2. Leseabschnitt: Seite 74 bis Seite 140

Anjuta

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8. Januar 2016
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Essen
In diesem LA schiebt sich das Thema "Mann oder Frau" etwas mehr in den Vordergrund. Verbunden mit der etwas obskuren Wettleidenschaft der Briten. Für mich bleibt die Behandlung des Themas Man oder Frau hier leider sehr vordergründig. es scheint rein eine Frage der Kleidung, der Verkleidung zu sein und keine tiefere Bedeutung und keinen tieferen Veränderungsprozess zu haben. Das finde ich sehr schade. Weiterhin enttäuscht mich deshalb das Buch sehr.
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Die Ereignisse überschlagen sich. König Louis XV stirbt und sein Nachfolger Louis XVI tauscht die Entourage. So verliert auch Beaumont seinen vermeintlich sicheren Rückhalt.
Aber er lernt Pierre kennen und verliebt sich in ihn. Er lässt sich auf ein Pas de deux ein, das sich zum Schluss aber im wahrsten Sinne des Wortes als ein Pas de Dieux (was für ein herrliches Wortspiel) entpuppt.

Unser Erzähler hat sich ja schon als Wanderer durch die Zeiten geoutet, nun aber "spielt" er auch noch Poltergeist und erschrickt mit seiner "ungebetenen Präsenz". (Seite 101) :D

Frau Dische meldet auch ihre Ansprüche an : "Ein Schriftsteller behält die volle Kontrolle über seine Feder."

John Wilkes und Dr. Arthur Lee betreten die Bühne und ziehen uns mitten hinein in die Sklavenbefreiungsversuche in Nordamerika.

Je mehr ich lese, umso begeisteter bin ich.

Schade @Anjuta , das Du das so anders siehst. Ich habe mir Bilder bei Wiki angeschaut und kann diese Beaumont-Faszination nicht wirklich nachvollziehen, aber Frau Dische hat ein wunderbares Talent, mir eine ganz eigene Bildershow im Kopf einzupflanzen. Die Wetten der Engländer spiegeln nur die Sensationssucht wieder und versteckt das eigentliche, politische Spiel dahinter. Sobald das aufflog, waren sie ja auch entsprechend empört.
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Ein ganz besonderes Bonmot habe ich auf Seite 122 gefunden: " [Heutzutage] wird die Schminke mit dem Chirurgenmesser aufgetragen."

Kein Wunder, dass Beaumont aus heutiger Sicht einen wirklich schweren Stand hat, ihn/sie als schön zu erkennen. Wir sind ja schon alle instagramgeschädigt.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Für mich bleibt die Behandlung des Themas Man oder Frau hier leider sehr vordergründig.
Das ist wohl auch gar nicht das Thema. Das ist nur nebenbei. Es geht um die historische Person des Chevaliers. Aber, natürlich, man hätte daraus ein derartiges Thema stricken können. Wenn man gewollt hätte. Ist halt alles eine Geschmacksache. Der/die Chevalier hat wohl auch ein sehr bewegtes Leben geführt. Es ist ein bewegteres Leben als ich es bräuchte.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
ohn Wilkes und Dr. Arthur Lee betreten die Bühne und ziehen uns mitten hinein in die Sklavenbefreiungsversuche in Nordamerika.
In die Waffengeschäfte. Waffenhandel Es ist hochmodern, sag ich ja! Ich bin ja irgendwie sprachlos. Es war nie besser und wird immer schlechter. Kriegsgewinnler überall. Die Teuerung des Holzes/Heizöl/Gas: die Kleinen leiden, die Besitzenden gewinnen. Is so. Immer. Überall. So eine kleine Revolution alle 200 Jahre ist nit verkehrt.

Mit 40 ist man uralt. Und sieht jedes weitere Jahr als Geschenk.

Schöne Sätze: "Miteinander zu lachen ist eine Umarmung".
"Romantische Liebe ist das Lieblingsspielzeug des Teufels." Aber echt. Jedes Mal wenn ich die Klatschspalten lese ... sehe ich, dass die oberen zehntausend fest in seinen Griffen sind. Kindeswohl - nebbich. Bäumchenwechseldich ist angesagt.

Ich kann Anjuta schon verstehen. Wenn man halt was über Geschlechterrollen lesen wollte ... dann kann man sich nicht amüsieren, denn diese Wechsel sind hier nur ein Nebenthema. Es geht um ein Lebensbild. Ein recht ungewöhnliches. Gleichzeitig haben wir einen Schelmenroman. Und dann mischt auch noch Irene mit.

Die Briefkastenfirmen gab es schon, sie hießen aber sicher anders.

Erste Ansätze zum Denken einer klassenlosen Gesellschaft sind auch sichtbar. Werden aber von niemandem ernst genommen.

Zurück nach Frankreich garantiert (wahrscheinlich) finanzielle Unabhängigkeit, aber persönliche Unfreiheit.

Und was das Sichverschießen angeht ... d'Eon ist sicherlich einsam. Gewisse Grenzen überschreitet er nicht, oder sie, aber wie sehr sehnt sich dieser Geist nach Gleichgesinnten. Man darf nicht vergessen, wie intelligent der Chevalier ist, Jurist, Finanzexperte, Feingeist, Sommelier. Mei. Und immer total unverstanden.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Morande, Pierre und unser lieber DˋEon sind schon ein Gespann. Wer mir aber fast noch am besten gefällt ist James, der Butler, ein Hüne von Mann, der resolut Morande aus der oberen Etage entfernt.Das lief sehr bildhaft in meinem Kopf ab während des Lesens…..
Ansonsten dominieren die Ränkespiele, die für DˋEon glaube ich nicht nur zum Geld verdienen da sind, sie sorgen auch dafür, dass er seinen Spaß hat. Er ist anscheinend ein Mensch, der so etwas braucht, der Reiz des Ganzen, das austüfteln eines Plans. Seine Leidenschaft für Bücher, und der enorme Stolz auf seine Bibliothek macht ihn ja obendrein sympathisch ;)
Ich bin gespannt, ob er irgendwann seine verborgenen Schriften bei Lord X abholt um sie einzusetzen.
Ach ja, sein Auftritt als fechtende Witwe war ebenfalls bühnenreif. Auch wenn mir bewusst ist, dass es diesen Mann tatsächlich gab, frage ich mich manchmal was genau die Autorin dazu erfunden hat und was den echten Ereignissen nahe kommt
 

Bartie

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12. Juni 2021
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Den Satz "Miteinander zu lachen ist eine Umarmung“ habe ich auch notiert. Ich finde ihn sehr schön, und diese Bemerkung von d`Eon bedeutet, dass er nicht nur Soldat, Diplomat und Finanzberater war. Er konnte auch wahrhaftig lieben und das beweist er in seiner Beziehung mit Pierre Caron.

Aber was war das eigentlich für eine Beziehung? D`Eon spricht über seine Gefühle für Pierre und über das Händchenhalten, unschuldigen Berührungen. Beide waren ca. 40 Jahre alt. D`Eon erzählt: „ich ließ ihn nie in die Nähe meines Schlafzimmers.“ Kein Wunder also, dass Pierre ihm untreu wurde ;) Das Ganze lässt weitere Spekulationen zu, wer d`Eon wirklich war.

Köstlich fand ich die Szene, in der d`Eon Morande zum Duell herausfordert. Genauso als der Arme mit der Sommergrippe im Bett lag und sich mit der schwangeren Muttergottes verglichen hat. Hier habe ich herzlich gelacht! :D
 

ulrikerabe

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14. August 2017
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Natürlich setzt uns das Buch den Floh ins Ohr, wissen zu wollen, Mann oder Frau. Aber letztlich muss es uns eigentlich egal sein ob der oder die Cheavlier und wir sollten einfach einen Menschen sehen. Sier spielt mit den Identitäten, schlüpft ein mal in diese, dann wieder in die andere Rolle.
Das ist wohl der wesentlichste Unterschied zu den ganz "normalen" Menschen, ganz egal, wann diese leben oder gelebt haben, die sich ihrer Geschlechtsidentiät nicht im Klaren sind, oder den falschen Körper zu ihrer eigenen Wahrnehmung haben. Ich glaube den wenigsten transgender Personen gelingt es mit dieser Leichtigkeit zu leben, wie es D'Eon macht. Es dauert bis sie sich selbst anerkennen, von der gesellschaftlichen Anerkennung, und die beginnt schon in der eigenen Familie, gar nicht zu reden.

Ich glaube, dass diese Exaltiertheit und das recht große Selbstbewusstsein, das D'Eon an den Tag legt, auch dem gesellschaftlichen Rang geschuldet ist.

"Ich war nie auch nur auf de Idee gekommen, das eine Geschlecht zugunsten des anderen aufgeben zu müssen." (S. 123)

Nachdem sich D'Eon nicht entscheiden möchte, ist sier schlicht beides. Nonbinary, würde man heut wahrscheinlich sagen.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
John Wilkes und Dr. Arthur Lee
Die beiden Personen waren mir noch völlig unbekannt. Ich mag diese historischen Sidekicks. Dabei .. Dr. Arthur Lee könnte ich kennen aus Vom Winde verweht, allerdings wurde er dort immer nur General Lee genannt. Als Dr. Arthur Lee war er mir verkleidet.
 
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Wandablue

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18. September 2019
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Auch wenn mir bewusst ist, dass es diesen Mann tatsächlich gab, frage ich mich manchmal was genau die Autorin dazu erfunden hat und was den echten Ereignissen nahe kommt
Also soweit wiki als glaubwürdige Quelle gilt, hat sie an den äußeren Gegebenheiten nicht viel erfunden. Am inneren - alles? Man muss sich ja in seine Figur hineindenken. Und sie ist tot und kann nicht mehr interviewt werden.