1. Leseabschnitt: Beginn bis Seite 88

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
4.471
15.195
49
65

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
4.471
15.195
49
65
Selma Lagerlöf hat eine sehr feine Klinge, wenn sie Sätze mit so großem Bedauern beginnt und am Schluss eine Spitze dran setzt,
Das ist genial!
So, nach dem ersten Leseabschnitt bin ich sehr verliebt in das Buch
Ich auch.
Ich fand das so herrlich, wie die Oberstin einen Bewerber für die Tochter zurückweist, weil sie meinte, er habe einen schlechten Geschmack ...
So bös!
Auch wenn wir nicht wirklich wünschen können, dass Charlotte diesen Kerl heiratet, finde ich es doch eine merkwürdige Eigenart ihres Charakters, dass sie es förmlich darauf anlegt, ihn noch mehr zu verärgern.
Wir erleben es bei Karl Artur, dass er wider besseres Wissen handelt. Er beobachtet sich selbst, wie er Charlotte in übelster Weise zusammenstaucht, obwohl ihm eine innere Stimme sagt, dass sie das wohl nicht verdient hat und dass sie es von jeher ablehnt, Leute, die schlecht von ihr denken, eines Besseren zu belehren (S. 86).
Mir kommen in diesem Gespräch beide vor wie Getriebene. Charlotte hält ihm vor, er könne ja ohnehin nicht zum Bischof aufsteigen (obwohl sie bisher doch darauf hingewirkt hat, dass er es wird, und an seine Fähigkeiten glaubte!), Karl Artur schimpft auf sie ein, obwohl er genau weiß, dass sie ihm nur immer neuen Zunder geben wird.

Das ganze Gespräch ist geradezu toxisch. Beide zeigen sich von ihrer allerschlechtesten Seite.
Was soll denn dabei herauskommen, wenn diese beiden heiraten? Es graut einen ... :apenosee
Psychologisch sehr gut gemacht und aufschlussreich in Bezug auf die beiden Charaktere ist dieses Gespräch. Der Leser erfährt von den jeweilen Überlegungen und dem, was sie dann tatsächlich sagen. Charlotte ist eine stolze Frau und weiß, um ihren Wert. Wenn jemand sie partout missverstehen und verkennen will, hat sie keine Lust, sich zu verteidigen.
Ich sehe bisher auch keine Basis für eine glückliche Ehe. Außer Karl Artur macht wieder eine radikale Kehrtwendung. Dass er stark beeinflussbar ist, hat er schon gezeigt.
Der Einsatz der typischen "weiblichen Mittel", Schmeichelei und sanftes Drängen, liegt ihr wohl eigentlich gar nicht.
Die typischen Mittel setzt sie nur so lange ein, wie sie sich nicht groß verbiegen muss. Das gefällt mit an ihr.
 

luisa_loves-literature

Aktives Mitglied
9. Januar 2022
412
1.634
44
So, nach dem ersten Leseabschnitt bin ich sehr verliebt in das Buch.
Ich auch! Herrlich!
Auf der anderen Seite lässt sie, sobald es zum Streit kommt, sofort alle Diplomatie fahren.
Ich hatte eher den Eindruck, dass sie nur nicht gut mit direkter (unzutreffender) Kritik umgehen kann. Im Text steht "Hatte er nicht gemerkt, das Charlotte Löwensköld es verachtete, sich zu verteidigen? Wenn jemand schlecht von ihr dachte, versuchte si nie die betreffende Person eines Besseren zu belehren." (86) Karl-Artur dichtet ihr etwas an und damit kann und will sie nicht umgehen. Für mich ist das kein Widerspruch zur sonstigen weiblichen Diplomatie. Solange sie von Karl-Artur nicht direkt angegriffen wird, ist alles gut bei den beiden.
Wenn jemand sie partout missverstehen und verkennen will, hat sie keine Lust, sich zu verteidigen.
Genau. Wäre mir auch zu doof. Und ich hatte in der Szene auch wirklich den Eindruck, dass Karl-August die Rolle der Drama-Queen sehr genießt. Er ist für mich ein wenig die Karikatur eines romantischen Helden. Küsse, Eifersucht, Gefühle - erst ist ihm völlig egal, was Charlotte über Schagerström sagt, Hauptsache, er kann sich in seiner Rolle suhlen.
 

luisa_loves-literature

Aktives Mitglied
9. Januar 2022
412
1.634
44
Mir gefällt der Roman auch sehr gut - ich mag es ja, wenn eine Erzählinstanz ihre Figuren kritisch beäugt. Bis jetzt kommt eigentlich auch nur Charlotte einigermaßen gut weg - ich finde sie bisher auch noch nicht ausreichend charakterisiert, habe das Gefühl sie noch nicht zu kennen, während sich von der Obersten und ihrem Goldjungen schon ein sehr klares Bild abzeichnet.

Da grenzt das Verhältnis ja schon an Affenliebe: eine Mutter, die dem Sohn alles verzeiht, während der Schneeschmelze durch Schweden jagt, damit er durch ihr Verzeihen doch noch die Lateinklausur (!!) besteht, und die dann auf der Hochzeit ihrer Tochter mit einem Leutnant, den diese nur heiratet, damit der Makel einer nichtbestandenen Lateinklausur (!!!!!) übertüncht wird, ihrem Sohn zum Gefallen den Tanz verbietet und dafür ihren fantastischen Ruf als sensationelle Gastgeberin aufs Spiel setzt? Das ist so drüber und erinnert mich in gewisser Weise an "Emma", da hält der Vater die Tochter ja auch für unfehlbar. Karl-August ist der Prototyp des verwöhnten Jünglings, der nun meint, eine Lebensaufgabe gefunden zu haben (die Frage ist, ob er alle Ambitionen nicht auch deshalb zurückweist, weil er weiß, dass er nicht reüssieren würde?).
 

alasca

Bekanntes Mitglied
13. Juni 2022
1.330
3.955
49
Karl-August ist der Prototyp des verwöhnten Jünglings, der nun meint, eine Lebensaufgabe gefunden zu haben (die Frage ist, ob er alle Ambitionen nicht auch deshalb zurückweist, weil er weiß, dass er nicht reüssieren würde?).
Würde er wahrscheinlich. Jedenfalls mit Charlotte an seiner Seite. Aber dieser Typ glaubt nicht, dass er Hilfe braucht, er hält sich für vollkommen. Gefällt sich in Opfermut, fühlt sich dadurch edel und anderen Menschen überlegen (und hat ja immer noch das reiche Elternhaus im der Hinterhand).

Das ist oft so bei religiösen Menschen: Sie denken, ihr Glaube macht sie zu etwas Besonderem.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
2.629
9.512
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Später wandelt dich Karl-Artur zu keinem sehr angenehmen Zeitgenossen, was wohl Charlotte an ihm wirklich liebenswert findet?
Das frage ich mich allerdings auch. Gut, seine Predigen scheinen ansprechend zu sein, aber ansonsten möchte ich ihr zurufen, schnell das Weite zu suchen. Mir ist der Pietismus sowieso äußerst suspekt, die Beispiele in meiner Umgebung sind abschreckend.

Die Erzählstimme ist, finde ich, eine Besonderheit in dem Roman überhaupt. Immer wieder kommt (auch in meiner alten Übersetzung) am Satzanfang ein "Seht ...". Ich imaginiere an diesen Stellen immer einen mündlichen Erzähler (oder vielmehr eine Erzählerin, eine alte Frau), umgeben von einem aufmerksam zuhörenden Publikum. Die alte Geschichtenerzählerin am Kamin. In dem Kapitel über Schagerströms Heiratsantrag kommt zu der Erzählstimme nun noch die Publikumsstimme hinzu, die Zuhörer, die immer wieder dazwischenrufen: "Komm zum Punkt!" Das ist m.E. ein Kabinettstückchen der Erzählkunst. Als ich das Buch zum ersten Mal las, damals muss ich wohl ca. zwölf oder dreizehn gewesen sein, konnte ich mich über dieses Kapitel gar nicht beruhigen vor Begeisterung; so etwas hatte ich noch nie gelesen.
Ich kenne das sonst eher aus der Kinderliteratur, beispielsweise von Astrid Lindgren oder Kirsten Boie. Es ist so überraschend, als Leserin miteinbezogen zu werden. Du hast recht, es begeistert.

Den Satz, dass Charlotte Schagerström heiraten würde, sagt sie im Spaß und die Kaffeegesellschaft lacht darüber. Der narzisstisch veranlagte K-A wird beeinflusst von Thea Sundler eifersüchtig.
K-A hat keinerlei Antenne für Ironie und Sarkasmus, das zeigt sich mehrfach. Überhaupt wirkt er auf mich mäßig intelligent und sehr beeinflussbar.

Nach meiner Einschätzung muss sie sich in der Phase davor - als sie ihn drängte, eine Karriere nicht so flott auszuschlagen - ziemlich "verrenkt" haben. Der Einsatz der typischen "weiblichen Mittel", Schmeichelei und sanftes Drängen, liegt ihr wohl eigentlich gar nicht.
Genau das macht sie mir sympathisch.
 

Barbara62

Bekanntes Mitglied
19. März 2020
2.629
9.512
49
Baden-Württemberg
mit-büchern-um-die-welt.de
Ich bin sehr glücklich, dass ich nun endlich mit einem Buch von Selma Lagerlöf klarkomme. "Gösta Berling" habe ich abgebrochen, "Nils Holgersson" war mir in weiten Teilen zu ausschweifend und zu pädagogisch, aber "Charlotte Löwensköld" lese ich richtig gern. Vor allem der Humor und die Ironie haben es mir angetan. War das in den beiden anderen Werken auch vorhanden und ich habe es nicht bemerkt (ist sehr lange her)?
 
Zuletzt bearbeitet:

Die Häsin

Bekanntes Mitglied
11. Dezember 2019
3.457
11.228
49
Rhönrand bei Fulda
Ich bin sehr glücklich, dass ich nun endlich mit einem Buch von Selma Lagerlöv klarkomme. "Gösta Berling" habe ich abgebrochen, "Nils Holgersson" war mir in weiten Teilen zu ausschweifend und zu pädagogisch, aber "Charlotte Löwensköld" lese ich richtig gern. Vor allem der Humor und die Ironie haben es mir angetan. War das in den beiden anderen Werken auch vorhanden und ich habe es nicht bemerkt (ist sehr lange her)?
Nils Holgersson ist halt eine Kindergeschichte, mit explizit pädagogischen Absichten. Ich habe es trotzdem gern gelesen. Mit Gösta kam ich auch nicht klar. Aber ich habe beschlossen, es nochmal zu versuchen.
 

Emswashed

Bekanntes Mitglied
9. Mai 2020
1.913
6.147
49
So, nun bin auch ich endlich eingestiegen. Aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich zuvor noch nichts von Lagerlöf las. Natürlich kenne ich Nils Holgersson... aus dem TV:apenosee.

Ein interessantes Bürschchen, dieser Karl-Artur. Als Hahn im Korb aufgewachsen, von seiner Mutter geradezu verehrt, musste er ja irgendwann denken, dass alles, was er sich erdenkt, einfach richtig ist. Wenn es nicht der pietistische Mitstudent gewesen, sondern vielleicht ein Wanderzirkusdirektor, der ihm über den Weg gelaufen wäre, so wäre er diesen Lebensweg gegangen.
Erst ist ihm seine Mutter hörig und versagt sich das Vergnügen auf der Hochzeit ihrer Tochter, die sie ja auf dem Scheitherhaufen der Reputation geopfert hat, später sind es sogar verheiratete Frauen (Frau des Organisten) die vor lauter Ehrfurcht keinen Ton hervorbringen. Was ist es, was die Frauen so anzieht? Aussehen?
Nach 5 Jahren Verlobungszeit sollte auch Charlotte mitbekommen haben, dass Karl-Artur ziemlich selbstgerecht ist. Ihre Koketterie, mit der sie K.A. lenken will, hat nur begrenzte Auswirkungen. Dass sie sich im Garten fast wieder kriegen, liegt nur am erotischen Moment, dem auch K.A. machtlos erliegt... bis er sich wieder empören kann. Seufz!
Schagerström ist aber auch nicht die richtige Partie für Charlotte. Er sucht nur eine "treue" Haushälterin.
Vielleicht ist der Ring des Generals keine Voraussetzung, aber im Kapitel "Wünsche" hats mich dann doch ein wenig ob der Verwandtschaftverhältnisse aus der Bahn geworfen.
Auch macht dieses Kapitel Lagerlöfs Erzählweise, die Kapitel fast wie eigenständige Kurzgeschichten aufzubauen, ziemlich deutlich. Hätte ich diesen Tipp aus dem Nachwort nicht bekommen, wäre ich spätestens da ziemlich "lost" gewesen.

Ich mag, was ich da lese. Ich könnte mich zwar die ganze Zeit maßlos darüber aufregen, welche Macht die Männer, ja sogar die eigenen Söhne über die Frauen hatten, aber ich bin gespannt, wie Selma "zurückschlägt"!:p
 

Anjuta

Bekanntes Mitglied
8. Januar 2016
1.443
3.892
49
61
Essen
Auch wenn der Roman eine Titelheldin hat, so ist im ersten LA doch deutlich eine andere Figur im Vordergrund: Karl-Artur. Seine Person wird uns in seiner Beziehung zu zwei starken Frauen nahegebracht und durch deren Augen gespiegelt: seine Mutter, die Oberstin und seine Verlobte Charlotte. Er steht deutlich in deren Schatten, die Frauen haben hier schon die Oberhand, auch wenn sie - wie die Mutter - mit einem Titel bezeichnet werden, der rein durch die Heirat von ihrem Mann auf sie übertragen wird. Starke Frauen! Und eine starke weibliche Schreibe, mit der Selma Lagerlöff mich hier sehr schnell gefangen genommen hat!
 

RuLeka

Bekanntes Mitglied
30. Januar 2018
4.471
15.195
49
65
Was ist es, was die Frauen so anzieht? Aussehen?
Es ist bei jeder etwas anderes.
Die Mutter liebt natürlich ihren Sohn, allerdings kritiklos und blind für seine Defizite.
Charlotte mag sein schönes Aussehen auch sofort aufgefallen sein. Allerdings hat sie wenig Auswahl. Die Bauern und die einfachen Leute im Dorf kommen für sie nicht infrage, denen ist sie von ihrem Stand her überlegen. Allerdings ist sie selbst mittellos, das schränkt die Auswahl weiter aus. Sie lebt seit Jahren in einem Pfarrerhaushalt, da bietet sich der Hilfspfarrer doch an. Und da er über eine gewisse Intelligenz verfügt, hofft sie, dass er beruflich so weit aufsteigen kann, dass eine Heirat möglich ist. Sie braucht einen Ehemann, denn wenn das Probstehepaar stirbt, steht sie mittellos da.
Und die Organistenfrau weiß nicht, wohin mit ihrer romantischen Schwärmerei. Da kommt der schöne Hilfspfarrer, der so erbauend predigt, gerade recht.
Schagerström ist aber auch nicht die richtige Partie für Charlotte. Er sucht nur eine "treue" Haushälterin.
Schagerström sucht überhaupt nicht. Er liebt seine verstorbenene Frau noch immer und will keinen Ersatz für sie.
Starke Frauen! Und eine starke weibliche Schreibe,
Beides habe ich so nicht erwartet.
 

otegami

Bekanntes Mitglied
17. Dezember 2021
1.202
4.199
49
70
Mich bringt das Buch ja immer wieder auch zum Lachen. Das erste Mal auf Seite 7 Die Oberistin hatte auch einen Oberst....
und als sich der Goldjunge als Lotterstudent entpuppt
Genau, da musste ich auch feixen. Ich kenne auch solche Ehen, wo die Männer eine Nebenrolle spielen. Witzigerweise (naja, eigentlich ist es ja traurig) haben diese Frauen auch ein Lieblingskind, das dann fast zum Ersatzpartner wird. :rolleyes:
Später wandelt dich Karl-Artur zu keinem sehr angenehmen Zeitgenossen, was wohl Charlotte an ihm wirklich liebenswert findet?
So ein Eiferer!!!!! :p :eek: Was Charlotte an ihm liebenswert findet, habe mich auch gefragt! Ich dachte dauernd: "Mädle, nimm die Beine in die Hand und rennnnnnn!!!!!!"
In den ersten Seiten des Kapitels "Der Heiratsantrag" hört man ganz genau eine übergeordnete Erzählstimme. S. 44 "Aber was hat denn das alles...."...."Auf die Art kommen wir ja ganz weg von Schagerström..."
Das fand ich auch einfach köstlich! :cool:
Ich fand das so herrlich, wie die Oberstin einen Bewerber für die Tochter zurückweist, weil sie meinte, er habe einen schlechten Geschmack
In der Haut der Tochter möchte ich nicht stecken.
Sehe ich genauso! (Könnte die 'Oberstin' heute auch nicht mehr bringen! ;)Da bräuchte die Tochter höchstwahrscheinlich danach einen Psychiater! ;) )
Das ganze Gespräch ist geradezu toxisch. Beide zeigen sich von ihrer allerschlechtesten Seite.
Was soll denn dabei herauskommen, wenn diese beiden heiraten? Es graut einen ... :apenosee
Toxisch ist das richtige Wort: da kann eigentlich nur noch jeder falsch reagieren und dabei schaukeln sie sich gegenseitig hoch! :oops:
So, nach dem ersten Leseabschnitt bin ich sehr verliebt in das Buch.
Ich auch! :joy So richtig was zum Entspannen! :smileeye

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich die Manesse Ausgaben in diesem Format liebe.
Ich auch!!!!! :joy
 
  • Like
Reaktionen: RuLeka und Emswashed

otegami

Bekanntes Mitglied
17. Dezember 2021
1.202
4.199
49
70
Würde er wahrscheinlich. Jedenfalls mit Charlotte an seiner Seite. Aber dieser Typ glaubt nicht, dass er Hilfe braucht, er hält sich für vollkommen. Gefällt sich in Opfermut, fühlt sich dadurch edel und anderen Menschen überlegen (und hat ja immer noch das reiche Elternhaus im der Hinterhand).

Das ist oft so bei religiösen Menschen: Sie denken, ihr Glaube macht sie zu etwas Besonderem.
Ich weiß nicht, ob sich das nur auf religiöse Menschen beschränkt! ;) (Ansonsten unterschreibe ich jedes Wort!)
Psychologisch sehr gut gemacht und aufschlussreich in Bezug auf die beiden Charaktere ist dieses Gespräch. Der Leser erfährt von den jeweilen Überlegungen und dem, was sie dann tatsächlich sagen.
Das fand ich auch genial!
Genau. Wäre mir auch zu doof. Und ich hatte in der Szene auch wirklich den Eindruck, dass Karl-August die Rolle der Drama-Queen sehr genießt. Er ist für mich ein wenig die Karikatur eines romantischen Helden. Küsse, Eifersucht, Gefühle - erst ist ihm völlig egal, was Charlotte über Schagerström sagt, Hauptsache, er kann sich in seiner Rolle suhlen.
Geht mir genauso! *Giggel* 'Drama-Queen! :rofl (Aber genial beschrieben! ;) )
Starke Frauen! Und eine starke weibliche Schreibe, mit der Selma Lagerlöff mich hier sehr schnell gefangen genommen hat!
Beides habe ich so nicht erwartet.
Hach ja, ich geniiiieeeeße das und @RuLeka, ich hatte es auch nicht erwartet! (Das ist wirklich auch für mich eine positive Überraschung! ;) )
Schagerström sucht überhaupt nicht. Er liebt seine verstorbenene Frau noch immer und will keinen Ersatz für sie.
Das ist bis jetzt der einzige Mann, der mir in diesem Roman gut gefällt! :rofl
 

milkysilvermoon

Bekanntes Mitglied
13. Oktober 2017
1.558
4.066
49
Ich bin nun endlich auch in den Roman gestartet. Mein erster Eindruck war, dass der Schreibstil sehr gut lesbar ist. Der süffisante Erzählton und die Spitzen sind amüsant. Ich hatte mich auf eine etwas sperrigere Lektüre eingestellt und bin positiv überrascht.

Der Fokus auf die Frauenfiguren finde ich angenehm modern, wobei man durchaus die Zwänge der damaligen Zeit erfährt.

Kurzum: Ich denke, dass es eine vergnügliche Lektüre wird. Zumindest stimmen mich die ersten Kapitel sehr optimistisch.
 

Lesehorizont

Bekanntes Mitglied
29. März 2022
1.195
4.361
49
52
Mainz
Den Satz, dass Charlotte Schagerström heiraten würde, sagt sie im Spaß und die Kaffeegesellschaft lacht darüber. Der narzisstisch veranlagte K-A wird beeinflusst von Thea Sundler eifersüchtig
Naja- ich kann schon gut nachvollziehen, dass Karl-Artur von dieser Positionierung Charlottes nicht begeistert ist. Tatsächlich hegt er eine Eifersucht, und die ist ja nicht ganz unbegründet.
Genau. Wäre mir auch zu doof. Und ich hatte in der Szene auch wirklich den Eindruck, dass Karl-August die Rolle der Drama-Queen sehr genießt. Er ist für mich ein wenig die Karikatur eines romantischen Helden. Küsse, Eifersucht, Gefühle - erst ist ihm völlig egal, was Charlotte über Schagerström sagt, Hauptsache, er kann sich in seiner Rolle suhlen.
Mmh, mal abwarten, wie sich meine Sympathien und Antipathien letztlich verteilen werden. Bislang kann ich Beide bis zu einem gewissen Grade verstehen.
Das ist oft so bei religiösen Menschen: Sie denken, ihr Glaube macht sie zu etwas Besonderem
Das ist mir so ein wenig zu pauschal formuliert. Sicher gibt es das, aber es gibt auch genug, die sich wegen Erfolg oder anderen Kriterien als bessere Menschen betrachten. Würde ich jetzt nicht primär mit gläubigen Menschen in Verbindung bringen...
Ich bin sehr glücklich, dass ich nun endlich mit einem Buch von Selma Lagerlöf klarkomme. "Gösta Berling" habe ich abgebrochen, "Nils Holgersson" war mir in weiten Teilen zu ausschweifend und zu pädagogisch, aber "Charlotte Löwensköld" lese ich richtig gern. Vor allem der Humor und die Ironie haben es mir angetan
Für mich ist es das erste Buch der Autorin. Auch mir gefallen der Humor und die Ironie.
 

Lesehorizont

Bekanntes Mitglied
29. März 2022
1.195
4.361
49
52
Mainz
Der erste Abschnitt ist nun gelesen. Schreibstil und Erzählaufbau sagen mir zu.
Wir lernen die Protagonisten kennen und merken bald, dass Charlotte und Karl-Artur eigentlich nicht füreinander beschaffen sind. Uns ist das klar, aber mal sehen, ob sie selbst auch zu diesem Schluss kommen.
Bislang sind es die Frauen, die im Vordergrund der Geschichte stehen. Es scheint ein Anliegen Lagerlöffs, das Frauenbild der Zeit anzuprangern.
Ich lese sehr gerne weiter, auch wenn mich die kleine Schrift mitunter etwas anstrengt.
 

alasca

Bekanntes Mitglied
13. Juni 2022
1.330
3.955
49
Das ist mir so ein wenig zu pauschal formuliert. Sicher gibt es das, aber es gibt auch genug, die sich wegen Erfolg oder anderen Kriterien als bessere Menschen betrachten. Würde ich jetzt nicht primär mit gläubigen Menschen in Verbindung bringen...
Ich habe weiter oben schon mal drauf geantwortet: Stimmt alles. Aber religiöse Menschen sind die einzigen, die glauben "Atsch, ich komm in den Himmel, aber du nicht!"
 

Literaturhexle

Moderator
Teammitglied
2. April 2017
15.545
35.833
49
So, nun ich mal als Schlusslicht. Mir gefällt das Büchlein bislang sehr. Endlich mal etwas Leichteres;)
Meine Sympathien sind bei der Titelheldin.
Da grenzt das Verhältnis ja schon an Affenliebe: eine Mutter, die dem Sohn alles verzeiht,
Wunderbar, wie Lagerlöf das aufzieht in den einzelnen Kapiteln, die zunächst wenig miteinander zu tun haben. KA ist ein verwöhntes Söhnchen, dem niemand je Grenzen gesetzt hat. Tolle Figur.
Das ist oft so bei religiösen Menschen: Sie denken, ihr Glaube macht sie zu etwas Besonderem.
Das kann ich nicht bestätigen. Hier wird meines Erachtens ein gängiges Klischee bedient, aber das wird sehr gut gemacht.
Überhaupt wirkt er auf mich mäßig intelligent und sehr beeinflussbar.
Er kann, wenn er will. Auch in Latein hat er sich im zweiten Anlauf dahinter geklemmt. Meist hatte er Bestnoten. Dumm ist er nicht. Aber wankelmütig und beeinflussbar. Sein Heil sieht er in der Armut einer winzigen Pfarrei. Dann sollte er Fairness halber Charlotte freigeben.
Auch macht dieses Kapitel Lagerlöfs Erzählweise, die Kapitel fast wie eigenständige Kurzgeschichten aufzubauen, ziemlich deutlich.
Wunderbar!