3. Leseabschnitt: Kapitel 3 (Seite 113 bis 158)

Irisblatt

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15. April 2022
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49
53
Ich bin erst auf S. 123, aber weil die Frage aufkam, um welchen Stamm es sich wohl handelt....
Einer der Männer, die Hunter auf der Büffeljagd begleiten heißt !Koga. Das Ausrufezeichen an dieser Stelle kenne ich eigentlich nur im Zusammengang mit der Sprache der !Kung-San. Es steht für einen Klicklaut, der so in anderen Sprachen unbekannt ist. Ich meine auch, dass zuvor schon einmal die Klicklaute erwähnt wurden.
 

Die Häsin

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11. Dezember 2019
4.625
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Rhönrand bei Fulda
Mich hat das Buch bei den Szenen in der Siedlung ein wenig verloren. Das ist so eine geballte Ladung Exotismus, und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie weit wir Hunter, der ja unsere "Kamera" ist bei diesen Szenen, bei der Deutung trauen können.

Es gibt bei Inger Frimansson in dem Roman "Die Katze, die nicht sterben wollte" eine vergleichbare Szene - keine Jagd, aber ein Tanzritual in einem Massai-Dorf. Der Weiße, der die Touristengruppe dort eingeführt hat, begründet alle fremdartigen Bräuche mit der lakonischen Bemerkung, dass das Leben für diese Menschen "ungeheuer hart" sei (die gleiche Formulierung findet er übrigens auch für die Beschneidungsbräuche, die ganz kurz angesprochen werden). Die anwesenden Touristinnen ertragen die Tänze und die rituelle Schlachtung einer Ziege nicht und verbringen die Nacht heulend in ihrem Zelt. Die Szene bei Frimansson ist nur wenige Seiten lang, hat aber für mich irgendwie mehr Authentizität als der lange Bericht in unserem Buch.
 

alasca

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13. Juni 2022
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49
Und noch eine Jagd, oder besser zwei: Der Büffel, das Kudu. Dieses Kapitel hat noch einmal gezeigt, wie die alte Welt vielleicht einmal ausgesehen hat. Was da verloren ging.

Hunter hat Skrupel, aber van Heeren kriegt ihn rum: Die ganze Argumentation gründet auf einer Situation, in die der Stamm durch koloniale Ausbeutung der übelsten Art geraten ist. Niemand denkt darüber nach, ihnen ihr Land einfach wiederzugeben. DAS wäre die Lösung. Will aber keiner. Stattdessen dieses komplexe Konstrukt von Begründungen, nur, um zu verschleiern, dass es um Mord geht. Die hohe Kindersterblichkeit des Stammes wird quasi schulterzuckend hingenommen. Niemand kommt auf die Idee, dem abzuhelfen. Stammesbräuche und der Wert von altem Wissen und Traditionen ist das eine - menschenunwürdige Zustände im 21. Jahrhundert das Andere. Stattdessen dienen die Zustände als Argument für Menschenjagd. Das ist dermaßen verdreht ...

Wie kann man ernsthaft darüber nachdenken, einen jungen Mann zu jagen? Noch dazu einen, den man kennt, dessen Namen man weiß, der einem sogar Respekt abnötigt? Dazu das Trauma für den, den den weißen Jäger führen soll? (Nun kennen wir Dawids traurige Rolle in der Geschichte.) Warum muss Hunter überhaupt geführt werden? Gerecht (wenn man davon überhaupt reden will) wäre, wenn er ohne Hilfe jagen müsste. DANN hätte der junge Mann eine Chance, den Spieß umzudrehen. Aber das wird wohl nicht passieren.

Die ursprüngliche Wildnis wurde von den Weißen zerstört - die neue Wildnis ist die Welt des weißen Mannes. Und die kriegen wir im Roman vorgeführt.

Es würde mich nicht wundern, wenn Dawid am Ende nicht aus Amerika nach Hause zurückkehren würde - in so eine Realität zurück, wer soll das wollen. Andererseits würde ich als Schwarzer in den USA nicht tot überm Zaun hängen wollen.

Und was für eine Hypothek, das eigene Glück auf dem Tod eines Kameraden zu gründen ....
 
Zuletzt bearbeitet:

Die Häsin

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11. Dezember 2019
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Rhönrand bei Fulda
Es würde mich nicht wundern, wenn Dawid am Ende nicht aus Amerika nach Hause zurückkehren würde - in so eine Realität zurück, wer soll das wollen. Andererseits würde ich als Schwarzer in den USA nicht tot überm Zaun hängen wollen.
Es ist offenbar leider Fakt, dass viele Afrikaner, die im Ausland studieren, danach nicht zurückkehren. Ich habe letztes Jahr mal einen Artikel gelesen über einen jungen Ingenieur, der nach seinem Studium in den USA heimreiste in sein Dorf in Mali, um sein erworbenes Wissen dort einzusetzen. Er baute für seinen Heimatort und einige umliegende Dörfer spezielle mit Windkraft angetriebene Brunnen. Das hat wirklich was gebracht für die Einheimischen, aber es hieß ausdrücklich in dem Artikel, das sei die Ausnahme.

Es ist faszinierend, wie viele Themen dieser kurze Roman aufwirft!
 

alasca

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13. Juni 2022
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Es ist offenbar leider Fakt, dass viele Afrikaner, die im Ausland studieren, danach nicht zurückkehren. Ich habe letztes Jahr mal einen Artikel gelesen über einen jungen Ingenieur, der nach seinem Studium in den USA heimreiste in sein Dorf in Mali, um sein erworbenes Wissen dort einzusetzen. Er baute für seinen Heimatort und einige umliegende Dörfer spezielle mit Windkraft angetriebene Brunnen. Das hat wirklich was gebracht für die Einheimischen, aber es hieß ausdrücklich in dem Artikel, das sei die Ausnahme.

Es ist faszinierend, wie viele Themen dieser kurze Roman aufwirft!
Ja, ich weiß. Traurig, aber auch verständlich.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Ausbeutung des Kontinents wohin man sieht:
Das Wissen der Indigenen wird von Pharmaunternehmen lukrativ ausgenutzt, ohne dass diese dafür bezahlt werden.
Wenn der Westen und China faire Preise für das bezahlen würden, was sie aus ganz Afrika herausholen, wäre Entwicklungshilfe wahrscheinlich unnötig. Doch das eine kassieren Konzerne, das andere zahlen Regierungen ( die allerdings indirekt auch davon profitieren, aber der größere Gewinn bleibt bei den Konzernen).
 

otegami

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17. Dezember 2021
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Die Szene bei Frimansson ist nur wenige Seiten lang, hat aber für mich irgendwie mehr Authentizität als der lange Bericht in unserem Buch.
Also mir hat die Authentizität hier massig gereicht! (Ich habe allerdings auch keine Vergleichsmöglichkeit! ;) 'Trophäe' ist das erste Buch überhaupt in diese Richtung!)
Wobei ich Karohas Ausdauerjagd nach dem Kudu am fairsten fand!
Wie kann man ernsthaft darüber nachdenken, einen jungen Mann zu jagen? Noch dazu einen, den man kennt, dessen Namen man weiß, der einem sogar Respekt abnötigt?
Das macht mich auch fassungslos: Nqate ist gerade Mann geworden, hat ein Auge auf Xoan//a geworfen. Es ist ja nicht nur ein Menschenleben, das dadurch betroffen ist!
Aber wahrscheinlich müsste ich mir jetzt das Argument von van Heeren anhören, dass 'meine westliche Moral ein Luxusprodukt ist, das man sich leisten können muss'. :( (S. 103)
Das Wissen der Indigenen wird von Pharmaunternehmen lukrativ ausgenutzt, ohne dass diese dafür bezahlt werden.
Wenn der Westen und China faire Preise für das bezahlen würden, was sie aus ganz Afrika herausholen, wäre Entwicklungshilfe wahrscheinlich unnötig.
Stimmt! Und ich würde dieses Buch gerne jenen Menschen in die Hand drücken, die immer davon reden, dass die ganzen Afrikaner ja nur nach Europa kommen wollen um sich ein schönes und bequemes Leben zu machen! :mad: (Aber wahrscheinlich würden sie es nicht lesen und auch nicht verstehen! :p )
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Die ganze Argumentation gründet auf einer Situation, in die der Stamm durch koloniale Ausbeutung der übelsten Art geraten ist. Niemand denkt darüber nach, ihnen ihr Land einfach wiederzugeben. DAS wäre die Lösung.
Und ich hatte mal in meiner Naivität gedacht, der Kolonialismus wäre vorbei. Das ist jetzt auch nichts anderes, nur mit anderem Gesicht, mit einer anderen Art der Ausnutzung.
Stattdessen dienen die Zustände als Argument für Menschenjagd. Das ist dermaßen verdreht ...
Verdreht ist ein gutes Wort dafür. Unfassbar verdreht.
Wie kann man ernsthaft darüber nachdenken, einen jungen Mann zu jagen? Noch dazu einen, den man kennt, dessen Namen man weiß, der einem sogar Respekt abnötigt?
Wer so etwas in Erwägung zieht, ist in meinen Augen sehr gestört, krank. Aber es gibt wohl Menschen, die empathielos sind, in deren Gehirn gewisse Areale gestört sind.
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Dieses Kapitel habe ich mit Faszination gelesen und zum Schluss wieder mit Entsetzen. Es ist nicht nur interessant, was die Kultur der Buschmänner anbetrifft, sondern es ist auch sehr kritisch und das alles von der Autorin raffiniert in Handlung und Gespräche eingewoben.

Es hat mir zuerst einmal erstaunliche Einsichten in das Leben der Buschmänner verschafft, was mir gleich meine eigenen Vorurteile aufgezeigt hat, auch aus Nichtwissen gespeist. Ich wusste nicht, welch' uralte Kultur das ist. Für mich ist es eine erstaunliche und fast unglaubliche Mischung aus Altem und Neuem. Sie beobachten ihre Umwelt so genau, dass sie quasi jede Quelle, jede Pflanze, einfach alles kennen und verorten können und das wird dauerhaft gespeichert. Hier wird es als Gedächtnistraining bezeichnet. Was für eine eigenartige Mischung aus Tradition und Moderne. Dawid – aha, der! - gibt Daten in ein elektronisches Gerät ein. Andererseits gibt es tief verwurzelte Ansichten über den Wert eines Menschenlebens. Sogar Van Heeren wirft Hunter und damit uns anderen Heuchelei vor, wenn wir kritisieren, was in Afrika ein Menschenleben wert ist. Andererseits bezieht er aus solchen Argumenten allerdings auch seine falsche Rechtfertigung der abscheulichen Menschenjagd. Tja, so kann man es sich zurecht biegen und es gibt sogar Aspekte dabei, die man nicht leugnen kann.​

'Spar dir deine christliche Scheinheiligkeit. In jedem Krieg, den ihr führt, sterben Kinder.'​

Da kommt noch mehr an Kritik: Amerika, das Land, wo Konkurrenz zur Religion erklärt wurde, die Blindheit der Weißen, was das Klima anbetrifft, der widerliche Tourismus mit YouTube-Begleitung, die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts.

Hunter erinnert sich wieder mal an frühere Jagderfahrungen. 'Er der Jäger hat gewonnen. Er, Hunter, hat seine Beute getötet.' Diese Ansichten, diese Sätze zeigen, woraus dieser Mann sein Selbstbewusstsein speist. Armer reicher Macho! Er bewundert das Jagen der Buschmänner, ihre Willenskraft, aber – entgegen dem, was wohl die meisten Leser begreifen – töten sie um der Nahrung willen. Hunter hat anscheinend keinerlei Einsicht in die eigenen Motive.​

'Für uns ist das Jagen eine Frage des Überlebens. Nicht des Egos. Oder der Trophäen.' (Dawid)​

Umso widerlicher die Menschenjagd und ausgerechnet der junge Mann wird ausgewählt, den wir Leser vorher kennengelernt haben. Unfassbar, diese Jagd überhaupt in Erwägung zu ziehen.​
 

Emswashed

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9. Mai 2020
2.739
9.790
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Da ist er ja, unser Dawid! Ein Wanderer zwischen den Welten will er werden, good luck!

Die Einheimischen stellen Hunter auf die Probe, er soll sich würdig erweisen. Wie ernsthaft die Dorfgemeinschaft das ganze Ritual nimmt und völlig bar jeder Hinterlist, oder Vorteilnahme das "Opfer" für Hunter aussucht... das macht mich fassungslos. Hunter scheint in dieser Entscheidung "gefangen" zu sein, schließlich hat er bis hierher "mitgespielt" und kann sich jetzt nicht mehr entziehen.
Schoeters zieht uns ganz tief hinein, in die Denk- und Lebensweise der Buschmänner, bleibt aber gleichzeitig kühl und berechnend damit, wie sie präzise die Schuldigen an diesen Verhältnissen aufzeigt.
wie weit wir Hunter, der ja unsere "Kamera" ist bei diesen Szenen, bei der Deutung trauen können.

Ich wurde bei den Büffeln misstrauisch und habe nachgelesen, dass sie auch aggressiv werden können, wenn sie bedrängt werden. Tja, wie soll man Hunter vertrauen, wo er doch für alles eine Rechtfertigung hat.
Warum muss Hunter überhaupt geführt werden?
Ich kann es mir nur so erklären, dass er auf jeden Fall geschützt werden soll. Schließlich ist er ein potenter Geldgeber und damit "Erhalter" der Gebiete, auf denen die San jagen dürfen.
 

alasca

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13. Juni 2022
3.036
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Da ist er ja, unser Dawid! Ein Wanderer zwischen den Welten will er werden, good luck!

Die Einheimischen stellen Hunter auf die Probe, er soll sich würdig erweisen. Wie ernsthaft die Dorfgemeinschaft das ganze Ritual nimmt und völlig bar jeder Hinterlist, oder Vorteilnahme das "Opfer" für Hunter aussucht... das macht mich fassungslos.
Das macht mir auch beträchtliche Bauchschmerzen. Wie realistisch ist das? Es liest sich so zwangsläufig ...
Hunter scheint in dieser Entscheidung "gefangen" zu sein, schließlich hat er bis hierher "mitgespielt" und kann sich jetzt nicht mehr entziehen.
Schoeters zieht uns ganz tief hinein, in die Denk- und Lebensweise der Buschmänner, bleibt aber gleichzeitig kühl und berechnend damit, wie sie präzise die Schuldigen an diesen Verhältnissen aufzeigt.


Ich wurde bei den Büffeln misstrauisch und habe nachgelesen, dass sie auch aggressiv werden können, wenn sie bedrängt werden. Tja, wie soll man Hunter vertrauen, wo er doch für alles eine Rechtfertigung hat.
Na, gerade deshalb. Oder? ;-)
Ich kann es mir nur so erklären, dass er auf jeden Fall geschützt werden soll. Schließlich ist er ein potenter Geldgeber und damit "Erhalter" der Gebiete, auf denen die San jagen dürfen.
Es ist halt auch eine Tradition der Weißen Jäger - sie haben ihren Guide. Das gehört so, keine der beiden Seiten zieht das in Zweifel. Und das macht mir zu schaffen, dass auch die Afrikaner das akzeptieren, das kommt mir so unglaublich vor, nicht im Sinne von unglaubwürdig, aber so durch und durch verdreht.
 

alasca

Bekanntes Mitglied
13. Juni 2022
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Wer so etwas in Erwägung zieht, ist in meinen Augen sehr gestört, krank. Aber es gibt wohl Menschen, die empathielos sind, in deren Gehirn gewisse Areale gestört sind.
Es ist so ähnlich wie mit dem Antisemitismus: Menschen wie Hunter halten die Buschmänner nicht für Menschen, bestenfalls für eine Art höheres Tier. Das klingt ja auch immer wieder in seinen Überlegungen an.

Allein dass Europäer immer wieder meinten, sie hätten ein Land, einen Fluss, einen Berg "entdeckt". Natürlich immer mit Namensgebung.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
19.454
49.923
49
Mich hat das Buch bei den Szenen in der Siedlung ein wenig verloren. Das ist so eine geballte Ladung Exotismus,
Das hast du wieder wunderschön ausgedrückt. War ich im ersten LA doch einigermaßen begeistert, bin ich mittlerweile recht abgekühlt. Schön sind die Naturbeschreibungen, der ausgedrückte Respekt vor den Tieren, das fremde Leben der Buschleute. Sehr bildlich und ausdruckstark.
Wie kann man ernsthaft darüber nachdenken, einen jungen Mann zu jagen? Noch dazu einen, den man kennt, dessen Namen man weiß, der einem sogar Respekt abnötigt?
Ich sage nein. So ein unterentwickeltes Über-Ich kann doch kein in den USA sozialisierter Mensch haben. Die Trophäenjagd ist schon pervers genug, aber hier wird meiner Meinung nach die Grenze zur Glaubwürdigkeit überschritten. Das hat etwas von Tribute von Panem - Fantasy.
Also mir hat die Authentizität hier massig gereicht!
Mir kommt es reichlich konstruiert vor, übertrieben. Obwohl das Leben der Buschleute, die Tänze, der respektvolle Umgang untereinander vielleicht der Wahrheit nahekommen könnten (das weiß ich schlicht nicht)... ist mir manches zu stark Idealisiert: Die heiligen Afrikaner versus die bösen, blutgierigen Amerikaner.
sondern es ist auch sehr kritisch und das alles von der Autorin raffiniert in Handlung und Gespräche eingewoben.
Naja, diese Raffinesse wiederholt sie aber auf jeder Doppelseite ein Mal. Ich habe es jetzt verstanden, wer am Elend der indigenen Bevölkerung die Schuld trägt. Ohne Kolonialismus würde es KEINE Konflikte auf dem Kontinent geben, alle hätten Respekt voreinander, alles wäre gerecht aufgeteilt, niemand hat individuelle Interessen. Was eine schöne Vorstellung.
Amerika, das Land, wo Konkurrenz zur Religion erklärt wurde, die Blindheit der Weißen, was das Klima anbetrifft, der widerliche Tourismus mit YouTube-Begleitung, die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts.
Wie gesagt, die Kritik mag in Teilen richtig sein, geht mir aber durch die beständige Wiederholung auf die Nerven.
aber – entgegen dem, was wohl die meisten Leser begreifen – töten sie um der Nahrung willen.
Gut und Böse - sauber getrennt.
Wie realistisch ist das?
Die Kernfrage. Ich weiß, was die Autorin sagen will. Ihr Anliegen ist vielleicht gerechtfertigt. Aber diese Menschenjagd empfinde ich dermaßen surreal und grotesk, dass ich das Buch im Augenblick nicht mehr ernst nehmen kann. Ich wertschätze aber den Ausdruck, schreiben kann die Autorin.
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
6.529
24.570
49
66
Die heiligen Afrikaner versus die bösen, blutgierigen Amerikaner
So heilig kommen mir die nicht vor. Da gibt es einiges, was wir auch nicht gutheißen können. Aber es ist dasselbe wie bei den Indigenen in Amerika. Die haben Bisons gejagt zum Lebenserhalt, der weiße Mann hat sie abgeschossen, aus Spaß am Töten.
Ohne Kolonialismus würde es KEINE Konflikte auf dem Kontinent geben, alle hätten Respekt voreinander, alles wäre gerecht aufgeteilt, niemand hat individuelle Interessen. Was eine schöne Vorstellung.
Sicher nicht. Aber ein Großteil der heutigen Probleme in Afrika haben ihre Wurzeln im Kolonialismus. Und an der fortwährenden Ausbeutung des Kontinents.
Das heißt nicht, dass Afrikaner heute in Frieden leben würden, wenn wir nicht dort gewesen wären.
 

Die Häsin

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11. Dezember 2019
4.625
16.649
49
Rhönrand bei Fulda
Der Vergleich mit "Tribute von Panem" von @Literaturhexle kam mir auch in den Sinn ... und streckenweise erinnerte mich das Buch auch ein wenig an das von Percival Everett, das wir vor einiger Zeit in der Runde hatten ... "Die Bäume", richtig?
Ich fand den Gedanken dieser Jagd allzu grotesk.
Die Schilderung selbst ist aber viel zu ernsthaft für eine Groteske.
 

Christian1977

Bekanntes Mitglied
8. Oktober 2021
2.630
12.866
49
47
Mich hat das Buch bei den Szenen in der Siedlung ein wenig verloren.

Nachtrag: Ich fand die neuerliche Beschreibung einer Jagd (bzw. zweier Jagden) in diesem Kapitel ein wenig ermüdend.
Ja! Ich fasse eure Zitate hier einmal zusammen. Mich verliert der Roman auch mehr und mehr. Aber eben nicht wegen der Szenen in der Siedlung, sondern wegen der angesprochenen Jagden. Der Roman ist inhaltlich so monothematisch. Natürlich geht es drumherum um viel mehr, Kolonialismus, Gesellschaftskritik, Naturschutz etc. Aber Gaea Schoeters spricht all diese Dinge tatsächlich nur über Jagden an. Jede Jagd ist anders, jede ist spannend und gut beschrieben. Aber es ist halt auch eine Jagd nach der anderen.
Die heiligen Afrikaner versus die bösen, blutgierigen Amerikaner.
Genau wie Ruleka habe ich die Afrikaner:innen nicht als heilig empfunden. Ist es nicht geradezu unheilig, um in deinem Duktus weiterzuschreiben, ein Gesellschaftsmitglied zu opfern, nur um allen anderen ein vermeintlich besseres Leben zu ermöglichen?
Aber diese Menschenjagd empfinde ich dermaßen surreal und grotesk, dass ich das Buch im Augenblick nicht mehr ernst nehmen kann.
Ja, das empfinde ich auch so. Es ist eine Groteske - nicht mehr und nicht weniger.