1. Leseabschnitt: Anfang bis Kapitel 6 (Anfang bis S. 66)

Tiram

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Heute kommt das Buch ja raus, ich gehe in der Mittagspause noch mal zum Buchladen. Die wollten es mir beiseite legen.
Heute abend werde ich mir dann erst mal die Schallplatte anhören.
 
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KrimiElse

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Heute kommt das Buch ja raus, ich gehe in der Mittagspause noch mal zum Buchladen. Die wollten es mir beiseite legen.
Heute abend werde ich mir dann erst mal die Schallplatte anhören.
Oh, du hast eine Platte...wie genial. Ich hatte bei YouTube ein bisschen gesucht und reingehört, berühmt sind seine Lieder und auch seine Stimme ja. Ich hatte früher mit meiner Großmutter alte Filme geschaut, in denen er zu sehen war.
 

Tiram

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Das war die LP, wie wir sie vor zig Jahren zu Hause hatten.

Mein Buch habe ich heute abgeholt. Ich werde heute Abend, wenn ich nicht zu müde bin, schon mal reinschauen.
 

Querleserin

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Wadern
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Die Musik habe ich zwar noch nicht gehört, das werde ich gleich nach diesem Beitrag tun, habe aber den 1.Abschnitt bereits gelesen ;)
Joseph Schmidt ist in einer prekären Situation. Als Jude droht ihm im Jahre 1942 auch im Vichy-Regime die Deportation.
Geflüchtet hat er sich mit ins Haus von Freunden im Süden Frankreichs, die Fluchtroute wird diskutiert, es gibt einen Passeur, einen Fluchthelfer, der ihn gemeinsam mit anderen Flüchtigen an die Schweizer Grenze bringen soll.
Der Roman wird aus der Ich-Perspektive des Sängers erzählt, der seinen Freundem zum Abschied die Elegie von Massenet vorträgt.
Immer wieder werden die Ereignisse der Gegenwart von Erinnerungen des Sängers durchbrochen.
Wir erfahren,
dass seine Mutter in Bukowina, Czernowitz, geblieben ist. Ein historische Landschaft, die heute z.T. zu Rumänien und z.T. zur Ukraine gehört (auch die Heimat von Rose Ausländer, die ihrer Heimat im Exil mehrere Gedichte widmete).
dass er mehrere Geliebte hatte und keine Verantwortung für das Kind, das er mit einer seiner Geliebten gezeugt hat, übernommen hat - was nicht gerade für ihn spricht.
dass er sein Geld mit vollen Händen ausgegeben hat, in dem Glauben immer wieder ein Engagement zu erhalten.
dass er von klein auf von "Tönen (...) magisch angezogen" wurde und gegen den Willen seines Vaters seinen Weg als Sänger konsequent verfolgt hat.

Joseph Schmidt weiß, dass die Gerüchte über Züge in den Osten wahr sind, er ist fest davon überzeugt, dass es Hitler um die Ausrottung der Juden in Europa geht - daher die Entscheidung in die neutrale Schweiz zu flüchten. Allerdings hat er keinen gültigen Pass, er ist ein staatenloser Jude, was an der Grenze zur Abweisung führt - eine demütigende Situation für den einstigen Star, der schließlich auf illegalem Weg in die Schweiz gelangt und nun nach Zürich reisen will, wo er sich Hilfe von Selmas Bruder erhofft - seine derzeitige Geliebte, die er in Frankreich zurücklässt. Ein Umstand, den ich nicht ganz verstanden habe. Warum lässt er sie allein, obwohl sie doch krank ist?
Eine weitere Perspektive erhält man in der Rechtfertigung eines Doktors der Jurisprudenz in der Eidgenössischen Polizeiabteilung, der die Praxis verteidigt, dass asylsuchende Juden an der Grenze nicht mehr aufgenommen werden. Er argumentiert zunächst ökonomisch, was angesichts der Greueltaten, die den Juden angetan worden sind, und der Deportation in die Konzentrationslager, völlig unmenschlich wirkt und auch ist - der Antisemitismus und die Angst vor Überfremdung scheint auch in der Schweiz geherrscht zu haben.
 

ulrikerabe

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Wie sage ich es jetzt, ohne das Schicksal zu schmälern: Das was ich in diesen ersten Kapiteln gelesen habe, macht mir den Menschen Joseph Schmidt nicht sympathisch. Wie er mit Lotte umging, dass er Selma zurücklässt. Er hofft, nein er erwartet aufgrund seiner Berühmtheit bevorzugt behandelt zu werden.
Musikalisch gesehen bin ich eine Banause, ich mag auch seine Stimme nicht. Dieses rollende rrrr
 

ulrikerabe

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Eine weitere Perspektive erhält man in der Rechtfertigung eines Doktors der Jurisprudenz in der Eidgenössischen Polizeiabteilung, der die Praxis verteidigt, dass asylsuchende Juden an der Grenze nicht mehr aufgenommen werden. Er argumentiert zunächst ökonomisch, was angesichts der Greueltaten, die den Juden angetan worden sind, und der Deportation in die Konzentrationslager, völlig unmenschlich wirkt und auch ist - der Antisemitismus und die Angst vor Überfremdung scheint auch in der Schweiz geherrscht zu haben.
Dieser Bericht wirkt auf mich sehr zeitlos. Sieht man von den zeitspezifischen Begriffen ab.
 

Querleserin

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Das was ich in diesen ersten Kapiteln gelesen habe, macht mir den Menschen Joseph Schmidt nicht sympathisch. Wie er mit Lotte umging, dass er Selma zurücklässt. Er hofft, nein er erwartet aufgrund seiner Berühmtheit bevorzugt behandelt zu werden.
Das ging mir genauso. Ich habe Verständnis für seine außergewöhnliche Lage, aber die Art und Weise, wie er mit Frauen umgeht, stört mich. Allerdings steht die Sorge um seine Mutter dem entgegen, an die er sehr oft denkt.
 

Renie

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Wie sage ich es jetzt, ohne das Schicksal zu schmälern: Das was ich in diesen ersten Kapiteln gelesen habe, macht mir den Menschen Joseph Schmidt nicht sympathisch. Wie er mit Lotte umging, dass er Selma zurücklässt. Er hofft, nein er erwartet aufgrund seiner Berühmtheit bevorzugt behandelt zu werden.
Musikalisch gesehen bin ich eine Banause, ich mag auch seine Stimme nicht. Dieses rollende rrrr
Ich werde auch nicht mit ihm warm. Er wirkt so entrückt, ist völlig auf seinen Erfolg fokussiert und passt nicht in die Wirklichkeit. Ich habe häufig den Eindruck, dass dieser Mann überhaupt nicht für das reale Leben geschaffen ist. Ständig braucht er jemanden, der "ihm das Händchen" hält. Gerne nimmt er dazu eine Frau. Das hat etwas von einem Mutterkomplex. Und dann seine Fassungslosigkeit, wenn er feststellt, dass denjenigen, die über seinen Aufenthalt in der Schweiz entscheiden, seine Berühmtheit völlig egal ist. Unglaublich. Er scheint nicht von dieser Welt zu sein. Seine Welt ist die der Musik. Hier kommt er klar, ist ein kleiner König (1,54m :)).
 

Tiram

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Ich bin nun auch auf den ersten Seiten. Der Einstieg gefällt mir sehr gut.

Wenn man solche Dinge (wie er mit Lotte und dem Kind umgeht) liest, schämt man sich schon (fast) ein Mann zu sein...Aber ich befürchte, dass sich diese schlechte Eigenart nie wirklich "ausradieren" lässt :-(...

Da ist er keine Ausnahme. Wenn ich an Rilke mit seinen Liebeleien denke, obwohl er mit Clara Westhoff verheiratet war. Oder an Kirk Douglas mit seinem Frauenverschleiß.

Ein Stündchen habe ich jetzt noch Zeit zum Lesen, bis später also.
 

Renie

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Wenn man solche Dinge (wie er mit Lotte und dem Kind umgeht) liest, schämt man sich schon (fast) ein Mann zu sein
Meine Güte, Joseph ist doch noch nicht einmal in der Lage, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen. Wie soll er da Verantwortung für ein Kind übernehmen.
 

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