1. Leseabschnitt: "Prolog" bis "Gleichgewicht am Rande des Abgrunds:..."

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29. März 2022
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Mainz
Es gibt historische Wissenschaftler, die sich nur mit diesem Thema befassen und gerade die Antike ist ein weites Feld. Zumindest wird der Rahmen historischer Hintergründe stimmen. Ob Alexander mit Säbel und Illias geschlafen hat, wissen diese sicherlich auch nicht genau.
Ich denke schon, dass die historischen Hintergründe hier sehr genau recherchiert wurden. Unsichere Daten wie z.B. bzgl. des Schlafens mit der Illias werden auch entsprechend vorsichtig als umstritten dargestellt.
Interessanter finde ich hier ohnehin die Thesen rund um das Buch, die Literatur und das Lesen :)
 
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Reaktionen: Emswashed

Emswashed

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9. Mai 2020
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Hier steht, er wurde evtl. vergiftet.

Ja, und an der Stelle fing meine Irritation an, weil es vorher im Text.... aber ich bin zu ungeduldig, mit die Stelle nochmal rauszusuchen, zumal es jetzt (im 2. Abschnitt) so schön flutscht.
Du hast sicher schon einmal den Satz gehört, die Geschichte ist stets die Geschichte der Sieger.

Zumal in damaligen Zeiten, bestimmt nur die Sieger noch die Mittel (Mensch und Zaster) dazu besaßen, ihren Triumph der Nachwelt mitzuteilen.
Unsichere Daten wie z.B. bzgl. des Schlafens mit der Illias werden auch entsprechend vorsichtig als umstritten dargestellt.

Das macht die Vallejo schon sehr diplomatisch. Fakt ist aber auch, dass nur solche "Nebensächlichkeiten" einen Text interessant machen und gerade dieser Klatsch und Tratsch viel besser im Kopf hängen bleibt.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Ich denke schon, dass die historischen Hintergründe hier sehr genau recherchiert wurden.
Absolut. Das Buch macht einen "akribischen Eindruck". Ich bezog mich bei meiner Bemerkung auf die von Petra geäußerte Meinung "Geschichte ist eben Geschichte" - was ich in diesem Zusammenhang so verstanden habe, dass man darüber nicht mehr diskutieren könne oder sie nicht mehr hinterfragen könne. Das kann man nämlich sehr wohl. Und die Wissenschaftler untereinander widersprechen sich ja auch und streiten miteinander. Man nähert sich der Wahrheit eben immer nur an, mal ist man ein bisschen näher dran, mal bisschen weiter weg. Aber das sind nur sehr allgemeine Betrachtungen.
 

luisa_loves-literature

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9. Januar 2022
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Das Buch macht einen "akribischen Eindruck".
Ja, das finde ich auch. Es ist - soweit möglich - gut recherchiert, Hypothesen werden sprachlich deutlich gemacht, unterschiedliche Aussagen klar berücksichtigt. Das Problem mit der Antike ist ja, dass es mit der Quellenlage nicht mehr unbedingt - je nach Thema - so wahnsinnig üppig aussieht. Und grundsätzlich wird in der Historiographie auch gern etwas beschönigt, verändert, weggelassen. Geschichtsschreibung sind letztlich ja auch nur Geschichte(n).

Ich mag den Sprachstil, ich mag die Art ihres Erzählers grundsätzlich sehr gern. Mich hält Vallejo tatsächlich mit ihren, wie @Wandablue sie so treffend nennt, Bocksprüngen sehr bei der Stange. Die finde ich auch überraschend, aber unterhaltsam, sie bringen mir das Thema insgesamt immer wieder näher - für die Antike brauche ich immer einen sehr beruhigten Mindset...die ist mir in geballter Form manchmal einfach viel zu lange her und auch ich bin mit ihr in der Schule und der Uni zu häufig (darf man das von der Antike überhaupt sagen?) konfrontiert worden. Insgesamt lebe ich auch bei den Römern immer sehr viel mehr auf, als bei den Griechen und Ägyptern :D , aber die kommen ja erst noch.

Bis jetzt empfinde ich den Text als äußerst bildend, sehr lehrreich, angenehm erzählt und in Teilen auch sehr faszinierend, allerdings erscheint er mir bisweilen etwas weitschweifig und unkonzentriert - ich ziehe aber meinen Hut davor, all diese Aspekte des Buchwesens und der Leseentwicklung unter einen Hut bekommen zu wollen. Allein die Vorstellung, einer Bibliothek wie der von Alexandria auch nur als Gedankenexperiment auf die Spur zu kommen, erscheint mir eine Herkulesaufgabe zu sein.
 

milkysilvermoon

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13. Oktober 2017
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Nach dem ersten Abschnitt kann ich sagen, dass das Buch anders ist als erwartet. Aber bis jetzt lese ich es trotzdem sehr gerne. Der Schreibstil liest sich angenehm. Trotz der Sprünge kann man gut folgen. Es ist für mich auch nicht zu nüchtern und dennoch lehrreich, ohne an Unterhaltungswert einzubüßen.

Ich muss allerdings erwähnen, dass ich schon immer historisch interessiert bin. Wer weniger Interesse an Geschichte hat, für den könnten die Kapitel etwas zu ausschweifend sein. Mich stört‘s keineswegs.
 

milkysilvermoon

Bekanntes Mitglied
13. Oktober 2017
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Wenn es mal so einfach wäre! Sind Quellen vorhanden, sind diese Quellen verlässlich? Quellen sind zu interpretieren und der Faktor Geschichtsverdrehung, wenn nicht gar Verfälschung kommt dazu. Du hast sicher schon einmal den Satz gehört, die Geschichte ist stets die Geschichte der Sieger.

Wir müssen regelmäßig unsere Kenntnisse der Geschichte revidieren. Das hängt nicht nur mit den gewollten Hinterlassenschaften zusammen, sondern auch mit zufälligen Funden, die nicht für die Nachwelt bestimmt waren. Ich war vor wenigen Jahren mal zu Gast bei einer Ausgrabung im Rheinland. Da wurden Dinge im Boden gefunden (Alltagsgegenstände, Siedlungsstrukturen usw.), die ein völlig neues Licht auf die Kelten geworfen haben. Total spannend mitzuerleben, wie die Vergangenheit wieder etwas lebendig wird und wie viel man aus wenigen Überresten lesen kann… Das aber nur am Rande.