2. Leseabschnitt: Seite 71 bis 184

RuLeka

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30. Januar 2018
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Hat es etwas zu bedeuten, dass der Pfarrer vor dem Felssturz über die 7 Todsünden predigt? (Warum würde es sonst erwähnt?)
Davon bin ich überzeugt.
Mr Paley hat eine Schuld, er hat sich selber noch nicht vergeben - was mag das sein?
Das erklärt doch Ellis. Mr. Paley hatte seiner Frau verboten, Kontakt zu ihrer Familie aufzunehmen. Die hätten das Geld gehabt für das Sanatorium.
Kann es sein, dass diese Todsünden uns das Spektrum der Personen vorführen sollen?
Dann wäre der Stolz vielleicht Lady Gifford, oder vielleicht die Habsucht, und der Zorn vielleicht der Kanonikus..
Interessante Überlegung, die wir mal im Hinterkopf behalten sollten. Anna Lechenes die Wolllust… Lady Gifford die Völlerei, Ellis der Neid…
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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dracoma

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16. September 2022
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Das erklärt doch Ellis.
Die halte ich für eine faule Schwätzerin, ich glaube ihr nicht.
Das Motiv würde passen, durchaus, aber, misstrauisch, wie ich bin, da brauche ich noch einen anderen Zeugen.
Er spricht ganz allgemein darüber.
Ohne konkreten Bezug - ja, auch möglich...

Dieser Pfarrer gefällt mir sowieso:
"Wir sollten nicht so viel Theater um Gott machen!", sagt er (S. 99).
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Habt ihr herausgefunden, wie diese Geheimbotschaft zu lesen ist? Ich war erstaunt, wie fix Dick es entschlüsselt hat, aber mit seiner Hilfe hatte ich den Dreh auch bald heraus.
Das mit Geheimschriften (auch 'Tinten') kenne ich aus meiner Kindheit aus Abenteuerbüchern. Daher... den Buchstaben davor oder danach, das ist gut zu knacken.
Wichtig ist hier, glaube ich, die kleine Figur aus schwarzem Bernstein, die ja schon im Laden erwähnt wurde und bestimmt einen unerwünschten Zuhörer hatte, wetten?!
Das glaube ich auch. Wer wird es wohl sein, der sich daran vergreift?

Aus dieser Verstrickung löst sich seine Frau jetzt, gegen den Widerstand ihres Mannes, und wendet sich anderen Menschen hilfreich zu. Sie sieht, wo sie Gutes tun kann: bei Evangelina und bei einem Cove-Mädchen.
Diese Veränderung hat mich auch gewundert und erfreut.
"Wir tun nichts Böses, aber wir stimmen zu" (S. 88), indem wir schwach sind und nicht dagegen einschreiten.
Wieder ein wahres Wort.
!
Ich finde Hebe überhaupt nicht unverschämt
Sie ist ein interessantes Mädchen, dabei gerade mal 10 (?). Sir Gifford nimmt sie ernst und spricht mit ihr wie mit einer Erwachsenen. Einerseits gut, aber auch ganz schön hart, was sie erfahren muss. Wie wird hebe damit umgehen?
Kann es sein, dass diese Todsünden uns das Spektrum der Personen vorführen sollen?
Eine tolle Idee, die ich im Auge behalten werde.

Interessant auch, dass in diesem Abschnitt gleich mehrere Figuren ein Motiv bekommen, den Felssturz auszulösen -
Oh, du meinst, jemand hat das gemacht? tja, so wie die Geschichte läuft, könnte man das vermuten, auch wenn ich nicht wüsste, wie man so etwa anstellt.
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Jetzt habt ihr schon so vieles erwähnt, dass ich mich kurz fasse:

Noch immer wissen wir nicht genau, welche Schuld Mr Paley auf sich geladen hat. Oder beide? Mir gefällt jedenfalls, wie sich Mrs Paley ändert, auch wenn es ein bisschen plötzlich kommt. Oder ist ihre Veränderung in ihr über all' die Jahre herangereift und jetzt durch Mr Siddals Reden ausgelöst worden? Gerade noch dachte sie daran, sich im Meer zu ertränken, dann plötzlich:​

'Heute war sie eine neue Frau, verändert in einem einzigen Augenblick, zwischen zwei Wellen.'​

Die eigene Tochter hat sie verloren, aber nun macht sie sich plötzlich Gedanken über die beiden, die die Fürsorge einer Mutter gebrauchen könnten: Blanche mit ihren Rückenschmerzen und Evangeline, die der Hysterie nahe ist. Sie will sogar aktiv etwas unternehmen und spielt in Gedanken verschiedene Möglichkeiten durch.

Nebenbei bemerkt: ironische Bemerkungen über die Schriftstellerei (104), schöne Landschaftsbilder (114/115), Boshaftigkeiten abends im Gemeinschaftsraum, mehrfache Erwähnung des Wortes 'Fest' (92, 137)
 

dracoma

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16. September 2022
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Beide sind nicht von ungefähr Töchter, die entweder keine Mutter mehr haben oder von dieser vernachlässigt werden.
Stimmt, das habe ich gar nicht durchschaut. Sie wird wieder eine aktive Mutter.
nteressant auch, dass in diesem Abschnitt gleich mehrere Figuren ein Motiv bekommen, den Felssturz auszulösen
... und in Kauf nehmen, dass Unschuldige auch dran glauben müssen?
Oder meinst Du, dass hier die Geschichte von Lot wieder zutrifft: dann hätte das Fest die Aufgabe, die Unschuldigen zu entfernen, damit die Schuldigen getötet werden?
Dann bekäme die Geschichte einen wuchtigen alttestamentarischen Inhalt.
Die eigene Tochter hat sie verloren, aber nun macht sie sich plötzlich Gedanken über die beiden, die die Fürsorge einer Mutter gebrauchen könnten: Blanche mit ihren Rückenschmerzen und Evangeline, die der Hysterie nahe ist. Sie will sogar aktiv etwas unternehmen und spielt in Gedanken verschiedene Möglichkeiten durch.
Ich glaube, dass sie da einiges aufwirbelt. Sie wird dafür sorgen, dass Evangelina sich an diesen Schwur nicht mehr gebunden fühlt, und bei Mrs Cove wird sie in der Erbschaftsgeschichte herumstochern.
Mrs Cove ist bislang die einzige, der ich wirklich einen Felsbrocken auf den Kopf gönne.
 

dracoma

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Christian1977

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Oh, du meinst, jemand hat das gemacht?

und in Kauf nehmen, dass Unschuldige auch dran glauben müssen?
Ehrlich gesagt denke ich das nur, weil der Roman ja ein wenig unter "Krimi" läuft und der Pfarrer anfangs sagt, man wisse nicht genau, was passiert sei. Mrs. Cove würde für das Erbe wohl auch weitere unschuldige Opfer in Kauf nehmen. Ihre Töchter selbst verkörpern ja nahezu die Unschuld in diesem Roman und wären diejenigen, die es treffen müsste...
 

dracoma

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16. September 2022
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Ich führe inzwischen im Kopf eine Liste derer, von denen ich hoffe, dass sie unter den Opfern sind. Lady Gifford hat unangefochten den Spitzenplatz, gefolgt von Kanonikus Wraxton.
:smileeye
Da sind wir uns wohl einig!
Was sind wir böse. Ist das vielleicht auch eine Todsünde, anderen Böses zu wünschen? Und wenn es nur fiktive Gestalten sind?
 

Barbara62

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19. März 2020
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mit-büchern-um-die-welt.de
:smileeye
Da sind wir uns wohl einig!
Was sind wir böse. Ist das vielleicht auch eine Todsünde, anderen Böses zu wünschen? Und wenn es nur fiktive Gestalten sind?
Es ist ja klar, dass welche umkommen. In dem Fall kann ich mir dann wünschen, welche es sein sollen. Ich rette damit ja gewissermaßen die anderen. :smileeye
 

Barbara62

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19. März 2020
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Baden-Württemberg
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Obwohl Mäusespeck jetzt nicht so meins ist xD. Vllt sind es gar nicht ihre eigenen Kinder? Die arme Blanche!
Ihr scheint alle zu wissen, was das ist. Ich bin völlig ahnungslos. :sad

Interessant auch, dass in diesem Abschnitt gleich mehrere Figuren ein Motiv bekommen, den Felssturz auszulösen - wenn es sich denn nicht um die besagte Folge der Minenexplosion handelt. Glauben wir Miss Ellis, dürfte Mrs Cove das stärkste Motiv haben: Wenn alle drei Mädchen gleichzeitig sterben, erbt sie das offenbar recht hohe Erbe ihrer Töchter.
Welch furchtbarer Gedanke! Die Mütter kommen hier allgemein gar nicht gut weg, nehmen ihren Kindern die Süßigkeiten weg, behandeln sie ungleich, verdammen sie zur Vaterversorgung, vernachlässigen sie, verweigern die ärztliche Versorgung. Und jetzt springt die Nicht-mehr-Mutter Mrs Paley ein.

Die halte ich für eine faule Schwätzerin, ich glaube ihr nicht.
Das Motiv würde passen, durchaus, aber, misstrauisch, wie ich bin, da brauche ich noch einen anderen Zeugen.
Ihre Quellen sind ja nicht schlecht, denn sie stöbert in den Zimmern, lauscht wahrscheinlich auch, liest Dokumente... Und Zeit hat sie in Hülle und Fülle, denn sie arbeitet nicht, sondern lässt arbeiten.

Normalerweise sitzen in einem Gottesdienst genug Menschen, dass sich mindestens ein Vertreter der sieben Todsünden finden lässt.
Außer bei Kanonikus Wraxton, der sein Publikum vergrault hat...

Mrs Cove ist bislang die einzige, der ich wirklich einen Felsbrocken auf den Kopf gönne.
Lady Gifford ist mir noch mehr zuwider. Bei ihr habe ich mich sogar über den Sieg von Kanonikus Wraxton beim Fensterstreit gefreut.