1. Leseabschnitt: Teil 1 Anfang bis Seite 77

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
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Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Haha, Nosimi - nimm es mir nicht übel - eine Dystopie - überhaupt alle Romane sind nichts anderes als Gedankenexperimente. Dystopie insofern als a. Zukunft b. düster.
Warum Zukunft? Weil es ein solches Szenario bisher nie gab? Für mich ist der Roman losgelöst von Zeit und Raum.
 

Antonella

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28. März 2024
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Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mir das Beschriebene vorzustellen. Das hat sich aber schnell gelegt und möglicherweise damit zu tun, dass die Handlung etwas außerhalb meiner üblichen Lesevorlieben spielt. Allerdings empfinde ich die Jugendlichen in ihrem Verhalten und ihren Wünschen immer noch schwer einzuordnen. Mal wirkt ihr Verhalten extrem kindlich und unkritisch gegenüber den Anforderungen der Erwachsenen, dann aber sind sie sehr reflektiert und kritisch.
Ich gehe auch davon aus, dass Odile nur wegen ihrer Entdeckung zu den Prüfungen zugelassen wurde. Aber ich frage mich, was man sich davon verspricht, sie quasi als Spionin einzusetzen. Ist das System doch nicht so abgesichert, dass es immer noch Möglichkeiten gibt, Schicksale zu verändern? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie etwas tun wird, das Edme schadet.
Auf jeden Fall gibt es schon einige Abschnitte, die mich nachdenklich gemacht haben.
 

Antonella

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28. März 2024
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Es ist eigentlich sinnlos, in ein anderes Tal zu reisen, weil man nur gucken darf, aber nichts verändern. Was hab ich davon, wenn ich noch mal sehe, wie mein x mein y oder mein z ausgesehen hat? Wenn ich keinen Kontakt aufnehmen darf.
Die Aufgabe, die Odile bearbeiten muss, ist ein gutes Beispiel, warum es für jemanden Sinn machen kann. In dem Fall kommt er einfach nicht über den Tod seiner Frau hinweg und will sie noch einmal sehen. Natürlich kann man auch sagen, irgendwann muss man mit dem Verlust und der Trauer anders umgehen und abschließen. Aber es gibt genug Menschen, die das nicht schaffen. Die würden diese Möglichkeit mit Sicherheit nutzen wollen.
 

Antonella

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28. März 2024
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Indirekt ja. Ein Mädchen wollte so weit gehen, bis sie auf ein Tal trifft, wo es noch keine medizinische Versorgung für Tiere gibt (oder so ähnlich).
Stimmt. Das hatte ich ganz vergessen. Das bedeutet dann aber auch, dass selbst Jugendliche ziemlich umfangreiche Kenntnisse über die anderen Täler haben müssen. Dann stellt sich mir aber die Frage, warum zumindest die meisten die engen Festlegungen auf bestimmte Berufe akzeptieren.
 

Antonella

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28. März 2024
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In erster Linie natürlich die Fragen, die sich aus der Möglichkeit der Zeitreisen ergeben. Also ob ich selbst gerne in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen würde. Aber auch, was es mit einer Gesellschaft machen würde, wenn einzelne Mitglieder oder alle die Zukunft kennen würden.
Und ganz konkret die Odile gestellte Aufgabe, über die Besuchserlaubnis zu entscheiden. Würde es wirklich nicht schaden, diesem Mann seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen?
 

Wandablue

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18. September 2019
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Aber auch, was es mit einer Gesellschaft machen würde, wenn einzelne Mitglieder oder alle die Zukunft kennen würden. Interessante Denkansätze! Wenn sie unveränderlich wäre, die Zukunft, man sie aber kennt? Tscha. Die einen würden sich umbringen oder sich bekiffen/besaufen/Bank ausrauben - die anderen würden sich freuen und Parties machen.
 
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29. März 2022
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Es ist eigentlich sinnlos, in ein anderes Tal zu reisen, weil man nur gucken darf, aber nichts verändern. Was hab ich davon, wenn ich noch mal sehe, wie mein x mein y oder mein z ausgesehen hat? Wenn ich keinen Kontakt aufnehmen darf. Und was hab ich davon, zu wissen, wie es x y z oder mir in der Zukunft ergehen wird?
Vielleicht dient als das in erster Linie dazu, ein besseres Verständnis zu schaffen? Durch Reisen in die Vergangenheit für das Gegenwärtige, durch Reisen in die Zukunft die Bedeutung des Jetzigen und deren potentielle Folgen.
Oh doch. Spielt eine Rolle.
Ich meinte einfach in erster Linie, dass das Zeitverständnis anders zu sein scheint. Aber mal sehen...
Würde ich wirklich in die Vergangenheit reisen wollen, um einen geliebten Menschen noch einmal sehen zu dürfen? Wenn ich weder mit ihm sprechen darf noch die Zeit verändern darf? Würde es mich nicht allzu sehr belasten und die Trauer noch verstärken.
Ich verstehe die aufkommenden Fragen. Aber die Sehnsucht kann auch soo groß sein, dass allein das Wiedersehen überwältigend sein könnte.
Rechnet man nicht in 20er Schritten die Generationen? Pro 20 Jahre - eine Generation.
In etwa könnte das passen. Letztlich ist aber der Generationenbregriff ein sehr schwammiger. Er verweist auf Unterschiede, aber lässt sich oft nicht klar umreißen.
Das war mir noch nicht bewusst, denn die einzige Einschränkung der Bewohner sehe ich momentan in der Begrenzung der Reisefreiheit. Aber du könntest Recht haben. Denn zu einer ordentlichen Dystopie gehört auch eine Diktatur.
Mir war das auch nicht sehr bewusst. Ich lese eigentlich auch kaum Dystopien und weiß wenig darüber, was deren Besonderheiten sind und wie sie aufgebaut sind. Aber das ist natürlich noch mal eine besondere Perspektive.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Damit verschwindet er von der Landkarte und zwar in allen Tälern, er löscht damit seine Nachkommen aus.
Dieses Phänomen kennt man ja aus vielen anderen Büchern und Filmen, dennoch ist es eine sehr interessante Vorstellung, die viele Fragen aufwirft
deshalb sind Reisen in die Zukunft bestimmt noch mehr reglementiert.
Und hier liegt bei mir noch einiges im unklaren. Ich kann bisher überhaupt kein System erkennen wie entschieden wird, ob man reisen darf und wann nicht.
Sie wird sich in Edme verlieben und in ein Dilemma geraten - mein Vermutung.
Ja, daran habe ich auch schon gedacht. Viele Freunde hat sie ja nicht, und Edme und sein Freund haben ihr geholfen, was liegt da näher als sich in diesen Menschen zu verlieben, der ihr obendrein auch Aufmerksamkeit schenkt
Der Jugendbuchcharakter ist unverkennbar. Aber vllt zweigt der Autor noch ab.
Ich habe mir beim lesen überhaupt keine Gedanken gemacht, ob es eher ein Jugendbuch ist oder nicht.
In erster Linie natürlich die Fragen, die sich aus der Möglichkeit der Zeitreisen ergeben. Also ob ich selbst gerne in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen würde. Aber auch, was es mit einer Gesellschaft machen würde, wenn einzelne Mitglieder oder alle die Zukunft kennen würden.
Und ganz konkret die Odile gestellte Aufgabe, über die Besuchserlaubnis zu entscheiden. Würde es wirklich nicht schaden, diesem Mann seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen?
Da würde man sich doch einen einfachen Antrag wünschen. Wollen sie wegen Trauer reisen, antworten sie mit ja usw Ich stelle mir das schrecklich vor einen Antrag zu stellen und nicht zu wissen, nach welchen Kriterien entschieden wird. Es wirkt ja sehr willkürlich. Auch die Stunde mit Frau Ither( heißt sie so? Habe das Buch nicht zur Hand) gibt ja überhaupt keine echten Richtlinien vor, nur schwammige Aussagen wie ich finde
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Der Roman ist interessant, man kann selbst sehr viel überlegen und versuchen Erklärungen zu finden, obwohl es nicht einfach ist, wir wissen wohl noch zu wenig.
Die Geschichte mit Odiles Vater habe ich nicht so ganz verstehen. Er hat in einem Lebensmittelmarkt gearbeitet und ist jetzt wo? Die Mutter wirkt so, als wenn sie mit ihrem Beruf auch nicht einverstanden ist, sie hat es wohl nicht verwunden, dass sie die begehrte Stelle nicht bekommen hat, und nun für die, die es geschafft hat, die Untergebene ist. Ich frage mich aber, warum sie möchte, dass ihre Tochter genau das versucht. Nun entwickelt sich die Handlung zwar so, dass ich davon ausgehe, dass Odile weiterkommt. Aber erstmal hätte die Mutter auch damit rechnen müssen, dass es ihrer Tochter genauso ergeht wie ihr damals?! Gibt es etwas, dass wir nicht wissen, oder möchte sie für die Tochter einfach nur das, was sie nicht geschafft hat, aber immer angestrebt hat?
 

Anna625

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4. August 2020
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Maesli

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29. März 2024
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Mein Einstieg war nicht so ganz rund, denn ich musste mich erst mal in dieser Weltvorstellung zurechtfinden. Dann hatte ich noch ein paar Mal das Problem, dass ich nicht wusste ob jemand ein Mädchen oder ein Junge ist.
Ansonsten finde ich es sehr gut geschrieben, es geht flüssig und sehr schlüssig voran und das ist bei dieser Geschichte wahrlich sehr wichtig.
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Er hat in einem Lebensmittelmarkt gearbeitet und ist jetzt wo?
Er ist gestorben, als Odile 4 war (S. 4) - die Garage, 'wo er es getan hat' (S.18)
Mein Einstieg war nicht so ganz rund, denn ich musste mich erst mal in dieser Weltvorstellung zurechtfinden. Dann hatte ich noch ein paar Mal das Problem, dass ich nicht wusste ob jemand ein Mädchen oder ein Junge ist.
Ich bin immer noch nicht ganz klar mit dieser eigenartigen Welt und das mit den Personen, den Freunden Odiles, geht mir genau so, weil es so viele sind.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Da es schon viele Beiträge gibt, mache ich es diesmal anders und schreibe zunächst etwas, um danach eure Beiträge zu lesen.

Zunächst zum einfachen Teil: Mir gefällt das Buch bislang ziemlich gut. Und das, obwohl ich kein Freund (mehr) von Dystopien bin und ich nicht wusste, dass es sich bei diesem Roman um eine handelt. Es erinnert bislang an einen klugen Jugendroman, was positiv gemeint ist. Das liegt vor allem an Odile, einer typischen Außenseiterfigur. Ihre Einsamkeit ist anfangs deutlich spürbar, ihre Entwicklung geht hingegen ziemlich schnell. Plötzlich ist sie in einer recht coolen Clique.

Die Figuren wirken generell auf mich jünger als sie sind. Dieser Bau des Forts im Wald hat was von "Es" oder "Stand By Me", doch bei Stephen King war der "Club der Verlierer" eine Bande 12- oder 13-Jähriger. Nicht unsympathisch, irgendwie aus der Zeit gefallen.

Das politische System habe ich noch nicht durchschaut. Einerseits wirkt es so rigoros mit seinen territorialen Grenzen, der körperlichen Züchtigung in der Schule, doch dann gibt es diese Anträge auf Reisen zwischen den Tälern. Da frage ich mich, warum, und hoffe, dass dieser Kniff nicht nur der Erzählung dient. Odiles Mutter könnte eine Doppelrolle spielen. Ist sie vielleicht das Conseil bzw dessen Vorgesetzte und hält dies geheim?

Formal nerven mich mal wieder die fehlenden Anführungszeichen, so eine Unsitte.

Jetzt aber das Wichtigste und Schwierige: Die Grundidee der Geschichte finde ich großartig. 20 Jahre ins nächste Tal oder zurück reisen. Und man beachte: Der Osten hat hier die Nase vorn, rein zeitlich. Das Dilemma, in dem ich seit gestern Abend stecke, ist die Philosophie hinter dieser Idee.

Auf S. 60 blickt Odile auf ein Modell der Täler und behauptet, das eigene Tal würde immer in der Mitte liegen. Aber das stimmt bzw funktioniert doch nicht. Es sei denn, es handelt sich um eine unendliche Anzahl an Tälern. Eine nicht endende Kette. Kann das wirklich sein bzw habt ihr das so verstanden? Dann wiederum könnte man es aber als Modell überhaupt nicht darstellen. Sprich: Ein Tal, das von Odile aus gesehen bei Ouest 3 liegt, hätte doch nur denselben Talstrahl bei einer Unendlichkeit. Anderenfalls hätte es Richtung Est viel mehr Möglichkeiten als Odiles Tal. Hoffentlich versteht ihr, was ich meine.

Eine unendliche Anzahl an Tälern würde ich übrigens großartig finden. Jetzt lese ich eure Beiträge.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Das eröffnet natürlich unendliche Möglichkeiten, die vorzustellen mir noch nicht möglich ist.
Da ist der Begriff der Unendlichkeit also auch schon, ich bin froh! Das würde dem Roman selbst übrigens unendliche Möglichkeiten bieten. Hoffentlich nutzt er sie.
Da muss ich mich erst dran gewöhnen. Ich finds unlogisch.
Ja, und deshalb mag ich die Idee. Weil sie nicht das Erwartbare liefert.
Damit verschwindet er von der Landkarte und zwar in allen Tälern, er löscht damit seine Nachkommen aus.
Eine geniale Idee! Irgendjemand schrieb dazu, das gäbe es oft, ich habe davon allerdings noch nie etwas gelesen oder gehört.
Ein Mädchen wollte so weit gehen, bis sie auf ein Tal trifft, wo es noch keine medizinische Versorgung für Tiere gibt (oder so ähnlich).
Übrigens eine hinreißende Bewerbung und viel besser als Odiles Kram. Aber sie wurde wohl ohnehin nur ausgewählt, weil sie zufällig Edmes Eltern gesehen hat - und vielleicht wegen ihrer Mutter?
Ob diese Erde auch rund ist ;). Dann müssten sich Zukunft und Vergangenheit irgendwann treffen. :think
Darüber habe ich auch nachgedacht. Dann wäre es eben doch nicht dieser unendliche Strahl und Odiles Theorie falsch. Und es gäbe an einer Stelle auf jeden Fall einen veritablen Kulturschock - egal, in welche Richtung man reist.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Nicht unsympathisch, irgendwie aus der Zeit gefallen.
Wie blöd, sich selbst zu zitieren. Das macht doch sonst nur Bruno Preisendörfer. Aber mir fiel noch etwas ein dazu: Das (andere) Tal ist ein Tal, wo Jungs sich noch mit Butterblumen bewerfen, wenn sie raufen. Überhaupt diese Freundschaftsszene zwischen Edme und Alain, auch das Musizieren, das hat mich sehr bewegt. Traurig, dass Edme wahrscheinlich bald stirbt. Seine Initialen fehlen schon mal. :(