3. Leseabschnitt: Juni (Seite 127 - 191)

parden

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13. April 2014
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Es hat doch noch geklappt mit dem Leseabschnitt heute. Der Roman lässt sich aber auch fließend lesen. Dabei stellt sich immer mehr heraus, dass Paola sicher auch die 'normalen' Probleme einer Pubertierenden hat, dass aber die ganze Fassade der Familie bröckelt. Der 'Nicht-Geburtstag' ist dafür ein untrügliches Kennzeichen: niemand hat gerade die Nerven, einen Geburtstag zu feiern. Paola tut so, als sei ihr das gerade recht, später kotzt sie aber alles aus, auch den Nicht-Geburtstag. All die kleinen und großen Verletzungen. Paola will der Sache auf den Grund gehen: Was hat der Vater zu verbergen? Die Mutter will ihn mehrfach davon abbringen, aber vergeblich. So macht sich Paola mitten in der Nacht auf den Weg - und zu ihrer Überraschung begleitet sie Richie. Das hat mich irgendwie sehr gerührt. Diese Entschlossenheit der beiden, die Geradlinigkeit auch von Richie. Anscheinend sind beide sehr 'wahrheitsliebend', wie Paola immer betont (trotz ihrer Lügen der Mutter gegenüber...). Irgendwie ist 'Schweigen' das Motto der Familie, keiner redet aufrichtig mit dem anderen, außer wenn Paola mal wieder 'den Finger in irgendeine Wunde' legt, was aber von den anderen meist als Provokation aufgefasst wird. Und schließlich: Giftmüll also. Typisch klischeehafte italienische Verhältnisse. Und dann: die Polizei. Was jetzt wohl wird?

Hilflos dumm ihre Haltung gegenüber Antonio. Verpasste Chancen. Und nun ist er weg von der Schule... Selbst die Brücke, die er ihr zueletzt gebaut hat, konnte sie nicht annehmen. Ob es da noch einen Weg geben wird?
 

SuPro

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28. Oktober 2019
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Ich glaub ich fall vom Stuhl! Jetzt war ich gerade so optimistisch, als Paolas Mutter damit angefangen hat, ihr etwas sagen zu wollen. Und dann dieser Satz: dass es ihr egal ist, welche Größe sie trägt und dass es ihr leid tut, wenn sie diesen Eindruck vermittelt hat und dass es sie echt nicht interessiert und dass sie glaubt, dass sie schön ist, so wie sie ist.

Und dann kommt der Hammer!
„Ich sage nur, dass du abnehmen sollst, weil du in einem speziellen Alter bist, du musst aufpassen, sonst platzt du irgendwann.“ Geht’s noch?
Einen Schritt vor und zwei zurück.
 

Wandablue

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So. Jetzt ist es raus. Biosolar dient dazu, grässlichstes Zeug zu entsorgen. Zum Glück fliegt die Aktion auf.

Oma und Butitta waren füreinander bestimmt, aber ... der eine sprach nicht, war zu stolz, die andere erklärte sich nicht ...
und Oma hat das bequeme Leben gewählt. Bequemes Leben ist nicht zu verachten. By the way, Megan hat gewählt. Wie sich darüber jemand aufregen kann, unglaublich. Warum sie mir einfällt? Bequemes Leben. Königs.

Paoletta genießt ihren Geburtstag, den sie als authentisch empfindet: alle sind mit ihren Sorgen beschäftigt und haben keine Kraft mehr für die übliche Heuchelei. Nur gut gemeint natürlich.

Das Buch macht Spaß.
Aber etwas fehlt.
Paola ist schon auch sehr in sich selbst gefangen. Wenn ich sie mit Greta vergleiche, schneidet sie schlecht ab.
 

Wandablue

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Lieblingssätze: "Für jemand, der alles haben könnte, was er sich wünscht, ist Ninas bekümmerter Blick ein Fluch."
"Wünschen sich nur die etwas, die nichts haben können? Die anderen kaufen einfach."
und
"Etwas sagt mir, dass wir morgen panierte Auberginen essen werden."
Lieblingsfigur: Nina.
 

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Diese Entschlossenheit der beiden, die Geradlinigkeit auch von Richie.
Ja, ich musste auch echt "Daumen hoch" machen, als er ihr dann klar vor den Latz knallte, wie er die Geschichte von Ciccio Kopflos interpretiert. Da wird deutlich, dass Menschen mit Behinderung mehr mitkriegen, als gemeinhin angenommen. Je mehr Menschen das begreifen, umso mehr hört auch hoffentlich die Diskriminierung und Ausgrenzung aus!
Paola tut so, als sei ihr das gerade recht, später kotzt sie aber alles aus, auch den Nicht-Geburtstag. All die kleinen und großen Verletzungen.
Sehr berührende Stelle...
 

claudi-1963

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Puhh so langsam fällt das Familienkartenhaus zusammen. Man hat das Gefühl der Geburtstag war das Ende einer glücklichen Familie. Schade das man ihn einfach mal ebenso abgehandelt hat. Doch hier fällt Paola auf, das irgendwas gar nicht mehr stimmt. Sei es das Leben ihrer Eltern und selbst das ihrer Großmutter verändert sich immer drastischer.

Das es ihrer Mutter nicht gut geht macht selbst Paola zu schaffen. Die Erbrechattacke zeigt mir, wie sehr sie dieses Leben gerade belastet. Besonders weil sie jetzt mit Antonio auch niemanden mehr zum reden hat.

Also ein Eheleben stelle ich mir auch anders vor, als das von Paolas Eltern. Nicht mal zum Geburtstag nimmt sich der Vater Zeit für die Familie.
Das ihre Eltern sie belügen, bzw. einfach Schweigen spürt sie immer stärker. Kein Wunder das sie in der Nacht Nachforschungen betreibt. Ich bin ehrlich erstaunt, das Richi mitmöchte, obwohl er gar nicht weiß wohin. Da spürt man wieder total den Zusammenhalt der Geschwister. Doch ich denke das selbst Richi spürt, das etwas nicht stimmt. Da verstehen sich die beiden ohne Worte.

Nun sind mir auch die Heimlichkeiten klar, zwischen den Eltern aber auch zwischen Marta. Dieser Biobau wird im Grunde mit gefährlichen Abfällen finanziert. Für mich total unverständlich, wie man bei so einem Bau wo Menschen einziehen, die Allergien haben oder krank sind solche gefährliche Stoffe vergräbt. Ich denke nachdem nun die Polizei ihnen auf die Schliche kommt, wird es eng werden für ihren Vater ohne Verhaftung geht hier sicher nichts mehr.

Überrascht war ich, das Richi so viel Kraft hatte, das er da auf dem Schotter gelaufen ist. Er scheint wirklich ebenfalls wissen zu wollen was da abgeht und will es sich nicht nehmen lassen es mit eigenen Augen zu sehen.

Das Buch lässt sich immer besser lesen, je länger man dran ist. Das Paola inzwischen sogar sieht, das sie gar nicht so schlecht aussieht, sind schon erste gute Schritte. Interessant fand ich die Geschichte von Ciccio Kopflos und wie auf beider Seiten ihr Resümee dazu ist.
 

claudi-1963

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Ich glaub ich fall vom Stuhl! Jetzt war ich gerade so optimistisch, als Paolas Mutter damit angefangen hat, ihr etwas sagen zu wollen. Und dann dieser Satz: dass es ihr egal ist, welche Größe sie trägt und dass es ihr leid tut, wenn sie diesen Eindruck vermittelt hat und dass es sie echt nicht interessiert und dass sie glaubt, dass sie schön ist, so wie sie ist.

Und dann kommt der Hammer!
„Ich sage nur, dass du abnehmen sollst, weil du in einem speziellen Alter bist, du musst aufpassen, sonst platzt du irgendwann.“ Geht’s noch?
Einen Schritt vor und zwei zurück.
Ja den Satz fand ich auch krass, sowas sagt man doch als Mutter nicht zu seinem Kind.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Bereits die Überschrift "June is the cruellest month" lässt tief blicken darauf, dass sich in diesem Monat vieles zum Schlechten gewendet hat.

Die Mutter versucht eine Aussprache. Sie zeigt verständige Ansätze, fällt dann aber ins alte Muster zurück.
Auf die Frage, warum sie die Margeriten Siedlung nicht mag, reagiert sie ausweichend. Es hat etwas mit Richi zu tun. Sie selbst ist verantwortlich dafür....?!
Hat man etwa unter den Siedlungen Giftmüll vergraben, der den Sohn krank gemacht hat?!? Irgend sowas kommt mir am Ende des Abschnitts in den Sinn. Diese Schuldgefühle wären auch eine Erklärung für die übertriebene Fürsorge der Mutter.

Die Oma wird schon ein Leben lang vom Gärtner verehrt. Der früher nicht für den Dottore arbeiten wollte. Warum nicht? Eifersucht oder Wissen um die krummen Geschäfte???

Den Nicht-Geburtstag habt ihr bereits ausfühlich analysiert. Da hat Paola dieses Mal zumindest ihre Überraschung bekommen: alles anders als sonst.

Antonio hat sie im Stillen analysiert und dabei ihre eigenen Denkfehler korrigiert. Er ist ein wahrer Held. Trotzdem sprechen sich die beiden nicht aus. Wie anstrengend sind doch die Jugendjahre: keiner wagt sich aus der Deckung - aus Angst vor Verletzung und Zurückweisung.

Ebenso hat Paola ihre Freundin Marta analysiert. Deren Super Papa ist gar nicht der Super Papa! Marta buhlt ebenso um Aufmerksamkeit wie Paola. Was eine Erkenntnis!

Die Mutter ist passiv. Hält sich aus den Geschäften raus. Nimmt lieber die doppelte Menge Schlafmittel! Irgendwie hat sie völlig resigniert, sich untergeordnet. Nutella war Frustessen.

Verwundert hat mich, dass Richi auf einmal laufen kann, obwohl er sonst nur im Rollstuhl gefahren wird. Woher hat er die Muskeln und die Hornhaut unter den Füßen? Nicht ganz realistisch, aber auch nicht so wichtig.

Der Juni ist noch nicht vorbei: weiterlesen!
 

SuPro

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Jetzt habe ich gerade auf Seite 163 mit Erleichterung gelesen, dass Paola vorhat, sich an Martha zu wenden. Sie möchte Marthas Meinung und Eindrücke zu den sonderbaren Geschehnissen einholen. Das hat etwas Vielversprechendes, denn ihre Schutzmauer aus Misstrauen und Reserviertheit scheint zu bröckeln. Sie lässt ihre Beziehung zu Martha Revue passieren und erkennt, dass es durchaus positive Momente mit ihr gegeben hat, die Marta als wohlwollende und vertrauensvolle Person erscheinen lassen.
 

SuPro

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Es ist so unsagbar traurig und erschütternd, über Paolas Beziehung zu ihrem Vater zu lesen. Sie analysiert sie scharfsinnig und erzählt uns ungeschönt davon. „Rettet die unsichtbaren Töchter“… sie muss ihren Schmerz hinter diesem Sarkasmus verbergen, sonst würde sie zusammenbrechen.
 

Barbara62

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Hilflos dumm ihre Haltung gegenüber Antonio. Verpasste Chancen. Und nun ist er weg von der Schule... Selbst die Brücke, die er ihr zueletzt gebaut hat, konnte sie nicht annehmen. Ob es da noch einen Weg geben wird?
Am liebsten würde ich ihr einen Tritt geben. Wie kann sie sich nur selbst so im Weg stehen? Bei anderen weiß sie immer sehr genau, was sie falsch gemachten haben, z. B. bei ihrer Oma und dem Gärtner.

Bequemes Leben. Königs.
Echt? Für mich ist es das unbequemste Leben, das ich mir vorstellen kann, Luxus hin oder her.

Lieblingsfigur: Nina.
Volle Zustimmung. Also lieber Aschenputtel statt Prinzessin, oder?

Ist es nicht schön? All die ganzen versteckten (literarischen) Verweise - man kann so viel davon in diesem Buch entdecken! Herrlich *g*. :D
Gerade diese literarischen Verweise scheinen mir für eine 15- bzw. 16-Jährige nicht ganz glaubhaft. Mag ja sein, dass sie außergewöhnlicherweise tatsächlich "Der Name der Rose" gelesen hat, aber dass sie von der "klassischen Bildung" des Wilhelm von Baskerville spricht ist schon nicht glaubwürdig (und ja: Ich weiß, dass sie ihrem Alter voraus ist). Auch über Richis Vortrag auf Seite 184/85 habe ich gestaunt. Seine Behinderung kann ich schwer einschätzen.
 
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Barbara62

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Die zweite - und wesentlich größere "Schweinerei" nach den Süßigkeiten: die Giftfässer, die vergraben werden. Allmählich wird der Roman zum Thriller. Während die Mutter sich mit Schlafmittel abschießt, gehen Paola und Richi der Sache auf die Spur.

Ich habe nochmal darüber nachgedacht, warum ich den Roman als so bedrückend empfinde. Manche hier sehen mit Freude, wie sich eine starke Protagonistin hoffentlich freischwimmt, und damit habt ihr sicher recht. Ich sehe aber auch, dass sie diese Kindheit und Jugend vermutlich nie wird abschütteln können, so wie @SuPro sagte, dass sie sich Paola später in ihrer Psychotherapie-Sprechstunde vorstellen kann (und ich übrigens jedes andere Familienmitglied auch).
 

Wandablue

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Gerade diese literarischen Verweise scheinen mir für eine 15- bzw. 16-Jährige nicht ganz glaubhaft. Mag ja sein, dass sie außergewöhnlicherweise tatsächlich "Der Name der Rose" gelesen hat, aber dass sie von der "klassischen Bildung" des Wilhelm von Baskerville spricht ist schon nicht glaubwürdig Auch über Richis Vortrag auf Seite 184/85 habe ich gestaunt. Seine Behinderung kann ich schwer einschätzen.[/QUOTE]/babsie

Na ja, ein bisschen Kredit geben wir ihr oder? Ich hatte mit 16 die meisten Klassiker gelesen. Das gibts. Paola tut nichts anderes als Lesen.
Bei Richie ist Raffaella ein pisschen übers Ziel hinausgeschossen und der letzte LA - darüber reden wir dann.

aber mal was anderes, habt ihr einen Coming of Age-Roman erwartet? ich nicht.
 

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