3. Leseabschnitt: Seite 185 bis 307

Emswashed

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9. Mai 2020
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Dienstag

Jetzt, wo wir alle Beteiligten kennen, kommen wir in die Phase der kleinen Vorfälle und Szenen. Spätestens jetzt sollten wir sattelfest im Personenregister sein.

Nancibel entdeckt, dass Bruce wohl mehr als nur ein Chauffeuer für Anna Lechene ist und distanziert sich.
Henry will die Bernsteinfigur begutachten, doch der wurde inzwischen an eine fremde Dame verkauft. Blanche ist entsetzt, als sie das Stück im Koffer ihrer Mutter entdeckt und wirft es aus dem Fenster.
Hebe begleitet die Cove-Schwestern zu ihrer Mutprobe für die Aufnahme in den Klub der Spartaner. Alle vier springen an einer potentiell tödlichen Stelle von den Klippen ins Meer. Der Zufall des Bootsausflugs von Gerry und Evangeline rettet die Kinder, doch die Botschaft im Hotel heißt erst einmal, dass die Kinder tödlich verunglückt seien.
Ehrlich gesagt, war mir diese Szene dann doch ein wenig zu sehr gedreht und klamaukig. Beide Mütter verhalten sich eigenartig.

Und die Nächte auf den Klippen entwickeln sich langsam zum Massenevent.;)

Mittwoch

Und tatsächlich gibt es die nächste Slapstick-Szene, als der Polizist im Hotel mit einer Vorladung erscheint und die Hälfte der Leute sich verkriecht, weil sie ein schlechtes Gewissen haben. Aber Mrs Gifford ist gemeint und somit erklärt sich auch gleich eine Anfangssequenz, wo Sir Henry sich fragt, warum sie beim Aufbruch in die Ferien noch so dringend gesprochen werden sollten.

Mrs Cove meldet den Verlust ihrer Bernsteinfigur und der Verdacht fällt auf Nancibel, die sie tatsächlich in ihrer Tasche hat. Aber sie hat sie auf dem Rasen vor dem Hotel gefunden und als die Schnitzerei ihrer Großmutter erkannt und eingesteckt.

Sir Henry kann Mrs Cove davon überzeugen, dass es nichts Wertvolles ist, sondern Speckstein. Wie von Geisterhand landet das Stück wieder nächtens auf dem Rasen, allerdings ist mir nicht klar, warum.

Das Fest nimmt langsam Formen an, doch zunächst muss Hebe noch die böse Welt der Anna Lechene kennenlernen. Bruce nimmt es zum Anlass für einen endgültigen Bruch mit seinem alten Leben. Er wurde erpresst, weil er jemanden mit einem gestohlenen Auto zu Tode gefahren hat.

Oh je, oh je! Der heitere Ton, die lässlichen Eitelkeiten vermischen sich hier heftig mit echten Verbrechen. Tötungsdelikte, Kinderschänderringe, Betrug... so schlimm habe ich es nicht erwartet. Da mutet die umständliche Annäherung Gerrys an Angie irgendwie fehl am Platze an.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Ich amüsiere mich köstlich und nehme nix übel.
Allerdings sträuben sich Gerry und Nancibel gegen meine Pläne. Dafür sind nun Angie und Gerry zusammen, dank der energischen Intervention von Ms Paley. (Sie erinnert mich an Dr. Sommer. Ihr erinnert euch? Fragen an Dr. Sommer. Manchmal ist es auch Frau Barbara, die alle Probleme löst). Ich brech zusammen als Ms. Paley sagt, alles hätte sicherlich bei der Geburt von Gerrys Vater angefangen.
Die beiden furchtbaren Frauen Cove und Gifford keifen sich an und sagen sich die Meinung. Überhaupt gehen alle jetzt mehr und mehr aus sich heraus und wenn ich sie auch alle auseinanderhalten kann, kann ich mir nicht so recht ihre Namen merken.
Ist die Speckstein/Bernsteinfigur wirklich nichts wert? Jedenfalls wird Ms Cove entlarvt und merkwürdigerweise nicht geächtet. Ich mag sie, weil sie die richtigen sozialistischen Ansichten hat, aber als Mutter ist sie ein Vollpfosten, so dass ich einfach nicht glauben kann, dass sie die Mutter ist.
Ist es realistisch, dass die Kinder gerettet werden, nein, aber es ist so nett. Arme Hebe. Ach ja, Bruce. Will sich läutern. Aber er scheint überhaupt keine Schuldgefühle zu haben wegen des toten Radlers. Er muss ins Kittchen! Ab mit ihm!
Spielt Margaret auf "Stolz und Vorurteil" an bei den Fragen an Mr. Siddal. Es scheint so.
 
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Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Ehrlich gesagt, war mir diese Szene dann doch ein wenig zu sehr gedreht und klamaukig. Beide Mütter verhalten sich eigenartig.
Das Buch ist ein Sommerspaß, ernst nehmen hieße Null Punkte, aber es ist ein herrliches Amüsement. Gewisse Ähnlichkeiten mit Lädchenbüchern sind vorhanden - aber ich mag das Setting. Da hat Margaret echt Glück!
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Ehrlich gesagt, war mir diese Szene dann doch ein wenig zu sehr gedreht und klamaukig.
Hab ich gar nicht so empfunden, vor allem nicht im Vergleich zur Kirchen-Ausrasterszene, die für mich der bislang größte Slapstick war.
doch zunächst muss Hebe noch die böse Welt der Anna Lechene kennenlernen.

Kinderschänderringe
Wer sind diese Leute? Habe ich nicht ganz kapiert. Auch vorher schon die Andeutung von Dick mit den Kohleschiffen. (S. 164)
Spielt Margaret auf "Stolz und Vorurteil" an bei den Fragen an Mr. Siddal. Es scheint so.
Ich dachte jetzt beim Stolz wieder an die sieben Todsünden. Wer von den Anwesenden nimmt keine Hilfe an? Ich denke, es ist Mr Paley.
Gewisse Ähnlichkeiten mit Lädchenbüchern sind vorhanden
Ich muss jetzt mal gestehen, dass ich gar nicht genau weiß, was du damit meinst. "Groschenromane" ist mir ein Begriff, aber Lädchenbücher?
 
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Christian1977

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8. Oktober 2021
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Die größer werdenden Risse in den Klippen sorgen nicht nur bei Sir Henry für ein bedrohliches Gefühl, sondern auch bei den Lesern. Die Möwen merken bereits, dass etwas nicht stimmt. Unheimlich.

Ich fand die Szene mit der Spartaner-Mutprobe klasse, wenn vielleicht auch nicht besonders realistisch, aber was soll's? Spannend den Vorfall aus verschiedenen Perspektiven zu beobachten. Vor allem aus der Sicht von Unbeteiligten. Originell. Evangeline wächst über sich hinaus.

Liebenswert ist die Szene zwischen Nancibel und Blanche. Nun erfahren wir also, warum es überhaupt ein Fest geben wird. Bisher war ja eigentlich niemandem nach Feiern zumute.

Herrlich fand ich, wie Sir Henry Mrs. Cove vorführt. Falls es stimmt, dass es sich nicht um Bernstein handelt bei der Figur. Falls doch, hat er sie zumindest verunsichert.

Ich bin mir mittlerweile auch ziemlich sicher, dass die Opfer den Todsünden zugeordnet werden. Mir ist nur noch nicht bei allen klar, um wen es sich handelt.

Stolz = Mr. Paley
Neid = ??
Trägheit=Miss Ellis
Zorn = Kanonikus Wraxton
Wolllust = Anna
Völlerei = Lady Gifford
Habsucht = Mrs. Cove
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
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Brandenburg
Die größer werdenden Risse in den Klippen sorgen nicht nur bei Sir Henry für ein bedrohliches Gefühl, sondern auch bei den Lesern. Die Möwen merken bereits, dass etwas nicht stimmt. Unheimlich.
Meterbreit? Dann kann man nicht mal mehr drüberspringen ohne Gefahr, hat sich angehört wie die Beschreibung von Gletscherspalten. Da Mr Siddal den Brief nicht öffnete, wodurch sie gewarnt geworden wären, soll er mit verschwinden.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Ehrlich gesagt, war mir diese Szene dann doch ein wenig zu sehr gedreht und klamaukig. Beide Mütter verhalten sich eigenartig.
Klamaukig fand ich die Szene nicht, eher erschreckend. Ja, beide Verhalten sich eigenartig. Doch von Mrs. Cove wissen wir, dass ihr nichts an ihren Kindern liegt. So etwas kann ich mir kaum vorstellen, aber soll es geben.
und Mrs. Paley bekommt eh nichts mit, was um sie herum passiert. Sie beteuert zwar immer, wie wichtig ihr die Kinder sind, doch kümmern tut sie sich wenig.
Und tatsächlich gibt es die nächste Slapstick-Szene
Das erinnert mich an alte Hans Moser Filme ( falls die überhaupt jemand noch kennt). Da gab es oft solche Missverständnisse.
Er wurde erpresst, weil er jemanden mit einem gestohlenen Auto zu Tode gefahren hat.
Das wirft einen ganz anderen Blick auf ihn. Ein Auto stehlen oder „ ausleihen“ mag noch angehen, aber jemanden zu Tode fahren und dann abhauen.Nein, das ist kein Mann für Nancibel. Weg mit ihm!
weil sie die richtigen sozialistischen Ansichten hat
Das wiegt den Rest nicht auf. Außerdem erscheint sie mir eine Sozialistin aus Neid. Hätte sie Geld, wäre sie eine Kapitalistin wie aus dem Bilderbuch.
Ein schreckliches Kind, mit dem man Mitleid haben muss. Es hat meistens seine Gründe, wenn sich Kinder furchtbar verhalten.
Er muss ins Kittchen! Ab mit ihm!
Hier kommt er wohl eher unter die Klippen.
Die Möwen merken bereits, dass etwas nicht stimmt. Unheimlich.
Gefällt mir. Tiere sind schlauer als die Menschen.
Neid = ??
Trägheit=Miss Ellis
Beides trifft bei ihr zu.
 

dracoma

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16. September 2022
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Trägheit=Mr Siddal

Einspruch...Trägheit im biblischen Sinn ist nicht Faulheit! Der Pfarrer hat "Trägheit" auch anders definiert: nur Gedanken und Worte haben statt Taten. Und deswegen fühlt sich Sir Henry angesprochen: er schaut dem Bösen zu und tut nichts dagegen.
Trägheit wäre für mich daher Sir Henry.
Er scheint es aber zu überwinden: dem "Diebstahl" der kleinen Figur schaut er nicht mehr tatenlos zu, sondern er wird aktiv.

Das wirft einen ganz anderen Blick auf ihn. Ein Auto stehlen oder „ ausleihen“ mag noch angehen, aber jemanden zu Tode fahren und dann abhauen.Nein, das ist kein Mann für Nancibel. Weg mit ihm!
Da war ich überrascht. Bisher wurde er doch sympathisch gezeichnet? Aber ein toter Radfahrer und Fahrerflucht??
Und seine Geltungssucht stört mich auch. Schon Kapitel 9 spricht davon: "Jemand sein ist alles." Und seine Geltungssucht ist es, die ihn zu Anna gebracht hat, und das falsche Alibi bindet ihn noch fester an sie.
Da ist es wieder Mr Siddal, der diese Situation durchschaut und ihm die Augen öffnet.
Sie beteuert zwar immer, wie wichtig ihr die Kinder sind, doch kümmern tut sie sich wenig.
Sie liegt im Bett und isst die ganze Zeit, sagt Mrs Cove.
Also wäre Lady Gifford die Völlerei.
 

dracoma

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16. September 2022
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Mir hat der Dialog-Mix auf S. 206 gut gefallen: eine sehr temperamentvolle Szene, bei der wie im Film zwei Dialoge übereinander geschnitten werden und sich überlagern.

Mr. Siddal tritt hier wieder als ein philosophischer Berater in allen Lebenslagen auf.
Mrs Paley und Evangeline fragen ihn genau zu den Problemen, vor denen sie selber stehen:

Mrs Paley will den Unterschied wissen zwischen Stolz und Selbstachtung, weil ihr Mann sein unversöhnlichesund selbstquälerisches Verhalten mit Selbstachtung begründet. Mr Siddal macht ihr klar, dass Mr. Paley keine Selbstachtung pflegt, sondern Stolz.

Evangeline will den Unterschied wissen zwischen Geduld und Unterwürfigkeit, und sie erkennt, dass ihr Verhalten nicht die poisitv konnotierte Geduld ist, sondern Unterwürfigkeit, und die ist negativ konnotiert.
Das wird ihr weiterhelfen, denke ich.
 

dracoma

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16. September 2022
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Wo Trägheit wohnt, senkt sich das Gebälk, und wo die Hände müssig sind, tropft es ins Haus.
Ist das die Stelle, an der die 8 oder 7 Todsünden erläutert werden?
Ich bin nicht so bibelfest wie Du. Ich habe mich an die Definition von Pfarrer Bott Bott gehalten, S. 86.
Deswegen halte ich an Sir Henry fest, allein schon deswegen, weil der sich angesprochen fühlt.
Wir können ihm Miss Ellis ja zur Seite stellen :)! Mir Siddal weiß ich jetzt nicht...
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Ist das die Stelle, an der die 8 oder 7 Todsünden erläutert werden?
Ich bin nicht so bibelfest wie Du. Ich habe mich an die Definition von Pfarrer Bott Bott gehalten, S. 86.
Nee, das steht im Buch des Predigers.
Über die Trägheit des Denkens steht da: Selig sind, die geistlich arm sind (Bergpredigt) - obwohl ich denke, dass es hier um die geht, die nicht anders können.