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  1. Renie

    Renie Moderator
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    1. Leseabschnitt: Paula

    Paula kommt aus dem Lateinischen und ist die weibliche Form von Paul. Paula bedeutet die Geringe, die Kleine. Paula hat auch eine griechische Herkunft, die Bedeutung ist dann die Schöne. (Wikipedia)
     
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  2. Anjuta

    Anjuta Bronze Mitglied

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    Es ist eine Freude, wieder von Beziehungen zwischen Menschen zu lesen (nach Han Kangs "Deine kalten Hände"), auch wenn sie nicht ganz funktionieren. Und dennoch sind sie das, was das Leben der Menschen antreibt, was ihnen Sinn gibt. Ich fand die Geschichte rund um Paula, ihre Ehe mit dem etwas selbstverliebten Ludger, die letztlich an der nicht zu leistenden Verarbeitung vom Tod der Tochter Johanna scheitert, sehr unterhaltsam und lesenswert, erzählt in einer Sprache, die die Geschichte nicht nur tragen, sondern auch stützen kann. Mal schauen wie es mit Judith weitergeht, die wir als langjährige Freundin Paulas und kritische Beobachterin ihrer Ehe ja schon etwas kennen gelernt haben.
     
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  3. Renie

    Renie Moderator
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    Der Sprachstil ist grandios. Für Formulierungen wie
    "Paula hoffte, dass die Zeit die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit schließen würde." liebe ich dieses Buch. Die Autorin nennt die Dinge nicht beim Namen sondern greift zu Umschreibungen, die den Leser fordern. Das macht das Gelesene sehr eindringlich.
    Mit Erstaunen stelle ich fest, dass ich mir kein richtiges Bild von Paula machen konnte. Ich könnte sie nicht charakterisieren. Wohingegen ich von Ludger ein sehr präzises Bild habe.
    Ich frage mich, ob sich das noch ändern wird. Vermutlich lernen wir Paula später aus Sicht einer der anderen Freundinnen kennen.
    Und dann suche ich wie immer nach einem Bezug zu dem Titel. Im Fall von Paula sehe ich ihn. Der Ernstfall war der Tod der Tochter, bei dem die "Liebe" zwischen Ludger und Paula (leider?) nicht gehalten hat. Ich bin gespannt, auf welche Lieben wir sonst noch treffen.
     
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  4. Leseglück

    Leseglück Aktives Mitglied

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    Mir geht es genau so, ich bin von der Art wie die Autorin schreibt ganz begeistert. Häufig gibt es in den Abschnitten so etwas wie eine Steigerung, eine Verdichtung. Jedenfalls habe ich die Geschichte von Paula gebannt verfolgt.
    Die Autorin beschreibt Paulas Unbehagen in der Ehe, ihre Trauer um das Kind auf eher indirekte Art, so dass es um so eindringlicher wirkt.

    Mir hat gefallen, dass wir von Anfang an wissen, dass Paula nach ihren Schicksalsschlägen wieder glücklich sein wird, denn das Kapitel beginnt mit dem Satz: " Der Tag an dem Paula feststellt, glücklich zu sein, ist ein Sonntag im März."

    Paula erscheint mir als eine Frau, die an die Hand genommen werden will (...sie hatte Wenzels Hand gesucht), also keine besonders starke Persönlichkeit. Sie ist bereit, sich anzupassen und neigt eher zu passiven Widerstand. Entsprechend sind auch ihre erotischen Bedürfnisse, sie scheint ein Bedürfnis nach Unterwerfung zu haben...

    Jetzt bin ich gespannt auf Judith, Paulas Freundin. Sie scheint ja sehr zielstrebig zu sein...
     
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  5. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Das ist wirklich das Besondere an diesem Sprachstil! Ich habe mir zahlreiche Sätze markiert, die nicht nur schön sind, sondern über die man einen Moment nachdenken muss, damit sie ihre volle Wucht entfalten können:
    Sie wollte nicht sterben, aber leben konnte sie nicht. Sie wollte vergessen, aber das war unmöglich.Und als Ludger den Satz sagte, der ihre Ehe beendete, wunderte sie sich, dass das Schwarz, das sie umgab, noch nicht das dunkelste gewesen war.
    (S. 44)
    Ich weiß nicht, irgendwie schon. Sie lässt sich von Ludger (dem Namen nach ein Heiliger Missionar - das passt!) dominieren, schluckt ihre Wünsche und Vorstellungen herunter. Erst später muckt sie bewusst auf, als er zum kompletten Weltverbesserer mutiert. Da war sie auf einem richtigen Weg, doch dann starb das Kind, aus dieser Trauer kommt sie nicht heraus, zumal sie die Schuldgefühle nicht komplett wird abstreifen können. Ihre Mutter muss sich ja auch ewig um andere gekümmert haben, so dass nicht viel Liebe für sie und den Bruder blieb. Der Vater hatte wenig zu sagen, wie es scheint. Irgendwie habe ich schon ein Bild von Paula, aber kein vollständiges.
    Wenzel heißt übrigens der Ruhmgekrönte oder Siegeskranz ;)
     
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  6. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Das ganze Buch beginnt mit dem Satz. Ein toller Einstieg, wie ich finde.
    Anfangs dachte ich, sie will sich mit dem harten Sex und den vielen Männern nur bestrafen, aber sie scheint allgemein eine Vorliebe für die Unterwerfung zu haben in ihren Träumen.
    (@Renie: Und du denkst, wir wüssten nichts über Paula - wir kennen sogar ihre Phantasien ;))
     
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  7. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ich konnte die Geschichte Paulas und ihrer zwei Lieben wunderbar nachempfinden. Interessant auch der regelmäßige Zeitenwechsel. Es beginnt in der Gegenwart und dann kommen die Rückblicke. Vom Anfang der Beziehung mit Ludger bis zu deren Ende.
    Von Anfang an ging es mir wie Judith: Ich mochte Ludger nicht. Er ist zu selbstgerecht, hat immer nur seine eigenen Themen im Sinn. Im Grunde war die Beziehung auch ohne den Ernstfall zum Scheitern verurteilt. Ludger hat nur sich selbst und seine Ideale gesehen, und darüber seine Frau und deren Bedürfnisse vergessen.

    Ich würde Paula und Wenzel, die ja beide nächste Angehörige verloren haben, einen Neustart gönnen und bin gespannt, ob da noch etwas kommt.

    Ich schließe mich eurer Begeisterung für das Buch an, ich bin sehr angetan.
     
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  8. Leseglück

    Leseglück Aktives Mitglied

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    Darüber habe ich auch nachgedacht. Paula wäre jedenfalls in der Ehe nicht glücklich geworden. Ob sie den Mut gehabt hätte ihren Mann zu verlassen wenn das zweite Kind nicht gestorben wäre...es wäre ihr - so wie ich ihren Charakter verstehe - nicht leicht gefallen.

    In dem Zusammenhang hat mir der Satz gefallen, den die Autorin Wenzel sagen lässt: "Ich habe Glück, ich habe dich erst jetzt getroffen."
    Ich habe das so verstanden: erst jetzt, nachdem du auch wie ich einen so schmerzhaften Verlust erlebt hast...

    Danke @Literaturhexle dass du die Bedeutung der Namen nachgeschaut hast...Ludger, der Missionar! wie treffend.
     
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  9. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ja, da hast du mit deinen Überlegungen schon recht. Doch Paula war ja auf dem Weg, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen: der Kauf des Autos, Entbindung im Krankenhaus, das Durchsetzen der Impfung und viele Kleinigkeiten. Leider haben die beiden nie nach Kompromissen gesucht, und dann endete der Weg in der Sackgasse - mit einem Paukenschlag noch dazu, der Paula wieder sehr klein und hilflos werden ließ.

    Was für ein Hardliner Ludger ist, merkt man auch, als Paula als frisch Entbundene Auto fahren muss. Wenn das keine Doktrin ist :mad:
     
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  10. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Einmal schweißt das natürlich zusammen, man hat tiefes Verständnis für die Situation des anderen. Und dann hat er seine Frau auch sehr geliebt: Zu einem anderen Zeitpunkt wäre er nicht frei gewesen. Er scheint das Gefühl zu haben, dass jetzt eben alles passt.
    Schön, dass du auf diesen Satz nochmal hingewiesen hast @Leseglück.
     
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  11. Querleserin

    Querleserin Platin Mitglied

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    Paula scheint mir eine Frau zu sein, die sich anpasst, wie @Leseglück es treffend beschreibt.
    Als sie Ludger kennenlernt, baut sie sich ein Nest mit ihm, in dem ihre bisher beste Freundin keinen Platz mehr hat. Allerdings lehnt sie sich im Verlauf der Beziehung zunehmend auf, aber auch, weil Ludger ihren Namen nicht mehr nennt.

    "Als Ludger aufhörte, sie beim Namen zu nennen, begann sie, Dinge zu tun, die einzig und allein zum Ziel hatten, anders zu handeln, als er es für richtig hielt." (32)

    Sie will gesehen und wahrgenommen werden - etwas, das Wenzel gelingt, dessen Liebe sie als "komplexe" Musik beschreibt. Ein wunderbarer Vergleich, alle Bemerkungen zur Sprache, die ihr bisher gemacht habt, kann ich nur unterstreichen.

    Ich hoffe auch, dass Paula in den anderen Geschichten noch einmal auftaucht.
     
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  12. MRO1975

    MRO1975 Aktives Mitglied

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    Sprachlich hat mich der erst Abschnitt sofort in seinen Bann gezogen. Die Sätze haben einen Rhythmus, der eingängig ist und leicht runter geht. Gleichzeitig sind viele Sätze einfach nur schön. Ich habt die besten Beispiele oben schon zitiert. Stilistisch wirklich ein Highlight.

    Paulas Geschichte hat mich getroffen. Gut, dass gleich am Anfang klargestellt wird, dass sie mit Wenzel wieder glücklich sein kann. Ansonsten hätte mich die Erzählung von Johannas Tod wohl zu sehr mitgenommen. Diese Erzählung in Rückblenden ist also ein guter Kniff, hier die Schwere etwas rauszunehmen.

    Ich teile eure Einschätzung, dass Ludger ein Unsympat ist. Er ist einer dieser Gutmenschen, der sich anderen überlegen fühlt. Von Paula fordert er, seine Ansichten zu teilen und ihm zu folgen. Paula passt das nicht, aber sie kann es ihm nicht ins Gesicht sagen. Ihre Strategie, ihn zu provozieren, indem sie gezielt Dinge tut, die ihm missfallen, ist eine Art stummer Protest. Auf lange Sicht hätte diese Beziehung keine Aussicht auf Erfolg gehabt. Fraglich ist nur, wie lange Paula um der Töchter Willen die Fassade aufrecht erhalten hätte.
     
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  13. MRO1975

    MRO1975 Aktives Mitglied

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    Ich war übrigens ganz gerührt, als ich gemerkt habe, dass das Buch in Leipzig spielt. Der Auwald, die Wege am Fluss, die Seenplatte vor den Toren der Stadt und die Lofts im Kanalviertel habe ich alle vor Augen. Seufz...
     
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  14. Momo

    Momo Platin Mitglied

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    Bin ich blind? Auf welcher Seite endet der erste Abschnitt?

    Ich habe erst 50 Seiten geschafft. Eure Beiträge lese ich später, um nachzukommen. Kriens Schreibstil liest sich gut. Die Themen stimmen neugierig, aber wieso begräbt Ludger die Plazenta seiner beiden neugeborenen Mädchen? Brrr, hat mich etwas geschüttelt.

    Bin gespannt, wie es weitergeht.
     
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  15. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Es gibt ein Ritual nach dem man die Plazenta vergräbt und einen Baum darauf pflanzt, quasi als Lebensbaum für das Kind, der immer gleichaltrig ist.

    Ich denke, dass dieser Brauch eher aus der alternativ-esoterischen Ecke kommt. Wir haben aber einen Freund, der das tatsächlich gemacht hat....
    Wirklich eklig finde ich das aber nicht. Natur eben ;)

    Der erste Abschnitt geht bis Seite 59.
     
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  16. Momo

    Momo Platin Mitglied

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    Ah, OK. Das Begraben mit der Plazenta hatte ich zuvor noch nie gehört. Johanna hat es aber nicht viel Glück gebracht...

    Bis Seite 59? Oh, wo steht das denn? Ich schau nochmal.
     
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  17. Momo

    Momo Platin Mitglied

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    Es gibt keine Seitenzahl :(. Sagt das doch gleich. Die Abschnitte gehen von Frau zu Frau.
     
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  18. Leseglück

    Leseglück Aktives Mitglied

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    Meinst du auf welcher Seite der Abschnitt Paula aufhört? Auf S. 59 beginnt Judith, komischerweise fehlt immer die Seitenzahl der letzten Seiten der einzelnen Kapiteln, also S.58 wird nicht explizit geschrieben.

    Es gibt wohl einen alten Brauch, auf einer Plazenta einen Baum zu pflanzen...genaueres weiß ich auch nicht. Ich finde das blödsinnig. Aber Aberglaube ist ja weit verbreitet und menschlich. Zu Ludgers Persönlichkeit passt es einigermaßen, denn er ist ja ein militanter Ökomensch...
     
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  19. Renie

    Renie Moderator
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    Genau das ist der Punkt. Ich habe mir den Kopf zerbrochen, warum ich kein klares Bild von Paula erhalte. Jetzt weiß ich, was mich stört. Dieser Teil wird zwar aus ihrer Sicht geschrieben. Aber sie gibt nur sehr wenig von sich Preis. Das, was man erfährt, ergibt sich aus der Interaktion mit anderen, allen voran Ludger. Ich erlebe Paula nur als Teil einer Beziehung, entweder zu Ludger oder zu ihrer Tochter. Aber, was den Menschen Paula ausmacht, kann ich nicht beschreiben.
     
  20. Renie

    Renie Moderator
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    Ich hatte angenommen, dass Ihr auch mit einer Einteilung nach Charakteren zurechtkommt. Da war ich wohl zu experimentell.:confused:
     
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