3. Leseabschnitt: "Das Alphabet als..." bis "Ein Mann mit phänomenalem..." (ab S. 175)

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
13.981
30.752
49
3. Leseabschnitt: "Das Alphabet als friedliche Revolution" bis "Ein Mann mit phänomenalem Gedächtnis und ..." (ab S. 175)
 

Emswashed

Bekanntes Mitglied
9. Mai 2020
1.593
4.790
49
Und weiter gehts! (Ich muss mich bremsen, sonst ists zu schnell vorbei und das hat das Buch wahrlich nicht verdient.)

Die Erfindung des Alphabets! Und gleich die Rückentwicklung? Heutzutage sehe ich viele T-Shirts, die nur mit Konsonanten bedruckt sind und die trotzdem (fast) jeder versteht. Aber Vokale sind schon wichtig, nicht nur bei Eiern!

Die griechische Erziehung der Jungen hat mich allerdings schockiert und als ich meinem Mann diesen Abschnitt vorlas, meinte er nur ganz trocken, dass man das ja schon an den greichischen Statuen sehen könnte. Eek!

Und mit der Einführung der Schulen gabs dann wohl auch schon die ersten Massaker. Unglaublich, wie aktuell es gerade erst wieder ist.

Zurück zum Alphabet, dass man sich mit Honig beschmiert auch gleich einverleiben kann. (Gibt es deswegen Russisch Brot?)
Aber mit der tollen Erfindung der Buchstaben und dem "erleichterten" Zugang, gabs auch gleich die ersten Kreativen, die nicht nur Hab und Gut erfasst haben, sondern die Fiktion ins Spiel brachten.

Vallejo geht schon einigermaßen chronologisch vor, doch ist sie erst einmal an einem bestimmten Punkt, explodiert dort ein kleiner Stern, dessen Strahlen in alle Richtungen laufen. Das Buch ist für mich gerade wie ein Sternenhimmel in einer klaren, mondlosen Nacht.... ehrfurchtgebietend!
 

Lesehorizont

Aktives Mitglied
29. März 2022
664
2.333
44
51
Mainz
Wow- es bleibt ein spannender und überaus informativer Ritt durch die Geschichte des Buches un der diversen damit in Zusammenhang stehenden Aspekte. Angesichts der Fülle der dargebotenen Informationen frage ich mich, wie Vallejo gearbeitet hat, um ein solches Werk vorlegen zu können. Da werde ich mal näher recherchieren.

Zunächst geht es um die Entstehung des Alphabets und der damit verbundenen Folgen. Während zunächst nur etablierte Mächtige das Privileg hatten, sich über das Medium Schrift auszudrücken, wurde nach und nach einem größeren Kreis an Menschen der Zugang zu schriftlich fixierten Gedanken gewährt. Hier werden verschiedene Facetten angesprochen, die ich ohne Anspruch auf Volständigkeit mal versuche zu ordnen:
- Drill und Disziplinierung der Schreiber-Lehrlinge, Belohnung mit Meisterschaft
- Überschwemmung oraler Kulturen mit fremder Schrift. Hier gilt das gedruckte Wort als Machtsymbol des weißen Mannes, es werden die Ambivalenzen angesprochen, die konfliktreiche Liebe zu den Buchstaben der Eindringlinge. Vorteil gegenüber Versuchen einheimischer Frauen Mittels schwarzer Muster aus dem Saft des uli-Baumes etwas auf den Körper einzuschreiben ist, dass es nicht verblassen kann
- Unterscheidung von Konsonanten und Vokalen und insbesondere Funktionalität letzterer, die im weiteren Sinne identitätsstiftend ist. Ohne Vokal bleibe von "Idee" nur ein D, von "Eier" nur ein R. Sehr spannend, so habe ich das nie betrachtet.

Danach geht es nochmals um Schriftlichkeit und Bücher als Versicherung gegen das Vergessen. Hier wird beispielsweise die Veränderung von einer für den mündlichen Gebrauch bestimmten Schriftlichkeit, die ihr Publikum über das Gehör und ihre Musikalität erreichte, hin zu einer Verankerung des Wortes in eine Ordnung thematisiert.
Aus heutiger Sicht sehr informativ und wissenswert finde ich die Veränderung des Wissens durch die Schrift: Sie diente zunächst als Versucherung gegen das Vergessen und stand insofern auch im Dienste der Weisheit. Die Autorin spricht dann aber den "Google-Effekt" an: Paradoxerweise geht Weisheit verloren mit fortschreitender Ansammlung von Wissen in digitaler Form. Warum? Da wir uns nicht mehr auf Informationen selbst konzentrieren, sondern lediglich auf den Ort, wo wir diese abrufen können. Die Autroin schreibt:
"Das wirft beunruhigende Fragen auf: Wo bleibt das Wissen unter der Flut der Daten? Ist unser träges Gedächtnis irgendwann nur noch ein Verzeichnis von Verweisen ohne eine Spur der Information selbst? Sind wir am Ende unwissender als unsere gedächtnisreichen Vorfahren in den alten Zeiten der Mündlichkeit?"
Für mich hat dies schon fast den Charakter einer rhetorischen Frage.
Es ist aber, lässt man sich darauf ein, eine weitreichende Erkenntnis gerade in Zeiten zunehmender Spezialisierung und Anhäufung von Wissen.

Dann ein Aspekt, der auch wieder für mich als Kulturwissenschaftlerin sehr interessant ist: Valleko spricht an, dass mit der revolutionären Technik des Alphabets das kollektive Gedächtnis entstand. Hier eine Textpassage in diesem Kontext:
S. 200 "Weder das Wissen noch die Weltliteratur passen in ein einziges Hirn, aber dank der Bücher stehen uns die Tore zu allen Wissensbereichen offen"
Hierzu passt, dass Borges das Buch als Erweiterung des Gedächtnisses und der Fantasie betrachtete.

Es schließen sich eine Reihe von Gedanken zu öffentlichen Bibliotheken an, wo ich auch wieder versuche, einige Facetten zusammenzutragen:
- S. 206 "In gewisser Weise tragen wir alle als Lesende geheime Bibliotheken des Wissens in uns, die uns geprägt haben "
Interessant in diesem Kontext: was sind jeweils die Werke, die unsere individuellen Geheimbibliotheken füllen und die wir versuchen, vor dem Vergessen zu retten? Ich muss mal genauer darüber nachdenken...
- Entstehung von Schulen und deren Verbindung mit dem Recht auf Bildung. Hier fand ich besonders interessant, wie wichtig das Erlernen des Lenes für Kinder ist. Vallejo spricht von einem Inititationsritual, das sie in die Erwachsenenwelt einfühert, sie zu kleinen Erwachsenen macht. Sie weist daraufhin, dass die Erfindung der Kindheit später stattfand und erst dann kind- und jugendgerechten Literaturen entstanden

Es geht dann um diverse Erunngenschaften und Erkenntnisse:
- den Ziegeszug der widerspenstigen Wörter und ihr Niederschlag in der Lyrik etwa, oder die wichtige Erkenntnis im Kontext der entstehenden griechischen Philosophien:
S. 220 "Wenn die Welt kryptisch ist, dann muss eine Sprache, die sich zu ihrer Darstellung eignet, dicht, mysteriös und schwer zu entschlüsseln sein", ebenso wie Heraklits Entdeckung, dass alles fließt und der Wandel permanent ist

Dies hatte dann widerum Konsequenzen:
Bereits im Übergang vom 4. ins 5. J.v.Chr. entstand der Buchhändler/ Bibliothekar und gleichzeitig wohl auch Spott auf Bücherwürmer.
Im Unterschied zur Moderne war der Buchhandel durch Nomadentum geprägt. Es begann der Export von Büchern, so dass zumindest ein kleinerer Teil Europas vom Bücherfieber erfasst wurde.

"Das Einzige, was sich lohnt, ist die Bildung"- bereits im 2. Jahrhundert.
Bibliotheken gelten als Errungenschaft der Griechen und Römer
Hier wieder eine interessante Textstelle:
S. 241 Jeder Sammler ist ein Archivar, "nur in seinem Katalog überlegt die Sammlung den eigenen Schiffbruch. Dort bleibt der Beweis dafür, dass sie als Ganzes existiert hat, als sorgfältiger Plan, als Kunstwerk", und:
S. 249 "Jede Bibliothek ist einzigartig und (...) gleicht (sie) stets ihrem Bibliothekar oder ihrer Bibliothekarin"
Die Erkenntnis, dass die Absicht, alle Bücher zu kennen, "der ausgeflippte Traum eines Bibliophilen ist" ist längst durchgesetzt.

In diesem Kontext spricht Vallejo nun noch das wichtige Thema des Katalogisierung an, den Listenwahn. Damit verbunden ist die Qual der Wahl, zu entscheiden, was man liest.
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
5.926
12.033
49
Brandenburg
"bis" habe ich jetzt einmal als bis verstanden und nicht als einschließlich. So fehlt mir noch das letzte Kapitel. Anyway.

Interssant, dass jedem von uns Lesern etwas anderes besonders wichtig ist.
Meine Eindrücke:
- Die Dichtung war Gemeinschaftssache und wird erst durch die Alphabetisierung individualisiert. Andererseits aber auch festgeschrieben; sie verliert ihre Anpassungsfähigkeit.
- Die Themen ändern sich. Die Literatur wechselt den Besitzer, rühmt nicht mehr kritiklos die Herrschenden und die traditionelle Autorität; Kritik wird möglich, ja, quasi legitim.
- Für alles ist eine Zeit- die Texte beginnen vom Alltag normaler Menschen zu handeln. Vallejo schlägt mal wieder eine Brücke zur Jetztzeit, - Pete Seeger besingt dies in einem Lied "Turn, turn, turn" - das muss ich mal googeln ;-). Heraklit stellt fest, alles verändert sich, alles ist im Fluss. Ich muss zugeben, dass mir erst jetzt so richtig klar wurde, was der Spruch "keiner steigt zweimal in denselben Fluss" eigentlich bedeutet. Ich hatte eine schwammige Vorstellung davon.
-Der Alphabetisierung werden lange Passagen gewidmet. Den Brückenschlag zum heutigen Analphabetismus finde ich faszinierend; dagegen hätte ich auf die schon wieder erwähnte Vorlesetätigkeit der Mama und wie die Autorin das Lesen/Schreiben erlernt gut verzichten können. (Kann man als Auflockerung des Textes aber gelten lassen).
- Der Brückenschlag von Sokrates zu Hölderlin ist etwas gewagt. immerhin - persönliche Erinnerungen, nämlich meine, wie oft bin ich am Hölderlinturm vorbeigegangen und habe hinaufgeschaut. Allerdings teile ich die allgemeine ? Bewunderung für Hölderlin nicht. Er ist schwülstig, pathetisch und überspannt. Und völlig überschätzt.
- Das Schicksal der Bücher in Fahrenheit 451 hat einen traurigen historischen Hintergrund. Bei 451 Fahrenheit beginnen Bücher angeblich zu brennen. Mei, das sind immerhin 230 Grad. So widerstandsfähig soll Papier sein? Interessant.
-Archilochos - der erste Deserteur, der Desertieren vernünftig findet.
Dass aber Heraklit der geistige Vater von Prousts Syntax sein soll, halte ich für verstiegen (ich habe Proust gelesen und er ist nicht schwierig zu lesen!).
- und aus dem ersten Satz des Johannesevangeliums spricht NICHT Heraklit, sondern der Apostel Johannes (letztlich eigentlich Gott; aber gut, darüber müssen wir nicht diskutieren).
- vom Herostratos-Syndrom habe ich noch nie etwas gehört: Der Wahn berühmt werden zu wollen. Seine Auswüchse sind uns jedoch allen bekannt.

Alles in allem wunderbar informativ, manachmal humorvoll, ganz feiner Humor, aber auch glgt gewollt überspannte Formulierungen, z.B. "die verwirrten Waisenkinder der verlorenen Freiheit". Das ist wohl die Lust am Formulieren.

@Emswashed: Die gr Gepflogenheiten haben mich nicht schokiert; sie waren mir hinreichend bekannt. Es erklärt aber vllt, warum die Griechen sich in der Moderne mit Homosexualität so schwer tun. Ich glaube nicht, dass sie sich gerne an die pädophilen Gewohnheiten erinnern lassen wollen und distanzieren sich.

@Lesehorizont: Listen? Ich liebe Listen.
 

Lesehorizont

Aktives Mitglied
29. März 2022
664
2.333
44
51
Mainz
"bis" habe ich jetzt einmal als bis verstanden und nicht als einschließlich. So fehlt mir noch das letzte Kapitel. Anyway.

Interssant, dass jedem von uns Lesern etwas anderes besonders wichtig ist.
Meine Eindrücke:
- Die Dichtung war Gemeinschaftssache und wird erst durch die Alphabetisierung individualisiert. Andererseits aber auch festgeschrieben; sie verliert ihre Anpassungsfähigkeit.
- Die Themen ändern sich. Die Literatur wechselt den Besitzer, rühmt nicht mehr kritiklos die Herrschenden und die traditionelle Autorität; Kritik wird möglich, ja, quasi legitim.
- Für alles ist eine Zeit- die Texte beginnen vom Alltag normaler Menschen zu handeln. Vallejo schlägt mal wieder eine Brücke zur Jetztzeit, - Pete Seeger besingt dies in einem Lied "Turn, turn, turn" - das muss ich mal googeln ;-). Heraklit stellt fest, alles verändert sich, alles ist im Fluss. Ich muss zugeben, dass mir erst jetzt so richtig klar wurde, was der Spruch "keiner steigt zweimal in denselben Fluss" eigentlich bedeutet. Ich hatte eine schwammige Vorstellung davon.
-Der Alphabetisierung werden lange Passagen gewidmet. Den Brückenschlag zum heutigen Analphabetismus finde ich faszinierend; dagegen hätte ich auf die schon wieder erwähnte Vorlesetätigkeit der Mama und wie die Autorin das Lesen/Schreiben erlernt gut verzichten können. (Kann man als Auflockerung des Textes aber gelten lassen).
- Der Brückenschlag von Sokrates zu Hölderlin ist etwas gewagt. immerhin - persönliche Erinnerungen, nämlich meine, wie oft bin ich am Hölderlinturm vorbeigegangen und habe hinaufgeschaut. Allerdings teile ich die allgemeine ? Bewunderung für Hölderlin nicht. Er ist schwülstig, pathetisch und überspannt. Und völlig überschätzt.
- Das Schicksal der Bücher in Fahrenheit 451 hat einen traurigen historischen Hintergrund. Bei 451 Fahrenheit beginnen Bücher angeblich zu brennen. Mei, das sind immerhin 230 Grad. So widerstandsfähig soll Papier sein? Interessant.
-Archilochos - der erste Deserteur, der Desertieren vernünftig findet.
Dass aber Heraklit der geistige Vater von Prousts Syntax sein soll, halte ich für verstiegen (ich habe Proust gelesen und er ist nicht schwierig zu lesen!).
- und aus dem ersten Satz des Johannesevangeliums spricht NICHT Heraklit, sondern der Apostel Johannes (letztlich eigentlich Gott; aber gut, darüber müssen wir nicht diskutieren).
- vom Herostratos-Syndrom habe ich noch nie etwas gehört: Der Wahn berühmt werden zu wollen. Seine Auswüchse sind uns jedoch allen bekannt.

Alles in allem wunderbar informativ, manachmal humorvoll, ganz feiner Humor, aber auch glgt gewollt überspannte Formulierungen, z.B. "die verwirrten Waisenkinder der verlorenen Freiheit". Das ist wohl die Lust am Formulieren.

@Emswashed: Die gr Gepflogenheiten haben mich nicht schokiert; sie waren mir hinreichend bekannt. Es erklärt aber vllt, warum die Griechen sich in der Moderne mit Homosexualität so schwer tun. Ich glaube nicht, dass sie sich gerne an die pädophilen Gewohnheiten erinnern lassen wollen und distanzieren sich.

@Lesehorizont: Listen? Ich liebe Listen.
Ich habe übrigens mal gelesen


Und Listen Liebe ich, aber nicht als To-do Liste. Da halte ich mich seltenst dran :D
 

Emswashed

Bekanntes Mitglied
9. Mai 2020
1.593
4.790
49
Dass aber Heraklit der geistige Vater von Prousts Syntax sein soll, halte ich für verstiegen (ich habe Proust gelesen und er ist nicht schwierig zu lesen!).

Ich habs mit Proust versucht und dieser Vergleich reicht mir, um mich von Heraklit fernzuhalten.;)
vom Herostratos-Syndrom habe ich noch nie etwas gehört: Der Wahn berühmt werden zu wollen. Seine Auswüchse sind uns jedoch allen bekannt.

Aber schon interessant, dass das englische "hero" darin steckt.
Listen? Ich liebe Listen.

Ja doch, manchmal können sie sehr hilfreich sein.
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
5.926
12.033
49
Brandenburg
Ich habs mit Proust versucht und dieser Vergleich reicht mir, um mich von Heraklit fernzuhalten
Na, Heraklit ist doch kurz: Es ist nicht viel erhalten. Das von @Lesehorizont gezeigte Buch enthält sicherlich alles Wissenswerte.

Nachtrag: letztes Kapitel.
Erstmal was Kritisches: Es nervt mich unendlich diese Doppelaufzählungen von Erzähler und Erzählerinnen, Gewinner und Gewinnerinnen, etc etc. In einem sowie so schon vielseitigen Buch ... gegendert wird auch. Ich wette, dass das wieder die übergriffigen Übersetzer gemacht haben. Ich möchte wissen, ob die Spanier auch gendern, ich glaubs nicht. Das gibt vllt Punkteabzug.

Dann: Der erste Satz war immer schon wichtig. Lustig.
Ich glaube nicht, dass mir etwas entgangen wäre, wäre ich nicht mit . Antigone .Ödipus und . Medea bekannt gemacht worden. Also - waren sie wirklich so überlieferungswert?
Abgesehen von technischen Dingen (i.w.S.) kann vllt alles vergessen werden ohne Schaden anzurichten. Man kann alles neu erfinden.
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
5.926
12.033
49
Brandenburg
Gendern in Spanien. Google sagt:
Das Spanische ist ähnlich durchgegendert wie das Französische. Die ganze Sprache wird in männlich/weiblich dekliniert. Der einfache Satz „Alle feiern zusammen“ heißt anders, je nachdem, ob es sich um eine Jungs- oder eine Mädchengruppe handelt.

Das ist absoluter Quatsch, denn das hat überhaupt nichts mit Gendern zu tun. Das ist gewachsene Sprache sowie der generische Maskulinum bei uns gewachsene Sprache ist. Hat man nämlich eine gemischte Gruppe vor sich, wird die männliche Form benutzt. Sprache neigt zur Vereinfachung. Das ist zu begrüßen. Ich werde einen Stern abziehen!
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
13.981
30.752
49
Ich werde einen Stern abziehen
Nein, Wanda. Noch ist das nicht fair. Die Genderei ist DEIN Ärgernis und Steckenpferd (da bist Du emotional und nicht ganz objektiv;)). Die Kritik an der Übersetzung gehört hinein. Laut und deutlich soll es der Verlag lesen. Aber einen ganzen Stern wegen eines Übersetzungs-Fauxpas, der sich dem allgemeinen Trend gebeugt hat?! Du solltest dir die Begeisterung für Frau Vallejo selbst davon nicht verderben lassen. Das hat sie nicht verdient. Ein Stern sind 20%. Soviel wiegt das Gendern nicht.
 

Sassenach123

Bekanntes Mitglied
27. Dezember 2015
3.290
6.648
49
48
Man merkt der Autorin auch in diesem Abschnitt ihre Verbundenheit zu Büchern an. Sie erzählt davon wie ihr selbst vorgelesen wurde, und ein paar Eindrücke aus ihrer späteren Lektüre in Schlinks Vorleser werden von ihr hier zusammengefasst. (Das der Wächter in Umberto Ecos Roman eine reale Person zum Vorbild hat, wusste ich übrigens gar nicht.) Auch die Erlebnisse des ersten Büchereibesuch teilt sie mit uns, für mich lockern diese Passagen das Ganze ein wenig auf, denn ansonsten besteht der Inhalt ja größtenteils aus sachlichen Informationen.



Vieles was für uns selbstverständlich ist, musste damals erstmal erarbeitet werden. So das Alphabet selbst und später dann die Idee, die Fülle an Büchern danach zuordnen. Heute denkt man kaum noch darüber nach wie beschwerlich die ersten Wege in Bezug auf Schrift und allem was dazugehört gewesen sind.



Die Liste von Peter Boxall habe ich nur als Buchformat gefunden, leider war keine reine Buchliste dabei, es würde mich sehr interessieren welche Titel im einzelnen darauf stehen.
 

Lesehorizont

Aktives Mitglied
29. März 2022
664
2.333
44
51
Mainz
Ich habs mit Proust versucht und dieser Vergleich reicht mir, um mich von Heraklit fernzuhalten.;)
Ich habe Proust selbst nicht gelesen, nur einen Teil des Hauptwerkes als graphic novel. Kann man die Autoren inhaltlich wirklich auf eine Ebene stellen und in einem Atemzug nennen? Heraklit steht ja für eine Philosophie mit bahnbrechenden Erkenntnissen.
 
  • Like
Reaktionen: Emswashed

Lesehorizont

Aktives Mitglied
29. März 2022
664
2.333
44
51
Mainz
Na, Heraklit ist doch kurz: Es ist nicht viel erhalten. Das von @Lesehorizont gezeigte Buch enthält sicherlich alles Wissenswerte
Für die Philosophiegeschichte ist er nach wie vor sehr bedeutend. Ich glaube nicht, dass das von mir erwähnte Buch zu Heraklit alles Wissenswerte enthält. Es ist ein Roman, nicht primär ein Buch über seine philosophischen Ideen.
 

Lesehorizont

Aktives Mitglied
29. März 2022
664
2.333
44
51
Mainz
Gendern in Spanien. Google sagt:
Das Spanische ist ähnlich durchgegendert wie das Französische. Die ganze Sprache wird in männlich/weiblich dekliniert. Der einfache Satz „Alle feiern zusammen“ heißt anders, je nachdem, ob es sich um eine Jungs- oder eine Mädchengruppe handelt.

Das ist absoluter Quatsch, denn das hat überhaupt nichts mit Gendern zu tun. Das ist gewachsene Sprache sowie der generische Maskulinum bei uns gewachsene Sprache ist. Hat man nämlich eine gemischte Gruppe vor sich, wird die männliche Form benutzt. Sprache neigt zur Vereinfachung. Das ist zu begrüßen. Ich werde einen Stern abziehen!
Wenn das Spanische gendert, dann passt es doch. Zudem ist es heute eher politisch inkorrekt, nicht zu gendern. Selbst im wissenschaftlichen Kontext gilt das als große Errungenschaft und wird nicht nur als wertvoll betrachtet, sondern wuasi normativ eingefordert.
 
  • Like
Reaktionen: Emswashed

Lesehorizont

Aktives Mitglied
29. März 2022
664
2.333
44
51
Mainz
Die Liste von Peter Boxall habe ich nur als Buchformat gefunden, leider war keine reine Buchliste dabei, es würde mich sehr interessieren welche Titel im einzelnen darauf stehen.
Es gibt dieses umfassende Werk in mehreren (aktualisierten) Auflagen, ich habe eine ältere und die neueste. Es gibt hintendrin auch eine Übersicht über die 1001 Werke. Ich blättere immer gerne darin und hole mir da Inspiration. :D
 

Wandablue

Bekanntes Mitglied
18. September 2019
5.926
12.033
49
Brandenburg
Wenn das Spanische gendert, dann passt es doch. Zudem ist es heute eher politisch inkorrekt, nicht zu gendern. Selbst im wissenschaftlichen Kontext gilt das als große Errungenschaft und wird nicht nur als wertvoll betrachtet, sondern wuasi normativ eingefordert.
Das Spanische gendert NICHT. Sagte ich doch.
Und die Genderei ist Sprachverhunzung, bläht die Sprache künstlich auf und macht sie kompliziert. Ich bin da nicht alleine mit meiner Kritik. In ein paar Jahrzehnten wird es auch wieder verschwunden sein, das Phänomen. Ich will aber nicht so lange warten.

Es ist nicht ! mein privater Feldzug. In Frankreich ist das Gendern gesetzlich verboten, weil die Franzosen genau wissen, was diese Unsitte mit ihrer schönen Sprache machen würde.
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
13.981
30.752
49
Ich bin da nicht alleine mit meiner Kritik.
Ich bin generell auch bei dir, nur nicht so emotional;)
In "Die Wut, die brennt " wurde konstant gegendert. Ich finde es blöd, trage es aber mit Fassung, da sich das Buch primär an eine jüngere Klientel richtet. Bei Vallejo würde es mich wahrscheinlich auch mehr stören. Aber Punktabzug gäbe es keinen von mir, es sei denn, es gibt weitere "Nachlässe".