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  1. Renie

    Renie Moderator
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    3. Leseabschnitt: Kapitel 37 bis 53
     
  2. MRO1975

    MRO1975 Mitglied

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    Wie @Literaturhexle schon vermutet hat, ist Natalie seelisch schwer krank. Sie nimmt sich das Leben, indem sie sich erstickt. Was für eine schreckliche Vorstellung...

    Pinch reist daraufhin nach London, um sich um den Nachlass zu kümmern. Er sieht sich jetzt erstmals die Werke seiner Mutter an. „Er weiß, keines ihrer Werke wird je in einem Museum stehen. Natalie, wie sie nächtelang arbeitet, in ihrem einsamen Atelier langsam etwas zusammenfügt oder ihn in Rom über ihre Töpferscheibe hinweg anschaut - sie blieb unbeachtet und wird es bleiben, eine von Milliarden, deren Inneres heftig nach etwas verlangte, das dann erlosch, ohne jemals auch nur die geringste Aufmerksamkeit auf sich gezogen zu haben.“ (S. 188) Eine Einschätzung, die Natalie auf ihre Rolle als erfolglose Künstlerin reduziert und mich sehr berührt hat. Aber ist diese Reduktion gerechtfertigt? Was ist mit ihrer Rolle als liebende Mutter?

    Im dritten Teil wird auch klar, dass Pinch Schwierigkeiten mit Beziehungen hat. Aus der Beziehung mit Barrows ist nichts geworden. Er hätte ihr bereits in Frankreich beistehen sollen, als sie das Ferienhaus verließ. Spätestens in NY hätte er sich mit ihr aussprechen müssen. Aber er hat sich gedrückt. Auch ein Versöhnungsversuch mit Marsden misslingt. Er heiratet Julie, eine Kassierin, bei der er sich nicht sicher ist, ob er sie akzeptiert, weil sie keine Künstlerin ist. Als Julie sich emanzipiert, studiert und neue Freunde findet, kommt er damit nicht klar. Die Ehe wird geschieden. Ein Muster, das er vllt. von Bear übernommen hat. Wenn es ungemütlich wird, werden Beziehungen beendet, Menschen sind austauschbar - igitt.

    Pinch strebt weiter nach der Anerkennung seines Vaters. Er schließt seine Promotion ab und schickt Bear seine Doktorarbeit. Dieser lobt der ihn zwar, hat die Arbeit jedoch nicht einmal gelesen. Dennoch kristallisiert sich heraus, dass Bear Pinch von all seinen Kindern bevorzugt. Diese Erkenntnis befriedigt Pinch aber nicht, da er sich nur als Opfer eines Wettbewerbs um die Gunst seines Vaters sieht. Er sieht sich als Speichellecker und ekelt sich vor sich selbst. In einer emotionalen Krise, zerstört Pinch ein Bild seines Vaters - das mit den Händen seiner Mutter. Bei dem Versuch, den Schaden zu reparieren, fertigt er eine Kopie des Bildes an und verkauft die Kopie an einen Privatsammler. Das scheint seine private Rache an Bear zu sein. Dass er den Erlös seiner Schwester schenkt, ist meines Erachtens nur der Versuch, dass Rachemotiv zu bemänteln.
     
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  3. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Gute Zusammenfassung @MRO1975!

    Nun wird immer deutlicher, dass Pinch einen Schaden aus seiner verkorksten Kindheit mitgenommen hat. Es fällt ihm extrem schwer Beziehungen zu führen, obwohl er sich danach sehnt, wie seine Selbstgespräche zeigen. Er fühlt sich zu Außenseitern hingezogen. Auch verletzt er sich immer wieder selbst, hat mitunter depressive Gedanken.

    Er schafft sich Hunde als Gesellschaft an und träumt aufgeregt, dass jemand in ihn verliebt sei - ein trauriger Wunschtraum...

    Bear sitzt immer noch auf dem Thron. Nach Natalies Tod bröckelt jedoch der Mythos...
    Pinch hinterfragt seine eigene Kritiklosigkeit und Speichelleckerei dem Vater gegenüber. Der Tod der Mutter und seine vermeintliche Schuld daran beschäftigen ihn sehr. Doch auch Mutters alter Freund Cecil kann oder will ihm nicht helfen. Erneut steht ihm kein Erwachsener bei.

    Gut gefallen hat mir Pinchs Rückkehr zur Kunst. Aber auch hier muss er zunächst den Vater immitieren, indem er seine Bilder verbrennt.
    Ich habe Hoffnung, dass Pinch doch noch zu eigenen Werken kommt und seiner Berufung folgen kann...

    Was mir in diesem Abschnitt erst aufgefallen ist, weil es besonders deutlich wurde, sind die eindrucksvollen Kapitelenden. Der letzte Satz hat es oft nochmal richtig in sich, wie z.B. auf S. 224: " Bear sollte nie begreifen, dass dies der Moment war, in dem sein Sohn übernahm."
    Der allwissende Erzähler greift vor und macht es spannend ;)

    Nun geht es um das gefälschte Bild. Wird sein Betrug auffliegen? Bin gespannt.

    Bis jetzt empfinde ich die Handlung wesentlich spannender als in Rachmans letztem Roman "Vom Aufstieg und Fall großer Mächte ".
     
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  4. MRO1975

    MRO1975 Mitglied

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    Ich bin auch überrascht, welchen Sog die Geschichte entwickelt. Ich hatte mit einem evtl. etwas anstrengenden Künstlerroman gerechnet und bin richtig positiv überrascht. Die Sache mit dem gefälschten Bild entwickelt echte Spannung.
     
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  5. Querleserin

    Querleserin Platin Mitglied

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    Ich finde auch, dass die Konzentration auf Pinch einen Sog entwickelt. Als Leser*in will man wissen, wie er sich durchs Leben schlägt. Den narzisstischen Künstler allein hätte ich nicht länger ertragen.
     
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  6. Leseglück

    Leseglück Aktives Mitglied

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    Die Zeit vergeht schnell in diesem Roman. Wenn ich richtig gerechnet habe ist Pinch schon Anfang 50 als er sich von seinem Vater distanziert. Auf S. 223 sind einige Zeilen kursiv gedruckt. Hier ist der Wendepunkt: Pinch erkennt die Realität.
    "Totale Treue die verlangst du, dazu die Andeutung, dass einer von uns vielleicht dein Liebling werden wird....Aber ich kratzbuckle vor ihm, bin sein Diener. Deshalb hat er mich auserwählt."
    Pinch kann sich eingestehen, dass sein Vater keine liebevolle Beziehung zu ihm hat, sondern ihn nur manipuliert zu seinen eigenem Vorteil.
    Als erste Rebellion macht er sarkastische Bemerkungen. Im Ferienhaus schlägt er in betrunkenem Zustand mit der Faust auf eines der Gemälde von Bear ein (statt auf ihn).

    Pinch malt eine Fälschung und verkauft diese auf dem Kunstmarkt. Jetzt wird es spannend, ob dies entdeckt werden wird.

    Immer wieder wird erwähnt, dass noch niemand Bears neuste Werke gesehen hat. Die Kunstwelt rätselt, ob er etwas neues malt oder ob er bei den Detailmalereien geblieben ist. Ob er überhaupt noch was malt? Vielleicht bringt er schon lange nichts mehr zustande?

    Ich lese die Geschichte ganz gerne. Der Plot ist interessant. Die Schreibkunst von Tom Rachmann ist allerdings eher durchschnittlich finde ich.Solide und unterhaltsam aber auch mehr nicht? Bin ich zu streng? Was meint ihr?
     
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  7. Renie

    Renie Moderator
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    Durchschnittlich - wie gemein :D Solide und unterhaltsam - das ist ok.;)
    Ich empfinde seinen Sprachstil als schnörkellos. Er betreibt keine Wortakrobatik oder versucht sich in fantasievollen Wortkreationen. Muss er auch nicht. Die Geschichte beschäftigt mich genügend. Da empfinde ich seinen soliden Sprachstil ohne Ecken und Kanten als sehr angenehm.
     
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  8. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Nun ja. Er ist kein Steinbeck und kein Auster. Dennoch hat er immer wieder schöne Sätze eingestreut. Zum Beispiel über die Kunst, über Bear als Charakter...

    Insgesamt hat er eine wirklich gute, spannende Geschichte mit Tiefgang erzählt, die ich bis ZUM Ende gern gelesen habe.

    So streng wie du bin ich nicht. Ich empfand seinen Stil an keiner Stelle trivial.
     
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  9. MRO1975

    MRO1975 Mitglied

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    Ja. Mir hat der schnörkellose Stil (wie @Renie es schön umschrieb) wirklich gut gefallen. Passte gut zur Geschichte (ist ja keine Lyrik). Ich hatte anfangs befürchtet, dass das ein verkopfter Künstlerroman ist und bin wirklich positiv von der flüssigen Schreibe überrascht.
     
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  10. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Der dritte Abschnitt schlägt insgesamt eine andere Tonart an. Bear rückt arg in den Hintergrund, was mich überhaupt nicht stört. Leider entwickelt Pinch sich aber auch nicht zu einem Menschen, wie ich es mir für ihn gewünscht hätte. Er ist oft verunsichert und traut sich zu wenig zu. Als er im Ferienhaus wieder zu malen anfängt, dachte ich, er besinnt sich darauf, was er früher tun wollte. Ich dachte, er hat erkannt, dass seine Leidenschaft nicht von der Bestätigung des Vaters abhängt, doch er verbrennt die Werke, kopiert damit wieder seinen Vater.
     
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  11. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Mir gefällt der Schreibstil auch. Auch wenn die Kunst natürlich viel Raum einnimmt, ist für mich mehr das Leben von Pinch im Vordergrund.
     
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  12. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Ob Bear noch malt bleibt wirklich im dunkeln. Mittlerweile denke ich, dass ihm selbst mehr als bewusst ist, dass es mit seiner Kunst vorbei ist. Er plustert sich nur noch auf, wenn er die Gelegenheit dazu hat, um zu kaschieren wie es wirklich um ihn steht.
    Wie alt ist Bear eigentlich mittlerweile? An die 70? Pinch feierte in diesem Abschnitt seinen 40.
     
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  13. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Wahrscheinlich ist das kein Wunder, ihm wurden ja nie glückliche, gesunde Beziehungen vorgelebt. Bear heiratet in Serie, und Natalie hat keine glückliche Beziehung nach Bear geführt. :-(

    Da habe ich mir auch gedacht: Oh Pinch, tu das nicht, übernimm solche Meinungen und Muster nicht von deinem Vater... Überhaupt habe ich mich manchmal dabei ertappt, dass ich ungeduldig darauf warte, dass er sich endlich von Bear löst.

    Das war Bear, wie er leibt und lebt... Ganz schön erbärmlich, wenn man für den angeblichen Lieblingssohn nicht mal ein paar Stunden Zeit hat.

    Da merkt man, dass Pinch trotz aller Selbstzweifel doch was drauf hat, zumindest handwerklich! So leicht ist es ja sicher nicht, den Stil eines anderen Malers so kopieren.
     
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  14. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Ja, der arme Kerl kann einem leidtun... Aber die Hunde scheinen ihm ja wenigstens gutzutun!

    Die Hoffnung habe ich auch! Er kann doch was, und er brennt doch auch für die Kunst... Ich bin mir absolut sicher, dass er das Talent hat, sich selber einen Namen zu machen.

    Einerseits wünsche ich mir, dass es nicht auffliegt, anderseits halte ich es für unvermeidlich... Die Frage ist dann nur, wie Bear damit umgeht: deckt er seinen Sohn oder lässt er ihn als Betrüger auffliegen?
     
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  15. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Noch ist er allerdings noch nicht bereit, Konsequenzen daraus zu ziehen. Ich vermute, dass er das vor Bears Tod auch nicht mehr tun wird.

    Meine Vermutung ist, dass Bear schon seit Jahrzehnten nicht mehr malt. Vielleicht, weil es ihm nicht gelingt, Werke an Museen zu verkaufen, und er es ja ablehnt, an Sammler zu verkaufen. Er würde es sicher erniedrigend finden, jetzt davon abrücken zu müssen.

    Mir gefällt der Schreibstil ehrlich gesagt sehr gut! ;-)
     
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  16. Mikka Liest

    Mikka Liest Silber Mitglied

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    Wenn ich mir das richtig zusammengesetzt habe, müsste Bear die 80 schon überschritten haben.
     
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