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1. Leseabschnitt: Anfang bis Kapitel 13 (Anfang bis S. 77)

Dieses Thema im Forum "Leserunde '1965'" wurde erstellt von Literaturhexle, 16. März 2020.

  1. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Hier diskutieren wir den Einstieg in den Roman bis einschließlich Kapitel 13.
     
  2. nineLE

    nineLE Bekanntes Mitglied

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    Das Cover gefällt mir auf jeden Fall schon einmal sehr gut. Die anfangs aufgeführten Personen, Thomas Engel, sein Vater, der "Onkel", der sein Chef wird und die Situation beim Jagen, die eingangs vorgestellt werden, lassen uns jetzt schon erahnen, dass es ein gewisses Spannungsfeld geben wird. Schon die Beschreibung des akkurat geführten Haushalts/Hauses/Gartens, ja der ganzen Lebensgestaltaltung und der ihr innewohnenden Kleinmütigkeit seiner Eltern, birgt grosses generationen-übergreifendes Konflikt-Potential, findet ihr nicht auch? Zudem befinden wir uns in einer schwierigen Zeit, 1965, längst ist der Krieg nicht vergessen, geschweige denn aufgearbeitet oder gar der jungen Generation bekannt, da die Zeitzeugen schweigen über das Geschehene oder ihre Beteiligung daran, in welcher Form auch immer...
     
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  3. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Ich bin ja wahrlich nicht so der Typ Spannungsleser, aber dieser Roman hat mich ziemlich schnell gefangen. Er spielt auf zwei Zeitebenen: Da ist einmal 1939. Wir wissen, dass der Krieg vor der Tür steht, dass Deutschland aufgepeitscht ist, dass Minderheiten schamlos unterdrückt werden etc. In dieser Situation lernen wir nun die kleine, 10-jährige Lotte kennen. Sie möchte dazu gehören und zu ihrem Glück fehlen ihr zwei Mark für eine blaue Mütze. Leider gerät sie an den Falschen: einen seriös aussehenden Geschäftsmann und vermutlich Parteimitglied. Er hat unsittliche Gedanken, verführt das Kind, mit ihm zu kommen...., am Ende ist es tot.

    Zeitsprung ins Jahr 1965. Auch hier hat ein junger Mensch einen sehnlichen Wunsch: Thomas möchte Kriminalkommissar werden. Der "Onkel" hilft ihm dabei. (Ich bin Jahrgang 1969: manches erkennt man aber wieder. So waren sämtliche Freunde, Bekannte im Alter meiner Eltern als Onkel... und Tante... anzureden. So gesehen war man mit fast jedem im Ort "verwandt".) Thomas ist fleißig und ehrgeizig, aber auch ein Einzelgänger. Er erreicht aber sein Ziel und landet in der Kripo Düsseldorf.
    Sein erster Mordfall ist gleich sehr interessant: Vertreter Frenzel wird tot in einer Zigeunersiedlung gefunden. Zunächst werden die Zigeuner verdächtigt. Dann stellt sich heraus, dass es Selbstmord gewesen sein könnte. Ein anderer Polizist namens Drezko äußert Zweifel daran: er geht weiterhin von Mord aus und fordert sich die Akte an. Er ermittelt in einer Soko für Nazi-Verbrechen. Der getötete Frenzel war sein Zeuge und er hatte am Ende der Woche einen Termin mit ihm.... Welche Verdachtsmomente er konkret hat, bleibt im Moment allerdings offen. Man spürt allerdings, dass er Feinde im Büro hat, dass es noch immer Anhänger der Nazis gibt.

    Für den Mord an der kleinen Lotte will man schnell einen Täter präsentieren. Ziemlich perfide werden die normalen Ermittlungen der Kripo von der Gestapo übernommen, die schnell einen homosexuellen Jugendlichen der Tat bezichtigen. Er sitzt zusammen mit seinem Freund in einer psychiatrischen Klinik ein. Beide sind vor zwei Tagen kastriert worden :eek::confused:. Ein Vorgang, der für uns heute unvorstellbar ist. Trotzdem wird einer der Jungen verhaftet, sein Arzt massiv unter Druck gesetzt. Die Ungerechtigkeit schreit mich förmlich an und erinnert an die Vorkommnisse unter Stalin im letzten Buch. Der wahre Täter, offensichtlich ein Parteigenosse mit seltenem Wagen, geht möglicherweise straffrei aus.

    Beide Zeitebenen werden abgewechselt. Die Spannung steigt. Jeweils ein Mord, der nicht klar ist und an dem möglicherweise manipuliert wird.
    Sehr gut gefällt mir das Zeitkolorit im Jahr 1965: Der Vater hatte in der Familie das Sagen, Vertreter kamen noch regelmäßig zu den Leuten nach Hause, die Zustände in den "Klapsen" waren furchbar, die Patienten mussten noch Anstaltskleidung tragen usw.

    Erstes Fazit: Spannender, sprachlich ansprechender Roman! Ich bin froh, noch "aufgesprungen" zu sein ;)
     
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  4. Amena25

    Amena25 Aktives Mitglied

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    Auch wenn mir der Wechsel der beiden Zeitebenen und die anschauliche Darstellung der jeweiligen Atmosphäre gut gefällt, tue ich mir mit dem Krimi etwas schwer. Thomas kommt mir doch recht naiv und brav vor. Er will unbedingt erfolgreich sein, seinem Vorbild Strobel nacheifern.... Dabei wirkt er, wie ich finde, etwas unsympathisch. Aber auch die anderen Figuren sind keine Sympathieträger, weder Strobel noch der stets aggressive Schäfer...
    Auch die Dialoge finde ich teilweise etwas hölzern.
    Mal sehen, vielleicht muss ich mich erst noch warmlesen.
     
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  5. nineLE

    nineLE Bekanntes Mitglied

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    Das geht mir, vor allen thematisch gesehen, ganz genauso. In der Buchbeschreibung ist dies nicht auf Anhieb erkennbar.
    Ja, ich suchte ihn auch den Symphatieträger!
    Und auch in diesem Punkt stimme ich dir vollstens zu, nicht ...wie soll ich sagen rund genug? anspruchsvoll?, naja hölzern trifft es wohl am besten, wie ich persönlich finde.
     
  6. nineLE

    nineLE Bekanntes Mitglied

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    Ja absolut, ich mag solche Krimis auch gar nicht, habe ihn gewählt, weil ich regionale Krimis aus dem seichten Bereich gut finde und ich mega auf das Düsseldorfer Kolorit gespannt war. Hierzu eignet sich die Thematik natürlich überhaupt nicht, sondern ist im Gegenteil sehr schwere Kost.
    Das war das einzige, was ich richtig spannend fand, leider war mir sofort klar, worauf es hinauslaufen wird. Bereits als Strobel, das erste mal seine
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    Dose mit Erdbeerbonbons raus nahm und anbot, wusste ich sofort, dieses Detail wird als Hinweis entscheidend sein
    .

    Es ist, wie ich persönlich finde, sehr vorhersehbar geschrieben, leider.
     
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  7. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Also einen Sympathieträger brauche ich nicht in einem Buch. Allerdings bin ich jetzt im zweiten Leseabschnitt und bezüglich der Vorhersehbarkeit habe ich mittlerweile meine Bedenken. Manche Charaktere sind zu gut oder zu böse. Und der Obergute wirkt mittlerweile etwas aufgesetzt und ich befürchte, dass ein Wolf im Schafspelz dabei herauskommt....
    Die Vokabel "plakativ" scheint es zu treffen.
    Was die Bonbons betrifft @nineLE , so habe ich mir dabei bislang gar nichts gedacht. Das ist wohl deinem über viele Regionalkrimis trainierten kriminalistischem Spürsinn zu verdanken.
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    Jetzt werde ich wachsam bleiben, wenn ich Bonbons lese und noch einmal zurückschlagen, ob es die Süßigkeit war, die man Lotte angeboten hat.

    Adlerauge, bleib wachsam ;)
     
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  8. wal.li

    wal.li Gold Mitglied

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    Mit Thomas Engel tue ich mich noch etwas schwer. Ich kann zwar verstehen, dass er weg will von seinen Eltern, aber wieso ausgerechnet die Polizei? Immerhin schließt er die Ausbildung als Jahrgangsbester ab.

    Den Teil um den Mord an der kleinen Lotte finde ich sehr spannend. Strobl war auch damals der Ermittler. Und die Gestapo will ihm den Fall wegnehmen. Und dann suchen sie einfach einen Sündenbock. Einen jungen Mann, der Tage zuvor kastriert wurde. Wie grausam, diese Nichtpolizisten sind doch das Letzte.

    Nach dem Krieg wird noch nach Nazis bei der Polizei gesucht. Viele sind ja wieder in Verwaltung gelandet. Es war mir nicht so bewusst, dass die Behörden Aufarbeitung leisten sollten. Ob das immer so glückt?
     
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  9. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Leider komme ich nicht so ganz richtig in Lesefluss. Dabei finde ich Perspektivwechsel nicht schlecht. Allerdings finde ich den Stil hölzern und manchmal etwas schwülstig - ich finde kein passenderes Adjektiv -, so gleich auf Seite 9 die verbotene Gier, das dunkle Geheimnis, das er wie einen giftigen Schatz hütete usw.
    1965 hatte die Gesellschaft noch keinen Drang Kriegsverbrechen aufzuklären oder sich überhaupt nur mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Man wollte nur nach vorne blicken. Das bringt der Autor mit seinen Figuren zum Ausdruck. Z.B. in der Auseinandersetzung von Schäfer und Drezko. Aber ich finde das bisher etwas zu plakativ dargestellt.
    Da gibt es die Guten, die sich in ihrer Arbeit von der Nazi-Polizei abgrenzen und die Bösen, die sich zwar als Demokraten geben, aber die Methoden von damals nicht so schlecht fanden. So nach dem Motto - es wird sogar einmal so ausgedrückt - "Unter Adolf wäre das nicht passiert. Dazu passt, dass für Schäfer die Zigeuner sofort als Täter herhalten sollen.

    Thomas Engel ist noch als Figur ziemlich blass, aber ich habe das Gefühl, er soll besonders empfindsam im Gegensatz zu seinem Vater dargestellt werden, um eventuell auf seine Sexualität hinzuweisen. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich im Lauf der Zeit als homosexuell erweist.
     
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  10. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Ich denke auch, da soll uns verdeutlicht werden, dass der Vater so ganz im nationalsozialistischen Denken verhaftet ist. Der Junge soll hart werden, die Ehefrau hat den Mund zu halten und "Recht und Ordnung" steht über allem.

    Niemand wollte daran erinnert werden und 1968 ist noch weit in der Ferne. Das wird schon sehr deutlich, besonders im Polizeiapparat, da waren sicher noch viele "Altlasten" im Dienst.
     
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  11. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Da wurde ein Sündenbock gesucht. Solche Verbrechen kamen im "gesunden Volkskörper" nicht vor.
    Übrigens kann man da eine Parallele zu späteren DDR sehen, da gab es angeblich solche Verbrechen auch nicht.
     
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  12. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Ja, da kann ich dir zustimmen. Geht mir bisher ähnlich.
     
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  13. Literaturhexle

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    Leider muss ich euch enttäuschen: im ersten Abschnitt war ich ja bislang als einzige recht positiv gestimmt. Aber es wird bezüglich der Plakativität und der stereotypen Schwarz/Weiß-Charaktere wirklich IMMER schlimmer.
    Wie gut, dass wir die LR haben, sonst wäre man mit der Enttäuschung ganz allein...
     
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  14. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Das kann man in sämtlichen totalitären und diktatorischen Systemen beobachten. Sie mutieren zu Unrechtsstaaten: jeder, der dem Regime nicht beliebt, bekommt irgendwas angehängt und wird unschädlich gemacht/gefoltert/erpresst...
    Gerade habe ich "Rote Kreuze" gelesen: unter Stalin war es nicht anders:confused:.
     
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  15. nineLE

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    Ja Wahnsinn, ich war schockiert, dass Thomas im Geschichtsunterricht rein gar nichts über diese Verbrechen gelernt hat. War es vielleicht auch, um all jene zu schützen, die nathlos von der Nazizeit einfach in neue Ämter zu schlüpfen...
    Finde ich auch total!
    Absolut, ja, danke! ...ich wollte dir deine Euphorie nicht nehmen, habe das Buch schon seit Montag fertig und, naja...
     
  16. nineLE

    nineLE Bekanntes Mitglied

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    Ja absolut, denn die die nicht verurteilt wurden, waren ja weiterhin Arbeitnehmer und ein "Austausch" der kompletten Bevölkerung mit Nichtnazis kaum möglich, denn die sind ja gerade diesen Greueltaten zum Opfer gefallen oder im Kriegsgemetzel ums Leben gekommen, das stimmt.
     
  17. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Da hast du völlig recht, meine Nennung der DDR war nur ein Beispiel, es gibt auch in unserer Zeit Beispiele, wenn ich da z.B. an Bolsonaros Regime denke.
     
  18. Renie

    Renie Moderator
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    Das stimmt. Aber er ist ein Kind der Zeit und am Niederrhein, in einem dörflichen Umfeld aufgewachsen. Da tickten die Uhren noch anders. Die Kinder in der damaligen Zeit hatten nicht das Selbstbewusstsein und den eigenen Kopf, den sie heutzutage haben. In den Familien wurde "heile Welt" gelebt, inklusive eines klar definierten Rollenverständnisses. Wenn Du so aufwächst, brauchst Du erst mal Abstand zum Elternhaus, um die Chance zu haben, Deinen eigenen Weg zu gehen. Und den musst Du dann erst noch finden. Daher wundert mich das Auftreten von Thomas kein bisschen.
     
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  19. Renie

    Renie Moderator
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    Vermutlich nicht. Ich möchte nicht wissen, wieviele Beamten 1965 noch Nazi-Dreck am Stecken hatten. Aber keiner hätte gesagt, dass Aufarbeitung nicht nötig wäre. Da hätten sie sich doch selbst demaskiert. Da ist es einfacher, denjenigen, der mit der Aufarbeitung beauftragt ist, als Kollegenschwein zu bezeichnen, der den Kollegen etwas anhängen will, und ihm Steine in den Weg zu legen.
     
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  20. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Das ist richtig, das war bei der Staatsanwaltschaft nicht anders. Da möchte ich auf Fritz Bauer hinweisen, der im Nachkriegsdeutschland versuchte Nazitäter vor Gericht zu bringen und dafür ausgebremst wurde und 1968 tot aufgefunden wurde.
     
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