1. Leseabschnitt: Kapitel 1 bis Kapitel 4 (Anfang bis S. 70)

Xanaka

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12. Juli 2015
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Berlin
So dann fange ich mal an. Viel gibt es aus meiner Sicht nicht zu diesem ersten Abschnitt zu sagen. Lediglich über die Protagonisten konnte ich mir schon eine ganz gute Meinung bilden. Und die finde ich schon sehr verschieden. Da ist zum einen Dan. Er ist der Ehemann von Bea und trägt diverse Baustellen mit sich. Er hat Kunst studiert, übt aber keinen Beruf in dieser Richtung aus. Würde er vermutlich gern, aber da ist das zweite Problem. Finanziell kommen beide mehr oder weniger passabel über die Runden. Große finanzielle Sprünge sind nicht drin. Er hätte sehr gerne mehr finanzielle Sicherheit, dann würde er vermutlich auch einige seiner Träume verwirklichen können. Seinen Job als Immobilienmakler sieht er nur als Mittel zum Zweck des Geldverdienens.

Bea dagegen geht ganz in ihrem Beruf auf. Sie ist durch und durch Psychotherapeutin und würde gern noch mehr helfen. Geld bedeutet ihr nicht wirklich etwas. Im Gegenteil, je weniger desto besser.

Und Alex, ihr Bruder, der so richtig gar nichts auf die Reihe bringt, das Geld der Familie verprasst und sich um nichts Gedanken macht.

Ich kann mir vorstellen, wenn rauskommt, dass Bea wirklich über viel Geld verfügen könnte, wird die Situation sich extrem verändern.
Ich bin gespannt.
 
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11. August 2018
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Er hat Kunst studiert, übt aber keinen Beruf in dieser Richtung aus.
Bea dagegen geht ganz in ihrem Beruf auf. Sie ist durch und durch Psychotherapeutin und würde gern noch mehr helfen. Geld bedeutet ihr nicht wirklich etwas.
Die beiden haben sehr unterschiedliche Lebensvorstellungen. Interessant, dass sie sich dennoch als Paar gefunden haben. Ich verstehe, dass Dan mit seinem Leben als hauptberuflicher Immobilienmakler nicht glücklich ist. Dennoch könnte er in seiner Freizeit, seiner Passion - der Kunst - nachgehen. Als Künstler sollte er aus dem Schaffensprozess Befriedigung ziehen können. Dass andere Künstler viel früher angefangen haben, mehr Zeit haben und in der Kunstwelt schon weiter sind als er, sollte er nicht als Vorwand missbrauchen, gar nicht erst los zu legen. Ganz anders Bea, die in ihrem Beruf aufgeht, obwohl sie da auch nicht viel Geld verdient. Sie liebt einfach was sie tut.

Und ähnlich unterschiedlich sind ihre Einstellungen zum Geld. Dan denkt ständig ans Geld und sorgt sich, dass zu wenig davon da ist. Bea kümmert sich nicht. Das könnte aber auch daran liegen, dass Bea aus einer reichen Familie stammt und Dan aus einfachen Verhältnissen. Wer sich nie wirklich Sorgen um das tägliche Auskommen machen musste, hat wahrscheinlich weniger Existenzsorgen, selbst wenn es mal knapp zugeht. Zumindest kann ich umgekehrt bestätigen, dass die Erfahrung, von sehr wenig Geld leben zu müssen und nicht zu wissen, wie man die Rechnungen bezahlen soll, für das ganze Leben prägt. Selbst wenn man es irgendwann wirtschaftlich geschafft hat, kann man nicht ausblenden, dass es ganz schnell auch wieder anders sein könnte.
 

MRO1975

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11. August 2018
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Ich fasse dann die ersten Kapitel auch mal kurz zusammen:

Bea und Dan sind ein junges Paar. Sie leben in London, in einer 2-Zimmer-Eigentumswohnung. Dan ist mit seinem Brotjob als Immobilienmakler unglücklich. Er hat zusätzlich Kunst studiert, aber übt seine Kunst nicht aus. Vielmehr versteckt er sich hinter dem Vorwand, dass er neben seiner Arbeit keine Zeit hätte und es eh nicht mehr schaffen würde, in der Kunstwelt Fuß zu fassen. Bea dagegen ist mit ihrem Beruf als Psychiaterin grundsätzlich glücklich. Sie hat viel Empathie, will helfen, erkennt aber auch, dass sie keine Verantwortung dafür trägt, dass ihre Patienten ihre Hilfe auch annehmen. Beas Charakter wird im ersten Kapitel schön gezeigt, als sie in dem Laden auf Emma mit ihrem Baby trifft. Emma schien ziemlich verwirrt und eigentlich hätte wohl jeder Angst vor ihr gehabt. Aber Bea hat erkannt, dass Emma einfach eine junge Frau mit schwierigen Problemen ist. Ich hatte jedenfalls auch Mitgefühl für Emma und ihr Baby (mit den kleinen Fingern, die wie Erbsen aussahen).

Bea und Dan entscheiden sich, ihrem Alltag eine Weile zu entfliehen. Sie wollen für 3 Monate eine Reise durch Frankreich, Spanien und Italien machen. Ihre Wohnung wollen sie in dieser Zeit untervermieten (Geld spielt in ihrem Leben eine allgegenwärtige Rolle). Sie kaufen ein altes Auto und fahren Richtung Frankreich los. Der Fahrtwind streicht über den Ellenbogen; die Sonne scheint - echtes Urlaubsfeeling (solche Reisen habe ich mit meinem Mann auch gern und oft gemacht).

Die erste Station ist bei Beas Bruder Alex geplant, der angeblich ein Hotel auf dem Land irgendwo in Frankreich führt. Als sie dort ankommen, wird klar, dass das sog. Hotel nur eine Beschäftigungstherapie für Alex ist. Das gesamte Gut und das Haus sind stark renovierungsbedürftig. Alex fängt alles an, macht aber nichts fertig. Um seine Eltern (vor allem seinen Vater, der das ganz finanziert hat) zu täuschen, fälscht er das Gästebuch (als ob er das nicht über die fehlenden Einnahmen merkt...).

Bea liebt ihren Bruder, das merkt man. Beide lieben aber ihre Eltern nicht und haben dennoch eine völlig unterschiedliche Beziehung zu ihnen. Alex ist wirtschaftlich (und auch sonst?) von ihnen abhängig. Bea hat sich komplett abgenabelt, meidet sie und will nichts mit ihnen zu tun haben.

Was da wohl dahinter steckt? Wir werden es erfahren. Denn die Eltern haben sich unverhofft zu einem Besuch bei Alex eingeladen.

Das Buch gefällt mir bislang wirklich gut. Die Schreibe macht es einfach, sich alles vorzustellen. Außerdem schreitet die Geschichte rasch voran. Aber ich will mich mal nicht zu früh freuen; ich hatte dieses Jahr schon einige Bücher, die echt gut anfingen und sich dann als totaler Flop entpuppten.
 

Yolande

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13. Februar 2020
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Den Anfang fand ich schon mal ganz interessant. Gleich zu Beginn die verstörende Szene in dem Secondhand-Shop. Sehr merkwürdig.
Bei Bea habe ich das Gefühl, dass sie es immer allen Leuten recht machen will, außerdem scheint sie ein Helfer-Syndrom zu haben. Somit ist ihre Berufswahl nachvollziehbar. Aber ihre eigenen Bedürfnisse scheint sie zu unterdrücken, oder sie hat vielleicht das Gefühl sie nicht verdient zu haben, aus welchen Gründen auch immer. Dan kommt wohl aus eher ärmlichen Verhältnissen, die Mutter alleinerziehend, für ihn es wichtig, finanzielle Sicherheit zu haben, deswegen hat er wohl auch den ungeliebten Job als Immobilienmakler ausgeübt. Dass er darüber seine Kunst vergisst ist sehr schade
he Lebensvorstellungen. Interessant, dass sie sich dennoch als Paar gefunden haben. Ich verstehe, dass Dan mit seinem Leben als hauptberuflicher Immobilienmakler nicht glücklich ist. Dennoch könnte er in seiner Freizeit, seiner Passion - der Kunst - nachgehen. Als Künstler sollte er aus dem Schaffensprozess Befriedigung ziehen können. Dass andere Künstler viel früher angefangen haben, mehr Zeit haben und in der Kunstwelt schon weiter sind als er, sollte er nicht als Vorwand missbrauchen, gar nicht erst los zu legen.
Genau meine Meinung, vielleicht wäre er dann auch glücklicher mit seinen Lebensumständen.
Ich habe das Gefühl, dass sich Bea ein wenig verändert hat seit sie ihren Bruder wiedersah. Vorher hatte ich den Eindruck, dass sie auch eher auf das Geld geschaut hat und das es ihr wichtig war "das Polster" im Hintergrund zu behalten, aber nun sieht es anders aus.
Für ihn bedeutete Geld Freiheit, für sie war es ein Käfig. Je weniger sie hatte, umso freier fühlte sie sich S. 63
Alex scheint total durchgeknallt, ich wette, er ist immer noch auf irgendwelchen Drogen. Er kommt mir vor, wie das "Reiche-Leute-Söhnchen", das die Schuld an seinem Versagen immer bei den Eltern oder anderen sucht, die ihm nicht genug Liebe oder Aufmerksamkeit während seiner Kindheit geschenkt haben und nun lebt er auf Kosten seines reichen Vaters und verachetet sich selbst deshalb dafür.
 

Anjuta

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Über die Handlung brauche ich nichts mehr zu sagen. Was mich vor allem bewegt:
Furchtbar schwache Männerfiguren in diesem Roman! Wie kann sich die toughe Bea nur mit solchen Männern (Mann und Bruder) umgeben wollen? seit der Roman in Frankreich spielt, finde ich die Atmosphäre, Landschafts- und Situationsschilderungen auch eher holzschnittartig und wenig überzeugend. In England habe ich mich deutlich wohler mit Sadie Jones gefühlt. Sie sich wohl auch mit sich selber, denke ich! Zitate kann ich derzeit nicht bringen, um diesen Eindruck zu untermauern, habe das Buch gerade nicht dabei. Das mache ich dann in Teil 2, den ich schon etwas angelesen habe (geht leider so weiter)
 
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Literaturhexle

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Ich verstehe, dass Dan mit seinem Leben als hauptberuflicher Immobilienmakler nicht glücklich ist.
Dieser Job ist aber auch krass angelegt. Immobilienmakler ist ein Klischee, in dem man es oft mit reichen Leuten, Investmenthaien und Ähnlichem zu tun bekommt. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie Dan in diesem Job erfolgreich sein soll. Er ist es ja auch nicht.
Warum tut er nicht etwas, das mit seiner Ausbildung zu tun hat? Lehrer, Museumswärter, whatever. Aber dann wäre er nìcht Dan, wie wir ihn hier sehen. Wenn ihm Geld wirklich soviel bedeutete, hätte er mal nicht Kunst studieren sollen...

Dass andere Künstler viel früher angefangen haben, mehr Zeit haben und in der Kunstwelt schon weiter sind als er,
Dan ist doch auch eine Art gescheiterte Existenz, oder? Er sieht immer gerne das, was er nicht hat und hat wenig Drive, etwas zu ändern.
Selbst wenn man es irgendwann wirtschaftlich geschafft hat, kann man nicht ausblenden, dass es ganz schnell auch wieder anders sein könnte.
Das ist unbedingt so. Im Unterbewusstsein weiß Bea, dass sie sich von Papa helfen lassen kann. Für sie scheint das fast ein Spiel zu sein. Sie nimmt den Geldmangel nicht ernst.
Bei Bea habe ich das Gefühl, dass sie es immer allen Leuten recht machen will, außerdem scheint sie ein Helfer-Syndrom zu haben
Das Wort hätte ich auch gebraucht. Bea ist der klassische Gutmensch. Sie will allen helfen, kann sich nicht mal im Urlaub von ihrem Job lösen. Sie leidet innerlich, weil sie ihre Schäfchen nicht retten kann. Sie übertreibt. Im Auto nutzt sie keine Klimaanlage, was ihr Mann auch sarkastisch kommentiert.
Auch ihren Bruder würde sie am Liebsten aus lauter Liebe therapieren und heilen.
Er kommt mir vor, wie das "Reiche-Leute-Söhnchen"
Genau. Die Autorin bietet uns hier wirklich manches aus der Klischeekiste. Aber soll ich euch was sagen? Es stört mich null. Ich lese das Buch bis jetzt richtig gerne:)
 

Literaturhexle

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Wie kann sich die toughe Bea nur mit solchen Männern (Mann und Bruder) umgeben wollen?
Empfindest du Bea als tough? Sie verdient als Therapeutin etwas Geld, aber es scheint mir fast so, dass dieses Institut halb ehrenamtlich agiert, denn der Lohn ist extrem mäßig.

Sie will Gutes tun, helfen, einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Sie ist Dans "Kompass", aber das dürfte bei ihm auch nicht schwer sein. Er wirkt auf mich antriebslos, nörgelnd und unzufrieden.
Eine Macherin ist Bea auf keinen Fall. Sie hat nur das Glück, dass sie ihren Beruf liebt.

Es wundert mich, dass die Geschwister auch untereinander nie über ihre Eltern gesprochen haben.
 
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Dieser Job ist aber auch krass angelegt. Immobilienmakler ist ein Klischee, in dem man es oft mit reichen Leuten, Investmenthaien und Ähnlichem zu tun bekommt. I
Stimmt. Dan sieht auch noch jeden Tag, wie viel besser es anderen geht. Und seine Klienten kaufen dann auch noch Immobilien, die sie selbst gat nicht brauchen, während Normalbürger sich in London schon längst keine Wohnung mehr leisten können. Da kann man schon Groll entwickeln.
 
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Warum tut er nicht etwas, das mit seiner Ausbildung zu tun hat? Lehrer, Museumswärter, whatever. Aber dann wäre er nìcht Dan, wie wir ihn hier sehen.
Er ordnet seine Wünsche vermeintliche Erwartungen unter. Wahrscheinlich meint er, dass er der Ernährer der Familie sein müsste. Anders kann ich mir das nicht erklären.
 

Literaturhexle

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Er ordnet seine Wünsche vermeintliche Erwartungen unter. Wahrscheinlich meint er, dass er der Ernährer der Familie sein müsste. Anders kann ich mir das nicht erklären.
Oder er ist so antriebslos, dass er einfach irgendwas genommen hat, was gerade angeboten wurde. Im Grunde wäre Dan doch im Handwerk besser aufgehoben als als Makler. Aber die Autorin will bewusst Pole schaffen und am Ende auch Kritik üben scheint mir. Es geht ja sehr ums Geld, um Arm und Reich. Mal abwarten.
 
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Den Anfang fand ich schon mal ganz interessant. Gleich zu Beginn die verstörende Szene in dem Secondhand-Shop. Sehr merkwürdig.
Rückblickend frage ich mich, ob diese Szene eine besondere Bedeutung hat. Es kann natürlich sein, dass dieser Einstieg lediglich dafür geschrieben wurde, die Aufmerksamkeit des Lesers zu erlangen. Aber dafür war mir diese Szene zu detailliert geschrieben. Wirklich merkwürdig.:confused:
Bea ist für mich nicht tough. Sonderlich selbstbewusst wirkt sie nicht auf mich. Sicherlich geht sie in ihrem Job auf, ist mitfühlend, kann gut auf andere Menschen eingehen. Aber wenn es um ihre eigenen Dinge geht, wirkt sie auf mich eher unsicher und auf Dan fixiert.
Dan ist doch auch eine Art gescheiterte Existenz, oder? Er sieht immer gerne das, was er nicht hat und hat wenig Drive, etwas zu ändern.
Genau, was für ein Miesepeter.
Genau. Die Autorin bietet uns hier wirklich manches aus der Klischeekiste. Aber soll ich euch was sagen? Es stört mich null. Ich lese das Buch bis jetzt richtig gerne:)
Das geht mir genauso. Zwischen den Zeilen schlummern irgendwelche geheimnisvollen Irrungen und Wirrungen, was die Geschichte sehr spannend macht. Sprachlich ist es nicht herausfordernd, was dieses Buch auch nicht braucht. Allerdings mag ich die Stimmungen, die in manchen Situationen allein durch die Beschreibung von Orten erzeugt werden. @Anjuta hat es als "holzschnittartig" kritisiert. Mir gefällt der Holzschnitt.;)
 

Renie

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Dan und Bea passen für mich nicht zusammen. Irgendetwas stört mich an ihrer Beziehung. Mein Eindruck: hässliches Entlein (Bea), das goldene Eier legen könnte, wenn es wollte, hat sich einen stolzen Schwan (Dan) gesucht.
Tatsächlich kann ich diesen Eindruck nicht belegen, er hat sich jedoch bei mir manifestiert. Mal sehen, ob ich im weiteren Verlauf der Handlung dabei bleibe.
 
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MRO1975

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Dan und Bea passen für mich nicht zusammen. Irgendetwas stört mich an ihrer Beziehung. Mein Eindruck: hässliches Entlein (Bea), das goldene Eier legen könnte, wenn es wollte, hat sich einen stolzen Schwan (Dan) gesucht.
Tatsächlich kann ich diesen Eindruck nicht belegen, er hat sich jedoch bei mir manifestiert. Mal sehen, ob ich im weiteren Verlauf der Handlung dabei bleibe.
Da ist was dran. Dan wird anlässlich des ersten Treffens mit Bea als ausgesprochen attraktiv dargestellt, während Bea neben ihren Freundinnen eher unterging. Was hat Dan gefesselt?
 
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Wandablue

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Bevor Bea mit Alex (um die Seiten 68ff herum) eine Bullshitunterhaltung führt, alles ok. Bei dieser Unterhaltung könnte ich wirklich schreien, so blöd ist die.

Aber von vorne. Bea und Dan wecken Emotionen (bei mir. Sie ägern mich total). Sie sprechen nie aus, was sie denken oder belastet, haben eine Art Harmoniesucht. So weit ich es verstanden habe, sind sie ein biracial Paar, er ist wohl schwarz, oder ? Schon allein das wäre Anlaß für x Gespräche und böte jede Menge sozialen Sprengstoff.

Bea ist eine Niete. Ich mag sie nicht. Sie läuft vor ihren Problemen davon, statt dessen kümmert sie sich lieber um die Probleme anderer. Darin ist sie allerdings gut.
Sie heiratet jemanden, von dem sie kaum etwas weiß (jedenfalls wird es bisher so verkauft) und erzählt auch ihrem Künftigen nichts von sich, zumindest kaum. Sie ist handysüchtig und realitätsfern.

Wie kann man irgendwo, wo man noch nie gewesen ist, auf einem anderen Weg zurückfinden wollen, wenn man nicht Pathfinder persönlich ist.

Wieso läuft sie weg, nur weil Leute in einer Scheune einen Gottesdienst oder eine Andacht abhalten? Das sind in der Regel die harmlosesten Leute ever und hätten ihr sicherlich geholfen, zurückzukommen.

Als Dan und Bea im verlassenenen Hotel ankommen, verstehe ich die Autorin nicht mehr. Was wäre natürlicher als gleich zu sagen, "Alex, du führst gar keinen Hotelbetrieb. Strange. Weiß Papa das?" Wozu das Drumrumgerede? Ob es Alex Spaß macht, dort zu leben? Kann er das Hotel nicht zum Laufen bringen oder will er nicht? Aber darüber wird nicht geredet. Sehr unglaubwürdig. Das würde ich wohl schon beim ersten Atemholen von mir geben! Ja, sogar bevor ich Atem hole.

Aber dann die Unterhaltung zwischen Bea und Alex auf den besagten Seiten, die zieht mir den Boden unter den Füßen weg.

Simone Weil: christliche Mysterikerin. Absurde Thesen. Wie auch immer, solche Unterhaltung führt man mit 15, 16. Über Gott und die Welt. Völlig belanglos. Absurd.

Was wirklich interessiert: Ist Alex psychisch krank? Wie lautet die Diagnose?

Der einzige wichtige Satz: "Für uns ist es anders". Klar, wer Reichtum im Rücken hat, tut sich leicht damit, ihn abzulehnen und sich keine Geldsorgen zu machen. Meine Sympathien liegen deshalb bei Dan.

Insgesamt: Die Autorin findet nicht direkt Beifall mit ihrem Thema bis jetzt. Aber sie schafft es von Anfang an, Emotionen zu schüren, den Leser zu locken und für ihre Protas zu interessieren.

Frankreich. Atmospähre. Na ja, wir sind noch am Anfang. Ein bisschen ist sie da, die Atmosphäre. Fluß, große Hotelanlage in der Walachei, Bauernhof, verstreute Siedlungen.

Sprachliche Auffälligkeiten. "In der Arbeit", das sagt man öfter. Aber ist das grammatisch korrekt? Was wäre grammatisch korrekt? Für mich "bei der Arbeit", wenn schon, besser "auf der Arbeitsstelle". Was hat ihr für ein Sprachgefühl an dieser Stelle?
 
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Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
Und seine Klienten kaufen dann auch noch Immobilien, die sie selbst gat nicht brauchen, während Normalbürger sich in London schon längst keine Wohnung mehr leisten können.
Das ist leider nicht nur in London traurige Realität. Das müsste man unterbinden. Warum finde ich so was nicht auf der Agenda der Grünen? Und warum trägt Frau Bärlauch einen roten statt eines grünen Rocks (Assoziation).

Bea ist nicht tough.
interessant, dass mein Parallelbuch "Ciry on Fire, Hallberg" dasselbe Thema hat, nur beim männlichen Protagonisten William: Reicher Bengel ist depressiv und haut von zuhause ab, um sich zu finden. Trotz allem Abwenden bleibt er aber der Erbe.
Ich verstehe diese Leute nicht. Jammern auf hohem Niveau. Als ob andere Leute (Leute aus "normalen Familien" keine Probleme hätten).