2. Leseabschnitt: Kapitel 5 bis 10 (S. 60 - 112)

Literaturhexle

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2. April 2017
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Und war Remarque inspiriert von Crane? U
Auf dem hinteren Klappentext steht dazu, dass sich viele Autoren dieser, Cranes, Perspektive anschlossen - bis hin zu Erich Maria.

Das Surreale ist glaube ich bewusst gewollt. Solche Kriege sind ja auch unvorstellbar. Man bedenke, wie viele Männer komplett traumatisiert aus dem Ersten Weltkrieg nach Hause kamen. Innerlich ausgebrannt. Auch da mussten sie wochenlang im Schützengraben liegen, bis es zum Schlachtfest kam. Furchtbar!
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Und wer von uns hat jemals vorher von Crane gehört?
Der Name war mir bekannt, viel mehr aber auch nicht. In Amerika gehört sein Werk zur Schullektüre. Für sehr viele Schriftsteller war er ein literarisches Vorbild. Ich bin froh, dass ich durch diese Leserunde einen neuen Autor für mich entdeckt habe.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Ich finde es sehr gut, dass wir mit Stephan Crane bekannt werden. Es ist tragisch, dass er so jung gestorben ist.
Diese Innenansichten sind wahrscheinlich etwas Neues gewesen, ist doch der einzelne eine unwichtige Sache in einer Kriegsmaschinerie -
für uns heute, wirken sie sehr verschroben, wenigstens für mich.
Vor allem, in der Art, wie sie ausgedrückt werden. Ich kann sie honorieren und verstehen als die Gedanken des Autors zum Krieg, aber Henry selbst nehme ich diese Ansichten nicht ab.

Was ich äußerst interessant finde, ist jedoch, dass wir es nicht mit einem Kriegshelden zu tun haben, sondern mit einem jungen, unreifen (und unsympathischen) Deserteur. Das ist wirklich anders.
 

Barbara62

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19. März 2020
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Ich glaube, dass es dem einzelnen Soldaten im Kampfgeschehen genauso geht. Er hat doch keinen Überblick, sondern ist mittendrin. Und manche Schlacht ist ja auch ein ständiges Vorrücken und Zurückdrängen.
Wahrscheinlich ist genau das das Neue, was Crane hier geschaffen hat: keine Schilderung über die Schlacht von außen oder oben herab, sondern aus dem Blickwinkel eines einfachen Soldaten.
Wow, besser kann man das nicht sagen!

Auf seiner Flucht vermisse ich die Worte Panik. Was ihm da angeblich alles durch den Kopf schießt, das glaube ich alles nicht. Seine Naturbetrachtungen - nebbich.
Ist es dir noch nie so ergangen, dass dir in den irrsten Momenten die abgedrehtesten Gedanken durch den Kopf schießen? Mir schon!

@Literaturhexle :
- Einen genauen Schlachtenverlauf erwartet wohl niemand. Aber ein paar Fakten hätten nicht geschadet.
Ich lese es eher als einen Bericht über den "universal soldier", es könnte überall passieren. Ehrlich gesagt hätte ich nichts davon, wenn Crane mir sagen würde, um welche Schlacht an welchem Tag es geht. Sind sie nicht sowieso irgendwie alle gleich?
 

Barbara62

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19. März 2020
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Was ich äußerst interessant finde, ist jedoch, dass wir es nicht mit einem Kriegshelden zu tun haben, sondern mit einem jungen, unreifen (und unsympathischen) Deserteur. Das ist wirklich anders.
Das war auch völlig neu damals und dafür wurde er angefeindet. Wenn ich mir überlege, was Donald Trump zu diesem Roman sagen würde, so wäre es garantiert auch vernichtend. Es geht ja in Richtung Nestbeschmutzung, das wird bei vielen nicht so gern gesehen.

Mir wird manchmal ganz schwindelig von dem Hin- und Her und ich verliere die Richtung, genau wie Henry. Wenn Crane dieses Gefühl erzeugen wollte, macht er es großartig!
 

Barbara62

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Vor allem, in der Art, wie sie ausgedrückt werden. Ich kann sie honorieren und verstehen als die Gedanken des Autors zum Krieg, aber Henry selbst nehme ich diese Ansichten nicht ab.
Stephen Crane war altersmäßig so dicht an Henry dran, er hätte nichts geschrieben, was er wenige Jahre vorher so nicht hätte denken können, davon bin ich überzeugt. Er konnte sich noch sehr gut in den Jungen hineindenken. Wäre es ein Alterswerk eines Autors, würde ich dir zustimmen.
 

ulrikerabe

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14. August 2017
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Ach ja, und das erste mal wird erwähnt, was eigentlich unter einer "roten Tapferkeitsmedaille" zu verstehen ist und ich Dödel habe wirklich an einen Blechorden gedacht.:rolleyes:
Die Bedeutung für den Titel finde ich gelungen. Mich wundert nur die Übersetzung von Badge mit Medaille. Eher wäre es ein Abzeichen. Aber das Wortklauberei.
 

ulrikerabe

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Es ist definitiv nicht mein Buch. Ich nehme Crane diesen Henry nicht ab.
Ich kann mit der Sprache umgehen und weise sie dem 19. Jahrhundert zu. Ich gehe mit einigen Gedanken konform. Krieg als Monstrum, als Maschine, als Wesen, in dem die Individualität keinen Platz hat.
Die Personen sind Prototypen: der Lulatsch, der Aufschneider, der Schreihals, der Zerlumpte, der Junge. Auswechselbar, das passt gut zur mangelnden Individualität.
Aber ich finde Henry in seiner Art zu denken, nicht authentisch. Ich halte Henry für ein Aufnahme von Cranes Worten und Gedanken und er packt diese einem 17 jährigen Landei in der Mitte des 19. Jahrhunderts um.

Ich weiß es zu schätzen, dass Krieg hier keine Herrlichkeit hat und dass das Buch Vorbildwirkung für weitere Antikriegsliteratur war. Aber warm werde ich mit dem Buch trotzdem nicht.
 

ulrikerabe

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Ich finde es sehr gut, dass wir mit Stephan Crane bekannt werden. Es ist tragisch, dass er so jung gestorben ist.
Diese Innenansichten sind wahrscheinlich etwas Neues gewesen, ist doch der einzelne eine unwichtige Sache in einer Kriegsmaschinerie -
für uns heute, wirken sie sehr verschroben, wenigstens für mich.
Vor allem, in der Art, wie sie ausgedrückt werden. Ich kann sie honorieren und verstehen als die Gedanken des Autors zum Krieg, aber Henry selbst nehme ich diese Ansichten nicht ab.

Was ich äußerst interessant finde, ist jedoch, dass wir es nicht mit einem Kriegshelden zu tun haben, sondern mit einem jungen, unreifen (und unsympathischen) Deserteur. Das ist wirklich anders.
und ich sollte vielleicht vorher lesen was andere schreiben, dann spare ich mir die Tipperei. :D
 

Sassenach123

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Ich finde die Szene krass, in der Henry sich für seine Flucht zu rechtfertigen versucht (S.82 ff). Das Eichhörnchen flieht ja auch, wenn man es bewirft.
Erst als er in der Truppe der Verletzten mitläuft, dämmert ihm, dass er vielleicht einen Fehler gemacht hat und wird sogar wütend, als er gefragt wird, wo es ihn getroffen hat.
Der Junge ist völlig in seinen Vostellungen gefangen und kann nur schwer ertragen was um ihn herum geschieht und muss sogar mit anschauen, wie sein Freund stirbt.

Für mich sind die Sprüche, wie "Jetzt hauen wir ihnen die Hucke voll" und dergleichen nur schwer zu ertragen. Der Tod scheint kein "großes Ding" zu sein.
Es hat ein bißchen was von dem Versuch sich und seinen eigenen Verstand zu schützen. Ich glaube, ohne diese Vorstellung stünde Henry kurz vorm durchdrehen
 
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Sassenach123

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Dieser Abschnitt zerrt an den Nerven. Vom Siegestaumel direkt ins nächste Gefecht. Vom schönreden der Flucht zur Erkenntnis, dass es doch nicht gut ankommt, erst recht nicht, wenn man unverletzt zwischen den ganzen Verwundeten herumläuft. Wievielten Soldaten ist es wohl ähnlich gegangen?
Was mich zum jetzigen Zeitpunkt ein wenig sorgt ist folgendes: wie lange halte ich es noch aus, diese Schilderungen zu lesen? Wir haben ja noch ein paar Seiten vor uns, und die für mich realistische Szenerie macht es sehr schwer, es belastet schon enorm
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Na, ich weiß ja nicht. Ich glaube einfach nicht, dass es keine strengen Befehlsstrukturen gibt, dass man sich nach einem Schußwechsel einfach so ins Gras legen kann, etc. etc.
Vielleicht gab es sie, es lief nur aus dem Ruder. Wenn Menschen unter Stress stehen,und ein Kriegsmanöver ist gewaltiger Stress, funktioniert nicht immer alles so wie gewollt. Aber das ist nur eine Vermutung.
Kann mich nur noch wage an die damalige Fernsehserie erinnern, ich meine sie war mit Patrick Swayze( habe jetzt keine Lust zu googeln) Dort wirkte vieles wirklich geordneter, allerdings weiß ich nicht wie realistisch sie dargestellt wurde, und außerdem ging es Crane ja scheinbar um was anderes
 

kingofmusic

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30. Oktober 2018
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Ach ja, und das erste mal wird erwähnt, was eigentlich unter einer "roten Tapferkeitsmedaille" zu verstehen ist und ich Dödel habe wirklich an einen Blechorden gedacht.:rolleyes:
Soll ich dir was sagen? Ich habe auch eher an einen Orden als an eine blutende Wunde gedacht. Das ist schon eine krasse Umschreibung...