2. Leseabschnitt: November bis Dezember (Seite 71 bis 138)

Xirxe

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Mikka Liest

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@Literaturhexle⠀

Jaaaa, die Geschichte hat mich auch am Wickel! Es gab bisher Cliffhanger, bei denen es für mich ok wäre, wenn ich nichts weiter darüber erfahre, und welche, bei denen ich mir wirklich wünsche, dass da noch mehr drüber gesagt wird...⠀

Ich habe mich auch schwer damit getan, Mitleid für die rassistische Zicke zu empfinden, dabei würde ich Krebs eigentlich meinem ärgsten Feind nicht wünschen.⠀

Ruslan ist extrem kontrollierend, was mir besonders sauer aufstößt, wenn ich bedenke, wie jung Ksjuscha war, als die Beziehung angefangen hat... Er hat sie sich ja geradezu rangezüchtet, wie er sie haben wollte. Und Gaslighting vom Allerfeinsten.⠀

Warum hat die Kusine das eingefädelt? Ich bin ja misstrauisch, ob das nicht ein Versuch war, Ruslan die beiden "ertappen" zu lassen...⠀

@Die Häsin⠀

Ich glaube, Ksjuscha hat einfach in ihren formenden Jahren nie miterlebt, dass Frauen außerhalb ihrer Beziehungen Wert haben und eigenständige Leben führen können.⠀

Walentina ist doch auch die eklige Tussi, die Olja den Umgang mit ihrer Tochter verboten hat – deswegen fiel es mir wirklich schwer, jetzt mit ihr mitzufühlen.⠀

@Sassenach123⠀

Ich hab den Eindruck, die Kusine ist eine falsche Schlange... Ich vermute ja, sie hat gehofft, dass Ruslan auftaucht, sieht, wie Ksjuscha und Tschander miteinander tanzen, und die Beziehung beendet.⠀

@Anjuta⠀

Ich bin froh, dass auch Frauen aus der indigenen Bevölkerung zu Wort kommen! Wenn das Thema wirklich Gewalt gegenüber Frauen ist (wozu ich auch die Kontrolle von Ruslan zähle), dann sollte dieser Blickwinkel nicht fehlen.⠀

Ich habe ja gehofft, dass Ksjuscha sich von beiden Männern löst und sich darauf konzentriert, was sie eigentlich vom Leben will, aber das war wohl zu viel verlangt... Es klingt für mich, als habe sie sich für Ruslan entschieden.⠀

@Wandablue⠀

Naja, während andere blutend im Wartezimmer warten mussten, wurde sie durchgewunken, das ist schon Vorzugsbehandlung... ⠀

Ja, absolut, Ksjuschas Beziehung zu Raslan ist zutiefst erniedrigend, aber er hat es geschafft, dass sie glaubt, ihm dafür noch danken zu müssen...⠀

Ich denke, es geht nicht um Erniedrigung, sondern um verschiedene Formen der Gewalt (inklusive Erniedrigung, Kontrolle, verbale Herabwürdigung etc.).⠀

Das ist dann wohl Geschmackssache! Für mich sind die Details gerade genug, dass ich mich gut in die Leben dieser Frauen versetzen kann!⠀

Ich habe den Eindruck, dass Ksjuscha gerade erst damit anfängt, für sich selbst zu hinterfragen, wo sie sich selber im Leben sieht zwischen dem Lebensentwurf ihrer Eltern und dem modernen Leben.⠀

@Renie⠀

Ich habe mich gefragt, ob Walentina nicht falsch interpretiert, was der Beamte von ihren ganzen Theorien hält... ⠀

Ich vermute auch, dass Ksjuschas Kusine ein falsches Biest ist, aber vielleicht tun wir ihr ja auch unrecht...⠀

Das war meine Befürchtung: das Ruslan von der ganzen Sache Wind bekommt und die ohnehin schon übergriffige Beziehung in körperliche Gewalt ausartet.⠀

Tschander kam mir erst vor, als wäre er ein anständiger Typ, aber er scheint ja auch Vorurteile zu haben – nur halt in die andere Richtung. Wahrscheinlich hat er so viele Vorurteile und Rassismus am eigenen Leib erfahren, dass er sich nur noch unter seinen "eigenen Leuten" wohl fühlt.⠀

Und am Schluss habe ich mich dann auch gefragt, ob er von Anfang an nur mit ihr ins Bett wollte...⠀

@Wanda⠀

Ich wurde im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte so oft im Krankenhaus aufgefordert, mich bis auf die Unterwäsche (oder sogar weiter) auszuziehen, zum Teil in Anwesenheit von Medizinstudenten, die fleißig mitschrieben, dass ich inzwischen jedes Schamgefühl verloren habe. Oft hat das mehr Sinn, als man meint, wenn man nachfragt! ⠀

Bei ihr habe ich mich gefragt, dass die Ärztin vielleicht sehen wollte, ob sie an anderen Stellen verdächtige Hautveränderungen hat.⠀

@RuLeka⠀

In der DDR wäre Walentina bei der Stasi gewesen, oder? Und im Dritten Reich treues Mitglied der Partei. Jedenfalls schätze ich sie nach dem, was wir bisher von ihr gesehen haben, so ein.⠀

Ich hätte Ruslan an Ksjuschas Stelle wahrscheinlich schon lange den Laufpass gegeben – aber das sagt sich natürlich leicht...⠀

Ich wurde gegen Ende misstrauisch, was Tschander betrifft, ob sie es bei ihm wirklich besser hätte.⠀
 
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Mikka Liest

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14. Februar 2015
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@Barbara62

Ich habe Alisa auch im Verdacht, dass es Absicht war – vielleicht, weil sie hofft, dass die Beziehung von Ksjusche und Ruslan zerbricht und sie dann "trösten" kann.

Aber auf den Gedanken, dass sie womöglich gespitzelt hat, bin ich noch gar nicht gekommen! Vielleicht hat Ruslan deswegen so verdächtig nachgiebig reagiert, obwohl Ksjusche ja eigentlich dachte, er wäre sicher gegen das Tanzen... Abgekartetes Spiel von anfang an?

Walentina ist in einer furchtbaren Situation, und hätte sie im Krankenhaus nicht schon wieder so viele Vorurteile und Herablassung gezeigt, hätte sich sicher mehr Mitleid...
 

Mikka Liest

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Das kann man ablehnen.

Stimmt natürlich, aber ich denke mir dann meist: ok, ich profitiere ja auch davon, wenn die Medizinstudenten sich mit MS auseinander setzen... Worum es mir vor allem ging: die Bitte, sich komplett auszuziehen, muss keine Schikane sein, das hat oft tatsächlich Sinn.
 
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Barbara62

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Stimmt natürlich, aber ich denke mir dann meist: ok, ich profitiere ja auch davon, wenn die Medizinstudenten sich mit MS auseinander setzen... Worum es mir vor allem ging: die Bitte, sich komplett auszuziehen, muss keine Schikane sein, das hat oft tatsächlich Sinn.

Im Gegenteil: Es ist für mich ein Zeichen, dass ein Arzt/eine Ärztin mich als Ganzes wahrnimmt und untersucht und nicht nur das Detail, mit dem ich gekommen bin. Für eine gründliche körperliche Untersuchung bleibt leider oft keine Zeit. Die Patienten und Patientinnen meines Mannes kommen zum Teil vor allem deshalb zu ihm, weil er eben das noch macht. Es scheint leider inzwischen eher die Ausnahme als die Regel zu sein.
Ich erinnere mich an unseren alten Kinderarzt, der unsere Kinder bei jedem Besuch, egal weshalb, komplett untersuchte, mit allen Reflexen usw. Ich finde das klasse!
 

Literaturhexle

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Ich möchte natürlich auch nicht vom Arzt im Praktikum operiert werden. Habe aber grundsätzlich nichts dagegen, wenn bei Visiten/Untersuchungen welche anwesend sind. Es ist ein Abwägen. Was man so hört, müssen die jungen Leute aufgrund der Personalnot viel zu früh in Verantwortung. Wäre dumm, wenn da etwas schiefgeht.

An sich habe ich die Szene nicht allzu diskriminierend empfunden. Es ging dabei doch um die Hygiene, meine ich. Das war für mich einleuchtend - wenn auch für W. unangenehm.
 
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nellsche

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Irgendwie hat mich das Buch ein wenig verloren. Den ersten Abschnitt fand ich interessant, da wusste ich auch noch nicht, dass es wirklich ein Episodenroman ist. Wenigstens weiß ich jetzt, dass Episodenromane nichts für mich sind.... ;-)

Diese beiden Teile waren interessant. Walentina tat mir sehr leid. Die Szene, wie sie nackt über den Flur lief, war sehr herabwürdigend.
Ksjuschas Geschichte war recht lang und handelte letztlich davon, wie sie sich von Ruslan löst bzw. lösen will, um Tschanders Freundin zu sein. Aber ich glaube, sie hat ein wenig Angst vor Ruslan. Und die Cousine ist mir ein zu undurchsichtig. Will sie selbst was von Ruslan?
 

nellsche

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Ich muss mich hier @Wandablue anschließen.
Auch wenn ich Walentina nicht mag. Aber ich finde, wie mit ihr umgegangen wird, auch erniedrigend. Sie musste nicht warten. okay. Aber die Ärzte sagen ihr nicht was sie hat. Sie wird nicht aufgeklärt, muss nackt (!) in den OP marschieren. Mehr "bloßstellen" geht hier schon nicht mehr.
Ich fand die Szene auch ganz furchtbar. Auch dass ihre Sachen und Wertgegenstände einfach da offen liegen blieben...
 

nellsche

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1. September 2018
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Julia Phillips nutzt das Verschwinden der Kinder als loses Bindeglied zwischen den einzelnen Mädchen/Frauen/Kapiteln, die in der Summe ein Gesellschaftsbild zeichnen, das viele Probleme offenbart. Die Rolle der untergeordneten und abhängigen Frau, die immer irgendwem gefallen muss, die Vorurteile, der Rassismus, ebenso wie überholte/überrollte Lebensentwürfe. Die Tradition der Ureinwohner ist genauso Geschichte (Folklore) wie die Tradition der Russen, die als Militärmacht kamen und sich nun mit den neuen Gegebenheiten irgendwie arrangieren müssen. Eine Gesellschaft im Umbruch, bei der Alkohol und (körperliche wie psychische) Gewalt keine geringe Rolle spielen.

Ich finde, das hast du prima zusammengefasst/erklärt. :)
 
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Wandablue

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Brandenburg
Ja, aber dann wirst Du nicht behandelt und kannst wieder gehen.
Nein. Das glaube ich nicht. Man muss sich nicht Zuschauen lassen bei der Behandlung durch einen Arzt; dann würde auch keine Muslima behandelt werden, die sich sonst auch nur durch eine Frau behandeln lassen. Falls sie konservativ sind. Und das sind viele. Vllt kriegt man den Ärger des Arztes ab, aber behandeln muss er.
 

Literaturhexle

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Nein. Das glaube ich nicht. Man muss sich nicht Zuschauen lassen bei der Behandlung durch einen Arzt;
Zur Erinnerung: wir befinden uns nicht in Deutschland. Sondern in Kamtschatka. Ganz anderes System, in dem die Obrigkeit immer Recht hat...
Ich gehe davon aus, dass Walentina sich zu helfen wüsste, so arrogant wie sie auf ihre Umwelt blickt.
Sie kennt das System. Die Ureinwohnerin unten am Schalter, die würde sie zurecht stauchen. Aber keinesfalls die Frau Doktor. Weil sie die braucht und weil die am längeren Hebel sitzt!
 
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Xirxe

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19. Februar 2017
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Zur Erinnerung: wir befinden uns nicht in Deutschland. Sondern in Kamtschatka. Ganz anderes System, in dem die Obrigkeit immer Recht hat...
Ich gehe davon aus, dass Walentina sich zu helfen wüsste, so arrogant wie sie auf ihre Umwelt blickt.
Sie kennt das System. Die Ureinwohnerin unten am Schalter, die würde sie zurecht stauchen. Aber keinesfalls die Frau Doktor. Weil sie die braucht und weil die am längeren Hebel sitzt!
Genau!!! In autoritären Systemen bzw. Gesellschaften ohne funktionierendes Rechtssystem bist Du als Einzelne/r ein Nichts, ein Wurm. Ich wollte mal in Indonesien ein Flugticket umtauschen - Nö, geht nicht. Gründe dafür wurden nicht genannt und je lauter ich wurde und auf Konsequenzen pochte (das eher deutsche Verhalten, wenn was nicht klappt ;)), desto weniger zugänglich wurden sie. Du hast null Chancen, wenn Du nicht das machst, was und wie die es wollen.
In Ungarn wurde mein Fahrrad nicht in den Zug eingeladen, weil ich nicht im Voraus ein extra Trinkgeld bezahlen wollte. Verweise auf meine gültigen Fahrkarten und Beschwerden bei Vorgesetzten wurden mit Schulterzucken kommentiert - der Zug wäre ohne mich abgefahren, hätte ich das Geld am Ende nicht bezahlt.
Was wir in Deutschland haben, ist in den meisten Ländern der Welt nicht vorstellbar.
 
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