1. Leseabschnitt: Kapitel 1 (Beginn bis Seite 59)

parden

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Bin den Argumenten Hunters erstmal auf den Leim gegangen, habe nun etwas recherchiert.
Es ist gut, solche Argumente in der Hand zu haben. Dieses "wir schützen die Art und sorgen für ihre Erhaltung" ist ein Schönreden des Tötungstriebs. Dem jungen Fahrer ("tot ist tot") wollte Hunter erklären, dass es einen Unterschied macht, wer den Finger am Abzug hat. Wilderer = Mord/Ausrottung, Trophäenjäger = ehrenhaft/Arterhaltung. Bei solchen Behauptungen wird mir immer schlecht.
 

parden

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13. April 2014
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Niederrhein
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Ich bin bislang auch angetan von dem Roman, gerade die Naturschilderungen und tatsächlich die Jagd fand ich faszinierend beschrieben. Ich bin von mir selbst irritiert, dass ich Hunter, der vieles von dem verkörpert, was ich abstoßend finde, nicht von Grund auf unsympathisch finde. Ich sympathisiere auch nicht mit ihm, habe zur Jagd (und gerade bei vom Aussterben bedrohten Arten) eine klare Haltung, aber ich bin ihm gegenüber offen. Das hat die Autorin geschickt hinbekommen, denn wie ich hier lese, geht es nicht nur mir so... :)
Ich hatte erst nicht verstanden, weshalb die Wilderer denn nicht einfach das Nashorn töteten, das sie sowieso schon aus Versehen angeschossen hatten. Aber ich glaube, es war wohl zu gefährlich, weshalb sie dann doch lieber das ursprüngliche (und noch ahnungslose) Ziel auswählten. Ich bin jedenfalls gespannt, was dagegen jetzt unternommen werden soll. Der zutiefst wütende, fassungslose, enttäuschte Hunter braucht doch jetzt einen Trostpreis. Ein Löwe oder eine Antilope reichen da sicher nicht aus...
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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An sich stehe ich dem Thema Jagd, und erst recht dieser Trophäenjagd, sehr kritisch gegenüber, doch ich muss zugeben, dass meine Neugier siegt, und ich den Roman gerne lese. Es ist zwar entsetzlich wenn man liest, wie die Jagd abläuft, die das einzige Ziel hat, dieses Tier zu töten, doch man bleibt gern am Ball.
Hunter wurde bereits in der Kindheit geprägt, die Jagd ist seine Leidenschaft, die er durch seinen Beruf, besser seinem Reichtum, gut ausleben kann. Er redet sich selbst einiges schön wie ich finde, denn sein Naturschutz wirkt eher wie ein Mittel zum Zweck. Er ermöglicht durch sein Preisgeld zwar das neue Tiere kommen, doch wozu? Doch hauptsächlich damit ihm wieder was vor die Flinte kommen kann.
Seine Frau ist diejenige die die Tierköpfe an der Wand haben möchte, sehr befremdlich, es sind doch sonst meist die Jäger selbst denen die Trophäe so wichtig ist. Irritiert hat mich, dass sie das möchte, besteht aber darauf, dass sein Job an der Börse besser klingt, als wenn sie den Bekannten davon erzählt was er sonst so tut. Sie weiß anscheinend sehr gut, wie die Breite Maße zu diesem Hobby steht, und dekoriert ihr HAUS dennoch mit toten Tieren
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Hunter treibt eine Art romantische Sehnsucht nach Afrika. Doch das, wovon er träumt, gibt es schon lange nicht mehr, zerstört von Menschen wie ihm.
Wobei er sich selbst ja als Retter sieht….makaber
Ih bin gespannt wie Dawid noch in die Geschichte passen wird.
Er war mir direkt sympathisch, wenn man das nach diesen kurzen Zeilen überhaupt schon sagen kann. Ich hoffe, dass er bald eine Rolle spielen wird
Ich kaufe ihm das auch nicht ab. Der Naturschutzaspekt ist nur wichtig für ihn, weil er ohne diese Areale keine Beute machen kann...
Genau, es ist vorgeschoben, oder er redet sich so lange selbst ein, bis er daran glaubt
Ich auch nicht. Aber ihm gefällt das Gefühl etwas zu besitzen, das immer kostbarer wird und das ist eine intakte Natur.
Mit seinem Geld könnte er sicher viel mehr tun um das zu erreichen, vor allem wenn er es uneigennützig tun würde
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Die breite Masse findet überhaupt nichts dabei. Es ist lediglich eine bestimmte Sorte Bildungsbürger:innen, die damit ein Problem hätte.
Das glaube ich nun nicht. Es gibt in der Bevölkerung ein großer Anteil, die Tiere mögen. Das merkt man zwar nicht beim Essen, aber beim Umgang mit Haustieren. Und das sinnlose Abschlachten von Tieren, die man schützen muss, finden die wenigsten gut.
 

alasca

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Das glaube ich nun nicht. Es gibt in der Bevölkerung ein großer Anteil, die Tiere mögen. Das merkt man zwar nicht beim Essen, aber beim Umgang mit Haustieren.
Du sagst es, beim Essen ist es den meisten egal, Hauptsache billig. Und warum sind Hunderassen, die mit Defektgenen gezüchtet werden, derzeit so beliebt? Mopse haben fast alle Atemprobleme, weil ihnen quasi die Nase weggezüchtet wurde, weil es so süüüüüß aussieht.
Und das sinnlose Abschlachten von Tieren, die man schützen muss, finden die wenigsten gut.
Kann sein. Es kostet sie ja nichts, das doof zu finden, anders als beim Biokotelett.
 

Emswashed

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Ich habe nochmal über das Reichtum-"Problem" nachgedacht und dass Hunter sich all diese Gebiete kauft. Man kann das auch als Geldwäsche sehen!! Er handelt an der Börse, er handelt mit fiktiven Werten, er hält für seine Kunden Illusionen aufrecht... streng genommen unrechtmäßig (weil keine Leistungen dahinterstehen) erworbenes Geld, dass mit den Ländereien einen rechtmäßigen Anstrich bekommt.
 

Die Häsin

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Rhönrand bei Fulda
Ich habe nochmal über das Reichtum-"Problem" nachgedacht und dass Hunter sich all diese Gebiete kauft. Man kann das auch als Geldwäsche sehen!! Er handelt an der Börse, er handelt mit fiktiven Werten, er hält für seine Kunden Illusionen aufrecht... streng genommen unrechtmäßig (weil keine Leistungen dahinterstehen) erworbenes Geld, dass mit den Ländereien einen rechtmäßigen Anstrich bekommt.
Vielleicht will er in diesen Gebieten noch jagen. Es heißt ja von dieser einen Schlucht in Pakistan, die er den Chinesen vor der Nase weggekauft hat, dass sie das letzte Refugium einer seltenen Steinbockart sei.
 

Federfee

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13. Januar 2023
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dass Hunter sich all diese Gebiete kauft. Man kann das auch als Geldwäsche sehen!!
Oder zumindest als 'Geld parken' oder sichere Geldanlage.
Vielleicht will er in diesen Gebieten noch jagen. Es heißt ja von dieser einen Schlucht in Pakistan, die er den Chinesen vor der Nase weggekauft hat, dass sie das letzte Refugium einer seltenen Steinbockart sei.
Das kann gut sein, dass er so etwas als Hintergedanken hat, bewusst oder unbewusst.
 

Literaturhexle

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Man kann das auch als Geldwäsche sehen!
Geldwäsche ist es ja erst, wenn er das nicht rechtmäßig verdiente oder versteuerte Geld reingewaschen hat, er es also wieder legal verwenden kann. Der Kauf von Grundstücken ist zunächst einmal zu verstehen wie der Kauf von Goldbarren - eine reine Anlage.

Ob das mit Immobilien so einfach ist? Auch die amerikanische Zentralbank wacht darüber, wenn große Beträge an USD ins Ausland transferiert werden. Hunter müsste das Geld schon im Koffer über die Grenze getragen haben...

Eine irrlichternde Gestalt ist er ohne Zweifel. Seine Geschäfte in der Finanzbranche werden auch bewusst zwielichtig und stereotyp vermittelt.
 

Die Häsin

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Rhönrand bei Fulda
Wir müssen Hunter das jedenfalls zugute halten. Wenn wir feststellen, dass seine Jagd per se verwerflich ist, egal ob sie für die Natur Nutzen hat oder nicht (was er sich ja einredet), dann müssen wir umgekehrt auch feststellen, dass seine Landkäufe für die Natur Nutzen haben, egal ob das sein Ziel ist oder nicht.
 

alasca

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Ich habe nochmal über das Reichtum-"Problem" nachgedacht und dass Hunter sich all diese Gebiete kauft. Man kann das auch als Geldwäsche sehen!! Er handelt an der Börse, er handelt mit fiktiven Werten, er hält für seine Kunden Illusionen aufrecht... streng genommen unrechtmäßig (weil keine Leistungen dahinterstehen) erworbenes Geld, dass mit den Ländereien einen rechtmäßigen Anstrich bekommt.
Das hat sicherlich knallharte materielle Gründe, aber Hunter ist auch eine Art verquerer Romantiker. Ich glaube, ihm gefällt einfach der Gedanke, dass er in diesen Gebieten die Zeit anhalten kann, dass er dort machen kann, was er will.

Machen, was er will, Macht ausüben - das ist der Hauptgrund für sein Handeln, ob als Banker oder als Jäger. Und in beidem hat er beträchtliche Kenntnisse erworben, die ihm Erfolg bescheren. Das nötigt einem, wenn auch widerwillig, trotz allem Respekt ab.
 

alasca

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Ich habe nochmal über das Reichtum-"Problem" nachgedacht und dass Hunter sich all diese Gebiete kauft. Man kann das auch als Geldwäsche sehen!! Er handelt an der Börse, er handelt mit fiktiven Werten, er hält für seine Kunden Illusionen aufrecht... streng genommen unrechtmäßig (weil keine Leistungen dahinterstehen) erworbenes Geld, dass mit den Ländereien einen rechtmäßigen Anstrich bekommt.
Die Börsengewinne mag man als unmoralisch verurteilen, aber sie sind legal.

Mit Geldwäsche haben die Landkäufe nichts zu tun - diese dient dem Zweck, die Herkunft illegal erworbenen Geldes zu verschleiern, etwa aus Menschen- oder Drogenhandel.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Das hat sicherlich knallharte materielle Gründe, aber Hunter ist auch eine Art verquerer Romantiker. Ich glaube, ihm gefällt einfach der Gedanke, dass er in diesen Gebieten die Zeit anhalten kann, dass er dort machen kann, was er will.

Machen, was er will, Macht ausüben - das ist der Hauptgrund für sein Handeln, ob als Banker oder als Jäger. Und in beidem hat er beträchtliche Kenntnisse erworben, die ihm Erfolg bescheren. Das nötigt einem, wenn auch widerwillig, trotz allem Respekt ab.
Er macht vieles einfach auch deshalb, weil er es kann. Das hat , wie Du sagst, sehr viel mit Macht zu tun.
 

Federfee

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13. Januar 2023
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Ich bin zwar schon viel weiter, muss aber doch einige Stellen noch mal lesen...
Mir ist aufgefallen, wie Hunter (und wahrscheinlich lässt sich das auf viele und vieles übertragen) sich alles schön redet und zurecht biegt, Widersprüche, die sich auftun. So verachtet er die Touristen, die sich in Jeeps herumfahren lassen, betont das Ursprüngliche, Wilde, Archaische, aber dann akzeptiert er die Überwachung mit Wildkameras und Laptops und sagt sich: Ach, das haben die früher doch schon gemacht, diese Überwachung, mit Kleinflugzeugen. Man kann ja auch nicht wochenlang hinter der Beute herlaufen. Ne, nich? Also Speed-hunting :apenosee

Dann redet er sich ein, wie gut es für den Genpool ist, wenn dieses alte Nashorn nicht mehr da ist. Später meint er, der Busch sei groß genug für alle. Ja, was denn nun?
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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sich alles schön redet und zurecht biegt,
Das tut er fast bis zum Ende. Er macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Erst im letzten LA fällt ihm das vor die Füße. Da entwickelt er ein bisschen mehr Klarheit. Sein Charakter wird schon glaubwürdig anhand vieler Beispiele skizziert. Hunter bleibt sich fast immer treu und damit kalkulierbar.