2. Leseabschnitt: Seite 35 bis 63

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
@Literaturhexle : es ist einfach offensichtlich. Die Revolutionsbilder an der Wand, die konspirativen Gespräche, die ausliegende Literatur ... man weiß, wie so etwas läuft. Ich meine jedenfalls, es wäre allgemein bekannt. Sekten arbeiten genau so. DiTiB auch. Die Muslimbrüderschaft in Pakistan, überall.
 
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Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Während dieser harten Lebensschule trifft er ein für ihn bemerkenswertes Mädchen mit ganz anderen Lebenszielen und -inhalten und erkennt, was im Leben wichtig ist:
Er handelt aber nicht danach. Insoweit ist seine "Einsicht" sehr fraglich. Er gibt sie auch nicht weiter.
Ich sehe es mehr als Versagen an. Es ist eine Story, in der es darum geht, dass man versagt, weil man Angst hat. Insoweit ist es auch eine Geschichte staatlicher Repressionen, es herrscht eine Atmosphäre, in der man nicht tun kann, was das Richtige wäre, denn man muss sich entscheiden zwischen Leben (nichtstun) und Nichtleben (einschreiten = vernichtetes Leben).
 

Irisblatt

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15. April 2022
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Ganz und gar nicht! Es ist die Vorform zum Dschihadisten. Wer weiss ob das Mädchen nicht deshalb dastand?
Glaub ich nicht.
Es wird ja gesagt, dass Gazanfers Freunde so was jeden Tag abziehen!
Wo steht das denn? Meinst du diese Typen zu denen Gazanfer gerne gehört hätte, die ihn aber nicht auf Diebestour mitnehmen wollten? Das sind nicht seine Freunde.
Eine Rattenfängergeschichte. Ich glaube, alle diese Stories sind negative. Vom Scheitern. In der einen oder der anderen Art.
Ich sehe keine Rattenfängergeschichte. Hilf mir mal auf die Sprünge.
 
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Wandablue

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Glaub ich nicht.

Wo steht das denn? Meinst du diese Typen zu denen Gazanfer gerne gehört hätte, die ihn aber nicht auf Diebestour mitnehmen wollten? Das sind nicht seine Freunde.

Ich sehe keine Rattenfängergeschichte. Hilf mir mal auf die Sprünge.
Nein. Wer es nicht selber sieht, sieht es eben nicht. Gut, es sind nicht Gazanfers Freunde - das spielt aber keine Rolle. Das Rekrutierungsbüro kennt die Gepflogenheiten dieser junger Männer. Findest du es nicht seltsam, dass das junge Mädchen überhaupt nicht erschrocken ist?
 
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Irisblatt

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15. April 2022
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Nein. Wer es nicht selber sieht, sieht es eben nicht.
Scheint so zu sein.
Gut, es sind nicht Gazanfers Freunde - das spielt aber keine Rolle. Das Rekrutierungsbüro kennt die Gepflogenheiten dieser junger Männer.
Wenn es ein Rekrutierungsbüro ist, warum rekrutieren sie dann nicht die jungen Männer?
Findest du es nicht seltsam, dass das junge Mädchen überhaupt nicht erschrocken ist?
Nein, weil sie nicht naiv ist und weiß wie es läuft.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Ich meine Hamdi und seine Straßenräubergang - diese Jungen Männer tauchen nicht im Verein bei Yeldas Freunden auf (wurden also wohl nicht rekrutiert)
Sie müssen erst noch in die Falle gehen. Es sind auch nicht alle geeignet - sprich gleich leichtgläubig und leicht zu beeindrucken.
Für meine Vermutung spricht noch, dass die Geschichten alle in dieselbe Richtung gehen - keine ist optimistisch.
 

parden

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13. April 2014
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www.litterae-artesque.blogspot.de
Ganz und gar nicht! Es ist die Vorform zum Dschihadisten. Wer weiss ob das Mädchen nicht deshalb dastand? Es wird ja gesagt, dass Gazanfers Freunde so was jeden Tag abziehen! Eine Rattenfängergeschichte. Ich glaube, alle diese Stories sind negative. Vom Scheitern. In der einen oder der anderen Art.
Das glaube ich nicht - dafür gab es keine Anhaltspunkte. Ich denke eher, dass der Autor Gruppierungen meint, denen er selbst angehört(e) - eher eine hoffungsvolle Geschichte. Es gibt vielleicht einen Ausweg aus der eigenen Misere, indem man sich informiert, bildet, eine Meinung vertritt. Der politische Weg eben - und nicht zwangsläufig die PKK oder ähnliches.

Der Autor selbst hat sich politisch sehr engagiert in einer prokurdischen Partei, ist Mitglied bei Amnesty International, war Direktor einer Menschenrechtsvereinigung, war Erdogan als Gegenkandidat ein Dorn im Auge und wurde wegen (angeblicher) Propaganda für eine "Terrororganisation" (Interessensvertretung der Kurden) zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Das hat für mich mit Dschihadisten aber gleich gar nichts zu tun. Er hat stets demokratische Wege gewählt und einfach den Mund nicht gehalten - unbequem für den amtierenden Präsidenten Erdogan, der ja für seinen Umgang mit Oppositionellen bekannt ist (ich möchte hier nicht in die Wertung gehen, auch wenn es mich in den Fingern juckt).
 

Irisblatt

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Das glaube ich nicht - dafür gab es keine Anhaltspunkte. Ich denke eher, dass der Autor Gruppierungen meint, denen er selbst angehört(e) - eher eine hoffungsvolle Geschichte. Es gibt vielleicht einen Ausweg aus der eigenen Misere, indem man sich informiert, bildet, eine Meinung vertritt. Der politische Weg eben - und nicht zwangsläufig die PKK oder ähnliches.

Der Autor selbst hat sich politisch sehr engagiert in einer prokurdischen Partei, ist Mitglied bei Amnesty International, war Direktor einer Menschenrechtsvereinigung, war Erdogan als Gegenkandidat ein Dorn im Auge und wurde wegen (angeblicher) Propaganda für eine "Terrororganisation" (Interessensvertretung der Kurden) zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Das hat für mich mit Dschihadisten aber gleich gar nichts zu tun. Er hat stets demokratische Wege gewählt und einfach den Mund nicht gehalten - unbequem für den amtierenden Präsidenten Erdogan, der ja für seinen Umgang mit Oppositionellen bekannt ist (ich möchte hier nicht in die Wertung gehen, auch wenn es mich in den Fingern juckt).
Danke für diese hilfreichen Ausführungen.
 
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29. März 2022
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Ich mag, dass in den Geschichten allgemeine Problematiken in der Türkei sowie generell Wertvorstellungen im Mittelpunkt stehen.
Drei Geschichten haben wir hier. Am Besten gefiel mir "Der Straßenraub". Yelda wusste ganz genau, dass Gazanfer das Handy geraubt hatte und gibt ihm eine zweite Chance. Gleichzeitig lernen wir etwas über die Armut in der Türkei.
Schön auch die Idee in der ersten Geschichte dieses Abschnitts. Auf einer großen türkischen Hochzeit, kann man vielleicht nicht gleich einen genauen Blick auf die Braut werfen. So erkläre ich mir, dass erst spät erkannt wird, dass es sich bei der Braut um eine unglückliche Jugendliebe handelt. Das dem Brautpaar wigentlich zugwdachte Vierteldollarstück erhält so eine andere Besitmmung- okay.
In "Widerstand ist was Schönes" schließlich geht es um Gewerkschaft, Loyalität und Verrat. Vielleicht die Geschichte, die mich bislang am wenigsten angesprochen hat. Grundsätzlich gefällt mir der Erzählband bislang jedoch gut.
 

JoanStef

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5. Oktober 2020
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Reşats Enkel.
Haha, die Braut wird reich beschenkt. Man geht uneingeladen (eigentlich) auf eine Hochzeit und der Zurückgewiesene bewirkt durch die verweigerte Hochzeitsgabe ein gutes Werk. Hmhm, ich mag seine Motivation nicht, aber der Bettlerin wirds egal sein.
Einige Aspekt dieser Story haben mich schon bewegt:
die Art der eigentlichen "Einladung". Ich kann mir das für mich echt schlecht vorstellen. Die kleine Nebenstory, von der Mutter, die zwar schreiben aber nicht lesen kann? Geht das? Ich schreibe, weiß aber nicht was ich geschrieben habe.?! Oder ist das "schreiben können" eine weitergetragene Illusion der Mutter, damit sie dann doch etwas gebildeter dasteht? Wie sehr möchten eigentlich Menschen lesen und schreiben können? Ihr seht, da gehen meine Gedanken schon wieder und entwickeln ein Eigenleben ;)
Dass er die geladenen Gäste nicht kannte, ok. Aber der Blick auf den Bräutigam und Braut nur unter Beseitigung der Gasttraube... Ich wäre da sicher nicht hingegangen;)
Und dann sein Gastgeschenk: Mit ist aufgefallen, dass er wohl selber den Wert der Münze nur auf die Aussage der Mutter bezog. Ich weiß nicht. Ich hätte mich da schon etwas kundig machen wollen. Aber genug mit der Kritik. das Ende ist dann etwas Herz Erwärmendes. Schön, dass die Frau und ihr Kind nun von der münze profitieren.
 

JoanStef

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5. Oktober 2020
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Die drei Geschichten sind schon Stoff zum Nachdenken. Die Hochzeitsstory, habe ich ja oben schon kommentiert. Um nicht alles zu wiederholen hier nur ein kleiner Gedanke: Es zeigt sich doch, dass die Kultur, die Erziehung und das soziale Miteinander in der Türkei anders ist als hier in deutschen Landen. Ich muss einsehen, dass ich lange Zeit einfach immer von ähnlichen Wertvorstellungen ausgehend durch mein Leben geschlappt bin...Das ist schon traurig. Nun sehe ich nach einigen Jahrzehnten auf diesem Erdball, dass ich da selbst eine großartige Brille aufgesetzt hatte :) Die Normen, was sich gehört und was eben nicht, ist schon sehr unterschiedlich. Wie schon vorher gesagt, ich hätte diese Einladung nicht angenommen und hätte auch mein Geschenk und dessen Wert etwas besser recherchiert. Er hat einfach auf die Aussage seiner Mutter vertraut.

Der Straßen Diebstahl: ist für mich nun nicht so umtreibend in seiner Wirkung auf mich.
Dass es die Chance gab die Sache zu bereinigen, ja gut.

Was dann wieder meine Aufmerksamkeit für einige Zeit hatte, war die letzte Erzählung.
Hier sieht man noch klarer, wie die Wertegemeinschaft in der Zeit funktioniert hat. Wobei das sicher auch noch in der Gegenwart praktiziert werden kann.
Er sucht einfach nur Arbeit, obwohl er ja studiert hat. Das in sich ist schon auffallend. Wie viele Menschen gibt es, die nicht unter ihrer Qualifikation arbeiten wollen?! Im Gegenteil ist er froh und geht gern als Busfahrer zur Arbeit. Und dann hat er noch die Begegnung mit einer ihn verzaubernden Frau. Bis dahin war ja fast alles schön. Als dann die Gewerkschaftsangehörigen gekündigt wurden, hat er sich sofort zurückgezogen und versucht "low profile" durch den Tag zu kommen. Ich stelle mir vor, wie er seine Angebetete sieht und deren Festnahme mittels Gewalt bezeugen kann. Das ist doch einfach nur schrecklich. Zu allem Überfluss fährt er diese dann wie geordert ins Gefängnis. Wie betrogen muss sie sich gefühlt haben. Da die Beiden in ihren Zwanzigern sein sollten, haben sie ja noch nicht so viele Enttäuschungen eingesammelt und waren sicher noch viel temperamentvoller, aber nein er steckte da schon fest. Die Lehrer-Laufbahn stand für ihn immer im Vordergrund. Ich kann seine Einstellung nachvollziehen, aber die Frustration der jungen Frau muss noch viel tiefgreifender gewesen sein.