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1. Leseabschnitt: Anfang bis Kapitel 10 (S. 7-76)

Dieses Thema im Forum "Leserunde 'Kostbare Tage'" wurde erstellt von Literaturhexle, 30. Juni 2020.

  1. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Hier diskutieren wir den Einstieg in den Roman bis einschließlich Kapitel 10 (bis S. 76).
     
  2. Querleserin

    Querleserin Platin Mitglied

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    Ich gestehe, dass ich schon ein wenig vorher in den Roman hineingelesen habe und gestern Abend packte es mich dann.
    Will aber nicht vorpreschen, sondern nur eine kurze Zusammenfassung als Einstieg in die Diskussion bieten:
    Im Mittelpunkt der Handlung steht Dad Lewis, der Besitzer der Eisenwarenhandlung in Holt, der fiktiven Kleinstadt in Colorado, in der alle Roman Kent Harufs angesiedelt sind.
    Gleich zu Beginn der Handlung erfahren wir, dass Dad Lewis wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben hat:
    "Leider habe ich keine allzu guten Nachrichten für sie, sagte der Arzt." (7)
    Metaphorisch bietet Haruf mehr Informationen ;)
    "Als sie nach Hause kamen, ging die Sonne gerade unter, und die Luft kühlte allmählich ab." (8)
    Dad Lewis hat maximal einen Sommer, um sich vom Leben und seinen Lieben zu verabschieden. (Kapitel 1)
    Seine Frau kann der Last nicht standhalten und erleidet einen Schwächeanfall (Kapitel 2), was dazu führt, dass ihre Tochter Lorraine aus Denver anreist (Kapitel 3).
    Weitere Figuren, die im Verlauf eine Rolle spielen, werden eingeführt: Alice, die Enkelin der Nachbarin Berta May. Alice Mutter ist ebenfalls an Krebs gestorben, nun lebt sie bei ihrer Großmutter.
    Reverend Lyle, der "irgendwelchen Ärger in Denver" (31) hatte, da er sich für einen homosexuellen Geistlichen eingesetzt hat, so dass er nach Holt versetzt worden ist, sowie die beiden Johnson-Frauen, Mutter Willa und ihre unverheiratete, unglückliche Tochter Alene, Frührentnerin und ehemalige Lehrerin, die sich wiederum mit der kleinen Alice anfreunden.

    In Kapitel 4 erinnert sich Dad Lewis zurück, wie er einen seiner Angestellten des Betrugs überführt hat. War seine Strafe zu hart?
    Zu fordern, dass er aus Holt wegziehen muss? Meines Erachtens hat Dad immer noch ein schlechtes Gewissen, dass Clayton sich umgebracht hat, oder?
    In Kapitel 5 kommt die Sprache auf Frank Lewis, den verschollenen Sohn, welches Geheimnis ihn umgibt und warum er keinen Kontakt zu seiner Familie hat, wird noch nicht aufgeklärt. (--> Kapitel 9 gibt Aufschluss darüber ;) )
    Dass der Tod unmittelbar bevorsteht, wird durch die Schwester aus dem Hopiz symbolisiert - sie "untersucht" Dad Lewis, kümmert sich um ihn und führt ihm gleichzeitig vor Augen, dass es dem Ende zugeht, aber auch, dass die Fürsorge seiner Frau nicht selbstverständlich ist. (Kapitel 6)
    Im nächsten Kapitel steht der Reverend im Mittelpunkt, der zwei junge Menschen befragt, deren Namen mir irgendwie bekannt vorkommen - aus Abendrot? und sich erzählen lässt, warum sie sich lieben. Sehr einfühlsam erzählt!
    Am Ende des Kapitels wird deutlich, dass Lyles Sohn John Wesley im Konflikt mit seinem Vater steht.
    Während Dad Lewis am Ende seines Lebens steht, hat Alene das Gefühl, jenes bereits erreicht zu haben. Offenkundig hat sie eine unglückliche Liebe hinter sich und will keine traurige alte Frau sein.
    "Ich werde sterben, ohne jemals gelebt zu haben. Es ist so lächerlich. So absurd. Alles ist so sinnlos." (65)
    Ihre Mutter tröstet sie damit, dass sich die Perspektive des Lebens verengt, wirklich ein Trost?
    Näheres aus Alenes Leben, ihr Verhältnis mit einem verheirateten Mann, der seine Frau wahrscheinlich niemals verlassen wird, erfahren wir im letzten Kapitel dieses Leseabschnitts.

    Insgesamt hat mich der Roman sofort in seinen Bann gezogen, auch wenn die Thematik eine traurige ist - Abschied - vom Leben, von einer Liebe, aber vielleicht wird es einige positive Wendungen geben. Abwarten und weiterlesen.
     
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  3. RuLeka

    RuLeka Aktives Mitglied

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    Ich bin auch gleich wieder angekommen in dem Städtchen Holt und seinen Bewohnern. Es sind wie immer ernste und zugleich alltägliche Probleme, die Kent Haruf aufgreift: Alter und der nahe Tod, ein verwaistes Kind ( Mutter verstorben, Vater unbekannt ), Einsamkeit und ungelebtes Leben, Familienzwist usw. . In jeder Zeile spürt man die Liebe des Autors zu seinen Figuren (das ist es, was mich immer an den Romanen von Kent Haruf begeistert). Auch wenn es Seiten an ihnen gibt, die nicht nur positiv sind. Dad wirkt zwar sympathisch, voller Liebe zu seiner Frau und seiner Tochter. Aber was ist vorgefallen, dass der Kontakt zum Sohn völlig abgebrochen ist. Problematisch finde ich auch, dass er seiner Tochter Lorraine das eigene Geschäft aufzwingen will. Ich bin gespannt, wie diese sich entscheiden wird.
    Dads Verfahrensweise mit dem betrügerischen Angestellten ist zwar hart, aber verständlich und seine Enttäuschung nachvollziehbar. Er zeigt ihn nicht bei der Polizei an, will ihn aber auch nicht mehr sehen. Deshalb die Forderung, er solle aus der Stadt verschwinden. Wer wohl auf die Idee kam, dass sich die Ehefrau zur Wiedergutmachung anbietet? Schon ein ungeheurer Vorschlag! Ich vermute, dass es die Frau selbst war. Ihre Vorwürfe nach dem Selbstmord des Ehemannes lassen mich dies vermuten.

    Die Landschaft mit ihrer Weite, ihren Farben wird ebenfalls immer wieder beschrieben und hat, wie oben schon gesagt, durchaus symbolischen Charakter.
     
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  4. Querleserin

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    Verständlich ist es, aber auch gnadenlos. Ich vermute, dass dieses Verhalten auch zum Bruch mit demSohn geführt hat. Dad scheint einen starken Charakter zu haben, in dem Sinne, dass er anderen seinen Willen aufzwingen möchte. Trotzdem ist er nicht unsympathisch.
    Das vermute ich auch. Wie erniedrigend muss es für sie gewesen sein. Das mag ich aber an Haruf, er zeigt das Leben schonungslos und stellt seine Figuren trotzdem nicht bloß. Wisst ihr, was ich meine. Man kann ihre Handlungen fast immer verstehen.
     
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  5. kingofmusic

    kingofmusic Bekanntes Mitglied

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    Ich bin noch am Anfang (S. 24), aber die Sprache gefällt mir schon mal sehr gut! Frage an die Haruf-Experten: kennt man die Familie Lewis schon aus den anderen Bänden?
     
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  6. Querleserin

    Querleserin Platin Mitglied

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    Der Eisenwarenhandel wird im Zusammenhang mit den beiden Brüdern McPheron erwähnt. Aber explizit kann ich mich nicht an die Familie Lewis erinnern. Während „Abendrot“ mehr oder weniger eine Fortsetzung von „Lied der Weite“ ist, tauchen in diesem Roman neue Figuren auf. Spielen beide Romane Ende der 60er, Anfang der 70er, gibt es jetzt einen Zeitsprung, darauf deuten die Computer uns Mails hin.
     
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  7. kingofmusic

    kingofmusic Bekanntes Mitglied

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    Danke :).
     
  8. milkysilvermoon

    milkysilvermoon Aktives Mitglied

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    Ich habe gestern schon den ersten Abschnitt gelesen und bin bisher sehr angetan. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es bis hierher den Eindruck macht, dass es mein liebster Roman von Haruf wird (wobei ich „Unsere Seelen bei Nacht“ nicht kenne). Das Buch hat mich gleich gefesselt.

    Ich glaube auch, dass Dad ein ganz schön harter Hund und eigenwilliger Charakter sein kann. Er hat gewisse Ansichten, von denen ich vermutlich nicht alle gutheißen kann. Das wird sich noch zeigen. Aber er scheint auch ehrlich, verlässlich und geradeaus zu sein. Ich finde ihn daher sympathisch und fühle mit ihm.

    Nachdem ich letzten Herbst in Colorado war, habe ich das Gefühl, ich kann mir Holt und Umgebung jetzt noch besser vorstellen.
     
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  9. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Das ist eine gute Frage, die nicht direkt beantwortet wird. Da ihn diese Geschichte allerdings nicht loszulassen scheint, denke ich auch, dass er sich Vorwürfe macht. Der Selbstmord scheint der Knackpunkt zu sein, bis dahin war er mit seiner Entscheidung eins, doch dieses Ereignis überschattet seinen damaligen Entschluss
     
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  10. Sassenach123

    Sassenach123 Platin Mitglied

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    Auch mir fiel der Einstieg leicht, es ist schön wieder in einen Roman von Kent Haruf abzutauchen.
    Die Vermutung, dass auch hier wieder mehrere Schicksale verknüpft werden liegt nahe.
    Das Lewis wirkt auf der einen Seite etwas kauzig auf mich, dennoch scheint er ein liebevoller Mann zu sein. Mary weiß ihn zu nehmen wie mir scheint. Die alte Geschichte mit Clayton nagt an ihm. Bewundernswert fand ich seine Reaktion auf das Angebot von Tanya, Claytons Frau. Viele hätten diese Chance ergriffen, aber er Lewis nicht. Was mit Frank geschehen ist, bleibt erstmal rätselhaft, aber ich bin sicher, Haruf hat darauf noch Antworten für uns.
    Welche Rolle wird die kleine Alice übernehmen? Wird sie noch eine wichtige Rolle im Roman spielen?
    Lyle kann ich momentan noch nicht greifen. Dass er sich für Homosexuelle einsetzt finde ich toll, aber das ablehnende Verhalten des Sohnes ist merkwürdig. Was ist in Denver geschehen? Auch John, sein Sohn, scheint Probleme zu haben. Er findet keine Freunde nach dem Umzug, doch laut der Mutter hatte er diese Probleme auch schon in Denver.
     
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  11. Barbara62

    Barbara62 Aktives Mitglied

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    Wenige Sätze, und ich war sofort wieder in Holt. Kent Haruf hat einen unverwechselbaren Stil (die fehlenden Anführungszeichen gehören dazu) und ich liebe ihn. Trotzdem bin ich auch bei diesem vierten Buch noch nicht ganz und gar hinter das Geheimnis seiner Faszination gekommen.

    Wunderbar ist die Beschreibung der Umgebung zwischen Denver und Holt auf der ersten Seite. Es ist wie Kino.

    Für Dad Lewis ist es der letzte Abschnitt in seinem Leben. Kurz hatte ich befürchtet, seine Frau Mary würde noch vor ihm sterben, aber sie hat den Schwächeanfall gut überstanden.

    Der Zusammenhalt der Bewohner von Holt zeigt sich gleich in diesem Abschnitt. Ob das auch für den neuen Pfarrer gilt? So eng die "alten" Holter sind, so schwierig ist es sicher, als "Reingeschmeckter" (wie man bei uns sagt) dort Fuß zu fassen. "Hier passiert nichts, ohne dass alle Leute es mitkriegen" (S. 31) - wunderbar als Lektüre, in der Realität für mich ein Albtraum. ;)

    Gleich im ersten Abschnitt erfahren wir auch, dass Dad Lewis seine Leichen im Keller hat: den Selbstmord seines ehemaligen Angestellten Clayton und das Verschwinden seines Sohnes Frank. Wie immer sind die Figuren bei Haruf vielschichtig, das gefällt mir gut.

    Alene ist eine tragische Figur. Ob es gut für sie ist, endgültig nach Holt zurückzukehren? Dasselbe gilt für Lorraine.

    Ein absoluter Lesehochgenuss!
     
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  12. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Kent Haruf hat die Gabe ganz einfache Gedanken und Erinnerungen aus dem Alltag seiner Protagonisten zu etwas Besonderem zu machen. Der alte Lewis ist am Ende seines Lebens angekommen und er erinnert sich. Wie er die Eisenwarenhandlung übernommen hat, eine Familie gründete, Chef wurde.
    Die Geschichte mit Clayton scheint ihn zu beschäftigen, aber ich denke nicht, dass er seine Entscheidung bereut. Dass sich Clayton umgebracht hat, beschäftigt ihn. Aber er hat ihm eine faire Chance gegeben, wo anders noch einmal neu anzufangen.

    Frank - ich denke, er gehört zu "diesen Leuten", wie es die Nachbarin ausdrückte, als das Gespräch auf Pfarrer Lyle kam und warum er versetzt wurde - hat die Familie schon lange verlassen. Auch der Kontakt mit der Schwester ist abgebrochen.

    Ich sehe die Landschaft, die Weite und auch die Eintönigkeit vor mir, spüre die Hitze des Mittleren Westens. Auch wenn die Grundstimmung melancholisch ist, Nur die Alten scheinen damit zufrieden, bei den jüngeren, wie Alene, macht sich Resignation breit.
     
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  13. Bibliomarie

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    Das geht mir auch so, auch wenn mir nicht alle Figuren so nahe kommen. Es ist auch eine unglaubliche Bigotterie bei manchen zu merken. Sie leben in ihrer kleinen Welt und alles was darüber hinaus geht, wollen sie nicht wissen.
     
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  14. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Er erzählt, mit Empathie für seine Figuren und er wertet nicht.
     
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  15. Barbara62

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    Ganz genau. Ich lese Harufs Bücher mit größtem Vergnügen, aber um nichts in der Welt wollte ich dort leben.
     
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  16. Bibliomarie

    Bibliomarie Bronze Mitglied

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    Für mich auch, es ist natürlich auch die Zeit. Die 60iger Jahre habe ich meine Kindheit/Jugend auf dem Dorf gelebt. Das war nicht anders.
     
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  17. Barbara62

    Barbara62 Aktives Mitglied

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    Aber ist das heute auf dem Dorf nicht ähnlich? Jedenfalls für die "Ureinwohner"?
     
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  18. Querleserin

    Querleserin Platin Mitglied

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    Ich glaube allerdings nicht, dass dieser Roman in den 60ern spielt. Da es Computer gibt und Mails geschrieben werden, spielt dieser definitiv später. Ich darf so viel verraten, dass ein junger Mann aus Holt im nächsten Leseabschnitt in einen Krieg in der Wüste (1. Irakkrieg?) geschickt wird, so dass der Roman in den 90ern anzusiedeln ist.
    Auf dem Dorf hat sich schon was geändert - früher gab es weniger Ablenkungen und man lebte isolierter. Die globale, vernetzte Weltmacht auch vor der Landidylle nicht Halt ;)
     
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  19. kingofmusic

    kingofmusic Bekanntes Mitglied

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    Das ging mir persönlich unter die Haut...:eek:
     
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  20. Literaturhexle

    Literaturhexle Moderator

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    Kent Haruf ist einfach ein begnadeter Geschichtenerzähler! Sofort kommt man an, sofort ist man im Thema. Danke für deine Zusammenfassung, liebe Querleserin. So habe ich einen schönen Überblick über die Figuren zur Hand.

    Dad Lewis ist vielschichtig. Er gehört zur Gruppe der alten Patriarchen, die ich hierzulande der Nachkriegsgeneration (*1935-1945) zurechnen würde. Sie mussten früh Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Sie tun alles für die Familie, haben aber ihre "Ansichten", wollen die Richtung vorgeben. Ich glaube, Frank war/ist homosexuell. Das schließe ich aus den Erzählungen seiner Schwester: "Seine Freunde. Mit welchem Kerl er gerade zusammen wohnte". (70)
    Mary hat ihren Sohn nicht vergessen, sie fragt die Anruferin Doris aus: "Sah mein Sohn glücklich aus?" (45). Das ist bezeichnend und zeigt einen elementaren Unterschied zu Dad, "der von alldem gar nichts wissen" will.
    Bestimmt hat auch die Intoleranz der Eltern (des Vaters?) zum Zerwürfnis geführt. Dad ist sein Laden und dessen Weiterführung sehr wichtig. Lorraine sucht einen Mittelweg: sie möchte den Laden nicht, möchte aber auch den sterbenden Vater nicht unnötig verletzen.

    John Wesley kann ich gut verstehen. Er ist ein Teenager und die Predigerei des Vaters geht ihm auf die Nerven. Er wurde verpflanzt, hat seine Freunde verloren - in diesem Alter eine Katastrophe. Es wird auf ein Erlebnis in Denver verwiesen (61) - war es wirklich nur der Einsatz für die Homosexualität oder steckt weit mehr dahinter?!

    Sämtliche Figuren wirken glaubwürdig auf mich. Bislang kommt mir Dad besonders nah, dessen Gefühle ich sehr gut nachvollziehen kann, zumal ich eine ähnliche Situation mit meinem Vater erlebt habe.
    Das wird für mich ein Highlight. Das spüre ich schon ;)
     
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