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  1. Renie

    Renie Moderator
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    3. Leseabschnitt: Mitte 2. Teil bis Ende 2. Teil ("Hasenaugen" S. 137 - S. 183)
     
  2. ulrikerabe

    ulrikerabe Aktives Mitglied

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    Es trifft ein, was zu erwarten war. L. hat eine massive Esstörung. Anorexie, Bulimie, binge eating, es gibt so viele Varianten, alle gleichermaßen ein Teufelskreis für die Betroffenen, aber auch die Angehörigen. Die Selbstwahrnehmung ist verschoben, da kann objektiv kaum einer dagegen angehen. Alles dreht sich nur mehr um Kalorien, Fettverbrennung, jeder Bissen wird berechnet, alles gewogen, gezählt. Und es ist eine Sucht, das sieht man ganz eindeutig bei L.. es braucht nur ein kleines Ereignis, eine Verschiebung, die die Remission beendet. Der Bildhauer (ich merke mir seinen Namen noch immer nicht) versucht ihr zu helfen. Doch gerade in ihrer Krise, muss er mit seinem eigenen Leben zurecht kommen. Das endet fatal. Irgendwie wundert mich, dass er nicht versucht, L. zu finden. (oder habe ich da was überlesen?).
     
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  3. Renie

    Renie Moderator
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    Sie verkörpert ja nicht mehr das Bild, in das er sich verliebt (?) hat.
    Die Veränderung, die sie mitgemacht hat, zeigt sich nicht nur äußerlich. Als Übergewichtige war L. noch ein tragische und mitleiderregende Figur. Jetzt hat sie mit ihrer Essstörung und ihren Verhaltensweisen etwas Abstoßendes an sich.
    Han Kang stellt hier 2 Extreme dar: Zum Einen das sensible und verletzliche Monster, das menschliche Wärme und Gefühl ausstrahlt, und dadurch eine besondere innere Schönheit besitzt.
    Zum Anderen die dürre Person, der ständig kalt ist, und die verächtlich auf ihr Umfeld reagiert. Ganz zu schweigen von ihren Fress- und Brechattacken. Da ist keine innere Schönheit mehr vorhanden.
    Ich werde den Verdacht nicht los, dass U. (der Bildhauer) nur aus reinem Pflichtgefühl gehandelt hat, als er sie bei sich aufnahm.
     
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  4. ulrikerabe

    ulrikerabe Aktives Mitglied

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    Ich glaube, dass U. weder in die übergewichtige noch in die angemagerte L. verliebt war. Ich denke, es war zunächst Faszination Begierde und ein Drang etwas Künstlerisches zu schaffen. Später dann eben Sorge aus reinem Pflichtbewusstsein. PflichtGEFÜHL würde da schon zu weit gehen.
     
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  5. Renie

    Renie Moderator
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    Irgendwie ist der gute U. so gar nicht zu greifen. Ich habe selten einen Protagonisten erlebt, der so wenig von sich Preis gibt und dadurch so viel Raum für Interpretationen lässt. :)
     
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  6. ulrikerabe

    ulrikerabe Aktives Mitglied

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    Da hast du recht!

    Was mir noch eingefallen ist: Irgendein Gefühl muss er doch gegenüber L. haben, als er die Figur mit dem zerdrückten Gesicht macht. Einsamkeit, Zorn, Kummer, ich kann es nicht einordnen. Er zerdrückt das Gesicht, macht sie unkenntlich damit. Zerdrückt die Hände. Zerstört er damit seine Obsession? Die rote Farbe? Ist das nun das Herzblut, das er vergeblich in seine werke gesteckt hat, die L. zerstört hat? Die Farbe des Zorns? Der Liebe? Ich kann das nur schwer einordnen.
     
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  7. Renie

    Renie Moderator
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    Ich komme hier auch an meine Grenzen und bin daher auf die Interpretationen der anderen Leser, die nach uns kommen, gespannt.
     
  8. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ja, aus meiner Sicht ist U. durch seine unglücklichè Kindheit gar nicht zur Liebe fähig. Er nimmt alles hin. Er hilft L., wenn sie Hilfe braucht und richtet sich nach ihren Bedürfnissen (er selbst hat auch keine). Er nimmt sie aber nicht mit zu seiner Familie und sucht sie auch nicht. Er hat wenig Initiative.
    Allerdings kann man einer dermaßen erkrankten Person ohne Therapie auch nicht helfen....
    Das stimmt. Aber er interessiert mich auch nicht wirklich.
    Bis eben hat mich L. mit ihrem Schicksal beschäftigt. Sie wurde missbraucht, hat sich einen Panzer angefressen und wieder verschwinden lassen, ist ein körperliches und seelisches Wrack...
    Mal sehen, was jetzt kommt.
    Ich dachte spontan, dass er die zerbrochene L. am Boden nachbildet und sich zu ihr legt?

    Jeder normale Mensch wäre erbost, seine Wohnung so übel zugerichtet vorzufinden. U. nimmt es hin. Stoisch...
     
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  9. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Interessant auch die Heuchelei bei der Beerdigung. Alle heulen. Es ist ihnen ach so wichtig, dass der Vater nicht zu seiner Ex-Frau zum Liegen kommt.
    Als U. das dann an die Bedingung knüpft, dass seine Schwestern etwas mehr von Erbe bekommen, versiegen die Tränen und der Vater kommt doch dorthin.
    Also erscheint auch die neue Familie sehr maskenhaft.
     
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  10. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Er scheint mir insgesamt ein Mensch zu sein, der in allen Situationen Ruhe bewahrt und auch oft sagt: so ist es eben. Ob das Fatalismus ist oder einfach Pragmatismus... Manchmal wirkt er auf mich fast wie ein Soziopath.
     
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  11. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Ich bin nicht sicher, ob er sie als tragisch und mitleiderregend sah? Ich habe bei ihm oft den Eindruck, dass ihm grundlegende menschliche Emotionen völlig fremd sind. In seinen Augen war sie attraktiv, die Weichheit und die Formen ihres Körpers zogen ihn an. Ich bin nicht sicher, ob es darüber hinausging. Manchmal kommt sie mir vor wie eine fixe Idee von ihm, ohne wirkliche romantische Gefühle.

    Ich finde erschreckend, wie kalt und aggressiv sie manchmal erscheint... Ich konnte nachvollziehen, dass sie Angst davor hat, alleine so sein, da sie im Moment so verletzlich ist – aber sein Vater ist gestorben, da sollte sie doch nachvollziehen können, dass er sich für ein paar Tage nicht um sie kümmern kann...? Stattdessen diese Schweinerei im Bad, das mit den Handabdrücken hatte etwas sehr Hasserfülltes.

    Vielleicht hegt er auch die Hoffnung, dass sie wieder zu dem werden könnte, was er so anziehend fand.
     
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  12. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Ich habe mich mehr als einmal gefragt, in wie weit er zu 'normalen' Emotionen fähig ist. Ich habe es eben schon mal gesagt, ich sehe in ihm fast soziopathische Eigenschaften.
     
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  13. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Darüber denke ich auch noch nach! Er schaut vor allem auf Gesicht und Hände, um Menschen einzuschätzen, und jetzt zerstört er Gesicht und Hände. Heißt das, er versteht sie nicht? Heißt der, er WILL sie nicht verstehen?
     
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  14. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Ich denke, er zeigt dann Initiative, wenn Dinge für ihn notwendig oder auf ganz nüchterne Weise wichtig sind. Er organisiert Ausstellungen für seine Kunst, so etwas.

    Am verstörendsten finde ich dabei ihre boshafte, aggressive Ader – früher konnte sie sich nicht wehren, jetzt schlägt sie um sich, obwohl der Bildhauer ihr ja nur geholfen hat.

    Ja, ich vermute, in die Richtung geht es vermutlich. L. hat sich zerstört und sein Bild von ihr zerstört, und er erschafft sich, so weit es geht, ein Abbild von der alten L.

    Er nimmt so viel einfach hin. Weniger, weil er nachgiebig ist, habe ich oft den Eindruck, sondern weil er Aufwand und Resultat ganz sachlich abwägt.
     
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  15. Momo

    Momo Platin Mitglied

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    Er hat sich aber doch zu ihr stark hingezogen gefühlt. Für L. hat sich durch Jangs Abdrücke am Bewusstsein etwas verändert. Durch den Abdruck wurde ihr besusst, wie entstellt ihr übergewichtiger Körper ist, sodass hier nochmals eine schwere Krise für die junge Frau beginnt. Als Kind hat sie sich vollgefressen, um für den Stiefvater, der sie sexuell missbraucht hat, unattraktiv zu werden. Das war schon die erste Krise. Hier begann schon die erste Essstörung. Sehr traurig finde ich, dass es keinem Erwachsenen aufzufallen schien, was das Mädchen alleine mit dem "Sichhieneinfressenden" Kummer durchzustehen versucht.

    Nun verfällt sie von einem Extrem ins nächste, in dem sie sich um das Leben kotzt :oops:. Irgnedwie scheint aber auch Jang sich zu Frauen mit nicht ästhetischen Körpern hingezogen zu fühlen.

    Für mich ist Jang eine Figur, die zu diesen Frauen mit weniger schönen Figuren eine symbiotische Bindung sucht, was erst am Ende des Romans ganz besonders deutlich wird, aber die Ursache in seiner eigenen Kindheit, Teil 1, zu suchen ist.
     
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  16. kingofmusic

    kingofmusic Bekanntes Mitglied

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    Es ist glaube ich ein Fehler, zwei Bücher hintereinander zu lesen, in denen es im wahrsten Sinne des Wortes "kalt" zugeht. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo ich in Versuchung gerate, das Buch (vorerst) zur Seite zu legen und erst mal andere Lektüre einzuschieben, um später "Deine kalten Hände" noch mal neu und evtl. mit einem anderen Blickwinkel zu lesen. Sonst würde ich wahrscheinlich jetzt nur noch gefrustet vor mich hin lesen und evtl. eine Bewertung schreiben, die dem Buch nicht gerecht wird...Sorry :(:mad:.
     
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  17. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Da hast du in der Tat Pech gehabt- zwei so sperrige Bücher hintereinander :confused: sind eine Strafe.
    Ich persönlich neige zu der "Augen zu und durch"- Lösung, um die Sache hinter mich zu bringen....
    Dem Buch gerecht werden ...?
    Mal ehrlich: du bist fast auf Seite 200 und es ist dir zu kalt und gefällt dir nicht wirklich. Meinst du ernsthaft das ändert sich bis zum Ende?!:p
    Aber du musst DEINE Strategie fahren. Gelesen werden will es ohnehin.
     
  18. Renie

    Renie Moderator
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    Kein Problem. Manchen Büchern tut es gut, wenn man sie in Etappen liest. Und den Lesern auch. Wir wollen schließlich nicht, dass du Frostbeulen bekommst. ;)
     
  19. kingofmusic

    kingofmusic Bekanntes Mitglied

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    Danke. Ich habe mich aber gestern Abend dann doch dazu entschieden, weiterzulesen. Ich genieße es immer, wenn meine Kinder im Bett sind und meine Frau zum Nähen ist. Dann habe ich immer noch mindestens ´ne halbe/ dreiviertel Stunde Ruhe, um mich auf mein Hobby zu konzentrieren :D.
    Und komischerweise fand ich das bisher gelesene im dritten Abschnitt besser als davor - frag mich nicht wieso. Mehr dazu im passenden Abschnitt.
     
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  20. kingofmusic

    kingofmusic Bekanntes Mitglied

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    Ja, die "Augen zu und durch"-Strategie hat durchaus Vorteile. Hab nämlich gestern doch weiter gelesen (siehe Beitrag an @Renie). Ganz merkwürdig :confused::D.
     
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