3. Leseabschnitt: Kapitel 10 bis 14 (Seite 149 bis 223)

Barbara62

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Im Gegenzug ist mir aufgefallen, dass die Weltwirtschaftskrise (mal abgesehen von den Reindls) nur wenige Auswirkungen auf die Familie und ihr Umfeld zu haben scheint.
Ich finde schon, dass sich etwas verändert. Mary hatte vorher alles unter Kontrolle und alle im Blick, dazu fehlt ihr jetzt die Zeit. Und damit fällt in der Gemeinschaft etwas weg, was sie vorher zusammengehalten hat.

Und die Reindls ziehen in das verlassene Haus. Eine höchst seltsame Familie, zu der ich an Marys Stelle keinen Kontakt haben wollte. Ein seltsam vulgäres Pack, außer Mrs. Reindl, und die ist undankbar. Soll das das egoistische Verhalten sein, zu dem die Krise angeblich verleitet?
Es geht ganz gegen Marys Naturell, keinen guten Kontakt zu Nachbarn zu haben und sie will vor sich selbst nicht wahrhaben, dass sie sie nicht mag. Mit ihren Maßstäben gemessen, meint sie zu versagen.

Den Namen Reindl sehe ich auch als Einwanderer an. Das spiegelt jedenfalls die Einwanderer jener Zeit aus anderen Bundesstaaten wider, die ihr Glück in Kalifornien suchten. Ebenfalls der Name Ferranti.
Alle hier sind Einwanderer und noch gar nicht lange im Land: Perrault, Mary, Mrs Tremonti, ... Kein Grund also, die Reindls deshalb auszuschließen, wohl aber wegen ihres unsozialen Verhaltens.
 

Barbara62

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Ich lese das entschleunigte Buch immer noch sehr gern, nicht zuletzt, weil ich die Figur Mary so gerne mag. Hoffentlich findet sie wieder zu ihrer Rolle als "Zusammenhalterin" zurück.

Die Frauen im Roman sind fast alle "Kümmererinnen" (schon wieder ein komisches Wort :rofl). Mary kümmert sich um alle, Melanie um Sylvie, Rose um Terry. Nur Lem kann den Frauen das Wasser reichen und greift aus dem Hintergrund ein, wenn etwas aus dem Ruder läuft (Schachspiel, Alkohol).
 

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Dieses Buch entschleunigt mein Wochenende gerade immens. Ich habe während des Leseabschnittes mehrfach inne gehalten. Es lässt sich allerdings nicht bestreiten, dass es nun deutlich mehr Handlung gibt und sich Konfliktlinien abzeichnen.
Da ist die Krise, die nun auch auf dem Land nicht mehr Halt macht. Schnell enstehen Neid und Missgunst. Mary scheint unter dem angeknacksten Verhältnis zu den Nachbarn zu leiden. Die Reindels sind aber in der Tat seltsam.
Die Dreiecksgeschichte brodelt weiter vor sich hin. Wie erfahren, dass Walter und Rose wohl trotz zwischenzeitlicher Annäherung nicht wieder richtig zueinander gefunden haben. Von Sylvie erfahren wir nicht allzu viel, außer dass sich eine Schwangerschaft abzuzeichnen scheint.
Und Melanie? Hier tut sich auch was. Einerseits findet eine heimliche Verlobung statt mit Eustace, andererseits scheint sie anderen Einladungen gegenüber nicht abgeneigt.
Da nun mehr passiert, fällt es mir nun leichter der Geschichte zu folgen. Das Erzähltempo macht mir jedoch schon etwas zu schaffen...
 

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Mal unabhängig von meiner Verwirrung: Positiv finde ich an diesem Buch, dass die Frauen im Zentrum stehen, selbst wenn sie sich um die Männer herumdrehen, siehe Walter.
Stimmt. Hier sind es die Frauen, die im Vordergrund stehen. Aber verlassen sie wirklich die klassischen Genderrollen? Sie scheinen mir alle den klassischen Vorstellungen von fürsorglichen Frauen zu entsprechen.
Diese schlägt noch nicht so richtig durch - auf dem Land ging es den Leuten in Krisenzeiten immer besser als in den Städten.
Das stimmt, aber dennoch sind Auswirkungen nun auch auf dem Land zu spüren. Man ist geezwungen, besser zu haushalten.
Eustace macht Melanie halblebige Heiratsanträge, sie verloben sich schließlich heimlich. Zu gerne geht sie mit ihrem Chef tanzen... Was sich daraus noch ergibt? Er scheint ja ein Windhund zu sein, der zu blenden versteht. Mich wundert es, dass Eustace nichts dagegen hat. Richtige Liebe sieht anders aus. Mutter Mary scheint das auch zu finden.
Ja, Mary scheint da einen guten Riecher zu haben. Ich denke auch, da braut sich etwas zusammen...
Sollte dies der Fall sein, bin ich gespannt, ob Walter dann zu seiner Verantwortung steht.
Da bin ich auch gespannt!
 

GAIA

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27. Dezember 2021
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Aber verlassen sie wirklich die klassischen Genderrollen? Sie scheinen mir alle den klassischen Vorstellungen von fürsorglichen Frauen zu entsprechen.
Nö, machen sie nicht. In dem Punkt ging es mir nur darum überhaupt festzuhalten, dass Frauen im Zentrum stehen statt Männern. Die Rollen stehen noch einmal auf einem anderen Blatt. Leider.
Aber man kann sich ja auch über Sichtbarkeit im Allgemeinen freuen. ;)
 

Literaturhexle

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Aber verlassen sie wirklich die klassischen Genderrollen?
Das Buch handelt vom Anfang der 1930er Jahre und wurde 1943 erstveröffentlicht. Ihr wollt jetzt nicht ernsthaft das heutige Frauenbild bestätigt sehen, oder :rofl ;)???

Tatsächlich ist es schon fortschrittlich (für ihre Zeit), dass Lewis die Frauen in die Hauptrollen nimmt und in Summe auch die Familienarbeit aufwertet. Mary ist wahrlich kein Heimchen.
Melanie darf auch relativ frei ihre Erfahrungen machen... Ich sehe schon feministischen Potential;)
 

Barbara62

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Melanie darf auch relativ frei ihre Erfahrungen machen... Ich sehe schon feministischen Potential;)
Das hat mich sehr gewundert. Mary nimmt ab und zu Anlauf und gibt dann doch klein bei. Wüsste ich es nicht besser, hätte ich den Roman deutlich später angesiedelt.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Man kann sogar Charlotte Löwensköld zu einem queeren Roman umdeuten, dann schaffen wir es doch, aus diesem einen feministischen zu machen...?! Also, wenn wir wollen :rofl
Ich hab dich schon richtig verstanden, liebe Lesehorizont, und du hast hoffentlich mein Augenzwinkern gesehen;)
Wir sind uns in diesem Punkt wohl ziemlich einig.