1. Leseabschnitt: Teil I (Beginn bis Seite 41)

Literaturhexle

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Ihr Bruder Bobby hat es unter dem Haus seiner Großeltern gefunden. Sie hatten es dort vergraben
Das wird im Zuge dieses Romans auch noch erwähnt. Eben nur nicht im ersten LA.

Ich empfinde es nicht als gleichwertig.
Ich habe es genau andersherum gemeint: der Therapeut hört genau zu und agiert nicht von oben herab. Er akzeptiert Alicias mathematische Überlegenheit. Ich empfinde den Dialog weitgehend als harmonisch.
Trotzdem wirkt er auf mich souverän.
Wahrscheinlich meinen wir dasselbe;)
 
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Irisblatt

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Bisher gefällt mir der Dialog sehr gut. Rasant wird zwischen unterschiedlichen Themen gewechselt. Ich kenne weder die Namen der berühmten Mathematiker noch deren Theorien - auch die diversen psychologischen Tests sagen mir nichts. Trotzdem frustriert mich das seltsamerweise gar nicht beim Lesen.
Ich mag die kleinen Seitenhiebe, die auf große gesellschaftliche Missstände hinweisen wie z.B. Die Lobotomie, aber auch die Tatsache, dass Alicia am Institut von vielen nicht als Doktorandin der Mathematik, sondern als Küchenhilfe wahrgenommen wurde.
Dr. Cohen stellt die Frage, ob ihr Alter am Institut ein Thema war. Ich glaube sofort, dass Grothendieck Alicias Alter völlig egal war - die beiden können sich intellektuell das Wasser reichen - nur das war bedeutsam. Jetzt, da beide der Mathematik scheinbar den Rücken zugewandt haben, gibt es auch keine Kommunikation mehr zwischen den beiden. Obwohl ich nicht glaube, dass Menschen wie Alicia in der Lage sind, mit der Mathematik zu brechen. Ihre Wahrnehmung ist viel zu sehr von ihr geprägt.
An einigen Stellen musste ich auch lachen: z.B. S.18: "Ich wollte hier Einige Leute sehen.
Patienten.
Ja. Denken Sie, ich komme her, um das Personal zu besuchen?
Sie meinen Ärzte.
Ja.
Ich weiß nicht.
Natürlich wissen Sie das."
Spannend fand ich auch die Diskussion darüber, was Traumfiguren und Halluziationen von Alicias Figuren unterscheidet.
Es ist wirklich sehr aufmerksames Lesen erforderlich, um alles mitzubekommen. Es steckt auch einiges an ethischen Fragen im Text - Zerwürfnisse von Wissenschaftlern über die Frage, ob Forschungsgelder auch vom Militär stammen dürfen.

Am meisten irritiert hat mich die Tatsache, dass Bobby in Italien im Koma liegt.

[Ich neige inzwischen dazu anzunehmen, dass Bobby der fehlende Passagier im gleichnamigen Roman ist und dass alles, was wir dort lesen mehr oder weniger in Bobbys Kopf im komatösen Zustand irgendwo zwischen Leben und Tod stattfindet]
Den Text in eckiger Klammer wollte ich als Spoiler kennzeichnen. Hoffe, das hat geklappt.
 
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Da ich nun erst verspätet einsteigen kann, schreib ich erst einmal meine ersten Eindrücke auf, bevor ich mir eure Kommentare durchlese.

Ehrlich gesagt hat mir der Einstieg in den Roman nicht sonderlich gefallen. Ich habe gleich die ersten beiden LA hintereinander weg gelesen und werde im 2. LA darlegen, warum sich mittlerweile fast eine Abneigung entwickelt hat.

Aber zurück zum 1. LA:
Bezüglich der Form hatte ich an der ein oder anderen Stelle zu kämpfen, da es manchmal schwierig war, auseinanderzuhalten wer gerade eigentlich was gesagt hat. Das liegt sicherlich an der monotonen Struktur des Dialogs ohne Anführungszeichen etc. aber es liegt auch daran, dass der Psychiater einfach einer merkwürdigen Gesprächsführung folgt. Es gibt auch einen eklatanten Fehler bezüglich der Begrifflichkeiten zur (möglichen) psychischen Erkrankung Alicias. Und zwar wird auf Seite 25 erst von Schizophrenie gesprochen und dann synonym das Adjektiv "schizoid" dafür genutzt. Das ist Blödsinn. "Schizoid" klingt zwar ähnlich, bezeichnet aber eine völlig andere Persönlichkeitsstruktur bzw. ein völlig anderes psychiatrisches Phänomen. Das passende Adjektiv wäre im Deutschen "schizophren", auf Persönlichkeitsebene "schizotypisch", aber niemals "schizoid". Nun frage ich mich natürlich, ob hier schlampig übersetzt wurde oder ob schon McCarthy diesen Fehler begangen hat. Falls der Fehler bei MyCarthy liegt, frage ich mich, ob ich ihm all seine anderen, klugen Sätze, die Alicia über Mathematik, Philosophie und Physik sagt, überhaupt glauben kann. Es heißt ja, er habe über Jahrzehnte hinweg mit Mathematikern und Physikern diskutiert und sich das Wissen aus den Büchern "The Passenger" und "Stella Maris" angeeignet. Scheinbar scheint zu seinem Freundeskreis kein Psychiater oder Psychologe gehört zu haben!

Ihr merkt, ich bin schon nicht gut ins Buch gestartet und könnt euch ausmalen, wie sich das Ganze vielleicht noch entwickelt. ;)
 
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