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  1. Renie

    Renie Moderator
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    2. Leseabschnitt: Seite 41 bis Seite 78
     
  2. parden

    parden Forumlegende

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    Ein vermeintlich kurzer Leseabschnitt, der es aber in sich hat. Grenzwertig in vielerlei Hinsicht. Rostom macht nach seinem Zusammenbruch einfach weiter mit seinem Alltag? Wie befremdlich, dass seine Mutter, obzwar tot, immer noch sein Leben beherrscht. Ihr Bild hängt schief, dann muss es gerade gerückt werden. Weshalb informiert er sich nicht eingehender über die Zwillinge? Woran sie gestorben sind, zum Beispiel? Wie und wo sie gelebt haben? Spricht nicht mit Menschen, die sie gekannt haben? Was für eine Verdrängung... Trotzdem holen ihn Erinnerungen ein. Jedenfalls ist Rostom kein Sympathieträger!

    Und die beiden Mädchen - herrje. Von Gott und der Welt verlassen. Sie haben zwar Geld, können aber nicht losgehen, um sich etwas zu essen zu kaufen. Selbst das letzte Mehl ist schimmelig geworden. Sie trauern - jede auf ihre Weise - und sind am Ende mit ihren Kräften. Sie haben es tatsächlich geschafft, ihre Oma bis zu deren Tod zu pflegen und sie anschließend auch noch eigenhändig zu beerdigen - eine Wahnsinnsleistung angesichts ihres Handicaps. Aber so, wie es derzeit ist, gibt es keine Zukunft für die beiden. Was für eine Hoffnungslosigkeit!

    Mir gefällt es, dass hier (jedenfalls noch) nicht der Schwerpunkt auf die Behinderung selbst gelegt wird, sondern darauf, was das für die beiden Mädchen bedeutet, für ihr Leben, ihre Gefühle, ihre Gedanken. Das Schlimme ist - jetzt wird es wohl (noch) schlimmer für die beiden, die in großer Abgeschiedenheit groß geworden sind, aber immerhin jemanden hatten, der sich vor sie stellte... Ich brauche jetzt erst einmal eine Pause.
     
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  3. Querleserin

    Querleserin Platin Mitglied

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    Ich fand diesen Leseabschnitt auch sehr belastend. Die Mädchen sind plötzlich aufeinander gestellt und offenbaren ihren unterschiedlichen Charakter. Diana scheint mir lebenspraktischer, ohne aber gefühllos zu sein. Lina ist emotionaler, weniger belastbar.
    Die Entscheidung ihre Tagebücher zu verstecken, muss sehr schwierig sein, da das Schreiben ein individueller Akt ist. Nur im Denken und Niederschreiben ihrer Gedanken sind sie frei. Jede Bewegung muss gemeinschaftlich vollzogen werden - das ist wirklich unvorstellbar.
    Rostom ist wahrlich kein Sympathieträger, doch die Vergangenheit holt ihn ein - in Gestalt der schwangeren Studentin, die ihn mit seiner verdrängten Vaterschaft indirekt konfrontiert. Und jetzt hat er die Vorladung der Staatsanwaltschaft...man darf gespannt sein, was ihn und vor allem die Mädchen erwartet, denn irgendwann werden sie Hilfe brauchen.
     
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  4. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ich bin eigentlich gar nicht so ein Gefühlsdusel beim Lesen, aber dieses Buch belastet mich fast. Nach jedem Abschnitt brauche ich wie @parden eine Pause.

    Wie schon beschrieben wurde, werden die zwei unterschiedlichen Charaktere immer deutlicher: Die lebenspraktische, rationale Diana und die etwas verträumte, idealistische Lina. Ich kann mich in beide Seiten hineindenken. So "aufeinander zu hängen", wenn jeder seinen eigenen Kopf hat, muss schrecklich sein! Hier wurde ja auch über das Aussehen der Zwillinge spekuliert. Es scheint zwei Köpfe und zwei Arme zu geben, aber nur ein Herz? Die jeweils andere Schwester beschwert sich doch, wenn das Herz durch Gedanken/Aufregung der anderen zu stark pocht. Im Internet habe ich dazu ein Bild der Schwestern Abby und Brittany Hensel gefunden. Eine solche Visualisierung macht das Buch noch tragischer...

    Mich beschäftigt zudem die Figur der Großmutter: Sie hat ihr eigenes Leben für das der Mädchen aufgegeben. Sie hat die Kinder aufgezogen, versorgt, ihnen Lesen, Schreiben und vieles mehr beigebracht. Sie hat sie aber nicht gestreichelt, die größte Zärtlichkeit war das Kämmen der Haare. War es nur Verantwortungsgefühl, das die Großmutter geleitet hat?
    Die Welt blieb außen vor. Ärzte waren für sie ein Schreckgespenst...
    Spätestens mit ihren abnehmenden Kräften hätte sie die Mädchen doch aufklären müssen, mit ihnen (und Zaza?) einen Plan B entwickeln müssen, zu ihrem verhassten Vater einen Kontakt herstellen müssen...
    Die Mädchen werden nun so völlig unvorbereitet in die neue Situation gestoßen! Sie kennen sich ja jenseits ihres Grundstückes überhaupt nicht aus, sind völlig hilflos.
    Sie können niemandem vertrauen: Nicht einmal Zaza darf wissen, dass die Großmutter gestorben ist. Wo steckt dieser überhaupt?

    Es wird deutlich, dass nicht nur die Großmutter arm ist, sondern dass das ganze Land relativ rückständig (für unsere Begriffe) ist. Ein Sozialsystem gibt es nicht.

    Rostom ist ein unsympathischer Charakter: Er versucht zu verdrängen, schafft es aber nicht. Ständig bekommt er Zeichen, wie gegen Ende des Abschnittes die schwangere Studentin. Die Polizei wird ihn nun wohl mit der Wahrheit konfrontieren...

    Die teilweise sehr poetische Sprache gefällt mir gut, auch dass so vieles zwischen den Zeilen steht. Dennoch macht mir das Lesen Mühe, bin ich nach euren Ausführungen im 1. Abschnitt nun ganz sicher, dass es für Diana und Lina in den Zirkus geht. Schrecklich!!!
     
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  5. parden

    parden Forumlegende

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    Ich finde JEDES Bild siamesischer Zwillinge verstörend, wenn man beginnt darüber nachzudenken, mit welchen Konsequenzen und Einschränkungen sie leben müssen. Auch wenn der Zirkus in den meisten Ländern wohl hoffentlich keine Option mehr ist - solche Menschen werden zeitlebens angestarrt. Abby und Brittany hatten ihre eigene Reality-Show im TV - ist das nicht auch eine Art 'moderner Zirkus'?
     
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  6. Leseglück

    Leseglück Aktives Mitglied

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    Vielen Dank für den Hinweis. Die Bilder der beiden siamesischen Zwillinge und die you tube videos dazu haben mir echt geholfen. Genau so müssen "unsere Schwestern" aussehen und zusammen agieren. Ich konnte mir das rein von der Beschreibung im Roman nicht richtig vorstellen.
    Es ist auch im video schön zu sehen, dass die beiden Hensel Schwestern glücklich sind. Daraus schließe ich, dass "unsere" Schwestern auch ein schönes Leben haben könnten, wenn sie nicht weggesperrt worden wären. Natürlich muss eine Gesellschaft auch bereit sein, behinderte Menschen aufzunehmen und nicht abzulehnen. Das scheint im Roman bzw. in Georgien? nicht der Fall zu sein. Warum sonst hätte die Großmutter die Kinder versteckt? Zu ihrer eigenen Scham muss noch die Sorge gekommen sein, dass die Kinder in der dortigeen Gesellschaft nicht gut behandelt werden würden.

    Mir gefallen die Lesebucheinträge immer besser. Von beiden Schwestern.
    Diana beschreibt die Leere nach dem Tod eines nahen Menschen sehr berührend: "Damals hätten wir nicht gedacht...dass sich der Schmerz in Gegenstände verstecken würde...aus Großmutters Schuhen - Schmerz Größe 38...statt der Suppe vom Vortag steht ein Topf Schmerz auf dem Gasherd..."

    Es finden sich Hinweise auf die griechische Mythologie. Diana schreibt von der Schöpfungsgeschichte um Gaia (Erdmutter) und Uranos (Himmelsvater). Gaia gebiert Vielköpfler und Vielfüßler, Uranos konnte den Anblick nicht ertragen und versteckt diese Kinder im Verließ. Daraufhin weint die Mutter so viele Tränen, dass daraus Flüsse werden! Was für ein passendes Bild für diesen Roman.

    Griechische Mythologie kommt auch in der Prüfung von Ekaterine (die Studentin hat den gleichen Namen wie die Autorin). Hier ist von den Ställen des Augias die Rede..der Bezug zum Roman ist mir hier aber nicht klar.
    Rostom ist wohl Lehrer für griechische Geschichte?


    Durch den Roman lerne ich gerade, mich mit dieser Art der Behinderung auseinander zu setzten. Wie gesagt, das Leben als siamesisches Zwillingspaar scheint mir keine komplette Katastrophe an sich zu sein, vorausgesetzt die Umgebung ist hilfreich und nicht ablehnend.

    Jetzt muss ich mich innerlich wappnen für die - wahrscheinlich - schlimmen Dinge, die auf die Schwestern zukommen.
    Ich bin gespannt, ob der Vater am Ende der Geschichte so was wie Reue oder Mitgefühlt empfinden wird, nachdem er die Tagebucheinträge gelesen hat. Ich hoffe doch.
     
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  7. Leseglück

    Leseglück Aktives Mitglied

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    Hmm...das finde ich eigentlich nicht. Ich finde es toll, dass sie an die Öffentlichkeit gehen. Damit nehmen sie uns ja die Scheu vor dieser Art von Behinderung. Sie vermindern zumindest bei mir dieses Gefühl, das du beschriebst, dieses verstört sein.
     
  8. milkysilvermoon

    milkysilvermoon Mitglied

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    @Literaturhexle War nicht mal von zwei Herzen und zwei Seelen die Rede? Ich habe es so verstanden. Auf S. 67 steht "unsere Herzen". Ich denke, dass beide das Herz und den Herzschlag der anderen sehr intensiv spüren durch die körperliche Nähe und den verbundenen Oberkörper.
     
  9. milkysilvermoon

    milkysilvermoon Mitglied

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    Puh, der zweite Leseabschnitt ist heftig. Das Pflegen der Großmutter, dann deren Tod und das Begraben im Garten - wie schrecklich. Und von Hilfe durch Zaza keine Spur. Im Gegenteil: Die Schwestern müssen ohne neue Lebensmittel ausharren und wissen nicht, was sie tun sollen und wie es für sie weitergeht. Man mag sich gar nicht ausmalen, was noch alles passiert. Das macht sehr betroffen.

    Beachtenswert, wie reflektiert und poetisch die Tagebucheinträge allerdings sind.

    Ich denke, es ist für alle siamesischen Zwillinge generell sehr schwer. Man ist nie für sich, hat keine Privatsphäre und ist immer auf jemanden angewiesen. Man ist nicht nur körperlich eingeschränkt, sondern kann sich auch persönlich nicht frei entfalten, weil bei Liebesbeziehungen, Berufswahl und sonstigem immer jemand anderes ein Mitspracherecht hat und dabei ist. Gesellschaftliche Ächtung, Armut, Einsamkeit usw. wie in diesem Fall sind natürlich noch mal viel schlimmer, aber auch sonst haben es siamesische Zwillinge nicht leicht.

    Meine Sympathie für Rostom ist nicht gewachsen, aber vielleicht stellt er sich nun der Sache, obwohl es schon jetzt viel zu spät ist.
     
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  10. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ich glaube, du liegst richtig ;)
    Im nächsten Abschnitt bekommen wir mehr Klarheit.
     
  11. Querleserin

    Querleserin Platin Mitglied

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    Ja, sie haben zwei Herzen, von der Taille an teilen sie sich einen Körper, haben zwei Beine und zwei Arme. Das wird etwas später genauer beschrieben, es bleibt trotzdem unvorstellbar für mich, in der Art und Weise zusammen zu leben. Es ist, wie @parden sagt zutiefst verstörend.
     
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  12. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Da stimme ich voll und ganz zu. Gewundert hat mich ein wenig, dass die Studentin den Vornamen der Autorin trägt.
     
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  13. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Dieser Abschnitt hat mir gezeigt wie schwer die beiden es haben. Es zeigt sich keine Perspektive, zumindest keine mit denen sie sich arrangieren können. Lina möchte Hilfe holen, doch ihre Schwester möchte dies nicht? Wie soll es weitergehen?
    Doch all der Schrecken in diesem Abschnitt beweist auch, dass die beiden nicht ganz hilflos sind. Sie haben es trotz der körperlichen Defizite geschafft die Großmutter zu pflegen und sie kümmern sich um den Haushalt. Mit etwas Unterstützung von außen wären sie in der Lage klar zu kommen, zumindest sieht es für mich so aus.
     
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  14. Anjuta

    Anjuta Bronze Mitglied

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    Der zweite Leseabschnitt ist für mich geprägt von der heraufziehenden Veränderung im Leben der Zwillinge. Das von der Umwelt abgeschlossene Zusammenleben mit der Großmutter, die für die wesentlichen Lebensbedürfnisse sorgt (Geld, Lebensmittel) neigt sich unweigerlich dem Ende entgegen. Denn die Großmutter stirbt. und damit beherrscht für mich eine große Frage diesen Abschnitt:
    Werden sie an die Öffentlichkeit gehen? Inzwischen verstehen wir ja wohl, dass sie körperlich dazu durchaus in der Lage wären, aber bisher durch die klaren Ansagen der Großmutter, die ihnen - wohl nicht ganz zu unrecht - Angst vor dem Draußen gemacht hat, im Haus zurückgehalten wurden. Werden sie aus der Not heraus diese Angst überwinden und sich dem Draußen stellen? Das weckt für mich Lust und Spannung genug, um mich ins weitere Leseabenteuer zu stürzen. Nur weiß ich nicht genau, ob ich ihnen das Herausgehen in die Welt wünschen kann oder nicht. Das Dilemma, von dem Ekaterine im Autorenchat spricht, macht sich hier für mich sehr klar und deutlich fest.
    Inzwischen wissen wir ja auch aus der Kommunikation mit der Autorin, dass die Hensel-Zwillinge aus den USA ihr die Inspiration für dieses Buch gegeben haben. Nach ein paar Bildern, Infos und Videos aus dem Internet kann ich mir die Körperlichkeit nun auch viel besser vorstellen und die Lektüre und dessen Verständnis fällt mir erheblich leichter.
     
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  15. Momo

    Momo Platin Mitglied

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    Ich hatte auch totale Probleme, mir die Mädchen körperlich vorzustellen. Das Cover finde ich absolut nicht passend. Wieso hat der Verlag ein Problem, siamesische Zwillinge abzubilden? Das ist doch das Thema?
     
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