1. Leseabschnitt: Beginn bis Kapitel 5 (Seite 9 bis 87)

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Welch originelles Buch! Ich fühle mich im positiven Sinne wie eingelullt davon.

Besonders gut gefallen mir die unterschiedlichen Perspektiven der Erzähler: das Buch und Benny. Der Tonfall ist komplett unterschiedlich, die Schrift ist es auch und die beiden treten sogar in einen Dialog miteinander. Das hat mich berührt und begeistert. In dieser Hinsicht fand ich es klasse, wie sich das Buch direkt an die Leser:innen wendet (S. 55). Irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde ein Buch zukünftig mit anderen Augen betrachten ;).

Alles ist plastisch und eindringlich beschrieben, schon jetzt schreit dieser Roman nach einer Verfilmung. Die Schilderungen sind zum Teil recht lang und beim Kennenlernen zwischen Annabelle und Kenji auch recht süß. Aber anders als sonst hat mich das irgendwie gar nicht gestört.

Als besonders gelungen habe ich die gesamte Beerdigungsszene empfunden - die Musik, das Laub, die Menschen dort - sehr gelungen. Aber auch Bennys erster "feuchter Traum" - hat man das schon einmal liebenswerter und eleganter gelesen?

Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch unterschiedliche Meinungen hervorruft und bin deshalb jetzt erst einmal gespannt auf eure Eindrücke.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Was mir übrigens noch eingefallen ist und bei mir für zusätzliche Identifikation gesorgt hat: Das ist glaube ich das erste Mal in einem Buch, dass eine Figur in der Medienbeobachtung arbeitet - genau wie ich. :) Zwar läuft nicht (mehr) alles so ab wie beschrieben, aber ich kenne jeden einzelnen Arbeitsschritt. Das verbindet mich mit Annabelle - genau wie die Tatsache, dass ich eigentlich lieber mit Büchern arbeiten würde.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Zunächst einmal bin ich sehr positiv in den Roman gestartet. Das Vorgeplänkel (vorausgestelltes Zitat, Am Anfang, Ein Junge) hat auf angenehme Weise geheimnisvoll und wohlformuliert begonnen. Es geht um Stimmen. Um die Stimmen der Dinge. Der Dinge, die mit Benji sprechen.

Dann wird es ernst. Benny hörte auf zu wachsen, seine Mutter beginnt zuzunehmen, am Tag, als der Vater stirbt. Heavy, die Trauer muss immens sein, sie macht etwas mit den beiden. Der Vater war Musiker. Offenbar trank er gern und nahm Drogen - sein Tod wirkt seltsam skurril mit dem umherflatternden Federvieh. Trotzdem gehen diese Abschiedszenen unter die Haut. Man kann sich sehr gut in Benny hineinfühlen. Zunächst vermutete ich, dass die rufende Vaterstimme nur in seinem Gedächtnis zu hören war. Doch sie nehmen zu und sprechen weiter mit ihm. So stark, dass es ihn völlig konfus macht.

Die relativ monotone Schnippelarbeit Annabelles wird geschildert, man spürt schnell, dass sie ein auslaufendes Modell ist. Die Mutter ist sowieso ziemlich unorganisiert. Außerdem behandelt sie Benny wie ein kleines Kind. Ein 13-jähriger kann locker alleine zu Hause sein und wird das nicht als Vertrauensbeweis sehen :rolleyes:

Sprachliche Schwierigkeiten bekam ich ab Seite 45. Die Liebesgeschichte der Eltern wird dermaßen mit Adjektiven überladen und süßlich erzählt... Puh! Ich hatte das Gefühl, mit einem Mal ein anderes Buch zu lesen. Die Liebesszene ganz schlimm:
...im abgedunkelten Schlafzimmer...ihre runden, weißen Schultern...wie ein Gemälde... verlieh der cremfarbenen Haut einen permuttartigen Schimmer... Botticellis Venus.... wunderschön....liebliches Gesicht... Bella... schicksalhafte Bestimmung
Ihr wisst, was ich meine. Es trieft und wird relativ dick aufgetragen. Wahrscheinlich um das Ehe- und Liebesglück auszumalen, das nun so tragisch zerbrach. Ganz nebenbei wird dann der sexuelle Missbrauch durch den Stiefvater erwähnt und wieder zur Seite gewischt. Ich bin gespannt, ob der noch Bedeutung bekommt.

Bennys Perspektive ist zum Glück weit angenehmer im Ton. Der erste feuchte Traum gehört wohl im Entwicklungsroman dazu. Das Gesicht des schönsten Mädchens von der Welt - nun ja. Immerhin ist der Junge 13 und nicht 9 wie in vielen Männerfantasien beschrieben.

Danach werden wir in die leise Last der Dinge eingeführt. Zu viele Dinge zu besitzen kann belastend sein. Bennys Mutter hat einen Hang zum Sammeln und Zumüllen. Mit Benny sprechen die Sachen im Chor, was ihn sehr belastet. Im Bastelladen macht sich ein Buch selbständig. Es heißt "Tidy Magic" und ist auf dem wunderschönen Cover abgebildet -es hat also Bedeutung.
Die Szene am Container verstehe ich noch nicht. Auf jeden Fall bringt sie ein Quietscheentchen hervor.

Ich mag die Figuren, auch das Skurrile passt noch. Mutter und Sohn leben sehr abgeschieden, haben offenbar kaum Freunde. Annabelle verliert nun wohl auch ihre Arbeit. Beide vermissen Kenny. Das Buch ist trotzdem nicht tieftraurig. Es hat einen eher leichten Ton. Ich bin mal gespannt, wo es uns hinführt.
 

Literaturhexle

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Sassenach123

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Ich bin wirklich berührt vom ersten Abschnitt. Das Schicksal des kleinen Benny ist spannend und rührend zugleich. Es muss schrecklich sein ständig Stimmen zu hören ohne sie ausblenden zu können. Die Erlebnisse, allen voran der Tod des Vaters, haben die kleine Familie arg gebeutelt. Die Einblicke aus Sicht des Buches lockern für mich, die ansonsten eher traurige Handlung, enorm auf.

Ich vermisse ein wenig die nötige Aufmerksamkeit von Annabelle für ihren Sohn. Natürlich trifft sie kein leichtes Los als Alleinerziehende, die Sorge um den Arbeitsplatz nagt an ihr, dennoch schafft sie es sich mit einem Kreativkauf abzulenken, die Milch für ihren Sohn vergisst sie allerdings. Dass er es nicht mag wie ein Kleinkind behandelt zu werden ist auch nachvollziehbar, doch nun hoffe ich erstmal, dass sie bemerkt was momentan mit Benny passiert.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Danach werden wir in die leise Last der Dinge eingeführt. Zu viele Dinge zu besitzen kann belastend sein. Bennys Mutter hat einen Hang zum Sammeln und Zumüllen.
Damals war es wohl Kenji, der für Ordnung gesorgt hat. Auch er war fürs Frühstück zuständig, eine Tatsache die Benny so wohl jeden Morgen wieder schmerzlich an den Verlust erinnert, wenn er allein, und ohne Milch, seine Cornflakes knuspert
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Die Liebesgeschichte der Eltern wird dermaßen mit Adjektiven überladen und süßlich erzählt... Puh! Ich hatte das Gefühl, mit einem Mal ein anderes Buch zu lesen.
Ich denke, das ist doch die Absicht des Buches, also der Erzählstimme "Buch". Benny erwartet schöne Geschichten über seine Eltern und das Buch übertreibt es, um ihn etwas zu ärgern. Auf S. 62 beklagt sich Benny prompt darüber, also hat die kleine Provokation des Buches Erfolg gehabt. :)

Ich halte das für eine nette kleine Überspitzung - der andere Stil gefällt mir natürlich auch besser.
 

Christian1977

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8. Oktober 2021
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Natürlich trifft sie kein leichtes Los als Alleinerziehende, die Sorge um den Arbeitsplatz nagt an ihr, dennoch schafft sie es sich mit einem Kreativkauf abzulenken, die Milch für ihren Sohn vergisst sie allerdings.
Ich glaube, am stärksten nagt an ihr immer noch die Trauer über den Verlust des Mannes. S. 17 zeigt das in schönen Worten. Sie nahm zu, "als würde sie sich den Kummer ihres kleinen Sohns miteinverleiben."

Das hat mich berührt.
 

Literaturhexle

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2. April 2017
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Auf S. 62 beklagt sich Benny prompt darüber, also hat die kleine Provokation des Buches Erfolg gehabt. :)
Das Buch beweihräuchert sich ja selbst, dass es schöne Geschichten erzählen kann. Du meinst also, es hat bewusst überzogen? Wäre ich sehr einverstanden, das Blumige nagt an mir.

Benny beschwert sich nur darüber, dass ihn das Liebesleben seiner Eltern als solches nicht interessiere (keinen Teenager interessiert das!). Ich hoffe, du hast Recht und es war nur mal eine stilistische Übertreibung :rofl


Sie nahm zu, "als würde sie sich den Kummer ihres kleinen Sohns miteinverleiben."
Das ist sehr poetisch ausgedrückt. Ich habe eher den Eindruck, es ist ihr eigener Kummer. Ihrem Sohn könnte sie besser ein geregelteres, ordentlicheres Leben bieten, wie er es zu den Lebzeiten seines Vaters gewohnt war.

Ja, ich gehe zu pragmatisch an das Buch heran, ich merke es schon;)
 

Wandablue

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18. September 2019
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Brandenburg
dass das Buch unterschiedliche Meinungen hervorruft
Da hast du so was von Recht!

Die Mutter ist sowieso ziemlich unorganisiert.
Da sagst du was. Ich dachte zeitweise, sie wäre ein Messie, bis sie das Ordnungsbuch kaufte ... na ja, aber umsetzen ist dann noch eine andere Sache.

Die Liebesszene ganz schlimm:
Schmonzettchen.

Im Bastelladen macht sich ein Buch selbständig. Es heißt "Tidy Magic" und ist auf dem wunderschönen Cover abgebildet -es hat also Bedeutung.
Oh je, das hatte ich überhaupt nicht begriffen. Ich habe auch das Cover nicht beachtet.
Die Szene am Container verstehe ich noch nicht. Auf jeden Fall bringt sie ein Quietscheentchen hervor.
Und ein Mädchen.

Es muss schrecklich sein ständig Stimmen zu hören ohne sie ausblenden zu können.
Krank.
 

Wandablue

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Es wird mir schwerfallen für dieses Buch Sympathie aufzubringen, aber ich gebe mir Mühe! Wenn man Stimmen hört, stimmt was nicht mit einem. Leider habe ich mehr als einen Bekannten gehabt, der/die Stimmen hörte. Das ist schwierig! Stimmen hören ordne ich deshalb sofort als psychisch krank ein. Ohne zu werten, aber normal ist es nicht. Die Mutter ist furchtbar. Annabell, ach Annabell, ... ist ist doch eine Messie. Messies finde ich noch schwieriger als Stimmen hören.
Ich bin zu pragmatisch für solchene Bücher, Himmelsbrückenmädchen, Linden Hills, jetzt dieses. Hoffentlich sind nicht alle künftigen Bücher so surreal. Wenn am Ende aufgeräumt wird, versöhne ich mich mit dem Anfang.
 

Wandablue

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18. September 2019
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Es ist keine große Sache, so einen kleinen Haushalt in Ordnung zu halten. Man fängt mit einem Zimmer an ... schmeisst weg, was man nicht mehr braucht und länger als ein Jahr nicht mehr in der Hand hatte und arbeitet sich dann zum nächsten Zimmer vor. All dies kann man in kleine Portionen aufteilen, so dass auch der trägste und untätigste Mensch damit fertigwerden kann. Auch kann man einkaufen und seinem Kind regelmässige Mahlzeiten zubereiten. Ich fürchte, ich habe für diese überspannten Personen wenig übrig ... mal sehen, ob sie mich dennoch irgendwie für sich einnehmen können.
 

claudi-1963

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29. November 2015
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Bisher ein sehr eigenwilliges Buch, bei dem ich noch nicht weiß wie es mir zusagt. Der Schreibstil ist wenigstens flüssig, sodass es sich gut lesen lässt. Allerdings was ich von Annabelle und Benny halten soll weiß ich noch nicht. Wobei Benny mir eher der vernünftige der beiden ist.
Annabelle schint durch den Tod von Kenji noch mehr ihren Halt verloren zu haben. Es scheint so als ob Kenji davor die Familie und die Organisation erledigt hat. Durch seinen Tod lässt sich Annabelle nun immer mehr gehen und scheint auch sehr vergesslich zu sein.

Gut gefallen hat mir die Thematik über das Buch. Wie sie hier diese widerspielt fand ich sehr eindrucksvoll und fantasiereich.

Kenjis Tod ist wirklich tragisch und das auch noch so kurz vor seinem zu Hause. Gespannt bin ich was es mit den Krähen auf sich hat, die immer wieder erwähnt werden. Sind sie ein Sinnbild dafür, das Kenjis Geist über ihnen wacht?

Annabelles ausschneiden von irgendwelchen Zeitungsschnipseln finde ich schon sehr komisch. Das sie dazu noch die vielen Zeitungen aufbewahren muss, scheint ein wirkliches Problem zu sein. So mutiert sie im Grunde zu einer Art Messie wenn Benny sie nicht ständig ans recyceln erinnern würde. Und selbst dann bringt sie es nicht fertig Sachen wegzuwerfen. Ich bin mal gespannt ob ihr dieses Tidy Magic Buch wirklich etwas bringen wird.
Auch von Müll scheint sie magisch angezogen zu werden wie man bei den Quietscheentchen sieht. Etwas das sie im Grunde gar nicht gebraucht hätte, doch Benny scheint ebenfalls von der Ente fasziniert zu sein.

Ihr Umgang mit ihrem Sohn finde ich schon etwas eigenartig. Sie behandelt ihn eher wie ein Kind, derweil ist Benny ja ein Teenager.
Der Traum von dem jungen schönen Mädchen scheint das ja zu beweisen, das er seine ersten Erfahrungen als junger Mann hat.

Ich bin gespannt was Annabelle nun macht wenn sie wegen der kürzeren Arbeit nun immer weniger Geld bekommt. Wird sie einen neuen Job suchen? Und ich bin gespannt wie sich nun das Sprechen der Gegenstände weiter darstellt. Wobei das irgendwie ja schon etwas makaberes hat.

Der Satz gefiel mir gut:
"Träume sind wie Türen. Sie sind wie Tore zu einer anderen Realität, und wenn die erst mal offen sind, dann nimmt man sich besser in Acht."
 

claudi-1963

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29. November 2015
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Es ist keine große Sache, so einen kleinen Haushalt in Ordnung zu halten. Man fängt mit einem Zimmer an ... schmeisst weg, was man nicht mehr braucht und länger als ein Jahr nicht mehr in der Hand hatte und arbeitet sich dann zum nächsten Zimmer vor. All dies kann man in kleine Portionen aufteilen, so dass auch der trägste und untätigste Mensch damit fertigwerden kann. Auch kann man einkaufen und seinem Kind regelmässige Mahlzeiten zubereiten. Ich fürchte, ich habe für diese überspannten Personen wenig übrig ... mal sehen, ob sie mich dennoch irgendwie für sich einnehmen können.
Du sagst das so einfach, einem kranken Messie fällt das nicht so leicht und Annabelle hat da schon einen Hang dazu.
 

Sassenach123

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27. Dezember 2015
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Kenjis Tod ist wirklich tragisch und das auch noch so kurz vor seinem zu Hause. Gespannt bin ich was es mit den Krähen auf sich hat, die immer wieder erwähnt werden. Sind sie ein Sinnbild dafür, das Kenjis Geist über ihnen wacht?
Es wurde erwähnt, dass er die Krähen damals immer gefüttert hat, und nun setzt Annabelle das fort. Habe das einfach so hingenommen. Andererseits setzt man Krähen tatsächlich oft symbolisch ein, wer weiß
 

Emswashed

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9. Mai 2020
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Ich bin noch recht misstrauisch. Misstrauisch gegenüber dem Buch, welches mit uns und mit Benny spricht (habe mir wirklich den Bleistift ans Ohr gehalten, die Augen geschlossen... nichts passiert), aber auch misstrauisch gegenüber der Autorin, die ja eine Zen-buddhistische Priesterin ist und uns vielleicht "nur" ihre Lehren näher bringen will. Die Szene im Bastelladen mit dem Tidy-Magic-Buch lässt mich aufhorchen.

Nicht nur das Buch taucht auf dem Cover auf, sondern auch die Klarinette und eine Krähe. Was es mit den Schuhen, dem Teekessel, dem Marder (oder so) und der asiatischen Essensbox-to-go auf sich hat, werden wir vielleicht noch erfahren.

Die Reihenfolge der Handlungsabschnitte ist etwas durcheinander geraten (auch auf Bennys Bitte hin), scheinen mir aber genauso unordentlich wie Annabells Leben.

Annabells Problem mit der Ordnung kann ich nachvollziehen (versuche immer noch mit den Unmengen der Hinterlassenschaft meiner Eltern zurechtzukommen) und sie scheint vom Tod ihres Mannes und dem drohenden Verlust ihrer Arbeit überfordert, zumal sie niemanden an ihrer Seite hat, der ihr ernsthaft helfen könnte. Ihr Home-Office-Arbeitsplatz ist ein absolutes Unding! Ihr Job verlangt von ihr, ihren privaten Wohnraum zum Archiv zu machen.

Die Sprache bringt mein Leser-Herz nicht gerade auf Hochtouren, ist aber auch nicht unangenehm. Vielmehr ist es Annabells Situation die mich interessiert... bis jetzt, denn eigentlich sollte es doch um Bennys Stimmen im Kopf gehen. Da komme ich aber, rein konzentrationstechnisch, noch nicht hin.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Welch originelles Buch!
Das ist es tatsächlich und mir gefällt es.
Irgendwie habe ich das Gefühl, ich werde ein Buch zukünftig mit anderen Augen betrachten
Für uns Bibliophile sind Bücher schon immer eigenständige Wesen, die vorwurfsvoll auf dem SUB liegen können, von uns berührt werden wollen, gut riechen und vieles mehr.
Es wurde erwähnt, dass er die Krähen damals immer gefüttert hat, und nun setzt Annabelle das fort. Habe das einfach so hingenommen. Andererseits setzt man Krähen tatsächlich oft symbolisch ein, wer weiß
In einem Gespräch über ein Leben nach dem Tod zwischen Benny und seiner Mutter geht es darum, dass Buddhisten glauben, die Seele eines Menschen werde wiedergeboren in einem anderen Körper , vielleicht in einer Krähe.
 

RuLeka

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30. Januar 2018
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Mir gefällt der Roman sehr gut, obwohl es etwas schräg anmutet.
Die Zwiegespräche zwischen Benny und dem Buch sind zwar kurz, sind aber voller Weisheit. So z.B. dass Geschichten rückwärts gelebtes Leben sind oder dass es schwer zu entscheiden ist „wo das Buch einer Mutter endet und das ihres Kindes beginnt“.

Die eigentliche Geschichte ist eine todtraurige. Eine kleine Familie verliert nach dem tragischen Tod des Vaters sein Zentrum.
Annabelle liebt ihren Sohn, aber sie ist heillos überfordert mit der Situation. Sie war anscheinend noch nie ein Mensch, der sein Leben organisiert bekommen hat. Mittlerweile ist sie gefangen in einem Job, der ihr noch nie gefallen hat ( sie hat diese Arbeit angenommen, damit ihr Mann weiter seiner Passion, dem Musizieren, nachgehen konnte) , der ihre Sammelwut noch befördert.
Natürlich ist es keine so große Sache, einen kleinen Haushalt in Schuss zu halten, einzukaufen, zu kochen usw. Trotzdem gibt es Menschen, die damit überfordert sind.
Benny spürt, dass er von seiner Mutter keine Hilfe erwarten kann. Er versucht allein mit den Stimmen, die ihn bedrängen, klarzukommen. Armer Kerl!