3. Leseabschnitt: Kapitel XI. bis XIV. (Seite 157 bis 234)

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Warum kann es nur die Schwester sein? Woran macht ihr das fest? Und was spricht gegen die Möglichkeit, dass es sich auch um Jinn handeln könnte?
Ich habe es auch so empfunden wie die anderen, doch nachdem uns die kursiven Texte bisher keine komplette Klarheit bringen konnten, kann ich auch deinen Einwand gut nachvollziehen. Ich denke auch, dass der letzte Abschnitt endgültige Antworten liefern könnte
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Glaube ich auch. Allerdings wird Dennis wissen, dass er sich keine Hoffnung machen kann.
Aber seine Hartnäckigkeit hat was, auch wenn es über eine Freundschaft nie hinausgehen wird. Jeder andere würde sich von Sukhins Art in die Flucht geschlagen fühlen, aber er bleibt am Ball. Und, er weiß ihn zu nehmen…..
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Warum kann es nur die Schwester sein? Woran macht ihr das fest? Und was spricht gegen die Möglichkeit, dass es sich auch um Jinn handeln könnte?
Die Inschrift heißt: "Du wirst in Erinnerung bleiben, Jinn Hwa." Also ist sie die Verstorbene.
Die Frau sagt: "Ich glaube, SIE (3.Person) wäre damit (mit dem Nachruf) zufrieden gewesen." Damit ist angesichts der Grabplatte, auf die beide blicken, wohl Jinn gemeint.
Demnach kann die Frau nicht auch Jinn sein. Die Erinnerung von Athen betrifft die Frau und Jinn. Beide haben geweint. Streng genommen könnte die Frau auch Jinns Mutter sein? Aber die hat ja keine Rolle im Roman gespielt.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Es würde zu Jinn passen in dieser Situation über sich in der dritten Person und in der Vergangenheit zu sprechen.
Ach, jetzt habe ich kapiert, was du meinst:apenosee
Mächtig um die Ecke, aber möglich ist das (ich wäre aber niemals drauf gekommen:rofl)

Aber passt dann der Satz: "Sie konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Genauso wie ich."?

Wechselt sie da von der 3. In die 1. Person und meint beide Male sich selbst? Nee. Ich bleibe bei der Schwester;)
 

Irisblatt

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15. April 2022
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Ach, jetzt habe ich kapiert, was du meinst:apenosee
Mächtig um die Ecke, aber möglich ist das (ich wäre aber niemals drauf gekommen:rofl)

Aber passt dann der Satz: "Sie konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Genauso wie ich."?

Wechselt sie da von der 3. In die 1. Person und meint beide Male sich selbst? Nee. Ich bleibe bei der Schwester;)
Genau so habe ich es gemeint. Ich gehe dabei natürlich davon aus, dass Jinn nur "offiziell" gestorben ist, in Wirklichkeit aber lebt. Das "Genauso wie ich." hatte ich auf Sukhin bezogen.
Es ist aber auch durchaus möglich, dass Jinn von sich sowohl in der Vergangenheit - tot und 3. Person als auch von sich in der ersten Person - lebendig - spricht. Das halte ich inzwischen sogar für wahrscheinlich. Jinn ist ja beides. Der Wechsel zum ICH ist stark, lebensbejahend und im JETZT.
Ich finde das gerade sehr logisch und bleibe bei Jinn
 
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Irisblatt

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Genau so habe ich es gemeint. Ich gehe dabei natürlich davon aus, dass Jinn nur "offiziell" gestorben ist, in Wirklichkeit aber lebt. Das "Genauso wie ich." hatte ich auf Sukhin bezogen.
Es ist aber auch durchaus möglich, dass Jinn von sich sowohl in der Vergangenheit - tot und 3. Person als auch von sich in der ersten Person - lebendig - spricht. Das halte ich inzwischen sogar für wahrscheinlich. Jinn ist ja beides. Der Wechsel zum ICH ist stark, lebensbejahend und im JETZT.
Ich finde das gerade sehr logisch und bleibe bei Jinn
Der Text auf S. 197 beschäftigt mich weiterhin. Für mich ist gerade auch der letzte Satz: Dieses "Genauso wie ich" nicht eindeutig in seinem Bezug. Es könnte sowohl sein, dass das Weinen der beiden Frauen (Schwestern) gemeint ist, das damals auf dem Friedhof in Athen beim Anblick einer ähnlichen Inschrift geschah. Die zweite Möglichkeit ist aber, dass eine der Frauen (ich wäre da bei Jinn, ihr eher bei der Schwester) vor der Inschrift in Singapur in Tränen ausbricht (In dieser seltsamen Dopplung 1. Person/3. Person weil Jinn tot und nichttot zugleich).
Ein weiterer Punkt, warum ich eher glaube, dass Sukhin Jinn und nicht ihre Schwester auf dem Friedhof trifft, ist die Tatsache, dass die "Besucherin" sich bei dem Mann unterhakt. Das hat so etwas Leichtes und Vertrautes. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schwester das bei Sukhin machen würde.
Es ist auch nicht das erste Mal, dass Jinn ihre Gedenktafel besucht. Auch auf S. 179 weint sie, als sie dort ihr Foto sieht.
Ich werde euch nun nicht weiter mit diesem Punkt auf die Nerven gehen, versprochen. Nur den Gedanken wollte ich noch äußern ;)
 

Literaturhexle

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Ich werde euch nun nicht weiter mit diesem Punkt auf die Nerven gehen, versprochen. Nur den Gedanken wollte ich noch äußern ;)
Du nervst doch nicht! Das zeigt doch nur, dass dich das Buch beschäftigt.
ist die Tatsache, dass die "Besucherin" sich bei dem Mann unterhakt.
Genau darüber habe ich auch nachgedacht. Habe die Vertrautheit aber damit begründet, dass Sukhin lange mit Jinn zusammen war. Da lernt man die Familie kennen. Auch der Schmerz vereint.

Die Autorin benennt die Figuren in diesen Zwischenseiten ja ganz bewusst nicht. Wir sollen denken.
Mein spontanes Bild ist die Schwester. Nur zu ihr passt m.E. der Satz "... Ich glaube, SIE wäre damit zufrieden gewesen."
Wir werden es nicht 100%ig entschlüsseln können.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Ich werde euch nun nicht weiter mit diesem Punkt auf die Nerven gehen, versprochen. Nur den Gedanken wollte ich noch äußern
Also, mir gehst du damit nicht auf die Nerven. Ich finde deine Gedankengänge diesbezüglich sehr spannend. Ich war mir sicher, dass es sich in dieser Szene um die Schwester handelt. Aber deine Ausführungen sind durchaus nachvollziehbar.
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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So, das hat man nun davon, dass man (ich) hinterherhinkt! Ich wollte euch von meiner Erleichterung berichten, als ich den Kursiveinschub auf Seite 197 las und hoffnungsfroh war, dass Jinn kein Geist ist, sondern wahrscheinlich putzmunter ist. Allerdings treibt es mich zum Anfang zurück, als sie ihre verschwindenden Kleider bemerkt... komisch das. Ach herrje! Ihr habt ja so recht mit dem leichten Text und dem Tiefgang!

Aber mal ehrlich, man wird aber auch äußerst sanft und lustvoll über alle Senklöcher hinweggetragen, wie z. Bsp. mit den Libellen, die wie "manische kleine Doppeldecker umherjagen" und später dann "Eine Libelle sirrt vorüber und knallt an die Brücke" (beides S. 177). Ich war total gefangen von diesem Bild und musste schmunzeln, weil ich dachte wie diese verunfallte Libelle voller Staunen den umarmten Sukhin sah und nicht auf ihren Flugweg achtete.

OMG, es könnte ein vor Klichees triefendes Kriegen-sie-sich-oder-nicht-Liebesdrama sein, aber nicht in dieser Konstellation und Komposition. Ich frage mich, was mich hier so fasziniert und versuche meine Begeisterung zu falsifizieren, indem ich die Szene nach Deutschland verfrachte, mit Jinn im Englischen Garten, Sukhin in einer Gesamtschule, Engagement bei der Tafel, Jinns Schwester Luxusdonutsladenbesitzerin in Schwabing usw... Aber es funzt nicht. Nicht mit dem tollen Essen, nicht mit dem Wetter (es ist zu kalt in Deutschland).

Und dann ist da ja noch die schwelende Spannung. Was ist zwischen Jinn und ihrer (äußerst geschäftstüchtigen) Schwester vorgefallen? Wie weit kommt Sukhin aus seinem Schneckenhaus heraus? Und vor allem, wird Konstruktion Nummer 4 endlich das ersehnte Kartonschloss werden, mit dem Sukhin den Brautpreis bezahlen kann?
 

Literaturhexle

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RuLeka

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30. Januar 2018
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Mehr und mehr empfinde ich dieses Buch als Meisterwerk. Weniger wegen des Inhalts als wegen der Art und Weise, wie erzählt wird. Der lakonische Humor, die Zynismen, die Bärbeißigkeit Sukhins hat genau das richtige Maß. Der Ton bleibt immer so gleichmäßig leicht, dass sich bei jedem ernsthaften Partikel ein Abgrund zu öffnen scheint.
Da gebe ich Dir recht. Es ist weniger die Geschichte an sich, sondern die Erzählweise, die das Buch zu einem Vergnügen macht.
Wobei auch die Figurengestaltung besonders ist. Neben der schrulligen, aber liebenswerten Hauptfigur sind auch die Nebenfiguren genau und liebevoll ausgestaltet. Wenn ich nur an die Kollegin denke, die für Sukhin immer was vorbereitet hat.
ist eines davon. Dazu kommt das familiäre Zerwürfnis von Jinn, über das wir hoffentlich noch mehr erfahren. Sukhin ist schon ein komischer Vogel: Um dem Vater zu beweisen, dass er es doch kann, wird er Lehrer!
Der Roman spielt zwar in einem für uns weit entfernten Land, die Probleme sind aber die gleichen. Wie viele arbeiten sich ein Leben lang an den Ansprüchen ihrer Eltern ab.

Weihnachten ist ein universelles Fest geworden. Christen, Anhänger anderer Religionen und Atheisten - alle feiern gerne Weihnachten. So wie bei uns auch viele muslimische Türken einen Tannenbaum aufstellen.
Aber für Sukhin ist ein Fest mit so vielen Menschen schwer erträglich. „ Wenn die Hölle die anderen sind, dann ist Weihnachten eine ganz besondere Art von Hölle.
 

parden

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13. April 2014
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Niederrhein
www.litterae-artesque.blogspot.de
Mir gefällt hier die Darstellung der Freunschaft zwischen Dennis und Sukhin. Erst einmal grundlegend, dass endlich mal ein Hetero-Mann mit einem Homo-Mann ganz "normal" ("normal" im Rahmen des Romans :p ) befreundet sein kann. Meist ist es doch so, dass in Romanen und Filmen die homosexuellen Männer entweder innerhalb der Community Freunde haben oder wenn, dann nur mit Hetero-Frauen. Somit finde ich diese Beziehung hier einfach mal erfrischend. (Sofern nicht noch im letzten Abschnitt auftaucht, dass Dennis doch heimlich in Sukhin verliebt ist, das würde meine Freude zunichte machen.)
Ja, unbedingt. Dennis mutiert allmählich zu meinem heimlichen Liebling. Vom Nervtöter zu Beginn zu einem absolut treuen Freund. Ich glaube, Sukhin könnte machen was er wollte, Dennis stünde hinter ihm. Die Kommentare von Dennis! Bei dem eintönigen Lehrermonolog zu einer der Skulpturen bei dem Schulausflug oder auch bezüglich des "Flammenwerfers" für den Kuchen! Herrlich...
Wenn ich das jetzt richtig verstehe, hat sich oder wurde Jinn als tot erklärt und hat eine Grabtafel. Deshalb ist zu Beginn davon die Rede gewesen, dass "die Frau" tot ist. Also nur auf dem Papier, in Wirklichkeit noch da. Das klingt spannend.
So würde ich das mittlerweile auch sehen. Totgesagte leben länger - oder so. Aber warum will Jinn das nur so? Weshalb ist sie ausgestiegen? Aus allem...

Sukhin hat sicher einen Riesenfehler gemacht, als er die backende Schwester zur Feier brachte. Auch weil es dieser ja offenbar nur ums Image ging.
Ja, und als dazu noch die ganzen Aufnahmen gemacht wurden einschließlich Drohne, habe ich gedacht, dass Sukhin dieser heimlichen Aktion für die Obdachlosen letztlich womöglich doch eher einen Bärendienst erwiesen hat. Hallo, Singapur! Auch die Zeltstadt am Fluss wirkte da irgendwie irreal. Die Bewohner fürchteten zwar die Polizei, aber ist die wirklich so untätig? Laufen die nie Patrouille? Und bezüglich des Festes: stößt von denen niemand auf die Bilder im Internet?

Was hat es eigentlich mit diesem Kisten-Bauprojekt auf sich? Klar, Sukhin entwirft und baut ein schickes, zweckmäßige Haus für Jinn. Aber hat er auch einen Plan, wo das letztendlich stehen soll?
Die Frage stellt sich mir allerdings auch - zumal Jinn offensichtlich gar keine Kartonburg mehr haben will da in ihrem Park?! Das ist für Sukhin immer mehr zu einer zeitfressenden Obsession geworden. Ober er überhaupt noch zur Schule gehen kann, wo er doch so auf das Projekt fixiert ist?

Dennis wirkt natürlich wie ein Klischee-Schwuler. Aber ist er das wirklich oder will er provozieren, indem er Sukhin aus seiner Komfortzone holt? Wenn Homosexualität in Singapur tatsächlich noch so verpönt ist, kann ich mir einen solch "süßen" bunten Vogel nicht im Schuldienst für Teenager vorstellen.
Es darf ja auch keine Obdachlosigkeit geben oder Müll auf den Wegen (Sukhin stolpert beim Joggen einmal über einen weggeworfenen Kaffeebecher). Ich habe den Eindruck, dass die Autorin hier gerade mit den Tabus in Singapur demonstrativ spielt. Vielleicht ist der Roman auch deshalb so ein Erfolg in dem Land geworden?

Womit ich allerdings dennoch nicht gerechnet habe, war die verzweifelte Reaktion von Jinn. Es muss was schreckliches vorgefallen sein, zumindest aus Jinns Sicht, und ich befürchte, dass sie erstmal nicht mehr greifbar sein wird, weder für Sukhin, noch für jemand anderen aus der Truppe. Sie hat sich einen neuen Lebensinhalt aufgebaut und Sukhin hat ihn ihr genommen. Auch wenn ihm diese Tragweite nicht bewusst ist, so empfinde ich es für Jinn als echte Katastrophe.
Wenn Jinn, wie ich vermute, die totgesagte Frau aus den kursiven Abschnitten ist, dann könnte das womöglich genau ihr eigentliches Ziel sein: totgesagt werden. Ist es nicht so, dass man eine bestimmte Zeit verschwunden sein muss, um für tot erklärt zu werden? Ist das womöglich ihre eigentliche Vorsellung von Freiheit? Als sie sich damals von Sukhin trennte, hatte ich den Eindruck, dass das eher aus Verzweiflung geschah denn aus fehlender Liebe heraus - nicht mehr den Erwartungen entsprechen zu wollen oder zu können. Und die Trennung von der so geliebten Schwester bzw. der ganzen Familie und allem, was dafür steht, war dann vielleicht nur der noch konsequentere Schritt? Das sind so die Gefühle, die ich hierzu habe. Und hätte die Schwester nun Jinn bei der Weihnachtsfeier entdeckt, wäre ihr Ziel - endgültig frei von allem - dann nicht mehr zu realisieren gewesen. Was geschieht mit solchen "Aussteigern" in Singapur? Psychiatrie? Keine Ahnung...

Die Inschrift heißt: "Du wirst in Erinnerung bleiben, Jinn Hwa." Also ist sie die Verstorbene.
Die Frau sagt: "Ich glaube, SIE (3.Person) wäre damit (mit dem Nachruf) zufrieden gewesen." Damit ist angesichts der Grabplatte, auf die beide blicken, wohl Jinn gemeint. Demnach kann die Frau nicht auch Jinn sein.
Für mich widerspricht sich das nicht. Die Frau, die sie mal gewesen ist vs. die Frau, die sie sein kann, nachdem sie (endlich) für tot erklärt wurde? Irgendwie scheint mir das gerade am wahrscheinlichsten...

...und hoffnungsfroh war, dass Jinn kein Geist ist, sondern wahrscheinlich putzmunter ist. Allerdings treibt es mich zum Anfang zurück, als sie ihre verschwindenden Kleider bemerkt... komisch das.
Aber ihre Kleider verschwanden ja auch immer mehr - Sukhin hat es doch übernommen, ihre Garderobe bis hin zur Unterwäsche (reine Baumwolle!) nach und nach zu ersetzen... ;) Ich bin gespannt, ob ich mit meiner Theorie völlig daneben liege - und wie dieser außergewöhnliche Roman bloß enden wird?!
 

Irisblatt

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15. April 2022
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Es darf ja auch keine Obdachlosigkeit geben oder Müll auf den Wegen (Sukhin stolpert beim Joggen einmal über einen weggeworfenen Kaffeebecher). Ich habe den Eindruck, dass die Autorin hier gerade mit den Tabus in Singapur demonstrativ spielt. Vielleicht ist der Roman auch deshalb so ein Erfolg in dem Land geworden?
Den Kaffeebecher hatte ich nicht mehr auf dem Zettel - gut, dass du ihn nochmal erwähnst. Ich denke auch, dass die Autorin bewusst diese Themen einbaut und hinter Singapurs Fassade blicken möchte.
Wenn Jinn, wie ich vermute, die totgesagte Frau aus den kursiven Abschnitten ist, dann könnte das womöglich genau ihr eigentliches Ziel sein: totgesagt werden. Ist es nicht so, dass man eine bestimmte Zeit verschwunden sein muss, um für tot erklärt zu werden? Ist das womöglich ihre eigentliche Vorsellung von Freiheit? Als sie sich damals von Sukhin trennte, hatte ich den Eindruck, dass das eher aus Verzweiflung geschah denn aus fehlender Liebe heraus - nicht mehr den Erwartungen entsprechen zu wollen oder zu können. Und die Trennung von der so geliebten Schwester bzw. der ganzen Familie und allem, was dafür steht, war dann vielleicht nur der noch konsequentere Schritt? Das sind so die Gefühle, die ich hierzu habe. Und hätte die Schwester nun Jinn bei der Weihnachtsfeier entdeckt, wäre ihr Ziel - endgültig frei von allem - dann nicht mehr zu realisieren gewesen. Was geschieht mit solchen "Aussteigern" in Singapur? Psychiatrie? Keine Ahnung...
Daran habe ich bisher noch gar nicht gedacht - also, dass es von Anfang an Jinns Ziel gewesen sein könnte, für tot erklärt zu werden. Vor diesem Hintergrund ist das Erscheinen der Schwester und der Filmaufnahmen natürlich für sie eine Katastrophe.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ich habe den Eindruck, dass die Autorin hier gerade mit den Tabus in Singapur demonstrativ spielt.
Ja, unbedingt. Das wird mit zunehmender Lektüre immer klarer.
Und hätte die Schwester nun Jinn bei der Weihnachtsfeier entdeckt, wäre ihr Ziel - endgültig frei von allem - dann nicht mehr zu realisieren gewesen.
JETZT habe ich es verstanden:party
Danke, parden, du lieferst mir mein letztes Puzzlesteinchen zum Verständnis dieses Romans! 5 Sterne hätte er eh bekommen, aber jetzt sind sie rund! Für mich lohnt es sich hier wieder, eure Diskussion abzuwarten:)!
Die Frau, die sie mal gewesen ist vs. die Frau, die sie sein kann,
Dieser Gedanke ist absolut schlüssig. Man muss es im übertragenden Sinn sehen. So könnte es gemeint sein.
 

Literaturhexle

Moderator
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2. April 2017
15.545
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Das ist doch genau das, was ich euch die ganze Zeit versucht habe zu sagen ;)
Parden hat eben genau die Worte gewählt, die in mein Hirn Eingang gefunden haben. Du musst adressatengerecht argumentieren:rofl:p
Man muss dann davon ausgehen, dass Jinn von ihrem alten Ich in der 3. Person spricht. Ist schon spannend, wie wir uns an so einer kleinen Seite festbeißen können, oder? Und was dabei alles rauskommt. Supi!
 

parden

Bekanntes Mitglied
13. April 2014
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Niederrhein
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Ja, unbedingt. Das wird mit zunehmender Lektüre immer klarer.

JETZT habe ich es verstanden:party
Danke, parden, du lieferst mir mein letztes Puzzlesteinchen zum Verständnis dieses Romans! 5 Sterne hätte er eh bekommen, aber jetzt sind sie rund! Für mich lohnt es sich hier wieder, eure Diskussion abzuwarten:)!

Dieser Gedanke ist absolut schlüssig. Man muss es im übertragenden Sinn sehen. So könnte es gemeint sein.
Freut mich... ;)