2. Leseabschnitt: Seite 89 bis 173

milkysilvermoon

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13. Oktober 2017
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Die Frauen sind in diesem Roman die deutlich interessanteren Figuren; die Männer anscheinend nur Beiwerk.

Oh, ja, herrlich erfrischend für einen Klassiker!

Selma Lagerlöf begeistert mich mit ihrer Erzählkunst- und technik immer mehr.

Mir geht es genauso. Obwohl ich von Anfang an schon angetan bin.

Die feine Ironie Lagerlöfs erinnerte mich stellenweise an Jane Austen.

Dieser Gedanke kam mir auch schon. Ich dachte, es geht nur mir so, weil ich zuletzt nicht so viele Klassiker gelesen habe.

Sollte/Könnte man das Nachwort zwischendurch lesen oder verrät es zuviel?

Man könnte. Ich fand ihren Blickwinkel erhellend.

@alasca hat es ja schon erwähnt, ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass es in diesem Fall sogar von großem Vorteil ist.

Sehr gut. Ich schiele schon seit den ersten Seiten aufs Nachwort. Ich bin diesmal echt neugierig… :D
 

milkysilvermoon

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13. Oktober 2017
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Es gab aber auch schon zu allen Zeiten Frauen, die sich diesen 'Unsinn nicht zu eigen machen'!!!!! Und ich kenne auch etliche Männer, die solche Frauen sehr zu schätzen wissen / zu schätzen wussten! (Traurig ist nur, dass solche Männer dann unter ihresgleichen als 'Memmen' angesehen wurden/werden!)

Die gesellschaftlichen Zwänge sind am Ende nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer schlecht - auch wenn das nicht alle so sehen.
 

alasca

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13. Juni 2022
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Die gesellschaftlichen Zwänge sind am Ende nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer schlecht - auch wenn das nicht alle so sehen.
Das stimmt. Diese Zwänge werden aber immer noch nach Kräften aufrecht erhalten - von den Männern, die darunter leiden. Und von vielen Frauen, das Thema hatten wir bei einer anderen LR schon mal. Der helle Wahnsinn.
 

otegami

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17. Dezember 2021
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Diese Zwänge werden aber immer noch nach Kräften aufrecht erhalten - von den Männern, die darunter leiden.
Wobei diejenigen Männer, die darunter leiden, wahrscheinlich nicht die sind, die die Zwänge immer noch nach Kräften aufrecht erhalten! ;) (Aber für das Durchbrechen der Zwänge gehört Mut! Und ich sehe da viele Mitläufer - ist halt bequem! )
 

luisa_loves-literature

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9. Januar 2022
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Oh weh. Charlotte opfert sich. Für diesen Idioten!
Ja, bitte, bitte nicht! Noch habe ich ja Hoffnung, dass sie dem Ruf des Geldes folgt ;)
Aber wie Karl-Artur die göttliche Vorsehung zu biegen weiß,
Für mich war das Highlight, dass Charlotte kurz überlegt, es ihm nachzutun und im Geiste mit geschulterter Flinte sich aufmacht, die nächstbeste Person zu erlegen.
Was meint Charlotte damit? Ich kann das nur so deuten, dass sie Annas "weibliche Ehre" anzweifelt.
So habe ich das auch verstanden und den Satz fand ich auch sehr bezeichnend (und informativ)
So ist sie gänzlich auf das Warten auf einen Ehemann angewiesen, wenn sie nicht ihr Leben lang Gesellschafterin bleiben will. Und ausgerechnet auf diesem Gebiet stellt sie sich so dusslig an!
Vielleicht ist Karl-Artur deshalb ihre Wahl: zumindest sieht er gut aus, wenn man sich schon an einen Mann binden muss, dann an einen, der äußerlich was hermacht, eine nette Mutter hat und den man eventuell einigermaßen beeinflussen kann. Der Manipulationsfaktor ist, weder heute (siehe Meghan Markle:rofl) noch damals zu unterschätzen. Wenn man schon heiraten "muss", dann doch so, dass man zumindest die Chance hat, mehr oder weniger dezent im Hintergrund Macht auszuüben und dafür zu sorgen, dass alles so läuft, wie man es gern hätte...
:rofl Sorry, dass ich lache, aber Solidarität unter Frauen?
Da muss ich jetzt auch lachen!:rofl
 

luisa_loves-literature

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9. Januar 2022
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Es bleibt ein sehr spitzzüngiger, fein-ironischer Roman, der mich köstlich, um nicht zu sagen prächtig, amüsiert. Karl-Artur ist an Selbstverliebtheit und Selbstgefälligkeit fast nicht zu überbieten und seine Art, Gottes Wille immer noch ganz leicht aus dem Weg zu gehen - großartig. Natürlich ist Charlotte wieder das absolute Highlight in diesem Abschnitt. Auf ihren Plan bin ich sehr gespannt, ihr Flinten-Tagtraum hat mich sehr zum Schmunzeln gebracht und die ganze Zuckerdose auf den Teller zu kippen - da gehört schon etwas dazu.

Sie passt nicht zu Karl-Artur und er nicht zu ihr, aber er ist ein Mann, den sie glaubt, lesen zu können und sie hat ja auch schon einiges an Zeit und Aufwand in ihn investiert. Gesellschaftliche Zwänge hin oder her, mangelnde Optionen waren und sind vielfach immer noch Fakt, aber Charlotte hat das System meines Erachtens schon verstanden und ich entdecke Ansätze des "domestic feminism", der Machtausübung als potenzielle Hausherrin, bei ihr und sehe sie auch nicht als über beide Ohren verliebte junge Frau, die sich von Karl-Artur abhängig macht. Vielmehr ist er ihr Ticket zu einer begrenzten Form von Freiheit und Selbstverwirklichung gewesen - zumindest so lange, wie er sich von ihr beeinflussen ließ. Da er sich nun anderen Einflussgrößen zuwendet, bin ich gespannt, wieviel Energie und Elan Charlotte noch in das Rückgewinnungsprojekt stecken wird. Sobald sie erkennt, dass er nicht mehr zu lenken ist, wird sie sich anderweitig orientieren.
 

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Ich lese hier morgen endlich weiter, nachdem ich fieberbedingt pausieren musste. Die Schrift war einfach zu klein und machte das Lesen sehr mühselig. Ich werde aber dann am Ball bleiben :)
 
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Barbara62

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Ich lese hier morgen endlich weiter, nachdem ich fieberbedingt pausieren musste. Die Schrift war einfach zu klein und machte das Lesen sehr mühselig. Ich werde aber dann am Ball bleiben :)
Gute Besserung! Ansonsten ist das Buch für ein Tag im Bett genau richtig.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ihr habt ganz vieles schon gesagt, meine zahlreichen Zitate sind mir gerade durch eine blöde Berührung des Bildschirms verloren gegangen.
Der Stil ist ganz hervorragend! Ich bewundere die Figurenzeichnungen. Charlotte ist eine Frau ihrer Zeit, die es allen Recht machen will. Sie hat Karl-Artur zu Studium und Leistung getrieben, weil es der Wunsch seiner Mutter war. Sie selbst ist vielleicht auch mit wenig zufrieden, sie genießt die Privatsphäre im Probsthaus. Ihre Selbstaufopferung treibt allerdings zunehmend Blüten - man möchte sie schütteln! Beim Kaffeeklatsch wird ihr guter Ruf ruiniert und sie schaut tatenlos zu wie ein Kalb.

Auch wenn Frauen damals weit größeren Reglementierungen unterworfen waren, galt das auch für Männer. Wie nebenbei lässt Lagerlöf den Werdegang des Probstes einfließen, der viel lieber Biologe geworden wäre als Pfarrer... Die Rahmenbedingungen ließen das aber auch für ihn nicht zu.

Was die Hausiererin betrifft, denke ich, dass in der damaligen Zeit die Unbescholtenheit einer Frau ein zentrales Kriterium für deren Ehefähigkeit war. (Man denke an Diederich Heßling: "Ich heirate keine Frau, die mir ihre Reinheit nicht mit in die Ehe bringt!"). Bei einer hübschen Hausiererin stehen die Chancen auf Unberührtheit schlecht... Das war ja nur einer der Gründe, die Charlotte vorbringt.

Für sie ist Schagerström im Moment gar keine Alternative. Geld ist ihr nicht wichtig. Sie liebt KA und ist seit 5 Jahren mit ihm verlobt. Basta.

Was den Zölibat betrifft, bin ich der Meinung, dass sich unter den katholischen Priestern überdurchschnittlich viele "komische Käuze" befinden. Ganz normale Männer mit einer normalen Sexualität würden sich kaum für diesen Lebensweg entscheiden. Früher wurden die jungen Männer da hinein gedrängt, sei es aus Armut oder als "dritter Sohn" - heute kommt das Personal aus eben solchen Ländern, wo es diese Prinzipien partiell noch gibt: Afrika, Indien, Russland. Und die Gläubigen können Gottes Wort nicht mehr verstehen. (Kein Witz: In der hiesigen kath. Kirchengemeinde hat der Pfarrer einen so starken Akzent, dass er nicht verstanden wird.)

Ansonsten kann ich euch nur zustimmen: Ein feines Büchlein, das man wunderbar genießen kann!
 

otegami

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17. Dezember 2021
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Früher wurden die jungen Männer da hinein gedrängt, sei es aus Armut oder als "dritter Sohn"
Für den jüngeren Bruder meines Mannes war es 'vorbestimmt', Pfarrer zu werden, weil er 3 (!!!!) Zwirbel in seinen Haaren hatte! :rofl Allerdings ist er nach dem ersten WE-Urlaub (nach 4 Wochen) nicht mehr zurück ins priesterliche Internat! :helo Schluss war's!
Zum Schmunzeln fanden dann alle, dass er mit 18 heiraten 'musste' und seine Tochter einen Tag vor seinem 19. Geburtstag auf die Welt kam. :party

Was den Zölibat betrifft, bin ich der Meinung, dass sich unter den katholischen Priestern überdurchschnittlich viele "komische Käuze" befinden.
Unsere Kleinstadt war übrigens eine große Herausforderung für kath. Priester :helo : allein drei weiß ich, die dann eine Ehe mit einer jungen Frau aus unserem Städtchen vorzogen. Die eine war die Frau vom Messner! Als da Eheprobleme auftraten, trat der Priester als Eheberater auf. (Offensichtlich hat er bei 'Frau Messner' zu viel 'getröstet'! :helo )