1. Leseabschnitt: TEIL EINS - Beginn bis Seite 79

Bücherfreundin

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6. November 2022
604
2.933
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Eigentlich hätte man erwartet, dass sie nun stolz ist auf ihn . Normalerweise ist ein „ durchschnittlicher Beamter“ nicht das, wovon Frauen träumen.
Ich glaube, Betsy sehnt sich nach Bewunderung - die Alec ihr nicht vermittelt. Stattdessen fällt nun auch noch etwas Glanz auf ihn - wenn auch nur als Texter, Komponist wäre sicher noch ruhmreicher gewesen. In jedem Fall schwärmt er nicht ausdrucksstark genug für seine Frau, das ist in Betsys Augen ein Mangel. Deshalb zieht sie sogar ihren einfältigen Cousin als nächsten Ehemann in Erwägung- so meine Deutung. Sympathischer macht sie das aber nicht…
 

Federfee

Bekanntes Mitglied
13. Januar 2023
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Alec braucht eine passendere Frau, sie plant ein anderes Leben mit neuen Freunden. Sie wollen Freunde bleiben und die Sache schnell hinter sich bringen.
Ich habe den Eindruck, dass sie gar nichts plant, sondern selbst nicht so richtig weiß, was sie danach machen will.
Wie sich später herausstellt, missgönnt sie ihm sein Glück und Erfolg als Musiker, weil sie selbst davon geträumt hatte, erfolgreich und angesehen zu werden .
Ach? Entweder habe ich das überlesen oder es kommt später.
ihr Fehlstart mit dem Brief bringt nun wohl eine Lawine ins Rollen, die kaum aufzuhalten sein dürfte. Ihre Schwiegermutter ist nun da - ein Auftritt auf dem Bahnhof, den sie nicht besser hätte inszenieren könnte.
Es wird spannend, was diese intrigante Person jetzt veranstalten wird.
Aber wie Alec bemerkt, wird sich an ihrer Unzufriedenheit auch danach nichts ändern. Betsy scheint mir die Sorte Mensch zu sein, die nichts wirklich schätzt und genießen kann.
Das sagt sie ja auch selber. Sehr traurig, dabei hat sie einiges: Haus, genug Geld, Dienstboten, drei Kinder,...
Neben den beiden Schwiegermüttern, die ganz wunderbar gezeichnet sind, dürfte Joy noch eine größere Rolle spielen. Sie ist heimlich in Alec verliebt, doch der ahnt noch nichts von seinem Glück.
Da baut sich etwas auf ;-)
Allerdings ist nicht wirklich ein Sympathieträger darunter. Vielleicht die Blochs, wobei die auf mich auch sehr traurig wirken.
Sympathisch finde ich die gar nicht. SIE ist wohl mit allem unzufrieden und undankbar, ER belauscht die Cannings.
 

Gina_Lesefuchs

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21. April 2024
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Ach? Entweder habe ich das überlesen oder es kommt später.
Ich meinte auf Seite 34 den letzten Absatz:
Schon als ganz junges Mädchen hatte sie erkannt, dass erfolglose, unglückliche Menschen nicht sonderlich interessant sind, und deshalb beschlossen, einmal erfolgreich und glücklich zu sein.
Das habe ich so interpretiert, dass sie neidisch auf Alecs Erfolg ist, oder meinst du nicht?
 

Federfee

Bekanntes Mitglied
13. Januar 2023
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Die ersten Kapitel dienen zum Kennenlernen der Personen, aber so richtig weiß ich noch nicht, was ich von ihnen halten soll, trotz der Fülle der Informationen, die aber teilweise unzuverlässig sind (persönliche Sicht). Die vermittelt Kennedy einerseits direkt (she tells, doesn't show), andererseits aber auch in Dialogen und Gedanken, aus denen der Leser seine Schlüsse ziehen kann, also eine interessante Mischung, aus der man sich ein Bild zusammensetzen kann.

Die Ehefrau Betsy kommt mir für die damaligen Zeiten erstaunlich emanzipiert und selbständig vor, aber auch ein wenig egozentrisch. Ihrer Mutter schreibt sie, sie seien beide unglücklich miteinander. Für Ehemann Alec scheint das aber nicht zu gelten, wie wir dann von ihm selbst erfahren. Betsy meint, sie habe noch nie einen wirklich glücklichen Moment gehabt. Tz! Undankbar.​

Alec hat erst mit 30 eine erstaunliche Wandlung hingelegt: vom Ministerialbeamten zum erfolgreichen Librettisten, zusammen mit einem alten Freund, der die Musik komponiert. Betsy hält ihn für träge und lethargisch und das stimmt mit seiner Selbsteinschätzung überein. Man kann es auch an seiner Arbeitsweise erkennen, die ich hier übrigens für köstlich beschrieben halte, wie er nach Worten angelt. Das passt gut auf viele Schriftsteller (S. 42).

Und dann stellt sich heraus, dass der Scheidungswunsch von ihr ausgeht, Alec will sich gar nicht trennen, meint aber, er könne sich nicht gegen sie behaupten – wie anscheinend früher bei seiner Mutter. Einen konkreten Grund für ihren Trennungswunsch kann ich nicht erkennen, höchstens vage Vorstellungen, dass sie 'Freiheit' will. Noch nicht mal die Tatsache, dass Alec den Frauen sehr zugeneigt ist und mal ein Verhältnis hatte, scheint sie zu stören und der Grund zu sein. Zugute halten muss man ihr, dass sie sich Alec gegenüber fair verhält und die Schuld – welche eigentlich? – nicht nur bei ihm sucht.

Und jetzt kommt die böse Schwiegermutter, eine Karikatur ihrer selbst, die eine Intrige vorhat. Im Hintergrund schwebt noch die schöne Joy, die heimlich in Alec verliebt ist, so dass der Leser mit Spannung weiterlesen kann.

Auch der Humor kommt nicht zu kurz (die Sache mit dem dicken Byron und der Auswahl an Sängern) und ebenso wenig die Landschaft, die in ein paar Sätzen bildhaft beschrieben wird (z.B. S. 43)​
 

otegami

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17. Dezember 2021
2.018
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Ich meinte auf Seite 34 den letzten Absatz:

Das habe ich so interpretiert, dass sie neidisch auf Alecs Erfolg ist, oder meinst du nicht?
Als neidisch empfinde ich das nicht - sie hat Probleme, sich auf Veränderungen einzustellen und weiß nicht, w a s sie will. (Sie sieht deshalb i h n als die Ursache ihres Unglücklichseins. Sie hat auch absolut keinen Blick für die positiven Seiten ihres Lebens!)
 
7. Dezember 2023
57
216
17
Ich mag das Buch sehr! Es erinnert mich an einen englischen Krimi ohne Mord.
Daran habe ich auch gedacht. Und sympathische Charaktere, mit denen ich mich identifizieren konnte, habe ich auch noch nicht entdeckt. Dafür sind vor allem Betsy und Emily sehr unterhaltsam. Bisher tragen die beiden Damen die Handlung fast allein.
 
7. Dezember 2023
57
216
17
Richtig, sie scheint einfach nur unzufrieden zu sein.
Überhaupt erscheinen mir alle Charaktere unzufrieden mit sich und der Welt, irgendwie traurig:sad
Betsy scheint aber von der Scheidung auch nicht felsenfest überzeugt zu sein (zumindest bis hier). Schließlich hadert sie mit dem vermeintlich fehlendem Glück im Leben und mit den Optionen, die sich nach der "Befreiung" aus der Ehe ergeben. Sie zweifelt auch, ob sie ihren Cousin, der ihr heftig den Hof macht, heiraten soll. Vielleicht erkennt sie im Grunde auch durch ihre Bereitschaft, den Nachmittag mit Alec am Strand zu verbringen, um einen Entschluss für die Zukunft zu fassen, dass ihre aktuelle Situation nicht ausnahmslos von fehlendem Glück geprägt ist. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
 
7. Dezember 2023
57
216
17
Ich habe schon lange kein Buch mit einem auktorialem bzw. allwissenden Erzähler gelesen, da dieser Stil aktuell nicht mehr in Mode ist. Daher musste ich mich auf die vergnügliche Schreibweise der Autorin (geschrieben vor beinahe einem Jahrhundert), "in die Köpfe der Protagonisten zu springen", erst einlassen. Zu diesem Gesellschaftsroman passt diese Vorgehensweise aber (auch heute) sehr gut, denn so taucht man als Leser rasch in die Motive der handelnden Personen ein. Die Eröffnung in Form des Briefs fand ich sehr lebendig und spannend. Er charakterisiert die Verfasserin Betsy als Motor der Geschichte hervorragend. Einige Konflikte werden direkt benannt und danach können die amüsanten Verwicklungen beginnen.
Neben den schon genannten auffälligen Personen möchte ich vor allem Alec hervorheben. Außer der wankelmütigen und ernsten Joy (halb Romantikerin, halb strenge Gouvernante) ist er die Person, die bisher am ambivalentesten ist. Mir ist noch unklar, was Alec eigentlich möchte. Er scheint als Librettist ein freidenkerisches Künstlerdasein zu führen, welches ihm sein beruflicher Erfolg und der damit einhergehende Reichtum ermöglichen. Im Hinblick auf sein Liebesleben und auf die Scheidung bin ich noch etwas ratlos. Sein erster (bekannter?) Seitensprung verschwand nach Amerika, ohne dass er für die Frau (Chris Adams) tiefergehende Gefühle entwickelte. Von seiner Frau Betsy lebt er hinter geschlossenen Türen getrennt. Weitere Seitensprünge werden angedeutet. Immerhin küsste er bei einem Versteckspiel ungeniert eine junge Frau, die er zu kennen glaubte. Ein Casanova, der aber sehr phlegmatisch ist. Hmmm..... Die anstehende Scheidung würde ihm nun mehr Freiheiten verschaffen, aber plötzlich hat er ein gesteigertes Interesse, dass Betsy sich die Sache überlegt. Sehr sonderbar.
Dass Joy als sehr attraktive junge Frau das Potential hat, sämtlichen Männern den Kopf zu verdrehen und dass auch Alec nicht ganz unempfänglich für sie sein dürfte (zumal sie etwas für ihn empfindet) , ließ bei mir den Verdacht aufkommen, dass Joy eigentlich die tickende Zeitbombe in dieser Geschichte ist. Mal sehen.
 

Bücherfreundin

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6. November 2022
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Die anstehende Scheidung würde ihm nun mehr Freiheiten verschaffen, aber plötzlich hat er ein gesteigertes Interesse, dass Betsy sich die Sache überlegt. Sehr sonderbar.
Ich könnte mir vorstellen, dass er einfach ein furchtbar bequemer Mensch ist. Betsy kümmert sich und er kann sich ein wenig hängen lassen, mehr braucht er nicht. Ich denke da an die Szene, in der er zu arbeiten beginnen soll, aber er geht erstmal ein paar unnützen Beschäftigungen nach…Betsy soll bitte bleiben und ihm weiter den Rücken freihalten, so wünscht er sich das vielleicht?
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Ich habe schon lange kein Buch mit einem auktorialem bzw. allwissenden Erzähler gelesen, da dieser Stil aktuell nicht mehr in Mode ist. Daher musste ich mich auf die vergnügliche Schreibweise der Autorin (geschrieben vor beinahe einem Jahrhundert), "in die Köpfe der Protagonisten zu springen", erst einlassen.
Und mir geht es so mit der Charakterisierung der Personen. Vieles vorzugeben, wie der Leser es zu sehen hat, ist auch nicht mehr Mode. Aber auch das passt hier gut.
Einige Konflikte werden direkt benannt und danach können die amüsanten Verwicklungen beginnen.
Hoffentlich sind sie amüsant - man weiß ja nie ;-)
dass Joy eigentlich die tickende Zeitbombe in dieser Geschichte ist. Mal sehen.
Ich denke auch, dass sie noch eine Rolle spielen wird.

Die Charakterisierung des Ehemannes Alec hast du gut auf den Punkt gebracht. Ein labiler Typ.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Wir haben hier eine Konstellation, die es öfter gibt. Die Frau ist unzufrieden mit der Gesamtsituation und möchte eine Änderung; der Mann hat sich ganz gut eingerichtet und möchte eigentlich nur seine Ruhe. Es ist jemand da, der ihm die nötigen Alltagskram abnimmt und sich um die Kinder kümmert, für den Sex hat er seine Affären. Weshalb sollte er etwas ändern?
Doch ihm kommen Skrupel und er fühlt sich schuldig, weil er sich bisher nicht so richtig um seine Frau gekümmert hat. In dieser Hinsicht will er sich bessern und dann kommt alles wieder ins Lot, denkt er.
 
7. Dezember 2023
57
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Ich könnte mir vorstellen, dass er einfach ein furchtbar bequemer Mensch ist. Betsy kümmert sich und er kann sich ein wenig hängen lassen, mehr braucht er nicht. Ich denke da an die Szene, in der er zu arbeiten beginnen soll, aber er geht erstmal ein paar unnützen Beschäftigungen nach…Betsy soll bitte bleiben und ihm weiter den Rücken freihalten, so wünscht er sich das vielleicht?
Das klingt schlüssig. :thumbsup Er kann sich wohl aussuchen, wozu er Lust hat. Ein dekadentes Leben, wie es zu der Zeit wohl auch nur ein Mann führen konnte.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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anderseits könnte ihr Ruf nicht leiden, wenn ihr Sohn geschieden wird? Wir sind noch in
den 1930-ziger Jahren, da gehörten Scheidungen noch nicht zum Alltag…
Zumindest wird es dann sehr viel Gerede geben, und das sicher nicht zu ihren Gunsten :cool: ja, da bin ich ganz bei dir
 
Zuletzt bearbeitet:

Sassenach123

Bekanntes Mitglied
27. Dezember 2015
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Betsy will was? Gesehen werden? Geschätzt werden? Die Affären ihres Mannes, die für die meisten der ausschlaggebende Punkt wären, scheinen sie ja nur am Rande zu interessieren. Sie hat ihm ja sogar geraten Miss Adams an ihrer Stelle zu heiraten, und das nicht mit Häme, es wirkte sehr vernünftig. Es könnte allerdings auch Mittel zum Zweck sein, denn sie versuchte ja die meiste Zeit ihm die Scheidung schmackhaft zu machen. Vielleicht sollte dies ihn bestärken sich von ihr zu trennen
Alec scheint sich schuldig zu fühlen, doch ich befürchte er wird weiter anderen Frauen hinterher rennen. Die Geschichte mit der Party, als Joy geküsst hat, obwohl er sie nicht erkannt hat, hat mir arg zu denken gegeben.
Bei den Kindern komme ich noch ein wenig durcheinander, es sind ja doch viele Charaktere auf die man sich einlassen muss. Erinnere mich aber, dass mir das zu Anfang bei dem anderen Roman von ihr ähnlich ging.

Nun bin ich mal gespannt, was die verehrte Schwiegermutter/Mutter noch so anstellt

@otegami meine Schwiegermutter lebt nicht mehr, hat es aber zu Lebzeiten geschafft, sich immer und überall einzumischen. Schrecklich war das
 

Sassenach123

Bekanntes Mitglied
27. Dezember 2015
4.493
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Braucht er die wirklich? Ich habe es eher so verstanden, dass Betsy das nur behauptet.
Ich glaube schon, dass er einem Seitensprung hier und da nicht abgeneigt ist. Was er nicht braucht ist eine Frau, da kann er genauso gut Betsy behalten, und muss keine Scheidung über sich ergehen lassen. Ist doch viel einfacher
Tatsächlich wirkt mir aber Alec auch gar nicht so unglücklich in der Ehe, schließlich hat er sich ja recht gut ausleben können. Würde die Mutter also etwas wollen, was der Sohn nicht will, weil sie am Ende eigene Interessen hat?
So richtig kann ich Alecs Mutter, was das angeht noch nicht einschätzen. Aber Alec scheint Angst vor ihr zu haben, oder bilde ich mir das ein?