2. Leseabschnitt: Seite 80 bis 148

Emswashed

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9. Mai 2020
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Nun bekommt auch Nicoliens Glanzbild ihrer Nachbarn ein paar Kratzer. Sie bemerkt auch merkwürdiges, oder unhöfliches Verhalten.
Doch typisch N., versucht sie natürlich zu helfen und die Stimmung anzuheben.

In diesem LA häufen sich die Übergriffigkeiten der Nachbarn, denen aber leider kein Einhalt geboten wird. Sie kommen spät zu Besuch und bleiben bis in die Puppen sitzen. Sie bestimmen die Themenwahl bei Gesprächen und äußern sich leicht abfällig über Urlaubsmitbringsel (Ziegenkäse aus Frankreich). Sie zeigen kompromittierende Fotos aus ihrem Urlaub.

Andererseits scheint Peer handwerklich sehr geschickt zu sein und "bastelt" mal eben ein neues Fliegengitter und hilft beim Flechten des Stuhlsitzes. Nicolien muss sich aber gleich mit der wertvollen Holzsammlung von ihrem Vater dafür bedanken, was ich sehr "drüber" fand. Der Hammer war das hässliche Gemälde als Gegengeschenk. Oder auch die "alte" Erbsensuppe, die dann doch schon vergammelt war, örks.

Und dann kommen wieder so Momente, die spannend zu werden scheinen, die aber sogleich wieder abgeblockt werden. Warum hat Peer Greeve sich in Peer de Graf umbenennen lassen?

Der Hauskauf ist abgeblasen, Petrus Geld soll an der Erbschaftssteuer vorbei geschleust werden. Die Eingetragene Partnerschaft auch für gleichgeschlechtliche Paare ist in den Niederlanden seit 1998 möglich. (aber das Buch wurde auch erst 2001 fertiggestellt, also damals alles sehr frisch)

Diese Hin und Her mit Maartens Bildauftritt für sein Buch hat mich ein wenig genervt. Warum kann er da nicht mal ein Machtwort reden, egal mit welcher der Parteien, Verlag oder Peer. Aber Nicolien droht mit Ignoranz des Buches, huhu!

Nach Maartens "verhindertem" Geburtstag, bin ich nun gespannt, ob Nicolien auch mal langsam die Kurve kriegt und sich ein wenig von ihren Nachbarn distanziert.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Wir sind jetzt auf der Hälfte angekommen. Manchmal konnte ich tatsächlich über manchen Dialog lachen, insbesondere über Maartens trockene Kommentare. Nicolien indessen nervt mich ohnegleichen! Sie benimmt sich wie ein verzogenes Gör und keinesfalls wie eine erwachsene Frau. Sie will ihren Willen mit allen Mitteln durchsetzen, droht sogar mit der Trennung, weil sie "mit so einem Mann nicht zusammenleben kann"... Da fällt einem doch nichts mehr ein! Dann heult sie und sagt noch, Maarten solle sie nicht ernst nehmen, wenn sie so ist. Geht´s noch??? Das Getue, das Hin und Her um die Fotos war für mich kaum auszuhalten. Ihre Erpressung völlig überzogen.

Die Figur Nicolien ist für mich eindeutig übertrieben dargestellt, was ich dem Autor vorwerfe. Ein solches Verhalten kann sich doch nur ein Mann ohne jegliches Rückgrat dauerhaft gefallen lassen. Sehr seltsam. Automatisch sympathisiert man mit Maarten, weil der Roman aus dessen personaler Sicht erzählt wird, weil wir seine Gedanken erfahren. Er kennt seine Frau:
Es war allerdings eine Art zu reden, die eigenen Reaktionen zu analysieren, mit der sie nichts anfangen konnte. 90
Das macht die Frau so anstrengend. Sie hat ihre Sicht der Dinge. Jedes noch so schlüssige Argument prallt an ihr ab. Die Vorwürfe sind immer dieselben. Ihr Hass gilt der angeblich homophoben Schwiegermutter, die den Sohn verdorben hat. Langsam weiß ich es und es dürften neue Themen angeschnitten werden.

Tatsächlich nimmt auch Nicolien die kleinen Kratzer wahr, die Ems oben beschrieben hat. Ist euch auch aufgefallen, dass sich die beiden Männer kaum bedanken für irgendwas? Erst bei der Holzsammlung ist ein lapidares "Danke" gefallen. Dinge, die dem Ehepaar wichtig sind, werden einfach degradiert, z.B. die Katzen oder der Genever. Auch das Schreiben von Maarten interessiert sie nicht die Bohne, schnell lenkt man das Gespräch wieder auf sich selbst. "Die Hoden des Stiers" - geht Schwulsein noch plakativer?

Nicolien benimmt sich aber auch übergriffig. Wäre es euch recht, wenn die Nachbarin stundenlang in eurer Wohnung sitzt, obwohl sie nur den Vogel füttern soll? Ihr Verhalten ist psychotisch irgendwie. Sie idealisiert das schwule Paar, kann bei ihnen normale Dispute (wie etwa unterschiedliche Urlaubsvorstellungen) nicht nachvollziehen. Ob sie ein Helfersyndrom hat?

Maarten charakterisiert Petrus als boshaften Kobold. Er mag die Körperlichkeit der beiden Männer nicht. Ich kann das nachvollziehen. Ich mag es bei Heteros auch nicht. Es hat oft sowas Aufgesetztes: Schaut mal her, wie glücklich wir sind!

Nun sind die zwei Männer wieder zum Unzeitpunkt erschienen und hocken geblieben. Maartens Geburtstag ist verdorben...

Für mich tritt der Roman auf der Stelle. Langsam müsste etwas passieren, müsste eine Entwicklung her, sonst bin ich wirklich ratlos, was Voskuil uns hiermit sagen will.
 

Naibenak

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2. August 2021
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Ich bin noch nicht sehr weit gekommen, weil ich grad viel unterwegs bin. Und ehrlich gesagt, hab ich mich gesträubt weiterzulesen :( Es ging ja sofort in diesem Abschnitt wieder los mit einem dieser unsäglichen Streitgespräche :( Ich habe mir eure Kommentare trotzdem durchgelesen, was ich sonst nie vorab mache ;) Und jetzt habe ich noch viel weniger Lust weiterzulesen - tja, selbst Schuld :apenosee Das hört ja scheinbar gar nicht auf.

Wie das Hexle schon richtig anmerkt: es muss eine Entwicklung her. Es dreht sich die ganze Zeit immer um denselben Brei. Die Dialoge sind so drüber, dass ich kirre werde und geneigt bin, querzulesen. Aber vielleicht verpasse ich gerade dann einen wichtigen Hinweis...

Schade, schade... hab mir was ganz anderes vorgestellt. Ich schaue mal, wie ich nun weiter vorankomme.
 

Naibenak

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2. August 2021
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Petrus ist schon ein ziemlicher Grummelkopp. Ich glaube, er hat schon einiges durch und ist deshalb ziemlich misstrauisch Menschen gegenüber. Vielleicht durchschaut er sogar das Verhalten Nicoliens, die ihren eigenen Selbstwert durch ihr übertriebenes Mitgefühl den "Underdogs" gegenüber nur pushen will... Who knows...
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Da mir die Streitereien ebenfalls auf die Nerven gehen, habe ich versucht meinen Fokus mehr auf Peer und Petrus zu legen, war nicht leicht, da der Zwist überwiegt. Warum sind Peer und Petrus zusammen, was mag der eine am anderen? Peer ist sehr locker, jünger als Petrus, und nicht so ein verbissener Grantler und Besserwisser. Petrus fährt Peer oft über den Mund, was ihn nicht zu stören scheint. Schmunzeln musste ich bei dem Schriftstück von Peer, als er Maarten Instruktionen für den Stuhl gab, die Rechtschreibung lässt darauf schließen, das Peer in deutsch keine 1 hatte, was ja nicht weiter tragisch ist, seine Stärken liegen im handwerklichen. Doch wo sind die Stärken von Petrus? im Grunde wissen wir arg wenig über ihn, und als Peer berichten wollte aus der Zeit, als sie noch nicht lange zusammen waren, wollte er dies nicht. Warum?
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Nicolien indessen nervt mich ohnegleichen! Sie benimmt sich wie ein verzogenes Gör und keinesfalls wie eine erwachsene Frau. Sie will ihren Willen mit allen Mitteln durchsetzen, droht sogar mit der Trennung, weil sie "mit so einem Mann nicht zusammenleben kann"...
Ich glaube Maarten nimmt vieles davon gar nicht mehr Ernst, er weiß mittlerweile, dass sie kurz explodiert und sich alles oft schnell wieder beruhigt. Bei der Fotogeschichte war sie allerdings schon sehr drüber. Maarten reagiert generell immer sehr ruhig, frage mich was passieren würde, wenn er richtig dagegen halten würde? Er überdenkt ja alles sehr genau, und versucht es sehr diplomatisch auszudrücken, wahrscheinlich damit sie so wenig Angriffspunkte hat wie möglich
Petrus ist schon ein ziemlicher Grummelkopp. Ich glaube, er hat schon einiges durch und ist deshalb ziemlich misstrauisch Menschen gegenüber. Vielleicht durchschaut er sogar das Verhalten Nicoliens, die ihren eigenen Selbstwert durch ihr übertriebenes Mitgefühl den "Underdogs" gegenüber nur pushen will... Who knows...
Leider wissen wir zu wenig von Petrus um das einschätzen zu können. Um ehrlich zu sein teile ich Maartens Meinung, ich hätte auch ein Problem mit jemandem wie ihm befreundet zu sein. Seine Art ist echt nicht meins. Worin liegen seine Stärken, was mag Peer an ihm? Denn auch ihn behandelt er nicht immer so, wie ich mir es von meinem Partner wünschen würde
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Die Liebe ist ein seltsames Ding... lala, lala...
Und überdies hat Petrus doch etwas zu vererben. Nicht so wenig, schwant mir, wenn man sich Gedanken um Erbschaftsteuern macht.
Das könnte ihn natürlich anziehend werden lassen. :apenosee Das Peer gierig ist, ist Maarten ja ebenfalls aufgefallen, als Nicolien ihm die Hölzer des Vaters schenkte. Ich befürchte fast, du liegst richtig.
Da fällt mir ein, findet ihr es nicht auch her ungewöhnlich, dass Peer sich oft in das Zimmer bei seiner Mutter zurückzieht?
 

Lesehorizont

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29. März 2022
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Mainz
Klar, diese überspitzten Dialoge zwischen M. und N. wiederholen sich. Über einige konnte ich mich köstlich amüsieren, aber okay, es dürfte gerne auch mehr hnzukommen.

Habt Ihr auch den Eindruck, dass es bei P. und P. mitunter ähnlich zugeht? Dass sie sich auch nicht ganz grün sind?

Die Raffgier von Peer fand ich schlimm - gerade, wenn es um so ein sensibles Thema wie Erbschaft geht. Überhaupt: Verbirgt Peer irgend etwas? Was?
Vielleicht sind die Nachbarn doch für das Buch insgesamt wichtiger las ich bislang dachte.

Ich lese das Buch immernoch sehr gerne, aber vielleicht nicht mehr ganz so fasziniert wie im 1. Abschnitt...
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Habt Ihr auch den Eindruck, dass es bei P. und P. mitunter ähnlich zugeht? Dass sie sich auch nicht ganz grün sind?
Sehr gut möglich, zumal man ja oft mitbekommt, dass Petrus Peer widerspricht. Andererseits könnte Peer auch zu den Menschen gehören, die sich sowas gefallen lassen. Es wäre schön, auch einmal alleine mit den beiden in ihren 4 Wänden zu sein, oder besser gesagt, es wäre aufschlussreich:apenosee
 

dracoma

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16. September 2022
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Worin liegen seine Stärken, was mag Peer an ihm?
Äh ...er hat offensichtlich Qualitäten, die nur Peer kennt und offenbar sehr schätzt... :cool:
Die Raffgier von Peer
Die fiel mir auch auf, besonders bei dem Zusammenraffen der Holzsammlung. Er schaut eigens nach, ob er auch wirklich ALLES eingesackelt hat.
Ich setze diese Gier in Verbindung mit seiner Namensänderung, und da ich gerne spekuliere, tue ich das jetzt mal:
These 1: Peer hat seinen Namen geändert, weil er ein Dieb und vorbestraft ist.
 
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dracoma

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16. September 2022
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Ich lese das Buch immernoch sehr gerne, aber vielleicht nicht mehr ganz so fasziniert wie im 1. Abschnitt...
Mir geht es umgekehrt: ich lese das Buch jetzt lieber, weil sich eine Änderung anbahnt.
Und zwar in zwei Bereichen:
Einmal im Inhaltlichen: es geht jetzt weniger um diese endlosen kleinen Piesackereien und peinlichen lauten Streitereien des Ehepaares, sondern jetzt rücken größere Szenen in den Mittelpunkt.
Und dann ändert sich das Verhalten Nicoliens, sie wird kritischer.

Diese größeren Szenen ähneln sich aber auch irgendwie, weil sie alle die Egozentriertheit von P+P zeigen. Wie sie den frz. Ziegenkäse kommentieren (S. 83), ist einfach nur ungezogen und grob: "Gib mal her." Vielleicht werfen sie ihn in den Müll?
Selber aber erzählen sie ausführlich und - das vor allem! - ungebeten von ihrem Urlaub.

Auch bei den nächsten größeren Szenen (S. 96 ff. und 112 ff.) zeigt sich, dass die beiden Paare keinerlei Gemeinsamkeiten haben. Die Gespräche wirken auf mich wie ein aggressives Scharmützel, sie haben nichts Verbindliches und Freundliches. Rechthabereien, Besserwissereien, grobe Unterstellungen bestimmen die Einladungen.

Aber auch hier wieder der Effekt: das Ehepaar "evaluiert" und rückt näher zusammen. N.s rosarote Brille trübt sich ein, und sie beginnt, die Nachbarn nicht hauptsächlich als Schwule zu sehen, sondern eben als Nachbarn.

Mit diesen Fotos komme ich allerdings nicht richtig klar. Für solche Fotos muss man nicht nach Schottland fahren, die kann man viel billiger daheim auf dem Bettrand machen.
Ob der Erzähler hier nicht nur ein Klischee bedient...?
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ob der Erzähler hier nicht nur ein Klischee bedient...?
Mittlerweile glaube ich das nicht mehr. Diese ganzen Dialoge, Scharmützel und Episoden haben sich genau so abgespielt. PP bedienen dabei manches Klischee, auch was ihre Fleischspeisen betrifft (Hoden vom Stier)...
Auch unter den Homosexuellen gibt es offenbar komische Vögel.
 
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dracoma

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16. September 2022
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PP bedienen dabei manches Klischee, auch was ihre Fleischspeisen betrifft (Hoden vom Stier)...
Auch unter den Homosexuellen gibt es offenbar komische Vögel.
Ja, schon, aber ich kann da schlecht unterscheiden: was ist Klischee und was ist "komischer Vogel"?
Diese Fotos, die Gemälde, Hoden + Penis vom Stier, das gezierte Anstoßen - ist das ein Klischee? Führt uns also der Erzähler augenzwinkernd aufs Glatteis?
Oder ist das einfach nur eine Eigenart dieses schrulligen Paares?
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Nicolien benimmt sich aber auch übergriffig. Wäre es euch recht, wenn die Nachbarin stundenlang in eurer Wohnung sitzt, obwohl sie nur den Vogel füttern soll?

Das kann man durchaus von zwei Seiten sehen. Viele Tierbesitzer sind sogar froh, wenn sich in ihrer Abwesenheit jemand zu den Tieren gesellt, einfach um der Gesellschaft willen. Allerdings sehe ich sowas eher bei Katzenbesitzern. Nicolien hat ja eine Katze, vielleicht überträgt sie ihre Angewohnheiten auf den Vogel.
 
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Literaturhexle

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2. April 2017
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Nicolien hat ja eine Katze, vielleicht überträgt sie ihre Angewohnheiten auf den Vogel.
Hm. Also für mich steckte mehr dahinter. Es war durchaus Neugier im Spiel. Sagte sie nicht auch etwas wie: jetzt sieht sie die Welt mit PPs Augen, sitzt dort, wo er sitzt...? Der Vogel war m.E. nur eine vorgeschobene Entschuldigung für den Eingriff in die Privatsphäre.