3. Leseabschnitt: Kapitel 8 bis Kapitel 11 (Seite 210 bis Seite 349)

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Gelöschtes Mitglied 2403

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Hier in diesem Leseabschnitt befassen wir uns mit Kapitel 8 bis Kapitel 11 des Buches.
 
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Da mache ich mal hier den Anfang. :);)

Ich weiß nicht, irgendwie wirkt dieser Abschnitt auf mich weniger fassbar. Auch der Ton/die Schreibe ändert sich, das Sarkastische/das etwas Boshafte tritt in den Hintergrund. Es werden Charaktere gezeichnet, die an Punkten in ihrem Leben stehen, wo sich etwas ändert, die aber nicht wirklich wissen was zu tun ist. Sehr menschliche Charaktere. Andererseits wirkt einiges in diesem Abschnitt auch überzeichnet, nicht ganz so real. Man fragt sich beim Lesen, ist dies so vollkommen okay, kann sich aber nicht vollkommen festlegen. Zumindest ging es mir so. Was sagt ihr dazu?
 
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Dann ist wieder der politische Hintergrund ein Thema. Einerseits wird die Widersinnigkeit eines gewissen Kandidaten aufgezeigt. Andererseits zeigen die Hauptakteure und die ganzen Nebencharaktere auch die Zustände im Land und bei den Menschen. Verschiedene Geisteshaltungen blitzen durch. Shteyngart zeigt hier auch die Lage im Land. Das gespaltene Amerika wird deutlich. Und auch hier drängen sich wieder Vergleiche auf.
 
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Seema hat ihre Affäre mit Luis und lässt gleichzeitig zu, dass sich ihr Sohn Shiva mit Arturo, dem Sohn von Luis anfreundet, gestattet damit auch Julianna eine gewisse Annäherung, versucht sich aber gleichzeitig zu versichern, dass nichts über ihren Sohn zu Luis dringt. Dennoch sucht sie aber auch über Facebook nach Layla Hayes und findet auch noch ein paar abwertende Begriffe für sie. Das klingt als würde sie noch etwas für Barry empfinden. Ein heftiger Streit mit Luis folgt, deren Ursache eine gewisse Überheblichkeit von Luis sein könnte und auch eine gewisse Kritik von Luis an Barry. Schlussendlich lässt Seema ihr Kind unter der Obhut vom Kindermädchen und fliegt zu ihren Eltern, sucht einerseits eventuell Schutz und andererseits möchte sie ihre Eltern auch über ihre jetzige Situation informieren und über die Entwicklungsstörung ihres Sohnes Shiva. Worauf ihr Vater aber recht wissend reagiert. Interessant!

Schlussendlich empfinde ich die Zeichnung des Charakters Seema hier als zutiefst menschlich. Sie schwingt hin und her, weiß nicht wirklich wohin sie will. Steckt aber auch in einer nicht so tollen Situation, erstens hat sie ein entwicklungsgestörtes Kind, wo sie nicht weiß wie es weiter gehen soll, was da noch auf sie zukommt, der Mann ist weg, einerseits kann sie mit gewissen Arten von ihm nicht, andererseits sind Gefühle noch da, die nicht geklärte Situation mit seiner Arbeit und das Video auf ihrem Handy geistern da sicher auch noch in ihrem Kopf, dann wiederum befindet sich das ganze Land in einer eigenwilligen politischen Situation, ein Machtwechsel steht im Raum, für eingewanderte Menschen und Menschen anderer Hautfarben sicherlich bedrohlich wirkend, die Zukunft wankt und dann stürzt sie sich in eine Affäre, die sich als genauso brüchig erweist. Hhmm ...
 
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Hier geht es um Barry, man könnte sagen Barry und seine ganzen verschiedenen Luftschlösser, oder Barry und seine Kleingeistigkeit. Ein unsympathischer Charakter! Ein Beispiel für das kleingeistige und weiße Amerika!?!

Da haben wir einmal seine Begegnung mit Brooklyn, einem jungen schwarzen Mädchen, einem sehr idealistisch geschilderten Männertraum, welches sich zu Barry setzt, weil die "restlichen Plätze im Bus entweder von Korpulenz oder von Zeugungsfähigkeit bedroht" sind, er also keine Gefahr darstellt. Hier macht sich der Charakter Barry dann Gedanken wie er mit einem schwarzen Menschen sprechen kann, etwas abwegig in meinen Augen, da der Charakter Barry ja mit Seema zusammen ist, einer tamilischen jungen Frau, also jemand sein dürfte, der über solche Gedankengänge erhaben sein dürfte. Aber gut, sicher ein Mittel zum Zweck. Nachdem eine Verständigungsbasis gefunden wurde, nähern sich beide etwas an und landen dann gemeinsam im Marriott in Jackson, Mississippi, das Hotel in dem Brooklyn arbeitet. Sie verbringen eine gemeinsame Nacht. Am nächsten Morgen ist Brooklyn weg, das Zimmer leer und Barry verdächtigt sie erstmal ihn beklaut zu haben, bis sich dies als haltlos herausstellt. Ob dies bei einer weißen Bekanntschaft auch so geendet hätte? Dann stellt er noch fest dass er nichts für das Zimmer zahlen muss. Also schwarz bezahlt weiß.

Die nächste Begegnung ist ein rassistischer, texanischer Weißer im Bus, dem sich Barry aus Angst nicht als Jude zu erkennen gibt. Hier folgen dann viele nachdenklich stimmende Betrachtungen über den Staat Mississippi.
 
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Das letzte aufschlussreiche Kapitel findet dann größtenteils in El Paso, Texas statt. Barry wird von Layla nicht so willkommen geheißen wie Barry sich dies gewünscht hat. Aber er darf schlussendlich bleiben. Die Beiden kommen zum reden. Über Vergangenes und Jetziges und sie nähern sich schließlich sogar an, aufgrund einer zusammen erlebten Geschichte kommt mir dies nicht ganz sooo abwegig vor.

Barry nähert sich Laylas Sohn an und lässt wieder einige Qualitäten erkennen, aber auch einiges Einengendes. Aber auch hier vermag der Autor einen Menschen zu zeichnen, keinen sympathischen Menschen, aber einen Menschen mit positiven und negativen Eigenschaften. Leider überwiegt letzteres. Wir erfahren auch was das titelgebende Lake Success bedeutet, einfach nur ein Sehnsuchtsort des kleinen Barry, der nach dem Tod der Mutter manchmal nur flüchten möchte!!!

Auch hier folgen wieder Betrachtungen über das gespaltene Amerika und ein Blick über die Grenze in das gewaltbereite Mexiko, mit einem beunruhigenden Trip nach Ciudad Juarez und einem Blackout von Layla. Layla erhält bedrohliche und rassistische Mails, welche in ihrer Uni thematisiert werden und gleichzeitig auch ein Hasslevel zeigen, welches auch in anderen Gebieten zu finden ist.

Am Ende platzt natürlich das Wolkenschloss Layla + Barry. In diesem letzten Teil merkt man, dass Barrys Leben einen deutlichen Verlauf nach unten nimmt. Er schaut seine Mails an und merkt, dass die Sünden seiner Arbeit ihn einholen, er verschwindet aus El Paso und bestiehlt Layla, der Rollkoffer mit den Uhren und dem Portemonnaie wird Barry im Greyhound geklaut, er landet mittellos (außer einer seiner geliebten Uhren, die er ja um hatte) in Phoenix, bettelt für den Fahrpreis nach San Diego und kommt schließlich in den Kontakt zu Bentley, einem muskulösen, blonden, jungen Mann, mit dem er dann zusammen das Crack raucht und ihm sexuell gefällig wird, ein Bogen zu gewissen homoerotischen Gedankengängen wird geschlagen, dann geht die Reise weiter nach San Diego. Und ich bin sehr gespannt, wie der letzte Abschnitt wird.
 
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Anjuta

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8. Januar 2016
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Ja, Barry kommt tatsächlich bei Layla an und darf sogar bei ihr bleiben. Für eine (wenn auch kurze ) Zeit leben sie mit dem Sohn Jonah fast wie eine Familie. Das hat mich doch sehr gewundert. Ich hatte diese Fahrt zur Ex ehrlich gesagt bisher eher als reines Hirngesprinst angesehen. Aber es hält nicht. Nach einem Ausflug über die Grenze nach Mexiko bricht die Gemeinsamkeit wieder auseinander und Barry macht sich weiter auf den Weg nach El Paso. Jetzt ist das Grab seines Vaters das Ziel der Reise. Irgendwie fühlt er sich im Greyhound schon richtig heimisch und hier erfährt er auch eine Art von Gemeinschaft und Solidarität, wie sie für ihn wohl bisher unbekannt war. Tatsächlich habe ich hier den Eindruck, als hätte diese Reise für Barry nun doch einen Erziehungscharakter und er erlernt so etwas wie Sozialkompetenz in diesem Umfeld, in dem sich die Leute erzählen, "wo sie im Gefängnis gesessen hatten, so wie die Leute im Acela sich erzählten, wo sie Jura studiert hatten." Hier wissen die Mitreisenden auch, dass sein Sohn Autist ist. das, was er sich bisher nie getraut hat, jemandem anzuvertrauen, ja, nicht einmal, es beim Namen zu nennen. Bisher wurde das immer dunstig mit "Diagnose" und "Profil" umschrieben.
Dieser dritte Teil hat mir Barry tatsächlich ein klein wenig näher gebracht. Ist er zu Entwicklung und Fortschritt fähig? Wie wird das Buch enden?
 
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Leseglück

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7. Juni 2017
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Vielen Dank @renee für die gute und ausführliche Zusammenfassung.
Das hat mich doch sehr gewundert. Ich hatte diese Fahrt zur Ex ehrlich gesagt bisher eher als reines Hirngesprinst angesehen.
Das ging mir ganz genau so. Zwar erweist sich die Idee, mit der Studienfreundin eine neue Familie zu gründen, am Ende doch als Sackgasse. Dass sich Layla eine Zeitlang auch auf diesen Gedanken einlässt, das hätte ich auch nicht erwartet. Layla erkennt aber, dass Barry auf der Flucht vor seinem Leben ist. Sie sieht, dass Barry sie und ihren Sohn nur als Hilfsmittel für diese Flucht benutzt.

In diesem Abschnitt wird deutlicher, was @parden schon im ersten Abschnitt aufgefallen ist: Barry hat tatsächlich stark autistische Züge. Deshalb versteht er sich so gut mit Laylas Sohn. Hier kann er wirklich mal ein guter Mentor sein. Im übrigen kann ich diesen Wunsch Barrys, für alle und jeden Mentor sein zu wollen nicht nachvollziehen. Dieser Wunsch gehört m.W. nicht zum Autismus-Spektrum. Ist das ein amerikanisches Ideal?

Auf der Reise im Greyhoundbus lernen wir Leser nun auch die weiße Unterschicht in den USA kennen mit ihren schrägen religiösen Ansichten und ihrem extremen Rassismus.
Bei den Beschreibungen der Landschaft der USA meine ich eine große Liebe des Autors zu seinem Land zu spüren. Da sind sehr schöne Formulierungen dabei.
Sowohl Seema als zuletzt auch Barry durchbrechen endlich ihre Strategie, den Autismus ihres Sohnes vor der Welt geheim zu halten. Seema trifft in der Hinsicht eine bewusste Entscheidung und sagt es ihren Eltern. Seemas Vater scheint sympathisch und warmherzig zu sein. Sie gesteht sich ein, dass sie sich für ihren Sohn schämt. Die Figur Seema entwickelt sich zum positiven finde ich. Wobei ich mir da bei Barry noch nicht so sicher bin. Sein Absturz radikal! Nachdem er seinen letzten Halt aus seinem alten Leben verloren hat (seine Uhren) bricht er vollkommen zusammen. Er verliert jede Scheu und weint und heult vor seinen Mitreisenden. Bei der Gelegenheit (er hat nichts mehr zu verlieren) sagt er auch allen, dass sein Sohn Autist ist. Die Hilfsbereitschaft der Mitreisenden hat mir so gut gefallen. Barry erfährt viel Mitgefühl und Unterstützung. Durch sein Beispiel entsteht eine offene und warme Atmosphäre im Bus.
Vielleicht kann Barry diese Erkenntnis mit in sein New Yorker Leben nehmen und nun seinem Sohn ein Mentor sein.
 
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Vielen Dank @renee für die gute und ausführliche Zusammenfassung.

Das ging mir ganz genau so. Zwar erweist sich die Idee, mit der Studienfreundin eine neue Familie zu gründen, am Ende doch als Sackgasse. Dass sich Layla eine Zeitlang auch auf diesen Gedanken einlässt, das hätte ich auch nicht erwartet. Layla erkennt aber, dass Barry auf der Flucht vor seinem Leben ist. Sie sieht, dass Barry sie und ihren Sohn nur als Hilfsmittel für diese Flucht benutzt.

In diesem Abschnitt wird deutlicher, was @parden schon im ersten Abschnitt aufgefallen ist: Barry hat tatsächlich stark autistische Züge. Deshalb versteht er sich so gut mit Laylas Sohn. Hier kann er wirklich mal ein guter Mentor sein. Im übrigen kann ich diesen Wunsch Barrys, für alle und jeden Mentor sein zu wollen nicht nachvollziehen. Dieser Wunsch gehört m.W. nicht zum Autismus-Spektrum. Ist das ein amerikanisches Ideal?

Auf der Reise im Greyhoundbus lernen wir Leser nun auch die weiße Unterschicht in den USA kennen mit ihren schrägen religiösen Ansichten und ihrem extremen Rassismus.
Bei den Beschreibungen der Landschaft der USA meine ich eine große Liebe des Autors zu seinem Land zu spüren. Da sind sehr schöne Formulierungen dabei.
Sowohl Seema als zuletzt auch Barry durchbrechen endlich ihre Strategie, den Autismus ihres Sohnes vor der Welt geheim zu halten. Seema trifft in der Hinsicht eine bewusste Entscheidung und sagt es ihren Eltern. Seemas Vater scheint sympathisch und warmherzig zu sein. Sie gesteht sich ein, dass sie sich für ihren Sohn schämt. Die Figur Seema entwickelt sich zum positiven finde ich. Wobei ich mir da bei Barry noch nicht so sicher bin. Sein Absturz radikal! Nachdem er seinen letzten Halt aus seinem alten Leben verloren hat (seine Uhren) bricht er vollkommen zusammen. Er verliert jede Scheu und weint und heult vor seinen Mitreisenden. Bei der Gelegenheit (er hat nichts mehr zu verlieren) sagt er auch allen, dass sein Sohn Autist ist. Die Hilfsbereitschaft der Mitreisenden hat mir so gut gefallen. Barry erfährt viel Mitgefühl und Unterstützung. Durch sein Beispiel entsteht eine offene und warme Atmosphäre im Bus.
Vielleicht kann Barry diese Erkenntnis mit in sein New Yorker Leben nehmen und nun seinem Sohn ein Mentor sein.

Ich freue mich sehr, du scheinst dieses Buch ähnlich aufzunehmen wie ich. Absolut interessant vom Autor, diese Zeichnung der Charaktere, diese Wandlung zeigt auch in meinen Augen dieses zweimal hinsehen müssen, um Menschen erfassen zu können. Nichts ist Schwarz und Weiß, alles ist grau.

Bei den autistischen Zügen von Barry, ich war mir nicht ganz so sicher, bis ich mich nicht mehr zurückhalten konnte und im Netz nachgelesen habe. Dass es verschiedene Formen gibt, wusste ich auch, aber dass es so viele verschiedene sind nicht. Sehr interessant wie diese Entwicklungsstörung hier in diesem Buch thematisiert wird.

Dies ist in meinen Augen auch ein Buch, welches seine volle Wirkung bei mir erst im Nachhinein vollkommen entfaltet hat. Bin gespannt was du am Ende sagen wirst! Viel Spaß noch auf den weiteren Seiten.
 
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ulrikerabe

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14. August 2017
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Ich halte "Barrys autistische Züge" für überinterpretativ. Nicht jeder, der als Kind keine Freunde hatte und sich als Erwachsener lieber mt Dingen als mit Menschen beschäftigt, ist Autist. Ich halte Barry schlicht für einen sozial imkompetenten Eigenbrötler mit übersteigertem Ego, man könnte kurz auch Asshole sagen.

Eigentlich wollte ich nach dem zweiten Abschnitt gar nicht mehr so recht weiterlesen. Mich haben diese überspannten Upperclass Typen nur genervt und gelangweilt. Vor allem dass bei Barry immer noch alles so rund läubft, ihm passiert eigentlich gar nichts, im Gegenteil, ermacht nette Deals mit Drogenhändlern, hat Sex mit einer jungen schönen Frau, alle dier er vor den Kopf gestoßen hat, nehmen ihn auf.
Dann kommt Layla. Ich habe zwar auch nicht verstande, waum sie Barry überhaupt wieder in ihr Leben lässt. Aber ich mag Layla. Vielleicht weil sie auf "der richtigen Seite" steht, politisch, intellektuell.
Sie fasst Barry in einem Satz zusammen:[zitat] "Du läufst durch die Welt und machst Sachen und weißt nicht mal, warum du sie machst....Das Verhalten deines Geschlechts, wie es im Buche steht."[/zitat]
Zumindest in diesem Buche!
 
Zuletzt bearbeitet:
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Ich halte "Barrys autistische Züge" für überinterpretativ. Nicht jeder, der als Kind keine Freunde hatte und sich als Erwachsener lieber mt Dingen als mit Menschen beschäftigt, ist Autist. Ich halte Barry schlicht für einen sozial imkompetenten Eigenbrötler mit übersteigertem Ego, man könnte kurz auch Asshole sagen.

Eigentlich wollte ich nach dem zweiten Abschnitt gar nicht mehr so recht weiterlesen. Mich haben diese überspannten Upperclass Typen nur genervt und gelangweilt. Vor allem dass bei Barry immer noch alles so rund läubft, ihm passiert eigentlich gar nichts, im Gegenteil, ermacht nette Deals mit Drogenhändlern, hat Sex mit einer jungen schönen Frau, alle dier er vor den Kopf gestoßen hat, nehmen ihn auf.
Dann kommt Layla. Ich habe zwar auch nicht verstande, waum sie Barry überhaupt wieder in ihr Leben lässt. Aber ich mag Layla. Vielleicht weil sie auf "der richtigen Seite" steht, politisch, intellektuell.
Sie fasst Barry in einem Satz zusammen:[zitat] "Du läufst durch die Welt und machst Sachen und weiß nicht mal, warum du sie machst....Das Verhalten deines Geschlechts, wie es im Buche steht."[/zitat]
Zumindest in diesem Buche!
Ich kann deine Meinung nachvollziehen. Besonders zu diesem Zeitpunkt. Mal schauen was du am Ende sagst.
 
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parden

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13. April 2014
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Niederrhein
www.litterae-artesque.blogspot.de
Ich lese parallel gerade tatsächlich ein Fachbuch: Die vielen Farben des Autismus. Nein, nicht wegen dieses Romans hier, sondern tatsächlich aus beruflichen Gründen. Und doch: Barry und Jonah und Shiva - sie alle zeigen die Palette der Autismus-Spektrums-Störung. Was der Autor damit bezweckt, ist mir allerdings nicht ganz klar. Jonah steht für die große Einsamkeit und die Unbeholfenheit in sozialen Angelegenheiten, das Erleben des Kindes. Shiva vielleicht für die große Verstörung, die die Welt für ein Kind seiner Wahrnehmung bedeuten kann. Und Barry - Symbol für die 'Unmenschlichkeit', 'Emotionslosigkeit' der Finanzbranche, die sich einen Dreck darum schert, wie es anderen Menschen mit ihren ausschließlich auf eigenen Profit ausgerichteten Handlungen ergeht? Keine Ahnung, was anderes fällt mir dazu nicht ein.

Barry tut mir irgendwie schon auch leid, denn er hat sich ja doch selbst verloren, weiß gar nicht mehr, wohin er sein Leben steuern soll, was er selbst will. Er sucht händeringend einen Halt, stürzt sich in immer neue 'Mentorenschaften', die doch keiner will, baut Luftschlösser, an die außer ihm niemand zu glauben bereit ist. Er läuft weg vor seinem Leben, hat aber keine Ahnung wohin. Am Ende des Abschnitts hat er nur noch ein Ziel und nichts als das, was er am Leibe trägt. Ein wenig wie bei dem Märchen 'Hans im Glück', der immer mehr weggibt, bis er schließlich mit 'nichts' zu Hause ankommt. Die Frage ist nur: wird Barry sich auch noch irgendwo 'zu Hause' fühlen? Wir werden sehen.

Ich lese das Buch immer noch nicht gerne, bin aber nicht mehr ganz so genervt davon wie in Abschnitt 2. Ich finde ja nach wie vor, dass die Abschnitte zu lang gefasst sind - oftmals habe ich beim Lesen das Gefühl, niemals am Ende anzukommen. Überhaupt kann ich bei diesem Roman immer nur 5-10 Seiten am Stück lesen, dann reicht es mir wieder... Aber gut, jetzt wartet nur noch ein Abschnitt auf mich. Es geht dem Ende zu...
 
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Gelöschtes Mitglied 2403

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Ich lese parallel gerade tatsächlich ein Fachbuch: Die vielen Farben des Autismus. Nein, nicht wegen dieses Romans hier, sondern tatsächlich aus beruflichen Gründen. Und doch: Barry und Jonah und Shiva - sie alle zeigen die Palette der Autismus-Spektrums-Störung. Was der Autor damit bezweckt, ist mir allerdings nicht ganz klar. Jonah steht für die große Einsamkeit und die Unbeholfenheit in sozialen Angelegenheiten, das Erleben des Kindes. Shiva vielleicht für die große Verstörung, die die Welt für ein Kind seiner Wahrnehmung bedeuten kann. Und Barry - Symbol für die 'Unmenschlichkeit', 'Emotionslosigkeit' der Finanzbranche, die sich einen Dreck darum schert, wie es anderen Menschen mit ihren ausschließlich auf eigenen Profit ausgerichteten Handlungen ergeht? Keine Ahnung, was anderes fällt mir dazu nicht ein.

Barry tut mir irgendwie schon auch leid, denn er hat sich ja doch selbst verloren, weiß gar nicht mehr, wohin er sein Leben steuern soll, was er selbst will. Er sucht händeringend einen Halt, stürzt sich in immer neue 'Mentorenschaften', die doch keiner will, baut Luftschlösser, an die außer ihm niemand zu glauben bereit ist. Er läuft weg vor seinem Leben, hat aber keine Ahnung wohin. Am Ende des Abschnitts hat er nur noch ein Ziel und nichts als das, was er am Leibe trägt. Ein wenig wie bei dem Märchen 'Hans im Glück', der immer mehr weggibt, bis er schließlich mit 'nichts' zu Hause ankommt. Die Frage ist nur: wird Barry sich auch noch irgendwo 'zu Hause' fühlen? Wir werden sehen.

Ich lese das Buch immer noch nicht gerne, bin aber nicht mehr ganz so genervt davon wie in Abschnitt 2. Ich finde ja nach wie vor, dass die Abschnitte zu lang gefasst sind - oftmals habe ich beim Lesen das Gefühl, niemals am Ende anzukommen. Überhaupt kann ich bei diesem Roman immer nur 5-10 Seiten am Stück lesen, dann reicht es mir wieder... Aber gut, jetzt wartet nur noch ein Abschnitt auf mich. Es geht dem Ende zu...

Es freut mich sehr, dass du diese autistischen Aspekte bei den Charakteren ebenso wahrnimmst wie ich. Vielleicht ist bei uns unsere berufliche Situation auch ein Grund dies zu sehen. Viel Freude noch bei diesem Buch. Auch ich hab einen deutlichen Sinneswandel in mir beim Lesen festgestellt. Bin gespannt was Du am Ende sagen wirst.
 
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KrimiElse

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26. Januar 2019
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buchmafia.blogspot.com
Barry ist unglaublich...er kommt von seinem völlig lebensfremden und abgedrehten Börsianerdenken einfach nicht los. Und darum dreht sich für mich in diesem Abschnitt so vieles - kann ein Mensch alles, was ihm eingeimpft wurde, was er selbst erkämpft und sich aufdoktriiert hat, hinter sich lassen und sich ändern? Layla wollte Barry immer gerne mittellos haben, hat sie ihn damals wie heute mit ihrer Hellsichtigkeit bereits durchschaut, dass er letztlich ein Blender und Betrüger ist, wenn auch der freundlichste?
Barry trifft verschiedene Menschen in verschiedenen Situationen, passt sich in meinen Augen jeweils perfekt an, so wie es ein Verkäufer an den Kunden oder ein Fondsmanager an den Markt nun mal tut. Man hat auf den ersten Blick den Eindruck, dass Begeisterung und Verzweiflung echt sind, aber ist das so? Ich bin mir nicht sicher...
Am Ende des Abschnitts verliert er alles - und hat dennoch die Fäden in der Hand, wenn diesmal im Bus nach San Diego auch eher im psychologischen Sinn, indem er den Bus zum Riesen- Beichtstuhl macht.

Seema ist vielleicht ein Gegenpol, denn sie wendet sich von Luis ab, nachdem dieser Mitleid bezüglich Shivas Autismus ausdrückte. Sie steht zu ihrem Leben und zu ihrem Sohn, zumindest scheint es so.

Ebenso Layla, die in meinen Augen eine starke unabhängige Frau ist und zu ihren Idealen steht, trotz aller Bedrohungen. Barry vergöttert sie - ist das echt und er sucht in ihr den idealistischen Gegenpol zu seinem Geld- und Schwanzgesteuertem Handeln oder strahlt er sie einfach nur an wie er jedes seiner menschlichen Projekte zunächst anstrahlt?

Ich bin sehr gespannt, wie das Buch endet...
 

KrimiElse

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26. Januar 2019
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Wir erfahren auch was das titelgebende Lake Success bedeutet, einfach nur ein Sehnsuchtsort des kleinen Barry, der nach dem Tod der Mutter manchmal nur flüchten möchte!!!
Ich hätte nie gedacht, dass dies ein Ort ist, aber es passt für mich sehr gut zu4 Geschichte, dass Barry einen sehnsuchtsvoll hat. Ich habe mir übrigens Lake Success bei Google Maps und als Fotos angesehen: in me8nem Augen spießig- bürgerlich und garantiert extrem teuer, da auf Long Island gelegen...
 

KrimiElse

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26. Januar 2019
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In diesem Abschnitt wird deutlicher, was @parden schon im ersten Abschnitt aufgefallen ist: Barry hat tatsächlich stark autistische Züge. Deshalb versteht er sich so gut mit Laylas Sohn. Hier kann er wirklich mal ein guter Mentor sein. Im übrigen kann ich diesen Wunsch Barrys, für alle und jeden Mentor sein zu wollen nicht nachvollziehen. Dieser Wunsch gehört m.W. nicht zum Autismus-Spektrum. Ist das ein amerikanisches Ideal?
Ich bin mir da nicht sicher, allerdings widerspricht auch in meinen Augen der Mentoren-Wunsch seinen sonstigen Anwandlungen. Andererseits sieht Barry sich gern als Führer, auch wenn es ihn viel Kraft gekostet hat, überhaupt soziale Kontakte zu knüpfen.