ihre Eltern. Man sagt (hab ich gelesen), "selbst ein schlechter Vater ist besser als gar keiner". Der Paps ist stolz auf seine Tochter. Was aber ist mit der anderen Tochter?

Was die absolute Höhe ist, dass die Mutter nach dem blutigen Scheibenunfall die Bopp belügt, die Idee mit dem Einbruch sei von Ela gekommen!!!! Ich glaube, das hätte ich meiner Mutter nie verziehen
Scheint nicht problematisch gewesen zu sein. Ela hat das verstanden. Und für Jessy wären die Folgen verheerend gewesen.
Die Mam - und das ist das Beste an ihr - hat ein soziales Gewissen.


Die vielen gesammelten Strafzettel.... too much.A

Aber echt!

Dafür, dass das >Dicksein so eine zentrale Rolle im Roman spielt, erhalten wir erstaunlich wenig Information über die Hintergründe. Alles nicht überzeugend...
!!! Obwohl es natürlich richtig ist. Kommt der Körper erst einmal in den Modus "ich verhungere" bunkert er jede Kalorie, die er bekommen kann. Es ist nicht so leicht, da wieder herauszukommen. Aber ich nehme es der Autorin übel, dass sie jede mögliche Hilfe wegschreibt. Die Schwägerin muss ins Ausland, damit sie als Hilfsquelle ebenfalls wegfällt.

Klischees noch in Grenzen. Doch mit dem Einzug des Geldes werden sie inflationär gebraucht.
Schade eigentlich. Der Anfang war vielversprechend.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Wem gehört es? Der Ehegemeinschaft oder der Ehefrau?
Der Ehefrau. Es sei denn, sie verschenkt die Hälfte. Die Erträge daraus würden wieder beiden gehören.
Kam mir auch unlogisch vor. Aber unser Frauchen ist ja so eine, die (leider) nicht an die Zukunft denkt und sich um Rechtliches keine Gedanken macht. Sie betont zwar, dass es ihr Geld sei, von dem er prasst, lässt es aber geschehen.

Mam war eigentlich nicht plöd. Und sie kannte ihren Prinzen. Hätte ihn kennen müssen.
Geld bedeutet ihr nichts. Es bedeutet aber (potentielle) Freiheit. Man kann sich nur aufregen über soviel Plödheit.

Oh mei. Die Autorin bietet Selbstdemontage als Erklärungsmodell.
Kindliche Perspektive. Die Details kennt sie nicht und recherchiert sie auch nicht. Da fehlt mir oft die Butter auf dem Brot.

Paps wollte etwas gelten in den Augen der Leute. Aber er macht sich doch nur lächerlich.
Genau!!!!

Aber andererseits passt die angebotene Charakterisierung der Mam nicht dazu. Mam ist keine Maus.
Jep!!!

Wir haben es mit einer Satire zu tun.
Dann aber einer sauschlechten. Denn auch da passt das eine nicht zum anderen.

Es fing doch so gut an. Schluchz!!!
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
10.358
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Brandenburg
Jetzt habe ich so viel Schlechtes über den Roman gesagt, jetzt sage ich einmal etwas Gutes:
- mir gefällt sehr gut, dass die Phrasen, mit denen Ela aufwuchs, ins Buch flossen und verbalisiert wurden.
- ich mag Jessy als Figur. Sie ist nämlich differenziert dargestellt.
- ich mag auch den Lesefluss, es ist ein geschmeidiges Ding
äh ... ja, mehr gibt es nicht.