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1. Leseabschnitt: "Mimmo" und "Nanà" (Anfang bis S. 36)

Dieses Thema im Forum "Leserunde "Die Kinder des Borgo Vecchio"" wurde erstellt von Renie, 9. Juli 2019.

  1. Renie

    Renie Moderator
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    1. Leseabschnitt: "Mimmo" und "Nanà" (Anfang bis S. 36)
     
  2. ulrikerabe

    ulrikerabe Aktives Mitglied

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    Das erste Kapitel heißt Mimmo.
    Mimmo ist an einem ersten Sonntag im September geboren und heißt eigentlich Domenico. Interessanterweise wusste der Vater (Giovanni) nicht, dass Mimmo für Domenico steht, interessant deswegen, weil Sonntag auf italienisch domenica heißt.
    Mimmos Vater ist ein Schlitzohr, betrügt seine Kunden mit einer getürkten Waage.
    Aber am meisten bewegt die Erzählung rund um Mimmos Freund Cristofaro, der täglich von dessen Vater misshandelt wird. Alle im Borgo Vecchio wissen das, die Mutter versteckt ihre eigenen blauen Flecken unter Make up. Niemand hilft, setzt sich ein. So etwas macht mich rasend.

    "Nanà" ist ein abgehalftertes Pferd, das Giovanni gewinnbringend bei rennen einsetzten will. Giovanni ist ein mieser Aufschneider und profiliert sich mit dem Gaul. Hier geht der Erzähler zurück in der Geschichte,erinnert an Erlebnis von Mimmo und Cristofaro im Sommer. Nach einem Ausflug zum Meer ließen sich die beiden von einem Kutscher mitnehmen. Das Pferd war Nana. Cristofaro hatte seinem Vater Geld aus der Börse genommen, was er noch bereuen wird. Die Jungs überlegen, wie zu Geld kommen könnten, um Toto zu engagieren, dass dieser Cristofaros Vater tötet. Da ist ganz viel Traurigkeit und Verzweiflung in dem Roman. Cristofaro klaut einem fremden Kind "goldene Schuhe". diesem Kind begegnen sie auf der Heimfahrt im Bus.
    Ein Kind. Ab und zu ein Schluchzer und eine Träne. er wackelte mit den Zehen, als tasteten sie nach den Schuhen.

    Solche Sätze berühren mich.
    Die Szene mit dem Kutscher, als er die schlafenden Jungs betrachtet, war mir dann fast schon zu salbungsvoll.

    Zum Schluss des Kapitels lernen wir noch Celeste und ihre Mutter Carmela, die Prostituierte des Viertels kennen. Carmela liebt "himmelblau", weil die Madonna einen Mantel in dieser Farbe trägt. Die Muttergottes und die Hure, und so einfach scheint das Frauenbild im Borgo Vecchio.

    Ich musste dann tatsächlich nachschlagen was "aus Daffke" bedeutet. Das habe ich noch nie gehört oder gelesen, scheint mir von der Übersetzerin auch etwas seltsam, einen offensichtlich norddeutschen Begriff zu verwenden.

    Ich würde das Buch auch gerne besser örtlich und zeitlich einordnen können. Wo der Borgo Vecchio liegt habe ich nicht herausfinde können. Zeitlich sollte es zumindest nach der Euro Einführung liegen, denn mit 10 Lire, wären die Jungs am Strand nicht sehr weit gekommen.
    Im Grunde spielt es für die Geschichte keine große Rolle, aber ich mag ein Buch ganz gern verankern können.
     
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  3. ElisabethBulitta

    ElisabethBulitta Aktives Mitglied

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    Das hat mich beim Lesen auch sehr bewegt. Aber zu deinem letzten Punkt, dass niemand hilft: Das ist, denke ich, symptomatisch für die dortige Gesellschaft (und letztlich für die Menschen allgemein)Ich interpretiere es so, dass es für das/den Borgo Vecchio ganz normal ist. Deshalb sagt auch niemand etwas. Eigentlich ein Armutszeugnis bzw. Symbol für die Heruntergekommenheit und vor allem die Trostlosigkeit der dortigen Gesellschaft. Aber dafür gibt es viele Zeichen in diesem Roman.
    Auch den Umstand, dass es Mimmos Vater im Grunde gar nicht interessiert, welchen Namen er seinem Sohn gegeben hat, finde ich schlimm. Aber ok, da weiß ich, dass das etwas ist, was heute normal ist (wenngleich ich es als Bildungslücke und dumm betrachte). "Nomen est omen" ... stimmt m.E. irgendwie.
    Sehr berührend fand ich auch die Szene mit der Prostituierten und der Madonna. Das hat für mich irgendetwas sehr Anrührendes an sich. Da kennt Carmela als Prostituierte die Härte des Lebens und findet ihren Trost in der Jungfrau Maria, der Schutzmantelmadonna, die die Menschen beschützen soll. Gleichzeitig birgt das Bild etwas Naives, Kindliches in sich.

    Auch mir geht es so, dass ich gerne etwas mehr über die Zeit und die Verortung erfahren würde.

    Insgesamt bin ich jedoch sehr gut ins Buch hineingekommen und freue mich schon, es weiterlesen zu können. Die ganze Geschichte ist bis jetzt eindrücklich, poetisch und bildhalft geschrieben.
     
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  4. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Mir gefällt der Roman bisher sehr gut, es ist sehr interessant und einfühlsam zu erfahren, wie das Leben der drei Kinder verläuft. Alle drei haben es auf auf die ein oder andere Weise schwer. Mein größtes Mitleid gilt Cristafaro, alle in seinem Umfeld scheinen zu wissen, dass er aufs übelste zugerichtet wird, aber niemand unternimmt etwas. Ist dies der Zeit geschuldet in dem der Roman spielt?
     
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  5. ElisabethBulitta

    ElisabethBulitta Aktives Mitglied

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    Keine Ahnung, aber ich glaube eher den gesellschaftlichen Umständen. Wie oft hört man hier, dass Eltern ihre Kinder zu Tode prügeln. Oder überhaupt prügeln. Für mich persönlich gehört auch schon der Umgangston dazu. Es wäre auch interessant zu wissen, wie die Verhältnisse in Italien sind.
     
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  6. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Anfangs dachte ich, der Roman würde stärker in der Vergangenheit spielen. Aber die goldenen Fußballschuhe und die Anspielung auf den Fußballstar lassen sich nur in der Gegenwart verorten.
    .
     
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  7. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Obwohl der erste Leseabschnitt nur gut 30 Seiten lang ist, musste ich einige Male innehalten um meine angestaute Wut auszuatmen, wie bei dem Satz auf Seite 7: in Borgo Vercchio wusste man, das Cristofaro jeden Abend das Bier seines Vaters weinte.
    Was für eine schöne Sprache für diese Grausamkeit.

    Die Lethargie der Leute im Borgo, die Gleichgültigkeit mit der sie sich in ihr Schicksal ergeben, ist nur schwer auszuhalten.
    Eine fast archaische Grausamkeit gegen Mensch und Tier ist allgegenwärtig. Alle wissen, was allabendlich mit Cristofaro geschieht und alle schweigen, irgendwann wird er oder der Alte tot sein, aber bis dahin.....

    Kaum vorstellbar, dass die Kinder trotzdem eine Art Kindheit erleben und sich versuchen zu behaupten.
     
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  8. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Eine vergessene Gegend und vergessene Menschen die allein um ihr Überleben kämpfen. Mitgefühl hat da wenig Platz.
    Ja, heruntergekommen und abgestumpft - das trifft es gut.
     
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  9. claudi-1963

    claudi-1963 Silber Mitglied

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    In die beiden Mimmo und Cristofaro kann ich mich gut hineinfühlen, was ich in gegen gesetzt mir bei Carmela etwas schwer tat.

    Die Geburt von Mimmo fand ich irgendwie humorvoll, der Vater dernicht weiß das Mimmo die Abkürzung von Domenico ist und auf den Namen Mimmo pocht. Das man hier so etwas die ärmere Gesellschaftsschicht betrachtet finde ich ganz gut.
    Mich wundert nur das sie sich dann dieses Pferd Nana leisten können. Klar ist es eher ein Pferd das er eigentlich schlachten sollte, aber sie müssen es ja auch unterbringen und verköstigen. Ich bin gespannt ob sie es so hochpeppeln können, das er wirklich was wert ist.

    Den Vater von Cristofaro finde ich schlimm, wie kann man sein Kind so prügeln, das sogar Narben zu erkennen sind. Und warum verlässt die Mutter ihn nicht? Es scheint auch keinen so richtig zu kümmern, alle verschließen lieber die Augen davor, statt was zu tun.
    Was ist wohl mit dem Messer passiert, als er das Geld in die Börse getan hat?
    Und warum hat der die Schuhe gestohlen, im Grunde hat er nun auch einem Kind Schaden zugefügt wie er es selbst immer erlebt. Er kann doch die Schuhe nirgends tragen ohne das es auffällt.

    Was mit Celeste noch kommt bin ich gespannt, hier haben wir ja erst die Anfänge gehabt. Lustig fand ich das sich Carmela nackt in ihrer Wohnung verschanzt hat, bis Celeste auf der Welt war. Das sie trotz Prostitution sich an die Jungfrau Maria wendet ist irgendwie typisch Italien.

    Schade finde ich auch das man wenig erfährt wann diese Geschichte spielt, doch ich denke das es heute in Italien noch immer kleine Orte gibt wo die Welt etwas stehen geblieben ist. Gerade im Süden in den Regionen Palermos leben die Leute schon noch recht ärmlich. Und ich hatte da auch sofort mein Kopfkino von unseren Urlaubsorten vor ca. 20 Jahren als wir in der Gegend Palermos waren.

    Manchmal ist die Sprache des Buches recht einfach und dann wieder gab es Sätze gerade bei Carmela, die ich 2 - 3 mal lesen musste.
     
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  10. claudi-1963

    claudi-1963 Silber Mitglied

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    Daffke kommt aus dem Jüdischen, ich habe es aber vorher auch noch nie gehört. Ist bei uns kein typischer Begriff für Trost oder nur zum Spaß
     
  11. wal.li

    wal.li Gold Mitglied

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    Die Vorstellung der drei Kinder fand ich sehr bewegend. Sie alle haben ihr Schicksal zu tragen. Mimmo, mit seiner Namensgebung, ist vielleicht nicht so schlau, Christofano hat ein ganz schlechtes Elternhaus und Celeste muss mit dem Beruf ihrer Mutter klarkommen.

    Wie aus einem scheinbar abgehalfterten Droschkenpferd ein Sieger werden soll, kann ich mir noch nicht vorstellen.

    Ich hätte den Roman zeitlich kurz nach dem zweiten Weltkrieg eingeordnet. Den goldene Schuh als Auszeichnung für den besten Torschützen gibt es aber erst seit den 1960ern. Vielleicht kommt da ja noch ein Hinweis.

    Wie Christofano von seinen Eltern behandelt wird, hat mich schon aufgewühlt. Das kann doch nicht sein, aber wieso wehrte sich der Junge nicht, wieso half die Mutter nicht und überhaupt, was reitet den Vater, den armen Jungen so zu misshandeln.

    Irgendwie erscheint bei allem Schweren auch immer etwas Humor zwischen den Zeilen zu blitzen, das gibt der Handlung wieder etwas Leichtigkeit.
     
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  12. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Das trifft es genau. Die Grundstimmung in diesem Borgo Vecchio ist grau. Man hat wenig Freude oder Hoffnung. Man schaut lethargisch auf die Straße, greift nicht ein. Alles ist Familiensache.

    Dennoch empfinde ich keine Wut. Eher Schmerz angesichts der Ungerechtigkeiten. Cristofaro hat sein Schicksal angenommen, er kennt seinen Vater nur so, wie er ist, er hat aufgegeben. Wie sollte er sich auch gegen den Stärkeren zur Wehr setzen? Enttäuschend ist das Verhalten der Mutter. Aber auch dafür hat man im realen Leben schon genug Beispiele gesehen. Sie wird selbst voller Angst stecken und sich selbst aufgegeben haben. Immerhin erreicht sie für den Sohn ein paar Tage Prügelpause.

    Wie verschlossen der Junge auch mit seinem Schicksal umgeht! Er deckt den Vater, sagt weder Ärzten noch Lehrern sie Wahrheit. Wobei man bei letzteren davon ausgehen muss, dass sie Bescheid wissen.
     
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  13. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Die Jungen klammern sich an Totó, den Räuber. Mir ist noch nicht ganz klar, ob es ihn gibt oder er eine Phantasiegestalt ist; der Retter aus der Not.

    Begeistern tun mich die poetisch gefärbten Sätze.
    Sie waren gefangen im Heulen der Fähre, das sich mit Meer vollsog und nach und nach in der Nacht versank.

    Von dieser Art gibt es viele, die uns Leser innehalten lassen, ihr habt auch schon einige zitiert.

    Auf Seite 24 finde ich die Beobachtungen des Kutschers bedeutsam:
    ...und er erkannte sie an den jeglicher Sanftheit baren Zügen, so gefangen im geheimnislosen Traum der Kinder des Borgo Vecchio.

    Normale Kinder sehen im Schlaf aus wie träumende Engel. Diese eben nicht..Das Leben hat sie abgehärtet.

    Mit dem Pferd scheint etwas Freude in das Leben der Drei einzuziehen. Hoffentlich wird sie ihnen nicht geraubt.
     
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  14. Renie

    Renie Moderator
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    Hier bin ich vom Autor abgehängt worden, da ich mit dieser engen Verbundenheit zum christlichen Glauben, nicht viel anfangen kann. Diese Stelle im Text war so gar nicht meins.
     
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  15. Renie

    Renie Moderator
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    Einerseits finde ich die Geschichte verrückt, andererseits muss ich vor Betroffenheit schlucken.
    Verrückt ist natürlich die Sache mit dem Pferd. Aus einem Klepper ein Sieger-Rennpferd zu machen. Das ist doch sehr ambitioniert. Die Prozession, zu der sich immer mehr Bewohner des Dorfes anschließen, erinnert mich an eine kirchliche Prozession. Die beiden Jungs und Celeste führen diese Prozession an. Fehlen nur noch die Palmwedel, die dem Pferd vor die Hufe gelegt werden, damit es darauf wandeln kann.
    Ich habe nochmal "Borgo Vecchio" gecheckt: il borgo vecchio = altes Dorf.
    Vielleicht ist es nicht nötig, den Schauplatz zu lokalisieren, da er stellvertretend für Dörfer in Italien in der damaligen Zeit steht? Wobei die Zeit für mich auch das große Fragezeichen ist. Dem Sepia angehauchten Cover nach zu urteilen, den ich mir anfangs nur flüchtig angesehen habe, hätte ich gedacht, dass wir uns in den 50er/60er Jahren befinden. Aber wenn ich mir die 3 Jungs auf dem Cover genauer ansehe, können sie durchaus auch in der heutigen Zeit untergebracht sein. Darüberhinaus gibt es viele Hinweise, die auf unsere heutige Zeit hindeuten. Ihr habt sie schon genannt (Euro, Fußballschuhe etc.).

    Sprachlich ist der Roman mal wieder großes Kino. Vielen Sätzen haftet etwas Poetisches an, das die Grausamkeit in der Geschichte noch heftiger macht.
     
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  16. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    An diesen Einzug habe ich in der Tat auch denken müssen. Es fließt überhaupt viel (auch alttestamentarische) Religiosität in den Roman ein, im nächsten Abschnitt noch mehr. Das befremdet mich auch sehr.

    Im Augenblick finde ich die zeitliche Verortung nicht wichtig. Schön, dass du das alte Dorf nachgeschlagen hast @Renie , das wollte ich auch noch tun. Das kleine Dorf ist ein beliebter Mikrokosmos in der Literatur, wovon wir hier wieder ein Beispiel erhalten.
     
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  17. milkysilvermoon

    milkysilvermoon Aktives Mitglied

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    Die Übersetzung finde ich auch etwas unglücklich. Da bin ich ebenfalls drüber gestolpert.

    Über die Frage, in welchem Jahr die Geschichte spielt, habe ich auch gegrübelt. Und mir ging es da mit meinen Schlussfolgerungen ähnlich. Der Roman muss allerdings nicht zwingend in der Gegenwart spielen. Vielleicht ist er in der Zeit vor zehn Jahren oder so verortet.

    Ich denke, diese Textstelle sollte nicht die Gleichgültigkeit von seinem Vater ausdrücken, sondern dass Mimmo in einer eher bildungsfernen Schicht aufgewachsen ist.
     
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  18. milkysilvermoon

    milkysilvermoon Aktives Mitglied

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    Ich weiß auch noch nicht so recht, was ich vom Roman halten soll. Ich habe die beiden ersten Kapitel gerne gelesen. Allerdings finde ich, dass der Autor etwas arg aufträgt. Vieles wird schon überspitzt dargestellt. Zwar kann mich die Geschichte berühren, aber dann gibt es auch wieder Stellen, bei denen ich das Beschriebene nicht so ganz ernstnehmen kann, weil es mir einfach zu viel des Guten ist.

    Auch in sprachlicher Hinsicht bin ich etwas hin- und hergerissen, weil es immer wieder Sätze mit tollen, teils sehr kreativen und ungewöhnlichen Sprachbildern gibt und weil ich den Roman atmosphärisch stark finde. Manchmal gleitet mir die Sprache aber etwas zu sehr ins Pathetische ab und an zwei oder drei Stellen musste ich auch mehrfach lesen, um zu verstehen, was gemeint ist (wobei Letzteres auch an der Übersetzung liegen kann).

    Aber obwohl ich bisher nicht alles am Roman mag, spüre ich den Drang, schnell weiterlesen zu wollen. Die Geschichte kann mich also durchaus fesseln. Und nicht nur wegen der relativ wenigen Seiten werde ich den Roman daher zügig beenden.
     
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  19. ElisabethBulitta

    ElisabethBulitta Aktives Mitglied

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    Was letztere Frage betrifft, keine Ahnung. Aber dass sich niemand wehrt und die Mutter wegschaut, finde ich jetzt nicht sooo außergewöhnlich. Ähnliches hört und liest man oft. So unglaublich es auch zu sein scheint. Und eines will ich aus eigener Erfahrung noch hinzufügen: Versuche nie, in die Psyche eines Menschen zu schauen. Da spielen sich die seltsamsten Dinge ab.
     
    #19 ElisabethBulitta, 16. Juli 2019
    Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2019
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  20. parden

    parden Forumlegende

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    Dieser erste Abschnitt ließ sich rasch lesen, und auch ich bin fasziniert von der Gleichzeitigkeit von Poesie und Grausamkeit. Hier herrscht eine resignative Atmosphäre vor, jeder nimmt das Leben hin, dass ihm/ihr eben zugedacht ist. Die drei Kinder sind jetzt vorgestellt, die Umstände ihres Lebens ein wenig ausgebreitet, keine Schicksale, mit denen man tauschen möchte. Aber doch halten die drei Kinder zusammen, irgendwie, was den teilweise unsäglichen Umständen zumindest einen Hauch Menschlichkeit verleiht. Und das Pferd als Hoffnungsträger, das ein wenig Farbe ins triste Einerlei bringt - nur wie lange wohl? Wir werden sehen...
     
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