1. Leseabschnitt: Beginn bis Seite 80

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Also, ich bin durch mit dem ersten Abschnitt und insgesamt finde ich das Buch bislang fast unangenehm, als würde man etwas belauschen, das eigentlich in die Privatsphäre gehört, sodass ein gewisser Effekt des Fremdschämens eintritt.
Wie gerne möchte man Mäuschen sein……hier tritt man eher die Flucht an, da bin ich ganz bei dir. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Ehe in erster Linie aus Streitigkeiten zu bestehen
 

Julea56

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7. Juli 2023
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Die beiden Männer Peer und Petrus: sie haben dieselben Vornamen, merkwürdig.
Ich finde sie beide sehr übergriffig und hätte, wären es meine Nachbarn, den dringenden Wunsch, Grenzen zu ziehen.
Diese Übergriffigkeit ist mir auch aufgefallen, als z.B. der neue Teppichboden kommentiert wird. Anderserseits ist auch Maarten übergriffig, da er oft sehr persönliche Fragen stellt und auch nicht lockerlässt, selbst wenn er eigentlich merken könnte, dass das Gegenüber die Frage nicht beantworten möchte.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Ich frage mich, ob der Erzähler die Dialoge immer vollständig nacherzählt oder ob er seine Rolle in dem Drama beschönigt, sodass seine Frau sehr negativ, er aber als verständnisvoll und ruhig dasteht.
Die Frage ist sehr berechtigt. Maarten verkauft sich in dem ganzen Drama zwar gut, aber er ist direkt betroffen und bestimmt kein zuverlässiger Erzähler.
Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Ehe in erster Linie aus Streitigkeiten zu bestehen
Wobei wir im Wesentlichen Szenen beschrieben bekommen, die mit PP im Zusammenhang stehen. Ansonsten wirken die beiden schon wie ein Team. Wenn sie zum Beispiel vom Urlaub erzählen, Fahrrad fahren oder den Abwasch gemeinsam erledigen.
Dieses Diskriminierungsthema erhitzt die Gemüter und steigert sich bei N ins Unermessliche. Ich habe abgesehen vom Streitthema nicht das Gefühl, eine kaputte Ehe zu sehen. Offenbar hat N auch bewusst auf Kinder verzichtet. Deshalb fühlt sie sich von anderen diskriminiert - allen voran von der Schwiegermutter.
 

dracoma

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16. September 2022
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parden

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13. April 2014
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Der Streit läuft immer ähnlich ab:
M. sagt etwas meist Alltägliches. N. nimmt die Botschaft nicht so auf, wie sie gesagt wird, sondern unterstellt der Botschaft andere Inhalte wie Homophobie. Der nächste Schritt ist dann die Generalisierung, die Emotionalisierung und der persönliche Rundumschlag: "Du warst schon immer so!" Und dann kommt eine weitere Generalisierung: "Wie Deine Mutter!"
Die Kommunikation läuft also nicht rund.
Und weil jedes Streitgespräch nach diesem Muster abläuft, langweilen mich die Szenen.
Gut beschrieben. Und ja, das geht mir genauso. Ich muss mich zwingen, zwischendurch nicht einfach querzulesen, weil alles so ähnlich schon da war...
 

parden

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13. April 2014
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So, auch durch mit dem 1. Abschnitt. Anfangs fand ich es ganz unterhaltsam, und ja, Loriot kam mir an einigen Stellen auch in den Sinn. Aber in der Summe der ständigen und immer gleichen Streitereien doch auch ermüdend. Psychokacke, sorry. N. nervt mich mit ihrer Art ebenso wie viele andere hier. Ohne wirkliche Lebensaufgabe und in den Wechseljahren driftet sie gerade ganz schön ab. Wie alles ständig verdreht wird, in die Schiene der Homophobie gepresst, sie sich selbst damit zu erhöhen versucht. Dazu die ständige Heulerei - worum weint sie überhaupt? Wenn das alles nicht so nervig wäre, könnte sie einem leid tun.

Ich glaube schon, dass Nicolien und Lousje miteinander zu tun haben und J.J. Voskuil sozusagen aus dem "echten" Leben heraus schrieb. Das Vorwort habe ich zumindest dahingehend interpretiert. "Ich fühlte mich meinem verstorbenen Mann gegenüber deshalb dazu verpflichtet, mich über meinen schwächeren Einwand, die Streitereien zwischen ihm und mir, hinwegzusetzen und das Buch doch noch zu veröffentlichen..."
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Offenbar hat N auch bewusst auf Kinder verzichtet. Deshalb fühlt sie sich von anderen diskriminiert - allen voran von der Schwiegermutter.

Das wird mehrmals erwähnt, aber auch hier fehlt der kleinste Gedanke von Maarten. Trägt er die Entscheidung seiner Frau mit, bedauert er die Kinderlosigkeit, hat er gehofft, seine Mutter würde seiner Frau schon den Kopf waschen....?

Mir kommt Maarten eher so vor, als wenn alle ihr Ding machen können, aber ihn gefälligst mit den Konsquenzen in Ruhe lassen sollen.
Darauf wollte ich auch zu sprechen kommen - merkt das denn keiner?

Natürlich, das ist der Hauptfokus in dieser Geschichte. Manche Nachbarschaften funktionieren ja echt so, aber diese beiden Parteien agieren ja nun sehr ambivalent miteinander.
Ich glaube schon, dass Nicolien und Lousje miteinander zu tun haben und J.J. Voskuil sozusagen aus dem "echten" Leben heraus schrieb.
So empfinde ich das auch die ganze Zeit.
OMG! Welch ein unvorteilhaftes Bild wirft das auf die Ehefrau! Es wäre mir peinlich gewesen zuzugeben, dass dieses Gekeife auch noch wahrheitsgetreu wiedergegeben ist...
Bedenke, zu welchen "Unfassbarkeiten" Menschen bereit sind, um berühmt zu werden, oder (in diesem Fall) an Geld zu kommen!
 

parden

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Natürlich, das ist der Hauptfokus in dieser Geschichte. Manche Nachbarschaften funktionieren ja echt so, aber diese beiden Parteien agieren ja nun sehr ambivalent miteinander.
Mit "Merkt das denn keiner?" meinte ich nicht die Leserschaft hier, sondern Maarten und seine Frau ;) War etwas missverständlich ausgedrückt. War schon spät gestern... :think
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Darauf wollte ich auch zu sprechen kommen - merkt das denn keiner?
Ich bin ja schon weiter, habe aber das Verhältnis der Nachbarn zueinander schon von Anfang an als "ungesund" bezeichnet. Allerdings sehe ich die Distanzlosigkeit zunehmend auf beiden Seiten: man lässt sich kaum Luft zum Atmen, besucht nach dem Urlaub fast eher die Nachbarn, als dass man die eigene Wohnung betritt. Ständige Einladungen, die über Stunden gehen...
Ganz furchtbar! (Für mein Empfinden)
 

buchregal

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8. April 2021
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Es ist interessant, dass das Buch erst nach dem Tod von gewissen Leuten veröffentlicht wurde. Die Nachbarn sind mit ihren Eigenheiten doch gut gezeichnet und es gibt über sie noch nichts, was sie so sehr verärgern könnte.

Dagegen ist das Verhältnis von Nicolien und Maarten schwierig. Nicolien hat ein übertriebenes Mitgefühl gegenüber Underdogs aller Art und Maarten hat eine zurückhaltende Einstellung. Egal was er sagt, Nicolien versteht ihn falsch. Sie greift die Bruchstücke seine Aussage auf, die ihr Munition für ihre Angriffe bieten. Dazu kommen die andauernden Vergleiche mit seiner Mutter. Auch ihr ständiges „Halt den Mund“ nervt mich sehr. Mich wundert es, wie Maarten so ruhig bleiben kann.

Nicolien sucht förmlich die Nähe ihrer neuen Nachbarn. Langweilt sie sich in ihrem Hausfrauendasein? Aber mit dem vorigen Nachbarn hat sie doch keinen Kontakt gesucht. Außerdem kann man freundschaftliche Beziehungen zu Nachbarn haben, muss aber nicht. Wenn Maarten diese Nähe nicht sucht oder will, muss sie das doch akzeptieren. Doch sie scheint sich persönlich angegriffen zu fühlen.

Erst amüsierten mich diese Dialoge, doch zunehmend nervt mich dieser Kleinkrieg. Bin gespannt, wo das enden wird.
 

buchregal

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Über die Homosexualität der beiden Männer geraten sich M. und N. immer wieder in die Haare. Diese Streitereien werden zum Teil sehr heftig und enden mit Kraftausdrücken Nicoliens wie "Halt´s Maul!", die mir durch und durch gehen. Nicolien wirft ihrem Mann dabei ständig vor, wie seine Eltern und intolerant gegenüber "Underdogs" zu sein. Ihre Argumente drehen sich im Kreis. Sie schnappt irgendeinen Satz auf und dreht den Spieß um, um ihrem Mann die bekannten Vorwürfe zu machen...
Wie Maarten da so gelassen sein kann, ihre Anschuldigungen gehen zu weit und ihr Ton ist nicht angebracht.
Eine derartige "Verbrüderung", wie sie Nicolien betreibt, halte ich für gefährlich, sie wäre nicht meine Art.
Meine auch nicht
Sie fühlt sich allen Underdogs gegenüber schuldig und solidarisch, für ihr Alter entwickelt sie einen enormen Kampfgeist und ich frage mich, worum es bei den Streitereien wirklich geht.
Wobei es Kampfgeist ja nicht so wirklich trifft, denn sie putzt ja nur Maarten herunter. Die beiden müssen ja schon ein paar Jährchen zusammen sein, wenn sie da immer so gewesen wäre, verstehe ich nicht, wieso sie noch zusammen sind. Mir scheint als wenn da nichts wäre, was sie verbindet.
 

buchregal

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In meinen Augen ist Maarten nicht Homophon, er mag nur Petrus Art nicht. Kommt vor, hat aber nichts mit einer sexuellen Neigung zu tun.
Das denke ich auch, aber das kann und will Nicolien einfach nicht sehen.
Finde es im Übrigen sehr lustig, dass es nach der Arbeit regelmäßig erstmal einen Schnaps gibt.
Manche Menschen brauchen das um runterzukommen. Ist dann aber für mich schon ein Schritt in die Abhängigkeit.
Irgendwie hat diese Permanente Streiterei für mich etwas Erheiterndes. Das liegt wohl daran, dass sie maßlos überzogen ist.
Es ist wirklich überzogen und das Erheiternde geht durch die ständigen Wiederholungen verloren.
Ich finde sie beide sehr übergriffig und hätte, wären es meine Nachbarn, den dringenden Wunsch, Grenzen zu ziehen.
Ich auch!
 

buchregal

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Sie wirkt auf mich nicht ausgelastet, sie ist unzufrieden und hat ein sehr geringes Selbstwertgefühl.
Wenn sie nicht ausgelastet ist, dann muss sie sich etwas suchen, das sie auslastet und damit nicht anderen auf die Nerven gehen.
Ich lese den Roman als Fiktion mit Parallelen zur real existierenden Nachbarschaft. Autoren sind Jäger und Sammler, wenn es um Geschichten geht.
Ich glaube aber nicht, dass es in erster Linie um die Nachbarn geht, sondern um die Ehe von Maarten und Nicolien.